Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

30. Aug. 09 - 12. Sonntag nach Trinitatis / 22. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mk 7, 31-37

Dtn 4, 1-2.6-8

Jak 1, 17-18.21b-22.27

Mk 7, 1-8.14-15.21-23

Der Verfasser betrachtet die ev. Predigtperikope der Reihe I und die Bibelstelle zur kath. 2. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: sich gegen die Erderwärmung einsetzen und damit heilen / die Ausbreitung von Krankheiten verhindern (Mk 7); im Menschen als der Erstlingsfrucht der Schöfung liegt die Pflicht und die Möglichkeit begründet, diese zu bewahren und zu gestalten, unter Beachtung der ihr mitgegebenen und für ihn durch das göttliche „und es war gut“ deutlich erkennbaren Grenzen (1 Jak 1)

Mk 7, 31-37

Klimawandel und Ausbreiten von die Gehörlosigkeit verursachenden Krankheiten

Der Bericht ähnelt den Berichten hellenistischer Heiler, die oft auch mit Speichel arbeiteten. Dabei wird bei Jesus die Heilung mehr an sein Wort gebunden als bei diesen Heilern.

Heute wird das Wort „Taubstumm“ weniger gebraucht, da es auf die Betroffenen diskriminierend wirkt. Man spricht lieber von Gehörlosigkeit, das berücksichtigt, dass ein sogenannter „Taubstummer“ durch entsprechende Schulung sprechen lernen kann. Das Wort gehörlos entstand erst nach der Einführung der allgemeinen Schulbildung tauber Kinder im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts als Begriff für einen Taubstummen, der durch eine unermüdliche Sprecherziehung entstummt worden ist. Daher hat das Wort die Bedeutung von „taub, aber sprechend“ erlangt, und taube Kinder, Schulentlassene und Erwachsene werden als „Gehörlose“ bezeichnet. Weltweit soll es etwa 70 Millionen gehörlose Menschen geben. Es gibt erworbene Gehörlosigkeit als Folge von z.B. Meningitis, Enzephalitis, Scharlach, Masern, Tuberkulose, Mittelohr-Erkrankungen und anderen Krankheiten. Angeborene Gehörlosigkeit kann entweder vorgeburtlich erworben sein, durch Röteln und andere Erkrankungen, oder erblich.

Krankheiten werden sich ausbreiten, so ist die Prognose von Wissenschaftlern. Vom weltweiten Klimawandel können vor allem Krankheitserreger und ihre Überträger profitieren. In Zukunft drohen Menschen, Tieren und Pflanzen häufige Epidemien, so liest man in einer US-Studie. Um sich besser gegen Krankheitsausbrüche wehren zu können, muss der Einfluss der Klimaänderung stärker beachtet und erforscht werden: "Wir müssen die globale Klimaveränderung sehr ernst nehmen", so die Schlussfolgerung von Andrew Dobson. "In der Zukunft wird die Welt nicht nur wärmer, sondern auch kränker sein." Diese Erwärmung begünstigt Epidemien bei Tieren, Pflanzen und auch beim Menschen, berichtet ein US-Forscherteam um Drew Harvell, Cornell University, und Andrew Dobson, Princeton University.(1)

Die Heilung von Kranken war ein wichtiger Teil der Reich-Gottes-Predigt Jesu. „Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet (Mt 11, 5). Im Reich Gottes soll es dieses Elend nicht mehr geben. Wir glauben an das endgültige Kommen des Reiches Gottes, deshalb setzen wir uns für sein Kommen mit unseren oft so begrenzten menschlichen Kräften ein. Wer sich gegen die Erderwärmung durch sein Handeln einsetzt, verhindert Krankheiten und steht damit in der heilenden Tradition Jesu. Hinzu kommt, den betroffenen Menschen nach Möglichkeit zu helfen.

Erstlingsfrucht der Schöpfung, Lesung 1 Jak 1, 17-18.21b-22.27

Im Jakobusbrief wird der Mensch die Erstlingsfrucht der Schöpfung genannt. Dieser Begriff kommt aus der biblischen Opfersprache Israels. Die erste Frucht war Gottes Eigentum, es war die erste Opfergabe. Nun fragt sich, welcher Schöpfung? Ist es die erste Schöpfung oder die Neuschöpfung in Christus? Die erste Schöpfung wurde durch den Menschen verdorben. Die Neuschöpfung in Christus, an der wir durch die Taufe Anteil haben, ist die Neuschöpfung. Mit Christus und uns im Gefolge fängt die neue Schöpfung an.

Wir leben aber noch in der ersten Schöpfung. Benedikt XVI. führt dazu aus: „Indem der Schöpfergeist das neue und ewige Leben in den bestatteten Leib Jesu von Nazaret eingoss, brachte er das Werk der Schöpfung zur Erfüllung und schuf eine »Erstlingsfrucht«: die Erstlingsfrucht einer neuen Menschheit, die gleichzeitig Erstlingsfrucht einer neuen Welt und eines neuen Zeitalters ist. Diese Erneuerung der Welt lässt sich in einem Wort zusammenfassen, in demselben, das der auferstandene Jesus als Gruß, aber mehr noch als Botschaft seines Sieges zu seinen Jüngern sprach: »Friede sei mit euch!« (Lk 24, 36; Joh 29, 19.21.26). Der Friede ist das Geschenk, das Christus seinen Freunden als Segen hinterlassen hat (vgl. Joh 14, 27), der für alle Menschen und alle Völker bestimmt ist.“

Dieser uns hinterlassene Friede bestimmt auch unser Verhältnis zur Schöpfung. Wir dürfen sie durch unser Ausbeuten nicht bekämpfen. Nach dem 1. Schöpfungsbericht Genesis 1-2, 4, ist der Mensch der krönende Abschluss des Schöpfungswerkes Gottes. Hier wird aus dem Erstling der Schöpfung, was ja schon eine herausgehobene Stellung bezeichnet, das Abbild Gottes, der über die Schöpfung herrschen soll, der sie gebrauchen, aber nicht verbrauchen darf. Er herrscht über sie im Auftrag Gottes. Dieser will die Schöpfung vom „Chaos zum Kosmos“ führen, vom „wüst und leer“ (toho wabohu) in Vers 1 zur Vollendung in Vers 31: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.“ Dies ist auch die Zielrichtung der Arbeit in dieser Welt für den Erstling und gleichzeitig die Krone der Schöpfung. Alles andere wäre ein neuer Sündenfall der Menschheit. Damit bekennt der Mensch seinen Glauben an die Neuschöpfung, die das verkehrte Handeln der Menschen endgültig ausräumt.

Im 2. Schöpfungsbericht Genesis 2, 5 - 3, 24, wird die Schöpfung als ein Paradiesesgarten dargestellt und das Menschenpaar ist wahrlich der Erstling in dieser Schöpfung. Sie wird ihm übertragen, aber nicht um willkürlich darin zu herrschen, sondern um sie im Sinne Gottes zu bebauen und zu behüten. Seine Grenzen werden ihm deutlich aufgezeigt, und da der Mensch diese überschreitet, verliert er das Paradies und muss sterben. Der Mensch darf vom Paradies ernten, er darf es bebauen, er muss aber um seiner selbst willen die von Gott gesetzten Grenzen achten, sonst entzieht er sich selbst die Lebensgrundlage.

Das ist in der Welt der Auftrag des Erstlings der Schöpfung. Er ist die Erstlingsfrucht dieser Schöpfung, das heißt, wenn er sie zerstört, zerstört er sich selbst mit. Er muss mehr und mehr sich bemühen, im Sinne Gottes mit ihr umzugehen. Gerade in diesen Sommertagen (2008) erleben wir wieder die Herrlichkeit der Schöpfung, wenn wir durch die Wälder gehen, wir können aber bei genauem Hinsehen auch z.B. in den Fichten die durch Menschen verursachten Schäden wahrnehmen. Wir setzten uns ein für die Schöpfung, weil wir glauben, dass auch sie auf dem Weg zur Vollendung ist. So steht es für uns und die Schöpfung im 2. Petrusbrief 13: “Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“, damit wir auch weiter voller Überzeugung das Lied von Georg Thurmair (GL 852) singen können:

Mein Gott, wie schön ist Deine Welt:
Der Wald ist grün, die Wiesen blühn,
die großen Ströme ziehn dahin,
vom Sonnenglanz erhellt,
die Wolken und die Winde fliehn,
das Leben rauscht und braust dahin.
Mein Gott, wie schön ist Deine Welt!

(1) C. Drew Harvell et al.: Climate Warming and Disease Risks for Terrestrial and Marine Biota, in Science 296 / 2002: S. 2158 ff.

Dr. Ernst Leuninger, Limburg

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz