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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11. Okt. 09 - 18. Sonntag nach Trinitatis / 28. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mk 12, 28-34

Weish 7, 7-11

Hebr 4, 12-13

Mk 10, 17-30 oder
Mk 10, 17-27

Der Verfasser betrachtet alle Bibelstellen des Tages. Stichworte zur Nachhaltigkeit: weinen, warten, wissen meinen – gestalten mit Klugheit und Weisheit (Weish 7, Hebr 4); Verhältnis zu Armen und Armut, unspektakuläre, tragfähige Utopien entwickeln (Weish 7, Mk 12); Welt als Gütergemeinschaft sehen und in Gerechtigkeit leben und verwirklichen (Mk 10)


Exegetische Anmerkungen

Weish 7, 7-11: In 6, 22-25 tritt Salomo gegenüber den Königen der Welt als Verkündiger auf und spricht sie in seiner Existenz als König vor Gott an. Mit derselben Haltung versucht er in 7, 1-14, die Adressaten zu einem Existenzwandel zu bewegen. Denn der König stammt nicht - wie der Vorstellung anderer antiker Kulturen - von Gott ab, sondern ist wie alle anderen sterblichen Menschen aus der Erde erschaffen. Indem Weish so die Gleichheit aller Menschen vor Gott betont, dem sie Leben und Glück verdanken, unterstreicht sie das menschliche Angewiesensein auf die göttliche Hilfe. Dies konzentriert sich in Salomos Bitte um Weisheit und Klugheit, die an das Wortpaar “Weisheit und Wissen” (2 Chr 1, 10) erinnert.

Hebr 4, 12-13: Die beiden Verse beschließen den Abschnitt Hebr 3, 7-4,11, der das “lebendige Wort Gottes” thematisiert. Diesem gegenüber hatte sich das Volk einst in der Wüste und hat es sich heute zu verantworten. Um die Ernsthaftigkeit der Verantwortung zu betonen, hebt Hebr die kritische Schärfe des Gottes Wortes hervor und unterstreicht die Notwendigkeit menschlicher Aufmerksamkeit.

Mk 10, 17-30: In einer Lehrszene schildert Mk Jesu Haltung zu den Themen Berufung und Besitz und seine Darstellung sie in drei Abschnitte: die fehlgeschlagene Berufung eines Reichen in die Nachfolge, Jesu daran anschließende Jüngerbelehrung über den Reichtum als Hindernis für den Zugang zum Reich Gottes und - nach einer Anfrage des Petrus - die Verheißung des Ausgleichs für das Verhalten der Jünger im Horizont der göttlichen Heilsplans.

Mk 12, 28-34: Nach verschiedenen Gruppen (11, 27 - 12, 27) wendet sich hier ein einzelner Schriftgelehrter an Jesu. Er begegnet Jesus wegen seiner den Kontrahenten erteilten Antwort mit Wohlwollen, so dass es zum offenen Gedankenaustausch kommt. Mk schließt mit einer Notiz (V. 34), die darauf vorbereitet, dass Jesus nach der Befassung mit Fragen von Repräsentanten jüdischer Gruppen nun seinerseits lehrend aktiv wird (12, 35-40).

 

Predigtskizze

Hebr betont die entlarvende Wirkung von Gottes Wort. Es macht alle geschaffene Realität transparent, lässt ihr Wesen ans Tageslicht treten. Damit wird auch die gegenseitige Verwobenheit von Mensch und Schöpfung offenbar und erinnert den Menschen an seine Verantwortung im Kontext der geschaffenenen Wirklichkeit. Wir sind nicht nur eben ein Teil des Ganzen und Mitgeschöpf, sondern vor allem dazu beauftragt, Gottes Schöpfung, belebte und unbelebte Natur zu erhalten und zu gestalten. Somit stellt uns Gottes Wort mit aller Schärfe und allem Nachdruck in einen im wahrsten Sinn des Wortes globalen Horizont.

Um seiner Verantwortung gerecht zu werden, benötigt der Mensch Klugheit und Weisheit - ratio und sapientia -, die er sich nicht selbst geben, sondern nur von Gott erbitten und erhalten kann. Dies zeigt Weish am Beispiel des Königs Salomo, der bei Gott um Hilfe für seine Aufgabe nachsucht. Denn er ist sich bewusst, dass nur diese von Gott geschenkten Fähigkeiten ihm die notwendige Einsicht in Strukturen und Zusammenhänge der vorhandenen Welt können. Sie eröffnen ihm zugleich den Blick für mögliche Entwicklungen, ob sie nun Verheißung oder Bedrohung bereithalten. Diese Sicht in mögliche Zukunft erweitert menschliches Wissen, ermöglicht Weisheit und befähigt zur guten Regierung, d.h. der Verwaltung, Erhaltung und Gestaltung der Welt, in die hinein er verwoben ist und die Gott ihm anvertraut hat.

(Mk) Inmitten dieses globalen Horizontes der Interdependenz von Mensch und Schöpfung schenkt Gott der Menschheit eine ganz besondere Perspektive, die sich in der Antwort Jesu auf die Frage des Petrus zeigt: Gottes Heilsplan zielt ab auf eine Familie, die alle Menschen umfasst, die sich ganz von dem einen Vater her definiert und in der Gütergemeinschaft verwirklicht ist. Damit wendet sich Gott nachdrücklich gegen ein Denken und Handeln, das um das eigene Ego und den eigenen materiellen Besitz kreist und dem Menschen nur schadet. Gott stellt sich - und den, der ihm nachfolgt, - pointiert auf die Seite der Armen und Benachteiligten, fordert und fördert Engagement, das auf eine immer gerechtere Verteilung der Güter drängt. Im Kern geht es um die Utopie - dies verdeutlicht die provozierende, ja schockierende Aufforderung Jesu an den reichen Mann -, eigenen Besitz vollkommen auf- und abzugeben.

Mit Blick auf die gegenwärtige Situation mag Gottes Utopie, die Jesus präsentiert, als Illusion erscheinen. Aber der Schöpfer, der allem von ihm Geschaffenen auf den Grund sehen kann, für den alles transparent und möglich ist, hält an seinem Ziel fest. Gott will seine Vision realisieren und uns dazu in Anspruch nehmen, damit - allen Zweifeln und Zweiflern zum Trotz - sein Traum Wirklichkeit wird.


Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte

1. Verwobenheit des Menschen in die Schöpfung, die er klug und weise gestalten muss und kann (Weish, Hebr)

Hügel sind immer schöner als Häuser aus Stein. In der großen Stadt wird das Leben zu einem künstlichen Dasein. Viele Menschen spüren kaum noch richtige Erde unter den Füßen, sie sehen kaum noch Pflanzen wachsen, außer in Blumentöpfen, und lassen nur selten die Lichter der Straßen hinter sich, um den Zauber eines sternenübersäten Nachthimmel auf sich wirken zu lassen. Wenn Menschen so weit weg von all dem leben, was der Große Geist geschaffen hat, dann vergessen sie leicht seine Gesetze.

Tatanga Mani / Walking Buffalo (1871-1967, Häuptling der Stoney-Indianer in Kanada; zit. nach www.walderlebnisraum.de)

Kinder weinen
Narren warten
Dumme wissen
Kleine meinen
Weise gehen in den Garten

Joachim Ringelnatz (Aus: Ders.: Sämtliche Gedichte, 1994)

2. Hinwendung zu Gott drängt zur Solidarität mit dem Armen und Benachteiligten (Weish, Mk 12)

Sola gratia

einen Engel
wünsche ich allen
die ohne grund
lächeln: aus
gottes grazie
allein

Kurt Marti (Aus: Ders.: Namenszug mit Mond. Gedichte, 1996)

3. Gerechte Verteilung der Güter (Mk 10)

"Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen" – mit diesem Motto beging das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR 2008 sein 50-jähriges Bestehen. Die beiden Gegensätze "Zorn" und "Zärtlichkeit" beschreiben das Spannungsfeld, in dem sich die Arbeit eines Entwicklungswerkes bewegt: Auf der einen Seite steht der "heilige" Zorn über ungerechte Verhältnisse, der zum Handeln antreibt, auf der anderen Seite das Mitgefühl mit dem Nächsten: Denn Arme, Kranke und Ausgegrenzte sind keine anonymen Empfänger wohltätiger Hilfe, sondern verdienen Respekt. Das ist das Anliegen von MISEREOR wie seiner Partner in aller Welt. Einer dieser Partner ist Luís Cappio, Bischof von Barra in Brasilien, der in einem Grußwort sehr eindringlich begründete, warum es zu diesem Engagement keine Alternative gibt: "Für Christen ist es ein Gebot, sich an die Seite der Armen zu stellen. Es ist die Bedingung für die Authentizität und Wahrheit des Glaubens, eine Forderung der Treue zum Evangelium. Die Nachfolge Jesu findet an der Seite der Armen statt oder gar nicht." (www.misereor.de)

4. Gottes Vision: Menschheit als eine Familie mit Gütergemeinschaft (Mk 10)

“Weltweit wichteln” eine Mitmachaktion – nicht nur für Kinder. Es handelt sich um eine Adventsaktion, die dem Brauch des Wichtelns neben der Freude am Schenken einen tieferen Sinn gibt: Kinder in Deutschland beschenken sich untereinander mit fair gehandelten Produkten und machen Kindern in aller Welt mit einer selbst gestalteten Wichtelpuppe eine freudige Überraschung – worldwide surprise. Der faire Handel sichert den Menschen in armen Ländern einen gerechten Lohn für ihre Arbeit und mit der Wichtelpuppe können sich Kinder über Kontinente hinweg kennen lernen. So fördert die Aktion “Weltweit wichteln” interkulturelles Lernen und entwicklungspolitisches Engagement - und das alles mit Spaß. (www.weltweit-wichteln.de)

Es gibt dich

Dein Ort ist
wo Augen dich ansehn.
Wo sich die Augen treffen
entstehst du.

Von einem Ruf gehalten,
immer die gleiche Stimme,
es scheint nur eine zu geben
mit der alle rufen.

Du fielest,
aber du fällst nicht.
Augen fangen dich auf.

Es gibt dich
weil Augen dich wollen,
dich ansehn und sagen
dass es dich gibt.

Hilde Domin (Aus: Dies.: Es gibt dich, 1987)


Literatur:

Eckey, Wilfried: Das Markusevangelium: Orientierung am Weg Jesu. Ein Kommentar, 1998
Engel, Helmut: Das Buch der Weisheit = Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament 16 , 1998
Gräßer, Erich: An die Hebräer (Hebr 1-6) = Evangelisch-Katholischer Kommentar XVII/1, 1990
Hecking, Detlef u.a.: Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Denken und Handeln nach dem Buch der Weisheit = WerkstattBibel 3, 2002

Joachim Feldes, Berlin

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