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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

23. Aug. 09 - 11. Sonntag nach Trinitatis / 21. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 18, 9-14

Jos 24, 1-2a.15-17.18b

Eph 5, 21-32

Joh 6, 60-69

Der Verfasser betrachtet die Bibeltexte der beiden kath. Lesungen. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Erinnerung an das geschichtliche Handeln Gottes als Grundlage und Rechtfertigung für die Kritik an aktuellen Unrechtssituationen, Entscheidung entweder für Gott oder die Götter unserer Zeit (Jos 24); Soziale Gerechtigkeit als Aspekt von Nachhaltigkeit insbesondere bei der Benachteiligung von Frauen in allen Gesellschaften (Eph 5)


Exegetische Hinweise zum Buch Josua

Das Buch Josua ist Abschluss und Anfang zugleich. Abschluss, weil das den Vätern verheißene Land (Gen 12, 7) nun dem Volk Israel zum Erbe gegeben wird (Jos 1, 2 ff.). Die Zeit der Knechtschaft in Ägypten, der Exodus und die Wüstenwanderung sind Geschichte. Gleichzeit erzählt das Buch den Anfang von der Sesshaftigkeit des Volkes Gottes. Um die Treue zum Glauben geht es in der alttestamentlichen Lesung. Josua macht sich zum Sprecher für die Glaubenstreue. In Kanaan wirken die dort verehrten Gottheiten und Rituale faszinierend auf das Volk, das nur den schlichten Kult der Wüstenwanderer kannte. Josua vollendet das politische Wirken des Mose und wird wie er als „Knecht des Herrn“ (Jos 24, 29) bezeichnet. Am Beginn des Josuabuches (Jos 1, 5 f.) wird ihm in einer thematischen Jahwerede zugesprochen, dass er dem Volk das Land, das Jahwe den Vorfahren versprochen hatte, zum Erbe geben wird. So versammelt er dann auch am Ende seines Lebens das ganze Volk in Sichem und verpflichtet es an Jahwe festzuhalten (Jos 23 und 24). Entschieden sollen sie sich von den fremden Gottheiten und Ritualen abwenden. Durch die Verleihung des Landes an Israel tritt Jahwe seine Rechte nicht ab, das Land bleibt sein heiliges Land (Jos 22, 19). Das Land Kanaan ist der Ort, an dem Jahwe mit seinem Volk seine Geschichte schreibt. Der Besitz des Landes verpflichtet zur richtigen Antwort auf Gottes Treue. Israel soll in seiner Geschichte Gottes Handeln erkennen, seinen Willen tun und alles befolgen, was im Gesetzbuch des Mose steht (Jos 23, 6). Josua schließt in Sichem für sein Volk einen Bund und legt Gesetz und Recht fest. Den Besitz des gelobten Landes haben die Israeliten alleine Jahwe zu verdanken. Er hat sein Wort gehalten.

Marcelo de Barros Souza und Jose´ Luis Caravias (S. 86 f.) gehen davon aus, dass das Buch Josua zum deuteronomistischen Geschichtswerk gehört und fünfhundert Jahre nach den entsprechenden Ereignissen entstand: „Wer fundamentalistisch an die entsprechenden Josua-Texte herangeht und sie wörtlich nimmt, deutet die Ereignisse etwa so: ... In der Hoffnung auf die Verheißung, die Gott Abraham gegeben hat, er werde dem Volk Israel das Land Kanaan übergeben, ziehen die Menschen durch die Wüste, dringen in das verheißene Land ein, erobern eine kanaanäische Stadt nach der anderen und zerstören sie alle miteinander, bis sie selbst die alleinigen Herren des Landes sind. Diese Art von Lektüre dient heute manchen Leuten als religiöser Vorwand dazu, die Expansionspolitik des gegenwärtigen Staates Israel den Palästinensern gegenüber zu rechtfertigen. Doch auch manche Christen verstehen die Texte so. Für sie ist nämlich das AT lediglich Symbol und Vorbild für das NT, so dass sie gar kein Problem darin sehen, dass sich Gott bzw. Gottes Volk im AT unterdrückerisch gebärdet.“

Nachhaltigkeitsaspekte und mögliche Predigtinhalte

Weltgestaltung aus geschichtlicher und heilsgeschichtlicher Erfahrung

In einer langen Rede lässt Josua Jahwe selber zu Wort kommen (Jos 24, 2 ff.), in der er an seine Treue zum Volk von Anfang an erinnert. Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung liegt in der Erinnerung. Diese so oft zitierte jüdische Weisheit betont, dass der Glaube an Jahwe ein Glaube an sein Wirken in der Geschichte ist. So erklärt das Buch Josua theologisch die Gegenwart aus der Vergangenheit und vermittelt Erkenntnisse und Lehren für die Zukunft. Auch dem christlichen Glauben geht es in Treue zu den jüdisch-christlichen Traditionen des AT und NT nicht um eine vergangene Wirklichkeit, auf die wir vielleicht wehmütig und nostalgisch zurückblicken. Wenn christliche Theologie versucht, über Gott, die Welt und die Menschen auf der Grundlage der biblischen Botschaft nachzudenken, muss sie immer auch eine prophetische Kritik an der heutigen politischen und ökonomischen Situation sein. Es geht ihr einerseits um die Erinnerung an das Handeln Gottes in der Geschichte und andererseits um eine zukünftige und noch ausstehende Wirklichkeit.

Das Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland / Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit greift diese Gedanken auf: „Das Volk Gottes lebt aus der Erinnerung an die Geschichte des Erbarmens Gottes ... .Daraus schöpft es Kraft und Zuversicht; es weiß sich dadurch zugleich motiviert zur barmherzigen und solidarischen Zuwendung zu den Armen, Schwachen und Benachteiligten. ... Die Bibel übt prophetische Kritik an gesellschaftlichen Unrechtssituationen ...; sie setzt sich vor allem für die Benachteiligten und die Fremden ein... So wird in großen Teilen des AT die gesellschaftsgestaltende Kraft des biblischen Glaubens deutlich.“ (S. 40 f.) Theologisches Reflektieren will glaubenden Menschen Zugänge eröffnen, die gegenwärtigen politischen und ökonomischen Bedingungen zu verändern, um der Herrschaft Gottes zum Durchbruch zu verhelfen. Gott und sein Wirken in der Geschichte werden nur dann ernst genommen, wenn wir bereit sind die momentane Situation nachhaltig zu verbessern (vgl.: Für eine Zukunft ..., S. 49 f).

Der Glaube an Jahwe und seine gesellschaftlich politischen Folgen

Die Entwicklung des Glaubens an Jahwe ist ein langer Prozess. Die Glaubensinhalte unterscheiden sich fundamental von der kanaanäischen Religion und ihren Gottheiten. Der Glaube an Jahwe ist Symbol des sozialen Kampfes eines unterdrückten Volkes um Selbständigkeit und um gerechtere und geschwisterliche Lebensbedingungen. Jahwe will, dass die Güter der Erde (Herden, Grund und Boden) allen zugänglich sind. Das Land soll seinem Volk insgesamt gehören. Niemand darf bevorzugt, oder gar ausgeschossen werden. Er ist parteiisch für die, die kein Land besitzen und kämpft an ihrer Seite, damit sie etwas bekommen. Die Religion Israels ist eine Religion von Unterdrückten, während die Religion der Kanaanäer oftmals die Interessen der Unterdrücker widerspiegelt.

Der Glaube an Jahwe hat Auswirkungen auf sein Volk. Er stärkt das Bemühen um eine geschwisterliche Gesellschaftsordnung und verpflichtet das Volk Israel zur Solidarität. In Sichem wird Glaube aus der Privatheit in das Licht einer öffentlichen Diskussion hineingestellt. Die Philosophin Hanna Arendt hat Politik einmal so definiert: Treffen sich Menschen, um miteinander etwas in der Welt anzufangen, entsteht politische Macht. Genau darum geht es Josua in Sichem. Er sucht eine politische Entscheidung, die nach den Grundlagen für das zukünftige Zusammenleben im Volk Israel sucht.

Was bewirkt heute der Glaube an Jahwe, den Gott der Bibel?
Führt er zu Solidarität und zum gesellschaftlichen Engagment?
Bestärkt er uns nachhaltige Entwicklungen anzustoßen?
Führt er uns aus der Privatheit in die Öffentlichkeit?

Jahwe oder die Götter?

Josua stellt die Frage: Entscheidet euch, wem ihr dienen wollt, Gott oder den Göttern? Eine Entscheidung ist fällig, die unaufschiebbar ist. Wer sie jetzt nicht fällt, ist den neuen Göttern bereits verfallen. Josua erinnert daran, dass es im Kern nicht Kriege und Eroberungen waren, die Israel ins gelobte Land gebracht haben, sondern letztendlich das Hören Einzelner oder des ganzen Volkes auf Gottes Wort; denn die Geschichte Israels ist auch eine Geschichte des In-Vergessenheit-Geratens Jahwes. In Sichem findet eine Versammlung gegen das Vergessen statt, ein Versprechen es mit Gott zu halten, ein Ja zu einem Weg gegen den Strom, eine Absage an die Götzen. Die Diskussion um die Zukunft beginnt mit dem Hören auf die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Nicht die eigenen Interessen, sondern das Interesse Gottes an Welt und Mensch und seine Treue stehen im Vordergrund und führen zu einer Entscheidung. Auch heute stehen wir am Scheideweg von Sichem. Wir dürfen von der Option Gottes für die Armen, von seiner Vision einer Veränderung bestehender Verhältnisse und der Überwindung von Gewalt zwischen Menschen, Gruppen und Völkern nicht lassen.

Wie halten wir es mit dem Traum Gottes von einer Welt, die sich dem Frieden, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet weiß? Wie kommen wir zu politischen Entscheidungen, die auch die nachfolgenden Generationen mit in den Blick nehmen (Gentechnologie, Energie, Umwelt, Außenpolitik) und den Götzen unserer Zeit eine klare Absage erteilen?

Literaturempfehlungen

Eugen Sitarz (Hrsg.), Höre, Israel! Jahwe ist einzig, Stuttgart 1987.
Marcelo de Barros Souza, Jose Luis Caravias, Theologie der Erde, Düsseldorf 1990.
Norbert Greinacher, Der Schrei nach Gerechtigkeit. Elemente einer prophetischen politischen Theologie, München 1986.
Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland/Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg), Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland, Hannover / Bonn 1997.


Exegetische Hinweise zum Epheserbrief 5, 21–33

Der Abschnitt beginnt mit der Ermahnung zu gegenseitiger Unterordnung, was zunächst eine partnerschaftliche Ordnung andeuten könnte. Die anschließende Ehebelehrung jedoch fordert die Frauen auf sich den Männern unterzuordnen wie dem Herrn (Christus). Das Verb sich unterordnen ist im Griechischen ein Ordnungsbegriff und beinhaltet die Anerkennung der bestehenden patriarchalischen Verhältnisse. Hubertus Halbfas schreibt in seiner kommentierten Bibel: „Hinter dieser die gesamte antike Gesellschaftsstruktur bestimmenden männlichen Dominanz (vgl. 1 Kor 11, 3–12) steht zunächst im jüdisch-christlichen Raum die damalige Auslegung von Gen 2, 18–24. Da die Frau erst nach dem Mann, aus ihm und seinetwegen geschaffen sei, sei er auch in allem der Frau übergeordnet. Dieser Hintergrund wird nun christologisch überhöht. Die Überordnung des Mannes soll aus der Beziehung Christi zu seiner Kirche verstanden werden. ... Vers 33 bringt die Lektion noch einmal auf den Punkt: Der Mann soll seine Frau lieben, die Frau aber - sie fürchte (ehre) den Mann. Mit diesem überraschenden Verb wird eine sich unterordnende Haltung verlangt, wie Untergeordnete den ihnen Vorgeordneten begegnen.“ (S. 574) Die Wirkungsgeschichte dieser Ehelektion transzendiert und rechtfertigt ein Machtgefälle zwischen Mann und Frau und fordert mit einer Grundsätzlichkeit, die dogmatisch legitimiert indiskutabel ist, die Unterordnung der Frau.

Nachhaltigkeitsaspekte und mögliche Predigtinhalte

Der Abschnitt aus dem Epheserbrief muss uns Mut machen „ganze Teile des NT von unserer eigenen Zeit und unserem Lebensgefühl her kritisch in Frage zu stellen und die Botschaft Jesu mit Fragen zu konfrontieren, die sich ihr in der Zeit ihrer ersten Interpretation so noch gar nicht stellen konnten“. Wir haben Grund „anhand dieses Textes in seiner Problematik einmal das Feld der Auseinandersetzung und des Nachdenkens viel weiter zu spannen und uns das Problem vorzulegen, wie schwer es ist, sich im Rahmen von Frömmigkeit und Religion freizuhalten von Ideolgie, Machtbegründung und autoritärem Denkstil. ... Nach zweitausend Jahren Patriarchalismus in der Kirche müssten wir, könnten wir durch die Vermittlung von Frauen vieles aus dem Munde Jesu lernen.“ (Eugen Drewermann, Düsseldorf 1991, 147 ff.) Doch nach wie vor blockiert die Kirche die Frauen, indem sie „von ihnen ein traditionelles Bild und einen altherkömmlichen Status weitervermittelt.Das von der Kirche geförderte, ja sakralisierte Bild der Frau ist das der hingebungsvollen Mutter, die sich gut aufopfern kann.“ (Jacques Gaillot u.a., S. 219 f.)

Man wird in der Religionsgeschichte kaum jemanden finden, der mit der Männerherrschaft deutlicher aufgeräumt hat als der Mann aus Nazareth. Er verurteilte alles, was nur den Geruch von Überlegenheit, Herrschaft und Macht an sich hatte. Da Frau und Mann nach dem Bild Gottes geschaffen sind, müsste zumindest im jüdisch-christlichen Raum die Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit sein. Frauen zählen weltweit zu den Ärmsten der Armen, so dass bereits von einer Feminisierung der Armut und einer Apartheid der Geschlechter gesprochen wird. Die Arbeitslast der Frauen erhöht sich nach wie vor, ihr Zugang zu den Wirtschaftsressourcen nimmt ab und ihre Ernährungs- und Bildungssituation, sowie ihr Gesundheitszustand verschlechtern sich rapide.

Menschenverachtung und Frauenverachtung hängen fundamental zusammen. Die Geburt eines Mädchens gilt vielfach als Unglück. Franz Kamphaus differenziert die vielfältigen Formen von Gewalt, die Frauen treffen: „psychische Gewalt in Form des öffentlich anerkannten Gewaltrechtes von Männern gegenüber Frauen; sexuelle Gewalt und die damit verbundenen Einschüchterungen; materielle Gewalt, das heißt die männliche Kontrolle über das Wirtschaftsleben; ideologische Gewalt, das meint das angemaßte männliche Potenzgehabe, dem die weibliche Demut und Minderwertigkeit korrespondiert.“ (S. 124 f.) Auch in Deutschland ist Armut häufig weiblich. Besonders alleinerziehende und ältere Frauen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Diejenigen sind in unserem Sozialsystem begünstigt, die ohne Unterbrechungen voll erwerbstätig waren – in der Regel Männer. Tätigkeiten im Haushalt, die Erziehung der Kinder, Pflege der Angehörigen und soziales ehrenamtliches Engagment werden zu wenig berücksichtigt. Klassische Frauenarbeit bleibt auch hierzulande eher unsichtbar und unbezahlt. Die Benachteilung der Frauen wurzelt immer in kulturellen Mustern und religiösen Wertvorstellungen, die männlich geprägte Strukturen fördern. Frauengerechte Entwicklungen bedeutet darum die Mitgestaltung eines Prozesses, in dem Frauen und Männer partnerschaftlich die Verantwortung für ökonomische, politische, kulturelle und geistige Entwicklungen in ihrer Gesellschaft übernehmen.

Wie kommen wir der Vision einer gemeinsamen Verantwortung von Frau und Mann in allen Bereichen der Gesellschaft (und der Kirche) näher?

Welche Entwicklungsprojekte von Frauen und für Frauen sind zu fördern?

Wie sprechen wir in der Verkündigung von einem Gott, der Mann und Frau als sein Abbild schuf und beiden die Erde anvertraute?


Literaturempfehlungen

Eugen Drewermann, Zwischen Staub und Sternen.Predigten im Jahreskreis, Düsseldorf 1991

Franz Kamphaus, Eine Zukunft für alle. Umkehr zur Solidarität, Freiburg 1995

Bischöfl. Hilfswerk Misereor (Hrsg.), Arbeitshefte zum Hungertuch.das MISEREOR-Hungertuch „Barmherzigkeit und Gerechtigkeit“, Aachen 1998

Jacques Gaillot, Alice Gombault, Pierre de Locht, Ein Katechismus der Freiheit atmet, Küsnacht 2004

Hubertus Halbfas, Die Bibel, Düsseldorf 2001

Klaus Scheunig, Mandelbachtal

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