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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

18. Okt. 09 - 19. Sonntag nach Trinitatis / 29. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mk 2, 1-12

Jes 53, 10-11

Hebr 4, 14-16

Mk 10, 35-45 oder kurz
Mk 10, 42-45

Der Verfasser betrachtet die ev. Predigtperikope und den kath. Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: dem Lahmen die Träger sein – für eine heilere Welt für alle (Mk 2); Facetten des Gemeinwohls, christliche Forderungen und Grenzen des Individuums, Bedingungen eines globalen Gemeinwohls (Mk 10)

Ausarbeitung: Lahme heilen (ev. Reihe I Mk 2, 1-12)

Jesus heilt den Gelähmten auf sein Wort hin. Der Lahme im Evangelium nimmt auf das Wort Jesus sein Bett und geht weg, zuvor hatte Jesus Anstoß erregt, weil er dem Lahmen die Sünden vergeben hatte. Er hatte aber den Glauben der Träger gesehen, die den Kranken durch das Dach zu ihm herabgelassen hatten. Zur Verkündigung der Botschaft vom messianischen Reich gehört es auch wie bei Jesaja 35 steht: „6 Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, / die Zunge des Stummen jauchzt auf. In der Wüste brechen Quellen hervor / und Bäche fließen in der Steppe.“

Heute gibt es viele Möglichkeiten, Gelähmten zu helfen, mit Roboterarmen, Implantaten und anderen Möglichkeiten. Adulte Stammzellen werden nach dem Stand der Wissenschaften erst in 10-15 Jahren zu Einsatz kommen können. Gelähmte sind durchaus leistungsfähig. Im gelähmten Hermann von Reichenau –995 Jahren wurde ein Gelehrter geboren, dessen Lebenswerk großartig ist: Er verfasste eine Weltchronik des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnung, er machte auch das Astrolabium bekannt, mit dem Seefahrer lange Zeit ihre genaue Position auf dem Ozean bestimmten. Der englische Astrophysiker Stephan Hawkings ist seit mehr als vier Jahrzehnten gelähmt und kann nur mit einigen Gesichtsmuskeln über einen Computer kommunizieren. Mit 32 Jahren wurde er als Mitglied in die "Royal Society" der britischen Wissenschaften berufen. Mit 37 Jahren erhielt er in Cambridge den herausragenden Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik, auf dem schon Sir Isaac Newton lehrte.

Wenn wir an das Kommen des Reiches Gottes glauben, in dem es eine heile Welt gibt, und die Botschaft Jesu ernst nehmen, sind uns die Gelähmten in besonderer Weise anvertraut. Wir gehören in gewisser Weise zu den vier Trägern, die den Gelähmten Zugang zu Heilungswegen schaffen. Es geht dabei um einen Beitrag zur Schaffung einer heileren Welt für alle.

Thema: Dem Gemeinwohl dienen (Evangelium Mk 10, 42-45)

In der letzten Zeit ist viel von Machtmissbrauch zu hören. Da haben leitende Persönlichkeiten eines großen Konzerns in Deutschland ungeheure Bestechungsgelder eingesetzt, Korruption gehört neben der Armut zu den größten Problemen für die Entwicklung in ärmeren Ländern. Es ist aber auch an Machthaber vor allem in Afrika zu denken, die ihre Länder brutal terrorisieren und ausbeuten. Auch die Kirchen haben mit Machtmissbrauch in der Geschichte vor allem ihre Erfahrungen.

Im Evangelium prangert Jesus die Mächtigen an, die ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Große im Reich Gottes sollen nach Jesus Diener sein, ja sogar Sklaven aller, er geht für sich ja soweit, dass er sein Leben für viele als Lösegeld hingibt.

Es geht im Staat nicht darum, dass die Mächtigen ihren Profit machen, sondern um das Gemeinwohl für alle. Dabei sind auch kommende Generationen und die Bewahrung der Schöpfung für diese mit einbezogen. Was ist Gemeinwohl?

Das Konzilsdokument „Gaudium et spes (1965) sagt dazu: „75.“... Unmenschlich ist es, wenn eine Regierung auf totalitäre oder diktatorische Formen verfällt, die die Rechte der Person und der gesellschaftlichen Gruppen verletzen.“ Christen sollen durch ihr pflichtbewusstes Handel für das Gemeinwohl beispielgebend sein. Die politischen Parteien dürfen ihre Sonderinteressen nicht über das Gemeinwohl stellen. Die politische Gemeinschaft und die Kirche sind je auf ihrem Gebiet autonom, im Dienst am gleichen Menschen besser leisten, wenn sie zusammenwirken.“

Gemeinwohl bezieht sich auch auf die Wirtschaft. Die US-amerikanischen Bischöfe sagten dazu 1996: „Während die Enzyklika Demokratie und Marktwirtschaft (Centesimus annus 1996) anerkannte, bestand sie darauf, dass diese sich an dem Gemeinwohl und an dem Dienst für die Menschenwürde und Menschenrechte orientieren müssen. ... Der Katechismus der katholischen Kirche bestätigt die katholische Lehre, dass die Wirtschaft den Menschen dienen muss und den Grenzen der moralischen Ordnung und den Forderungen sozialer Gerechtigkeit unterworfen ist.“ Hier sind durchaus die Einkommensdifferenzen in der Wirtschaft zu hinterfragen, ob sie wirklich gegenüber dem Gemeinwohl zu verantworten sind. Machen sich die Diener der Wirtschaft nicht selbst zu ausbeutenden Herren?

Auch der Bodenbesitz hat dem Gemeinwohl zu dienen und nicht nur dem Interesse von z.B. Großgrundbesitzern. „Das Gemeinwohl verlangt deshalb manchmal eine Enteignung von Grundbesitz, wenn dieser wegen seiner Größe, seiner geringen oder überhaupt nicht erfolgten Nutzung, wegen des Elends, das die Bevölkerung durch ihn erfährt, wegen eines beträchtlichen Schadens, den die Interessen des Landes erleiden, dem Gemeinwohl hemmend im Wege steht. Das Konzil hat das ganz klar gesagt. (Paul VI Enzyklika Populorum Progressio (1967)“.

Zur Realisierung des Gemeinwohls ist Solidarität notwendig. „Die Solidarität ist nicht ein Gefühl vagen Mitleids oder oberflächlicher Rührung wegen der Leiden so vieler Menschen nah oder fern. Im Gegenteil, sie ist die feste und beständige Entschlossenheit, sich für das "Gemeinwohl" einzusetzen, das heißt, für das Wohl aller und eines jeden, weil wir alle für alle verantwortlich sind (SCR Johannes Paul II. 1987).“

Im 1. Korintherbrief beschreibt Paulus in der Aussage über die Kirche als den einen Leib, in dem alle Glieder für das Ganze verantwortlich sind, sonst geht es ihnen selbst alles andere als gut. „20 So aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib. 21 Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bin nicht auf dich angewiesen. Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht. 22 Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich.“

Das eigentliche Gemeinwohl ist für Höffner das Gemeinwohl des Staates. Er definiert das wie folgt:“... Es ist das Gesamt der Einrichtungen und Zustände, die es dem einzelnen Menschen und den kleineren Lebenskreisen ermöglichen, im geordneten Zusammenwirken ihrer gottgewollten Sinnerfüllung (der Entfaltung der Persönlichkeit und dem Aufbau der Kulturbereiche) anzustreben.“ (Höffner, Christliche Gesellschaftslehre Seite 52)

Insofern das Gemeinwohl allen dient, hat sich das Einzelwohl unterzuordnen. Auf der anderen Seite darf aber das Gemeinwohl die Person und ihre Freiheit und Würde nicht missbrauchen. Es ist dazu da, dass alle Personen zu ihrer besten möglichen Entfaltung kommen. Auch das Gemeinwohl darf den Menschen nicht völlig beschlagnahmen, so darf ein Betrieb den Menschen nur als Belegschaftsmitglied sehen, aber es darf nicht den „totalen“ Betrieb geben. Im Staat ist der Mensch Staatsbürger und kann nicht vom Staat völlig vereinnahmt werden. Das wäre dann der „totale Staat“. Ziel von Sozialität ist die volle Entfaltung der Personalität.

Das Gemeinwohl bedarf zu seiner Realisierung einer Autorität. Diese muss sich aber auf der verbindlichen Anerkennung der Menschenwürde aufbauen. Wenn dies nicht anerkannt wird, dann triumphiert die Macht. Eine Demokratie, die die Menschenwürde nicht anerkennt, verwandelt sich sehr schnell, wie die Geschichte es lehrt, in einen hinterhältigen Totalitarismus. In einer echten Demokratie wird es deutlich, dass die Mächtigen die Diener des Staates sind.

Die Autorität in einem Staat ist durch das Gemeinwohl begründet und dient dem Gemeinwohl. Diese Autorität, ist aber nicht von Irrtum frei. Deshalb bedarf sie der Kontrolle und der Kritik durch die Parlamente, die Gerichte und die öffentliche Meinung. Dazu gehört auch ganz wesentlich das Wahlrecht der Bürger. Am besten ist das Gemeinwohl in einer Demokratie aufgehoben. Die Autorität hat einzig und allein dem Gemeinwohl zu dienen, sonst wird sie zur Diktatur, die wir unserem Land ja nicht vor all zu langer Zeit erschreckend hatten. Die Autorität ist nicht der Souverän, das ist der Bürger, die Autorität ist Diener aller Bürger.

In diesen Gemeinwohlgedanken sind alle Völker mit einzubeziehen, desgleichen auch die kommenden Generationen und die Bewahrung der Schöpfung, denn auch diese leistet ihren Beitrag für das Gemeinwohl und hat deshalb auch beim Gemeinwohl berücksichtigt zu werden.

„Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“

Dr. Ernst Leuninger, Limburg

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