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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

9. Aug. 09 - 9. Sonntag nach Trinitatis / 19. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 25, 14-30

1 Kön 19, 4-8

Eph 4, 30 - 5, 2

Joh 6, 41-51

Der Autor beschränkt sich auf die Texte der katholischen Leseordnung. Er bedenkt die Frage: „Wovon leben wir?“ auf dem Hintergrund der Zeitsituation sowie anhand der ersten Lesung (1 Kön 19, 4-8) und des Evangeliums (Joh 6, 41-51). Die ökologische und ökonomische Entwicklung stellt nicht nur die Frage nach materiellen Lebensmitteln, sondern auch nach dem, was die Seele nährt, damit Menschen in Zukunft leben können. Stichworte: Zukunftsperspektive; Sinnfrage; Gottes Gegenwart als „Lebens-Mittel“.


Exegetische Überlegungen

1 Kön 19, 4-8

Ein wichtiger Inhalt des ersten Buches der Könige ist die Geschichte des Propheten Elija. Dabei handelt es sich nicht um eine einheitliche Erzählung. Wahrscheinlich standen am Anfang kleine Einzelerzählungen, die später - nicht ohne Bruchstellen - zusammen gefügt wurden. Die vorliegende Perikope besteht aus drei Abschnitten: Verzweiflung des Propheten und Flucht in die Wüste. Erste Stärkung durch den Engel. Zweite Stärkung durch den Engel und Neuaufbruch. Elija flieht vor dem Zorn der Königin in die Wüste, um sein Leben zu retten. Trotz seiner vorausgehenden Erfolge ist er verzweifelt, entkräftet und wehrlos. Er will sterben. Der erste Besuch des Engels mit Brot und Wasser wird von Elija erstaunlich nüchtern hingenommen. Er isst und trinkt und legt sich wieder hin. Aber es verändert nichts in ihm. Noch gehen ihm nicht die Augen auf. Beim zweiten Mal wird die Zuwendung Gottes direkter. Der Hinweis auf den Weg, den Elija noch zu gehen hat, weckt in ihm Zukunftsperspektiven. „Vierzig Tage und vierzig Nächte“ ist wohl eine absichtlich symbolische Zeitangabe, die an den gleich langen Aufenthalt des Mose auf dem Horeb erinnern soll. Sowohl Mose als auch Elija machen auf diesem Berg eine neue und entscheidende Gotteserfahrung.

Eph 4, 30 - 5, 2

Im zweiten Lesungstext kann man insofern eine inhaltliche Verbindung zum atl. Lesungstext sehen, als es auch da um Zukunftsperspektiven geht. Der Verfasser stellt im zweiten Teil des 4. Kapitels den „alten“ und den „neuen“ Menschen gegenüber. Der alte Mensch, der von Ausschweifung, Gier und Gemeinheit gekennzeichnet ist, geht zugrunde (vgl. 4, 19-22). Der neue Mensch trägt das Siegel (Zeichen der Zugehörigkeit) Gottes. Güte, Barmherzigkeit, Vergebung sind seine Eigenschaften, weil auch Gott durch Christus vergeben hat. Ein Leben in den christlichen Tugenden, vor allem in der Liebe, hat seinen letzten Grund in der Nachahmung Gottes, dessen Liebe in Jesus Christus offenbar wurde. Während der alte Mensch dem Untergang geweiht ist, steht der neue Mensch für eine Zukunft, die sowohl ihre Wurzeln als auch ihre Auswirkungen in der Liebe Gottes hat.

Joh 6, 41-51

Die Evangeliumsperikope ist der sog. Brotrede Jesu in der Synagoge von Kafarnaum entnommen. Sie ist in Beziehung gesetzt zur ersten Lesung 1 Kön 19, 4-8, da es in beiden Texten um „Brot vom Himmel“ geht, wenn auch in je unterschiedlicher Weise. Anlass für das ungläubige Murren der Juden ist die vorausgehende Aussage Jesu, er sei das Brot vom Himmel. Das Murren war schon zur Zeit der Wüstenwanderung Israels Ausdruck der ungläubigen Auflehnung. Hier steht es als Auflehnung gegen Jesus als Boten des Himmels, da man ja glaubte, seine irdische Herkunft zu kennen. Die folgenden Verse verweisen darauf, dass der Glaube an diesen Jesus Geschenk, „Gnade“ Gottes ist (V 44). Wer auf den Vater hört und Schüler Gottes ist (V 45), der erkennt im Glauben das wahre Wesen Jesu. Die Verse 48-51 greifen noch einmal das Brotmotiv auf. Jesus als das Brot des Lebens ist mehr als das Manna in der Wüste. Dieses sicherte das irdische Leben, jenes das Ewige. Vers 51b hat sakramentale, eucharistische Anklänge: das Brot, das Jesus gibt, ist er selbst, „sein Fleisch für das Leben der Welt“.


Predigtskizze

Aufgrund der täglichen Nachrichten will einem der Optimismus bezüglich der Zukunft unserer Welt schwer fallen. Tat man zuerst noch solche Nachrichten als vordergründige Panikmache ab, so bestätigt sich wohl ihr Wahrheitsgehalt in einem immer bedrängenderen Maße. Die Zukunftsaussichten scheinen nicht gut zu sein. Über die Gründe und Hintergründe lässt sich trefflich streiten. Nahrungsmittelknappheit, Hungerkatastrophen, Erschöpfung der natürlichen Ressourcen einerseits und steigender Energiebedarf andererseits, Klimawandel mit verheerenden Folgen, Spekulanten, die aus all dem noch skrupellos Gewinn ziehen, das alles sind Stichworte, die Zukunftsängste wecken.

Geht unserer Erde - und auf ihr dem Menschen - die Puste aus?

Wovon sollen wir, und erst recht künftige Generationen, leben?

Politik und Wirtschaft versuchen, Zuversicht nach dem Motto zu verbreiten: „Wir sind auf das Schlimmste gefasst, aber wir bekommen schon alles in den Griff“. So jagt denn ein „Gipfel“ den anderen: Klimagipfel, Erdölgipfel, G-8-Gipfel, WHO-Gipfel und viele andere. Manchmal hat man den Eindruck, es ist wie das Pfeifen im dunklen Wald gegen die Angst. Viele Menschen mögen sich die bedrückende Frage stellen: „Hat das Leben dann überhaupt noch einen Sinn, wenn die Zukunftsaussichten so schlecht sind?“ In Klammern: Ob die sooft beklagte sinkende Kinderzahl nicht einen wichtigen Grund darin hat, dass man seinen Nachkommen eine solche Welt nicht zumuten will? Menschen reagieren auf diese Sinnfrage unterschiedlich. Die einen werden agressiv und wollen sich mit Gewalt nehmen, wovon sie glauben, dass es ihnen zusteht. Egoismus und Rücksichtslosigkeit machen sich nach der Devise breit: Ich nehme alles mit, was das Leben bietet. Wer weiß, was morgen ist? Andere verfallen in Resignation und Depression, weil sie glauben, es habe sowieso alles keinen Sinn. Man müsse das Schicksal eben hinnehmen…

Die erste Lesung des heutigen Sonntages zeigt am Beispiel eines von Gott berufenen Menschen die Möglichkeit einer zukunftsorientierten Lösung: Wir dürfen die Rechnung nicht ohne den Wirt und die Zukunft unserer Welt nicht ohne Gott machen. Der Prophet Elija war machtvoll für das Reich Gottes eingetreten. Das war sein Lebensinhalt. In einer spektakulären Aktion hatte er den Baalskult und seine Priester ausgerottet. Er schien auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Aber: konnte er davon leben? Sehr rasch fiel sein Ruhm wie ein Kartenhaus zusammen. Die Königin, eine Anhängerin des Baalskultes, ließ ihn verfolgen. Ihm blieb nur der Weg in die Wüste, wo er sich unter einem Ginsterstrauch mit seinem spärlichen Schatten niederließ. Er fiel in eine tiefe Depression. Kein Ausweg, keine Zukunft! Alles ist sinnlos und ziellos. Wegschauen, vergessen, schlafen!

Auch Elija hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn Gott selbst bewirtet ihn - zwei Mal, geduldig, einfühlsam, durch einen Engel. Es geht dabei nicht nur um Brot und Wasser. Es geht auch um eine neue Perspektive. Es wird ein Weg aufgezeigt, ein Weg, den Elija noch nicht kennt. Er erfährt nur, dass er für diesen Weg Kraft braucht und dass er diese Kraft nicht aus sich selbst bekommt. Er erhält sie von Gott. Und im Gehen erschließt sich ihm das Ziel: die Begegnung mit Gott am Gottesberg Horeb und ein neuer Auftrag, der eine Wende in der Geschichte Israels bedeutet. Er soll einen neuen König salben.

Die Botschaft dieser Lesung könnte heißen, dass kein Geschehen im Laufe der Geschichte so sinnlos sein kann, dass Gott nicht daraus etwas Sinnvolles, etwas Neues, etwas Lebensträchtiges und Zukunftsweisendes machen könnte. Vorausgesetzt, der Mensch lässt sich auf Gott ein, er lässt sich von ihm nähren und Kraft geben, er lässt sich von ihm Weg und Ziel weisen, er lässt sich von Gott in Dienst nehmen und beauftragen.

Wovon leben wir? - Nicht von unseren selbst ausgedachten Zukunftsperspektiven. Erst recht nicht von unseren Zukunftsängsten. Wir können - wie Elija - leben von der Zuwendung Gottes, die uns fürsorglich durch die Wüsten des Lebens führt. Diese Zuwendung Gottes ist, gemäß unserem christlichen Glauben, in Jesus Christus sichtbar und greifbar geworden. Sein Leben und Wirken zeigen, dass nicht Egoismus und Ausbeutung Wege zum wahren Leben sind, sondern das Füreinander - da sein. Jesus hat es uns vorgelebt bis zum Tod am Kreuz. Deshalb spricht er auch von seinem Leben im Bild vom Weizenkorn oder vom Lebensbrot, Bilder der Hingabe und Bilder der Hoffnung. Wenn Jesus im Evangelium heute sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“, dann verweist er auf sich selbst als Quelle der Lebenskraft und der Hoffnung. Angesichts unserer verwirrenden und oft unübersichtlichen Wege in eine ungewisse Zukunft sind wir eingeladen, ihn in unser Leben als „Lebensmittel“ aufzunehmen, ihm zu glauben und zu vertrauen. Im Brot der Eucharistie bietet er sich uns an: „Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich.“

Anton Sauer, Heusenstamm

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