Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

20. Sep. 09 - 15. Sonntag nach Trinitatis / 25. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 6, 25-34

Weish 2, 1a.12.17-20

Jak 3, 16 - 4, 3

Mk 9, 30-37

Der Autor betrachtet im Wesentlichen den ev. Predigttext mit einigen Brücken zu anderen Texten dieses Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: übertriebene materielle Absicherung ist unchristlich, verblendet, sofern es um den individuellen Komfortbereich und nicht um das existentiell Notwendige geht, soziale Gerechtigkeit; was für das Heute wirklich wichtig ist, lässt uns Gott erkennen, wir müssen nur die Augen und Ohren (bzw. Herzen) öffnen (Mt 6)


Die Texte dieses Sonntages

Mt 6, 25-34

„... Sorget nicht …“ meint wohl, sorgt euch nicht um materielle Dinge, die ihr zwar auch notwendig braucht, die ihr aber in genügendem Maß von Gott geschenkt bekommt. Gott sorgt für seine ganze Schöpfung; also sorgt ihr euch nicht kleingläubig, grieskrämerisch um die Dinge, die ihr ja doch nicht machen könnt, weil sie eh in Gottes Hand liegen. „Trachtet …“, d.i. mit viel Cleverness, Mut, Zielstrebigkeit und Freude nach dem Reich Gottes streben, d.i. die eigentliche Erfüllung unseres Lebens durch Frieden, Freude, Zufriedenheit, Ehrfurcht, Achtung, Güte … und auf dem Weg dorthin übt Gerechtigkeit.

Weish 2, 1a.12.17-20

Hier wird das Vertrauen in Gott und seine Vorsorge und Sorge für die Gerechten hervorgehoben, gegen das Infragestellen, die Zweifel und Übeltaten der Gottlosen und Frevler.

Jak 3, 16 - 4, 3

Weisheit ist Klugheit, die von Gott kommt, und die zum Beispiel Sanftmut und gute Werke kennt und gern tut. Neid und Streit sind gegen Gott, teuflisch und böse. Bei der Weisheit, die von Gott kommt, geht es lauter, friedfertig und gütig zu, es werden Nachsicht und Barmherzigkeit geübt, und so zum Frieden beigetragen. Neid, Gelüste und Streit dagegen machen das alles kaputt.

Mk 9, 30-37

Jesus redet von Leid, Tod, Auferstehung und der Erfüllung seiner heilsbringenden Botschaft. Die Jünger hängen an typisch menschlichen Belangen: Macht, Karriere, Ehrgeiz. Sie wollen zwar nachfolgen, aber vom Dienen nichts wissen. Jesus sagt ihnen klar und deutlich: Wer unter euch der Erste sein will, der soll euer Diener sein.

Zur Liturgie

Folgende Lieder fallen mir ein: Die güldene Sonne (EG 449); Ich singe dir mit Herz und Mund (EG 324); Du meine Seele singe (EG 302); Gottes Liebe ist wie die Sonne (EG 654); Vergiß nicht zu danken (EG 618); Herr, wir bitten, komm und segne uns (EG 610); Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut (EG 653)

Im Kalenderjahr gesehen:

Es ist Nachsommer. Der größte Teil der Ernte ist schon eingefahren (Heu, Futtersilo, Getreide, Obst), ein weiterer Teil (Kartoffeln, Rüben, Äpfel und noch viele Garten- und Feldfrüchte) wartet darauf, noch geerntet zu werden - umsonst; denn viele Früchte werden nicht geerntet und vergammeln. In der Wirtschaft und im Handel ist der Aufschwung etwas schwächer geworden, aber insgesamt floriert die Wirtschaft noch gut. Die Öffentlichen Haushalte profitieren davon; für den Bürger sind die Energiekosten enorm gestiegen, die Preise für viele Alltagslebensmittel ebenfalls.


Überlegungen und Gedanken zu Mt 6, 25-34

Im Wesentlichen beschränke ich mich auf den Predigttext nach der evangelischen Perikopenordnung für diesen Sonntag: ("Sorget euch nicht!") Er ist par exellence geeignet zum "nachhaltig Predigen".

Die evangelische Perikopenordnung versucht, den Sonntagen der festlosen Trinitatiszeit ein Thema zuzuordnen und ihnen so auch ein besonderes Profil zu geben. Mt 6 (Vom Sorgen) ist eine Mahnung vor übertrieben ehrgeizigem und sich aufreibendem Sorgen um den Lebensunterhalt, Lebensstandard, materielle Zukunftssicherung. Dieser Text wirbt für mehr Gottvertrauen. Er enthält Worte gegen die Ängstlichkeit und gegen das bürgerliche Alles-versichern-und-absichern-wollen. Er wirbt für mehr zuversichtliches Gottvertrauen. Hier wird das "immer mehr haben wollen" gegen einen einfacheren Lebensstil eingetauscht. Ohne von vornherein einen Zweifel aufkommen zu lassen: Das betrifft natürlich in erster Linie die, die schon in üppiger Weise gesorgt haben und immer noch emsig am "Aussorgen" sind, und weniger die, die eh alle Mühe haben, ihren bescheidenen Lebensunterhalt zu bestreiten.

An den anderen 15. Sonntagen (Reihen II-VI) stehen (II) 1 Petr 5, 5c-11, Alle eure Sorgen werft auf ihn!; (III) Lk 18, 28-30 Lohn der Nachfolge; (IV) Gal 5, 25.26 - 6, 1-3.7-10 Die Erfüllung des Gesetzes; (V) Lk 17, 5.6 Die Kraft des Glaubens und (VI) 1 Mose 2, 4b-9.(10-14).15 Bebauen und Bewahren Alle Texte weisen auf die Gaben Gottes für unser Leben hin, die Erfüllung unseres Lebens und die Erhaltung der göttlichen, natürlichen Ressourcen.

Der Wochenspruch (Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch. 1 Petr 5, 7) und das Biblische Eingangswort Habe deine Lust am Herr; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. (Ps 37, 4.5) unterstreichen die Themata dieses Sonntages.


Zu Mt 6, 25-34 … Sorget nicht ….

Die Mahnung vor übertriebenem Sorgen steht im Mt-Evangelium gleich nach einem Kapitel vom Fasten und dem Vaterunser. Während im Vaterunser die Bitten um das Notwendigste (Gib uns unser täglich Brot) und um den sozialen Frieden (Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir …) formuliert sind, weisen die zwei unmittelbar voranstehenden Abschnitte auf Ehrlichkeit vor Gott (und uns selbst) hin und auf einen einfachen Lebensstil. Auch in der Lk-Parallele "Sorget nicht" steht unser Abschnitt nach dem Reichen Kornbauern (Erntedank; Mahnung) und mahnt, unser Leben als ein als ein Geschenk Gottes zu sehen und als eine Antwort auf Gottes vielseitige Gaben.

Zur Predigt:

Was bedeutet mir mein Leben? Und was möchte ich für mein Leben haben? Alle meinen: Etwas Glück und etwas Glücklichsein! (Hier lassen sich viele Beispiele finden. Schon die Konfirmanden sagen, gut bürgerlich, einen lieben Partner, Verständnis, Liebe, einen guten Beruf, ein schönes Zuhause.)

Was tun wir aber? Wir sorgen vor, wir sorgen uns, wir sorgen für … und vor lauter Sorgen sorgen wir am Leben vorbei. (Bestimmt die Hälfte meiner Versicherugen, die der Vorsorge und der Vorsicht dienen sind doppelt oder unnötig und kosten mich viel Geld, das ich zum "Eigentlich leben" ganz gut noch gebrauchen könnte. Ich werde meine vielen Verträge mal durchforsten).

"Wir wollen durch Sorge sorglos werden und vermehren durch unser Sorgen nur die Sorgen!" (Dietrich Bonhoeffer) Aber Jesus spricht in der Bergpredigt gegen das übertriebene Sorgen und Vorsorgen, das uns so sehr in Beschlag nimmt, dass uns keine Zeit und Muße oder keine Mittel mehr bleiben, um miteinander zu leben, zu feiern, zu freuen und auch, um füreinander dazusein. Martin Luther schreibt in der Auslegung zu seinem großen Kathechismus: "Woran du mit deinem Herz hängst, das ist eigentlich dein Gott!" Daraus folgt: Wenn wir uns zu viele Gedanken und Sorgen machen um unsere Gesundheit, von einem Arzt zum andern rennen, massenhaft Arznei schlucken, dann trauen wir Gott zu wenig zu, dass er für uns sorgt – wie jener saudische Prinz, der seinen Privatjet mit einer Herzintensivstation ausstattete, um bei einem Herzinfarkt ja schnell genug versorgt werden zu können. Oder wir rennen von Bank zu Bank, um uns ja den höchsten Zinssatz für unser bißchen Erspartes zu sichern. Und wenn es auch nur ein Viertelprozent ausmacht. Oder wir eifern in Beruf und Karriere um die besten Aufstiegschancen und höchsten Renditen.

Leider ist das Streben in unseren westlichen Gesellschaften nach immer mehr Gewinn, dem besseren Preis oder dem billigeren Angebot oberstes Prinzip und allgemein anerkannter Wert. Ich meine damit: Ein Kleinanleger (oder erst recht die größeren Anleger) verhandeln mit den Banken in ihrer Kleinstadt um ein paar zehntel Prozent und spielen die Sparkassen gegeneinander aus. Die versuchen über ihre Fondsmanager auch, die besten Renditen zu erzielen, die versuchen, das zu verwaltende Geld möglichst gut "am Markt anzubringen"; die großen Firmen wiederum wollen und müssen für ihre Geldgeber (Aktionäre und Fondsmanager) gute Renditen und möglichst noch hohe Gewinne zum Investieren erwirtschaften und intensivieren die Produktion und üben so schließlich und endlich auf den Arbeitnehmer einen enormen, manchmal unmenschlichen Druck aus. Dazu fällt mir eine Geschichte von Heinrich Böll ein, die gut zu unserem Thema passt und uns zum Nachdenken anregt (vgl. Platow):

In einem kleinen Hafen irgendwo an einer Küste Europas liegt ein älterer Mann in Arbeitskleidung auf einem Haufen Netze neben seinem Fischerboot in der Sonne und döst vor sich hin. Ein schick angezogener Herr, vielleicht ein Manager im Urlaub, will ihn motivieren, ein zweites oder drittes Mal hinauszufahren zum Fischen. Aber der Fischer will nicht. Darauf der Fremde: Aber stellen Sie sich doch vor, sie würden mehr fischen und sich vielleicht in einem Jahr schon ein zweites Boot kaufen können oder einen kleinen Kutter, und bald ein eigenes Kühlhaus und einen LKW mit Kühlung und sie könnten ihren Fang selbst vermarkten und bessere Preise erzielen und noch mehr verdienen. „Und dann?“, fragt der Fischer. "Dann könnten Sie sich Leute einstellen, die für Sie arbeiten! „Und dann?“, fragt der Fischer. "Dann könnten Sie beruhigt im Hafen sitzen, in der Sonne dösen und aufs Meer schauen …!“ ... Da setzt sich der Fischer auf, schiebt sich die Mütze in den Nacken und sagt: "Na und, das tue ich ja jetzt auch schon! – Ich sitze beruhigt im Hafen, döse in der Sonne und schaue aufs Meer. Nur Sie stören mich mit ihrem Geschwätz.“

Die Geschichte zeigt, welchen Stellenwert die materiellen Dinge, der Erfolg, die Karriere im Leben von Menschen haben. Jesus will uns den sturen Blick weglenken vom alleinigen Sorgen, vom übereifrigen Arbeiten, vom Ehrgeiz, immer mehr verdienen zu wollen, hin zum Zeit haben für sich und andere, zum glücklich Sein -- und zum Vertrauen auf Gott, der uns ja schenken will, was wir brauchen zum Leben brauchen.


Literatur:

Predigtstudien V, Kreuzverlag Stuttgart 1982
Bieritz, Karl-Heinrich, Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart, München 1998
Platow, M.,Predigt: Das Glück des Glaubens, 2007 (Mt 6, 25-34)

Waldemar Müller, Niederkirchen

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz