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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

8. Nov. 09 - drittletzt. Sonntag im Kirchenjahr / 32. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 17, 20-24 (25-30)

1 Kön 17, 10-16

Hebr 9, 24-28

Mk 12, 38-44 oder kurz
Mk 12, 41-44

Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen und legt seinen Schwerpunkt auf den Markustext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: im Hier und Jetzt global Zustände schaffen, die dem Lebenswillen Gottes entsprechen (Lk 17); mehr teilen in dieser Welt, wer teilt, dem gibt Gott genug, darauf vertrauen (1 Kön 17); sich gegen die alltäglichen Zwangsopferungen stellen – wir sind bereits erlöst (Hebr 9); Spenden für Schwache in Nah und Fern, (Selbst-)Gerechtigkeit und Liebesgebot, Glaubhaftigkeit (Mk 12)


Stellung im Kirchenjahr:

Die Texte sind für den drittletzten Sonntag im Kirchenjahr vorgeschlagen. Leitbild dieses Sonntags im evangelischen Bereich ist „Der Tag des Heils“.


Überlegungen zu Markus 12, 38 – 44

Exegetische Überlegungen:

Aufgrund des Themas dieser Reihe habe ich mich, statt für den im evangelischen Bereich eigentlich vorgesehenen Predigttext Lk 17, 20 ff., für den Evangeliumstext Mk 12, 38 – 44 entschieden. Nach Berger (Bibelkunde des NT, S. 274 f.) steht dieser Abschnitt im größeren Zusammenhang der beiden Kapitel 11 und 12. Jesus zieht nach Jerusalem ein und eckt alsbald (Tempelreinigung) beim religiösen Establishment an. Dies führt zur Frage nach seiner Vollmacht, aus der heraus er handelt und spricht. Jesus rechnet mit seiner Ablehnung, sieht er sich doch in der Tradition derer, die vor ihm gekommen waren: die Propheten und Johannes der Täufer. Wenig schmeichelhaft für seine Gegner fällt das Gleichnis von den bösen Weingärtnern aus.

Eben diese Gegner werden zu Beginn unseres Predigttextes heftig kritisiert. Jesus wirft ihnen das Auseinanderfallen von religiösem Anspruch und praktischem Handeln vor. Äußerlich betont Korrektem („sie verrichten zum Schein lange Gebete“) steht die Ausbeutung der Schwächsten der Gesellschaft (Witwen) gegenüber. Dies wird zu Konsequenzen führen (Mk 12, 40). Ihnen wird als Positivbeispiel die arme Witwe (also eben eine von diesen Randgestalten der damaligen Gesellschaft) gegenübergestellt. Ihr Verhalten kann m.E. geradezu als die Erfüllung des Doppelgebots der Liebe (Mk 12, 29 ff.) angesehen werden. Liebe ist mehr als Opfer, zumal dann, wenn diese nur zum Schein dargebracht werden oder keine wirklichen Opfer sind (vgl. Vers 44). Wer Gott liebt, der muss auch seinen Nächsten lieben und das mit aller Konsequenz. So könnte man das Resumee unseres Predigttextes wohl formulieren.

Das Handeln der armen Witwe ist in den Augen Jesu Beispiel für ein gelungenes Miteinander von Gottes- und Nächstenliebe. Nicht thematisiert wird die Frage, wie die Witwe nach ihrem Opfer weiter lebt, bzw. weiter leben kann. Nimmt man die Aussagen Jesu ernst, hat sie alles gegeben, was sie zum Leben hatte. Es ist wohl aber auch eher der krasse Gegensatz zum Handeln der Reichen und Frommen, der hier zum Ausdruck kommen soll und weniger die Frage, ob Nachfolge im Sinne Jesu tatsächlich völligen Verzicht auf persönliche Habe beinhaltet. Allerdings wird das Ausmaß der Opferbereitschaft der jeweils Handelnden sehr ernst in den Blick genommen und damit durchaus auch heutige Spendenpraxis hinterfragt.

Zur Predigt:

Spenden ist immer noch „in“ in Deutschland. Überall im Fernsehen, in den verschiedenen Hörfunkprogrammen, in der anstehenden Adventszeit auch wieder in den Kirchen, wird um Spenden gebeten. Wie gesagt, immer noch mit großem Erfolg. Wie in unserem Textabschnitt wird ganz sicher auch heute durchaus in unterschiedlichem Maß – gemessen am absoluten Reichtum der einzelnen Spender – gespendet. Die kleine Spende eines Einzelnen kann diesen auch heute weit mehr belasten als die Millionenspende einen Superreichen. Von hier aus könnte die Haltung, die Motivation, aus der heraus gespendet wird, kritisch heraus gearbeitet werden. Dient eine Spende der Beruhigung des eigenen religiösen und sozialen Gewissens (siehe die Gegner Jesu), ist aber kein wirklicher Ausdruck wahrer Gottes- und Nächstenliebe? Oder kann man am Maß der Spende und des sonstigen Verhaltens gegenüber dem Mitmenschen in Nah und Fern – auch in der Zukunft – ein wirkliches Verantwortungsbewusstsein erkannt werden?

Es ist unmöglich solche Entscheidungen von der Kanzel herab zu treffen. Und das sollte auch nicht geschehen. Wer kann schon in das Herz, den Kopf oder den Geldbeutel eines Menschen hineinschauen. Dennoch würde ich das Verhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit unseres Verhaltens gegenüber den Schwachen in Nah und Fern in den Zusammenhang des Doppelgebots der Liebe hineinstellen. Wer Gott liebt, der muss auch seinen Nächsten lieben – und zwar erkennbar. Dem Ernst dieses Anspruchs Jesu ist nichts zu nehmen. Ausgeführt werden könnte dies an Beispielen aus verschiedenen Bereichen der Probleme, die sich uns heute stellen:

  • Ist unsere Spende für „Brot für die Welt“ oder „Misereor“ glaubhaft, wenn wir gleichzeitig die Verhältnisse, die zu Armut, Hunger und eigenem Wohlstand führen, einfach weiter bestehen lassen?
  • Ist unsere Spende für die Umweltorganisation, ist unser Bekenntnis zur Bewahrung der Schöpfung glaubhaft, wenn wir gleichzeitig unser persönliches Verhalten nicht ändern?
  • Ist die vielbeschworene Verantwortung für künftige Generationen glaubwürdig, wenn wir bei der ersten Schwierigkeit sofort wieder unseren eigenen kleinen Vorteil im Blick haben?
  • Ist es mit einer Spende für soziale Zwecke eines großen Unternehmens getan, wenn die Gewinne, aus denen die Spende finanziert wird, selbst aufgrund von ungerechten oder unsozialen Verhältnissen erzielt wurden?

Dies sind nur einige Beispiele, an denen wir (auch der Verfasser) uns schmerzlich berührt, ertappt fühlen könnten, uns an der Seite derer sehen, die Jesus so heftig kritisiert. Allein: Diesen Schmerz müssen wir wohl aushalten, um die Ernsthaftigkeit unseres Textes nicht unerlaubt abzuschwächen.

Verzicht könnte ein Stichwort sein, das im Verlauf der Predigt zu entfalten wäre. Auch, dass weniger manchmal durchaus mehr sein kann. Denn dass Reichtum alleine nicht glücklich macht, zeigen doch die Fälle so vieler ganz offensichtlich unglücklicher Menschen in den reichen Ländern unserer Erde. Worauf es wirklich ankommt ist, eine positive Haltung zum bekannten (und überwiegend doch auch gewollten) Glauben und den daraus sich ergebenden Konsequenzen zu gewinnen. Dazu sollte der Gemeinde aller Mut gemacht werden, auch unter dem Aspekt, dass sich nötige Veränderungen in einer Gemeinschaft, die das miteinander und sich gegenseitig trägt, leichter und einfacher erreichen lassen als alleine.

Heil für die Welt und Heil für den einzelnen Menschen, das ist das Ziel dessen, was wir das Reich Gottes nennen. Dies wird wohl erst am Ende der Zeiten vollständig erreicht werden. Zugleich ist es aber überall dort schon mitten unter uns präsent, wo wir aufrichtig nach dem Doppelgebot der Liebe handeln. Die arme Witwe ist ein Beispiel dafür. Und zugleich ein Stachel in unserem Fleisch, die eigene Glaubens- und Lebenspraxis auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu überprüfen.

Zur Liturgie:

Als Psalmlesung schlage ich Psalm 51 (EG Baden / Pfalz 733) vor, als Lieder zur Predigt „Ein wahrer Glaube…“, EG 413, und „Selig seig ihr…“, EG 667 (Regionalteil Baden/ Pfalz).


Zu den weiteren Texten:

1. Könige 17, 10 – 15:

„Teilen macht alle satt“, so möchte ich diese Perikope zusammenfassen. Gegen alle Vernunft, oder was wir heute darunter verstehen, geht die Witwe hin (trotz durchaus vorhandener Zweifel) und tut, was Elia sie heißt. Sie stellt ihre Zweifel hinter das Vertrauen zurück, das sie in Gott und seine Verheißungen – hier vermittelt durch den Propheten – hat. Und sie wird nicht enttäuscht.

Vertrauen auf Gott, das ist ein wichtiges Thema unserer Tage. Lieber kontrollieren wir uns und unser Leben als auf Vertrauen zu bauen. Und in manchen Bereichen des Lebens ist das ja auch sinnvoll und lebenswichtig. Aber es ist eben nicht alles. Ja, die wichtigsten Dinge im Leben kann man nicht unter Kontrolle bringen: Den Glauben, die Liebe, Gefühle nicht. Hier ist Vertrauen die unerlässliche Grundlage, damit Leben gelingen kann, und zwar für alle. Gott schafft das Leben und er will Leben in Würde für alle. Für uns Reiche bedeutet dieser Text (s. oben), dass wir lernen sollen, wie diese Witwe zu vertrauen und erfahren, dass Gott genug gibt für alle. Genug – nicht viel zu viel.

Wer auf Gott vertraut und gibt wird erfahren, dass er auch weiter von ihm getragen und erhalten wird und das Leben einen neuen, tiefen Sinn erhält. Vor dem Hintergrund von wachsender Weltbevölkerung, wieder steigender Armut, Verknappung von Lebensraum und Ressourcen ein lohnender Text, bei dem es wichtig ist, die Schöpfung als Ganzes nicht aus dem Blick zu verlieren.

Lukas 17, 20 – 24 (25 – 30):

Ein endzeitlicher Text am Sonntag, der den „Tag des Heils“ zum Thema hat. Angesichts der Weltsituation auch heute wieder Zeiten für Unheilspropheten (vgl. Vers 30), die das Ende nahen sehen und Menschen nicht nur ängstigen, sondern – was noch schlimmer ist – teilweise zu einer Haltung ermutigen, die man mit den Worten „Nach uns die Sintflut.“ zusammenfassen könnte. Doch Ziel des Reiches Gottes ist ja nun nicht Zerstörung um der Zerstörung willen, sondern die Aufrichtung von Zuständen, die dem Lebenswillen Gottes entsprechen. Die wiederum ist nicht ausschließlich ein zukünftiger, sondern zutiefst gegenwärtiger Prozess! „Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Menschen, die in der Nachfolge Jesu leben wollen, sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gottes am Bau dieses Reiches. Und das nicht aus Angst vor Strafe oder in Erwartung von künftigen Belohnungen, sondern aus dem Wunsch heraus der Liebe Gottes, die sie selbst erfahren haben eine liebende Antwort zu geben. Die letzten Dinge – dazu zählt auch das endgültige Kommen des Reiches Gottes – sollten wir auch Gott selbst überlassen, im Vertrauen darauf, dass wir bis dahin mit Freude und Liebe dem Leben auf dieser Erde dienen dürfen und sollen und dabei immer wieder einen handfesten Vorgeschmack von dem bekommen, auf das wir als Christen immer noch hoffen. Was es heißt, dass das Reich Gottes immer wieder unter uns ist, dort wo wir es schaffen, im Sinne Jesu eine Stimme zu verleihen, zu ihrem Recht zu verhelfen, die Würde des Lebens zu wahren, das lässt sich für jede / jeden sicher mit vielen Beispielen auch aus dem eigenen Umfeld belegen.

Hebräer 9, 24 – 28:

Mit diesem Text könnte die gegenwärtige „Opferpraxis“ unserer modernen Gesellschaft problematisiert werden. Opfer gibt es unzählige: Opfer von Naturkatastrophe, die unserem Umgang mit der Natur (Klima!) geschuldet sind. Verkehrsopfer, die wir auf dem Altar gedankenloser Mobilität opfern. Opfer von Hunger und Armut, die unter ungerechten Verhältnissen bezüglich der Verteilung von Gütern auf dieser Welt sind. Die Schöpfung selbst, die nach wie vor kurzfristigen Profit- und Wohlstandsinteressen geopfert wird. Opfer gibt es täglich und unzählige.

Allerdings sind dies keine Opfer zugunsten Gottes. Solche sind mit und seit Jesus Christus auch gar nicht mehr notwendig. Opfer haben sich aus der Sicht Gottes ein für alle mal erledigt. Vielmehr gilt es anzunehmen, was Jesus bewirkt hat: Erlösung. Wer sich aber erlöst weiß, kann Abstand nehmen von den angeblichen äußeren Zwängen und Notwendigkeiten, welche die oben genannten Opfer erst hervorbringen. Diese sind somit als Ausdruck einer Welt zu verstehen, die die Erlösung durch Gott noch nicht angenommen hat und immer noch versucht, selbst Heil zu schaffen. Dies aber kommt allein durch Jesus Christus bei dessen Wiederkunft für die, die auf ihn warten (Vers 28). Hinzufügen könnten man: die wissen dass sie das von ihm erwarten dürfen.

Dieser Text will ermutigen, als Menschen zu leben, die wissen, dass sie erlöst sind. Und das führt dazu, die Umstände, die die Opfer unserer Tage provozieren, nicht mehr länger einfach hinzunehmen.

Andreas Gutting, Albersweiler

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