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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25. Okt. 09 - 20. Sonntag nach Trinitatis / 30. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mk 10, 2-9 (10-16)

Jer 31, 7-9

Hebr 5, 1-6

Mk 10, 46-52

Der Verfasser betrachtet die Predigtperikope der ev. Reihe I. Stichworte zur Nachhaltigkeit: sozialer Aspekt der Nachhaltigkeit, die christlichen Grundlagen eines fördernden, für alle Beteiligten gedeihlichen Zusammenlebens, Scheinheiligkeit unter Bezug auf das, was Gott wirklich sagt, entlarven, Nachhaltigkeit in der Ehe – eine Schöpfungsgrundlage


Mk 10, 2-9

Wenn die Exegese ihren Fokus auf die Nachhaltigkeit legt, dann kann es hier nicht um die ökologische Nachhaltigkeit gehen, sondern um die soziale Nachhaltigkeit. Mit sozialer Nachhaltigkeit ist die Verantwortung für ein intaktes und das (Zusammen)-Leben förderndes Verhalten gemeint. So wie in ökologischer Hinsicht unser Verhalten sich darauf ausrichten muss, dass die Schöpfung bewahrt wird und wir unsere Lebensgrundlage nicht zerstören, so legt die soziale Nachhaltigkeit ihr Augenmerk auf die Verhaltensweisen der Menschen untereinander, sodass Gerechtigkeit und Frieden unter den Menschen gefördert wird. Nur so kann sich Leben entfalten. Auf diesem Hintergrund versteht sich auch die folgende Auslegung.

Nach einer ungenauen und von wenig Ortskenntnis zeugenden Einleitung in Vers 1 beginnt die Perikope, die Markus so vorgefunden hat. Der hier auszulegende Teil ist der erste Abschnitt einer zusammengehörenden zweiteiligen Überlieferung, die sich in eine Belehrung an das „viele Volk“ (v 2-9) und eine Belehrung an die Jünger aufteilt (v 10-12).

Die Frage der Pharisäer wird sofort als scheinheilig beschrieben, denn die Scheidungspraxis war durch Dtn 24, 1-4 geregelt. Umstritten war nur, was als Scheidungsgrund gelten durfte. So wie dieses Streitgespräch formuliert ist, darf man davon ausgehen, dass sich hier die Debatte einer judenchristlichen Gemeinde wiederspiegelt. Es fällt auf, dass die Pharisäer immer von einer Erlaubnis reden, während Jesus von einem Gebot redet. Die Pharisäer haben ganz offensichtlich nicht Belange der sozialen Nachhaltigkeit im Blick, sondern eher das, was sie für sich innerhalb des Erlaubten herausschlagen können. Jesus dagegen fragt nach Gottes Willen. Für ihn ist die Ehe schon zerstört, wenn jeder nur für sich das Maximum aus der Gemeinschaft herausholen will. Daher kommt Jesus seinen Gegner auch nicht entgegen, wenn er auf die Scheidungsurkunde eingeht, sondern unterstreicht sie als widergöttliche Menschensatzung. Sie ist Zeugnis für die Verstockung der jüdischen Gesetzesausleger und bleibt somit eine ständige Anklage.

Jesus hebt hervor, dass Mann und Frau gegenseitig Verantwortung füreinander übernommen haben – und das nicht nur für eine bestimmte Zeit. Eine Ehe ist für ihn ein geschützter Raum, in dem sich Leben entfalten kann; in dem Leben gefördert wird. Dieser geschützte Raum darf nicht zerstört werden. Von Anfang an hat Gott sich das in keiner anderen Weise gedacht, als dass Mann und Frau in ihrer Zweigeschlechtlichkeit füreinander da sind. Sie sind nicht zeitlich begrenzt füreinander da – vielleicht nur so lange wie beide einen Nutzen davon haben, sondern die Ehe soll nachhaltig sein. Nachhaltigkeit in einer Ehe umfasst z.B. das gegenseitige Bereichern der Partner, Schwierigkeiten gemeinsam zu meistern und das Leben zu fördern. Es geht darum, gemeinsam zu wachsen; das Füreinander-geschaffen-Sein zu gestalten – und das alles nicht mit der Einstellung, dass man das tut, solange es gut geht oder man selbst einen Vorteil davon hat.

Jesus geht es vielmehr darum, dass das Füreinander-geschaffen-Sein eine der Grundlagen in der Schöpfung ist, das genauso wenig aufgegeben werden darf wie die Achtsamkeit für den Lebensraum, in den Gott uns Menschen gestellt hat. Nachhaltigkeit ist damit niemals nur ökologisch, sondern auch immer sozial zu verstehen, weil sonst ein Teil der Schöpfungsgrundlagen aufgegeben wird.

Die enge schöpfungsgemäße Verbindung zweier Menschen wird sogar dadurch noch unterstrichen, dass der Mann Vater und Mutter verlassen wird, um mit seiner Frau zu leben. Das griechische Wort meint in diesem Zusammenhang mehr als nur „an seiner Frau hängen“, sondern „seiner Frau treu ergeben sein“. So, wie es eine weitreichende Entscheidung ist, die eigene Familie (Sippe) zu verlassen, so unterstreicht das griechische Wort für „zusammengefügt“ (v 9) die Nachhaltigkeit der angestrebten gemeinsamen Lebensbewältigung. Gott wird ausdrücklich als das Verbindende herausgestellt.

Wie bei der ökologischen Nachhaltigkeit ist es auch bei der sozialen Nachhaltigkeit höchst problematisch, wenn Gott nicht in die eigenen Überlegungen und Handlungen eingebunden wird. Das Verbot der Ehescheidung wird von dem Willen des frei verfügenden Gottes abgeleitet und bezieht daher seine Relevanz. Da Gott kein Gott der Beliebigkeit ist, ist auch das Zusammenleben von Menschen auf Nachhaltigkeit ausgelegt.

Literatur:

Schweitzer, E., Das Evangelium nach Lukas. NTD 1. Göttingen 61983
Gnilka, J., Das Evangelium nach Markus. EKK II/2. Zürich, Düsseldorf 41994

Hans-Jörg Ott, Birnbach

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