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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

22. Nov. 09 - letzt. Sonntag i. Kirchenjahr / Christkönigssonntag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 25, 1-13

Dan 7, 2a.13b-14

Offb 1, 5b-8

Joh 18, 33b-37

Der Verfasser betrachtet die Predigtperikope der ev. Reihe. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Interpretation der verlöschenden Lampen als verlöschendes Lebenslicht, kluger und vorausschauender Umgang mit Ressourcen, Auslöschen von Arten durch den törichten Umgang mit der Schöpfung (Natur- und Pflanzenwelt), sowie unter Punkt 3 kurz die Bibelstelle zur kath. 1. Lesung


Mt 25, 1-13

Menschen nehmen am Gottesdienst teil, die die Endlichkeit irdischen Lebens in den letzten Monaten schmerzlich erfahren haben. So wie die Lampen der fünf törichten Jungfrauen verlöschen, mussten Angehörige das Verlöschen eines Lebens erleben. Die Frage stellt sich daher, ob Tod und Abschied nur im individuellen subjektiven Horizont zu thematisieren und auszulegen sind oder darüber hinaus auch davon gesprochen werden kann, wie der Tod auf diesem Planeten insgesamt zurzeit umgeht. Das Bild der brennenden bzw. verlöschenden Lampen kann in der Predigt auf vielfache Weise entfaltet werden. Einige Assoziationen und Anregungen dazu:

1. Welche Lebenslichter sind in der letzten Zeit in meinem Umkreis verloschen? Was hat die Person, um die ich trauere, in diese Welt gebracht und ausgestrahlt? Welche Spuren hat sie in meinem Leben und in der Welt im Allgemeinen hinterlassen? Spuren des Lichts – oder eher dunkle Schatten?

2. Den törichten Jungfrauen geht unterwegs das Öl aus. Ein für unsere Zeit sehr sinnfälliges Bild: Öl, das aufgebraucht ist und versiegt. Der biblische Text unterscheidet deutlich zwischen den fünf törichten und den fünf klugen Jungfrauen. Die Auslegung von Eduard Schweizer in seinem Kommentar zum Matthäus Evangelium vor mehr als 30 Jahren liest sich wie eine aktuelle Schilderung einer Welt, die den Höhepunkt der verfügbaren Ölvorräte überschritten hat. „Die Klugen sind die, die die Augen offen haben für das, was kommt, und nicht einfach in den Tag hineinleben. Sie... denken nicht nur an die unmittelbare Gegenwart.“ Die Klugen wissen, dass „die Ölvorräte nicht für alle reichen“ (305) Ins Allgemeine gewendet: Wie gehen wir mit der Begrenztheit der Ressourcen und mit der Endlichkeit des Lebens um? Ich sehe einen Zusammenhang zwischen der mangelnden Einsicht, dass das Ende von Öl und Kohle absehbar ist und der Tendenz, den Tod verdrängen zu wollen. Was heißt heute intelligent Vorsorge zu treffen – in Hinblick auf begrenzte Ressourcen als auch in Hinblick auf begrenzte Lebenszeit? Inzwischen ist schon die Rede davon, dass warmes Wasser und eine beheizte Wohnung für manch einen in Deutschland nicht mehr bezahlbar sein wird. Schon die Verknappung des Öls wird dramatische Folgen haben und das Versiegen der Ölquellen erst recht – falls wir nicht intelligent vorsorgen, rechtzeitig und ganz massiv in regenerative Energien investieren. Ansonsten werden wir schon bald eine Reihe von Kältetoten zu beklagen haben.

3. Das Verlöschen der Lampen ist auch ein Sinnbild für Leben, das für immer ausgelöscht wird. Am Totensonntag könnte der Blick über den individuellen Tod hinaus auch auf das geweitet werden, was in der Tier- und Pflanzenwelt z. Z. geschieht. Die Art, wie wir leben und mit Energie umgehen, trägt dazu bei, dass die Lebenslichter ganzer Gattungen auf der Erde auf immer verlöschen. Nach Aussage von Wissenschaftlern übersteigt die aktuelle Rate des Artensterbens die natürliche Aussterberate um das 100- bis 1000- fache. „Wachet“ heißt es am Ende des biblischen Textes, gebt acht und handelt klug und umsichtig.

In dem in der katholischen Kirche an diesem Sonntag vorgesehenen Lesetext heißt es in Offenbarung 1 in Vers 6: Jesus Christus hat „uns zu Königen und Priestern gemacht.“ So wie ein König für sein Land zu sorgen hat, so haben wir Verantwortung für die Erde zu übernehmen. Gerade an einem Tag wie Totensonntag müssen wir uns unserer Verantwortung für das Leben bewusst werden. Wir dürfen nicht zulassen, dass immer mehr Lebensarten auf immer von diesem Planeten verschwinden. In den vergangenen 25 Jahren ist nach Angaben der Umweltorganisation WWF die biologische Vielfalt um 25 Prozent zurückgegangen. Im Bild des biblischen Textes sind das 2,5 von insgesamt 10 Fackeln, die durch die Menschheit in einer Generation zum Verlöschen gebracht wurden. Vogelarten, die auf immer verstummen, werden mit ihrem Gesang keinen Trauernden mehr wieder Vertrauen in das Leben schöpfen lassen, ausgestorbene Pflanzenarten können späteren Generationen z. B. nicht mehr als Heilmittel dienen.

4. Das Motiv der 10 Jungfrauen findet sich vielfach in der Kunst. Das Brautportal der ev. Marienkirche in Osnabrück z. B. zeigt auf der linken Seite 5 Jungfrauen mit brennenden Ölgefäßen, auf der rechten Seite sind fünf Jungfrauen zu sehen, deren Ölgefäße ausgebrannt und zum Boden gekehrt sind und denen die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben steht. Das Motiv am Eingangsportal einer Kirche ist tiefsinnig: Welche Türen öffnen sich mir im Leben, wo stehe ich vor verschlossenen Türen, bzw. welche haben sich mir durch Abschied und Tod für immer geschlossen? Die fünf törichten Jungfrauen haben sich selber den Zutritt verbaut bzw. durch ihre Lebensweise evt. auch anderen die Tür verschlossen. Wir sollten überlegen: Schließen wir durch die Art, wie wir heute mit der Erde umgehen schon heute für viele Menschen auf der Südhalbkugel die Tür zum Leben und die Tür zur Zukunft für kommende Generationen auf diesem Planeten insgesamt? Die fünf Jungfrauen vor der verschlossenen Tür sollten uns eine Mahnung sein: Es gibt ein zu spät - auch beim Klimawandel!

5. Von den zehn Lampen brennt laut biblischer Erzählung schließlich nur noch jede zweite, fünf verlöschen unterwegs. Wir können dies auch auf den Glauben beziehen. Bei manch einem ist das Licht der Hoffnung und des Glaubens, das innere Licht schon lange erloschen. Der Betreffende existiert zwar noch, aber ohne Lebensperspektive, ohne Hoffnung. Vielleicht ist das auch einer der Gründe für die Art, wie mit diesem Planeten zurzeit umgegangen wird. Zeitgleich mit dem Glauben schwindet auch die Artenvielfalt. Das eine hängt m. E. mit dem anderen zusammen, ja das erstere bedingt das andere. Das stimmt nachdenklich. Es mangelt am Respekt und der Achtung für das Leben und vor allem fehlt es oft am Glauben an eine Begegnung mit dem Bräutigam, der uns als Auferstandener erwartet. Vielleicht wird er eines Tages mit uns gemeinsam die Spur betrachten, die wir auf diesem Planeten hinterlassen haben. Was werden wir dann wahrnehmen: Spuren des Lichts – oder eine Schneise der Verwüstung?

6. Die Metapher des Bräutigams ist in der Mystik Sinnbild für die enge, ja die intime Verbindung der menschlichen Seele mit Gott und für die Freude, die daraus erwächst. Man kann an einem Tag wie dem Ewigkeitssonntag zu entfalten suchen, wie die Erfahrung der Nähe Gottes Menschen Kraft gibt und sie befähigt, mit der Endlichkeit des Lebens, ja selbst mit dem Tod besser fertig zu werden. Der Glaube an eine Begegnung mit dem Bräutigam, der gemäß Johannes 1, 11 Eigentümer der Welt ist, wird uns auch in die Lage versetzen, mit der Erde angemessener umzugehen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei m. E. ein erneuertes Verständnis unseres Glaubens. Strahlt das Licht des Glaubens in uns auf, dann werden auch die Lebenslichter vieler Arten auf der Erde weiter leuchten. Daran werden schließlich auch jene, die uns vorausgegangen und im Himmel mit dem Bräutigam vereint sind, ihre helle Freude haben: An einer Erde, die nicht abgefackelt wird, sondern gesegneter Lebensraum für zahllose Geschöpfe ist – Vorzimmer der Ewigkeit. Darum: Wachet, dass die Fackel des Glaubens nicht verlöscht.


Literatur:

Eduard Schweizer : Das Evangelium nach Matthäus, in der Reihe Das Neue Testamant, Göttingen 1976, 14. Auflage, Seite 304 f.

Andreas Krone, Waldems-Esch

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