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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

16. Aug. 09 - 10. Sonntag nach Trinitatis / 20. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 19, 41-48 oder
Mk 12, 28-34

Spr 9, 1-6

Eph 5, 15-20

Joh 6, 51-58

Die Autorin betrachtet den ev. Predigttext und die kath. 1. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Kraft durch Zusammenhalt und den begleitenden Blick auf Gott – für Naturschutz, Energiepolitik, Katastrophenhilfe (Lk 19); Weisheit denkt in langfristigen Perspektiven, erst bei mir den Weg bereiten, dann die anderen einladen (Spr 9)


Predigtsituation – Kirchenjahreszeit

Israelsonntag

Der 10. Sonntag nach Trinitatis ist der sog. „Israelsonntag“ oder auch „Gedenktag an die Zerstörung Jerusalems“. In den Jahren 70-71 n. Chr. wurde Jerusalem von den Römern zerstört. Josephus Flavius (* 37 n. Chr.) schreibt darüber: „6000 Menschen wurden im Tempel verbrannt. 100 000 wurden gefangen nach Rom verschleppt und die Stadt Jerusalem mit ihren herrlichen Palästen dem Erdboden gleich gemacht.“ (De bello judaico).


Ev. Predigttext: Lk 19, 41-48

Exegetische Hinweise

Lukas schreibt vom Weinen Jesu und der Ankündigung der Zerstörung Jerusalems im Rückblick. Das Evangelium entsteht um ca. 80 n. Chr., und die Zerstörung hat zu diesem Zeitpunkt bereits stattgefunden. In der Vision Jesu beschreibt Lukas daher den tatsächlichen späteren Verlauf.

Assoziationen

  • Jesus weint über Jerusalem.
    Weint Gott über uns hier und heute?
    Wie weit sind wir von der nächsten Katastrophe entfernt?
  • „Gott sei Dank, es ist Sonntag“
    EKD-Kampagne: www.ekd.de/sonntagsruhe
  • Jes 56,7: Dieses Haus soll ein Bethaus sein; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht.
    Übertragung:
    Dieser Tag soll ein Sonntag sein; ihr aber habt ihn zum Regentag gemacht.
    Dieser Tag soll ein Feiertag sein; ihr aber habt ihn zum Werktag gemacht.
    Diese Welt soll eine Lebenswelt sein; ihr aber habt sie zur Wüste gemacht.
    Diese Erde soll Gottes Erde sein; ihr aber habt sie zu eurem Eigentum gemacht.

Bezug zu Nachhaltigkeit

  • Jesus sieht, wie die Menschen in ihr Unglück rennen, weil sie Gott nicht mehr als Mittelpunkt in ihrem Leben haben. Sie sind zerstritten, konkurrenzorientiert und von materiellen Gewinnen geleitet. Das macht sie zu „leichten Opfern“ für das Römische Reich.

    Schlussfolgerung für die Gegenwart:
    Es braucht den Zusammenhalt von Menschen, um diese Welt und das Leben zu erhalten und zu stärken. Es braucht Motivation und Verantwortungsbewusstsein. Diese Kraft lässt sich ohne den Blick auf Gott nicht finden.
    Stichworte: Naturschutz, Energiepolitik, Katastrophenhilfe, soziale Marktwirtschaft, Work-Life-Balance, Spiritualität, Ökumene

  • Jesus fängt an einer Stelle an zu handeln. Er vertreibt die Händler aus dem Tempel. Dies ist nur eine kleine Aktion angesichts der damaligen Bedrohung durch die Römer. Jesu Handeln beschäftigt uns Menschen aber noch bis heute, auch wenn die damalige Katastrophe nicht abgewendet werden konnte.

    Die Probleme der Gegenwart sind groß, und die Schritte, die wir gehen können, klein. Das Beispiel Jesu kann uns Mut machen, diese kleinen Schritte trotzdem immer wieder zu gehen. Die damalige Zerstörung hätte verhindert werden können. Das zeigt die Hoffnung, die Jesus bei der Tempelaktion trotz allem hatte.

Unsere Zukunft ist die, die wir daraus machen - mit Gottes Hilfe.


Kath. 1. Lesung: Spr 9, 1-6

Exegetische Hinweise

Spr 1-9 ist eine Sammlung der Worte von Weisen, die sich nicht sicher zeitlich datieren lässt. Salomo wird zugesprochen, dass er diese Sammlung erstellt hat, aber nicht der alleinige Urheber ist (Donald Guthrie). Die Verse 9, 1-6 gehören eng mit 9, 13-18 zusammen als zwei Hälften eines Lehrgedichts über „Frau Weisheit“ und „Frau Torheit“ (Susanne Gorges-Braunwarth). Im Alten Testament ist die Gottesfurcht die Grundlage der Weisheit. Die Weisen galten daher zusammen mit den Priestern auch als die Verkündiger des Willens Gottes (z.B. Jer 18, 18).

Assoziationen

  • Weisheit kommt von Gott.
  • Weisheit zeigt sich, lädt ein, aber zwingt nicht.
  • Weisheit bringt Veränderung.
  • Weisheit ist Lebensfülle.

Bezug zu Nachhaltigkeit

Die Weisheit denkt langfristig. Zuerst wird das Haus gebaut, jede der sieben Säulen behauen, das Vieh geschlachtet, der Wein gemischt und der Tisch bereitet. Und dann folgt eine schlichte Einladung.

Schlussfolgerung für die Gegenwart:

Es gibt viel zu tun für mich. (Appelle, Schuldzuweisungen oder Anklagen an andere Menschen gehören nicht dazu.) Weisheit beginnt mit der Frage nach Gott. Darauf folgt mein eigenes Denken und Handeln. Erst dann ist eine Einladung an andere möglich. Eine Einladung zum Leben.

Quellen:

Donald Guthrie, Kommentar zur Bibel. AT und NT in einem Band; Brockhaus 2003; S. 667
Susanne Gorges-Braunwarth, Frauenbilder - Weisheitsbilder - Gottesbilder. Die personifizierte Weisheit im Gottesbild der nachexilischen Zeit; Lit-Verlag 2002, S. 218

Ivonne Heinrich, Westerburg

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