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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

2. Aug. 09 - 8. Sonntag nach Trinitatis / 18. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 5, 13-16

Ex 16, 2-4.12-15

Eph 4, 17.20-24

Joh 6, 24-35

Der Verfasser betrachtet den ev. Predigttext und seine Bezüge zur Nachhaltigkeit. Stichworte: Authentizität der christlichen Kirchen, die Wahrheit aussprechen (Lager für Atomwaffen / Verstoß gegen das Völkerrecht), Rüstungsexporte nicht stillschweigend tolerieren, Glaubhaftigkeit der Kirche als Ausgangsbasis für christliches Engagement in Sachen Nachhaltigkeit


Stellung im Kirchenjahr

Die Trinitatiszeit ist die Zeit der werdenden und wachsenden Kirche. Daher bietet sich eine Predigt zu und über Kirche und Kirchen an. Die Trinitatissonntage überspannen die Sommermonate bis hin zum Herbst. Diese Zeit war früher stark von der Landarbeit bestimmt. Die ersten Früchte in Feld und Garten sind geerntet, andere sind noch im Wachstum begriffen. Zum Wachsen brauchen Pflanzen Luft, Wasser, Wärme und Licht. Diese elementaren Naturkräfte haben aber auch ihre Schattenseiten, die zerstören können. Inzwischen sind ganze Landstriche und Regionen immer wieder bedroht durch Überschwemmungen, Sturm, Hagel, Dürre- und Hitzewellen. Heute wissen wir nur zu gut, dass an der Entstehung dieser Naturkatastrophen der Menschen durch sein Verhalten seinen Anteil hat. Es wäre denkbar, dass eine Predigt die Verantwortung des Menschen gegenüber der Schöpfung aufnimmt. Diese kann sich aber nicht nur darauf beschränken Naturkatastrophen zu verhindern.


Matthäus 5, 13-16: Salz der Erde und Licht der Welt

Anmerkungen zum Text:

Die Bergpredigt bildet den Rahmen und die zwei Bildworte / Gleichnisse über Salz der Erde und Licht der Welt prägen unseren Text. Für Julius Schniewind beschreiben diese beiden Bilder „Art und Beruf der Jüngergemeinde“. Salz und Licht zählen zu den „Grund-Nahrungsmitteln und den Grund-Bedürfnissen“. Während sich das Matthäusevangelium an Juden und Judenchristen richtet, ist der Hörerkreis der Bergpredigt vorrangig auf die Jünger Jesu (Mt 5, 1) einzugrenzen. Schniewind spricht im Zusammenhang mit den Versen von der „Würde der Jüngerschaft“. Worin liegt die Würde? Folgen wir Gottfried Voigt, liegt die Würde darin, dass die Welt durch die Jünger Jesu erhalten (Salz) und erhellt (Licht) würde. Sicherlich eine gewagte Aussage.

Vers 13 „Ihr seid Salz der Erde“ – Gehen wir davon aus, dass die Hörerfrage („Ihr“ - die Jünger) geklärt ist. Salz besteht aus einer chemischen Verbindung aus Natrium und Chlor (NaCl). Natrium ist ein edles Mineral und Chlor ein gefährliches Gift. Erst die Verbindung beider Substanzen macht daraus ein wertvolles Nahrungsmittel. Salz ist als Würze für Speisen unersetzlich und hat konservierende Eigenschaften. Salz wirkt daher extrem nachhaltig. Dass Salz „salzlos / kraftlos“ werden kann ist physikalisch unmöglich. Salz kann allerdings verunreinigt werden und dadurch nutzlos und wertlos werden.

Vers 14 „Ihr seid Licht der Welt“ – Im „Ihr“ findet sich wieder die direkte Anrede der Jünger. Bei der Formulierung „Licht der Welt“ ist auf ein anderes Jesuswort hinzuweisen, in dem Jesus diese Formulierung für sich in Anspruch nimmt – Joh 8, 12: „Ich bin das Licht der Welt!“ Licht spielt nicht nur im Neuen und Alten Testament, sondern in allen Religionen eine zentrale Bedeutung. Dass hier das Wort von der „Bergstadt“ genannt wird, führt nicht wirklich zu neuen Erkenntnissen, sondern ist eher als Dublette zum „Lichtwort“ zu verstehen.

Vers 15 führt den Gedanken über das Licht fort und stellt fest, dass das Licht gesehen werden muss. Wenn es nicht gesehen wird, hat es seine Daseinsberechtigung verloren. War schon das „kraftlose Salz“ unsinnig, so ist es kompletter Unsinn, ein Licht anzuzünden und unter einen „Scheffel“ (andere Übersetzung: „unters Bett“) zu stellen.

Vers 16 präzisiert den vorhergehenden Gedankengang und führt ihn fort und spricht im Zusammenhang mit dem Licht von „guten Werken“. Die entscheidende Frage: Was sind gute Werke?


Zwei Predigtvorschläge

„Die Welt wird durch die Jünger Jesu erhalten und erhellt.“

Der Anknüpfungspunkt dieser Predigt könnte der „Hiroshima-Gedenktag“ am 6. August sein. Wenn die Predigt vier Tage vor dem 64. Jahrestag des Hiroshima-Gedenkens gehalten wird, könnte nach dem Hinweis auf diesen Gedenktag berichtet werden, wie das damals, am 6. August 1945, war: Die Explosion der Bombe über der japanischen Großstadt Hiroshima zerstörte in wenigen Augenblicken jegliches Leben in einem weiten Umkreis. Das grell glühende Licht war nicht nur hunderte Kilometer weit zu sehen, sondern auch für Hunderttausende Menschen tödlich. 20 solcher todbringender Atomsprengköpfe, jeder mit einer Vernichtungskraft von 13 Hiroshima-Bomben, lagern heute noch in Deutschland. Sie lagern auf dem Rheinland-Pfälzischen Fliegerhorst Büchel in der Eifel. Diese Tatsache dürfte vielen Zuhörern völlig unbekannt sein. Die Frage, warum bis heute in Deutschland noch Atomwaffen lagern, könnte auch vor dem Hintergrund der Menschenrechts-Charta gestellt werden. Nach dieser ist die Herstellung, Lagerung und der Einsatz von Atomwaffen völkerrechtswidrig.

Die Kirche darf zu diesen Themen nicht schweigen. Die „guten Werke“, von denen in Vers 16 gesprochen wird, könnten auf diesen völkerrechtswidrigen Verstoß hinwirken. Weiterhin könnte auf die Zusammenhänge zwischen Krieg, Rüstungsproduktion und Rüstungsexport hingewiesen werden. Ohne Rüstungsexporte könnte mancher Krieg nicht geführt werden. Deutschland zählt inzwischen zur weltweiten Elite der Rüstungsexporteure (3. Stelle). Darauf hat die GKKE (Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung, www.gkke.org) der Deutschen Bischofskonferenz und der EKD schon mehrfach hingewiesen.

Im Gegenzug könnte der aktive Einsatz für Frieden durch Abrüstung, durch die Vernichtung der vorhandenen Atomwaffen eine Nachhaltigkeit schaffen, die ein weltweiter Beitrag für mehr Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung wäre.

Zur atomaren Bedrohung schreibt Papst Benedikt XVI: „Der Weg, um eine Zukunft des Friedens für alle zu sichern, besteht nicht nur in internationalen Übereinkünften über die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen, sondern auch in dem Bemühen, mit Entschiedenheit ihre Verminderung und ihren endgültigen Abbau zu verfolgen.“ Zur gleichen Thematik äußert sich der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber: „Im Teufelskreis der Absicht, Böses mit Bösem zu vergelten, gewinnen die Atomwaffen wieder an Bedeutung. Die Ausbreitung der Atomwaffen lässt sich nur verhindern, wenn die bisherigen Atommächte die Verfügung über atomare Waffen beenden. Das schließt die 20 amerikanischen Atomwaffen ein, die immer noch in Deutschland lagern.“

„Was drauf steht sollte auch drin sein!“

Eine zweite Predigt könnte eine ganz andere inhaltliche Gewichtung bekommen. Sie könnte unter dem Motto stehen: „Was drauf steht sollte auch drin sein!“ Dabei wäre der Focus auf Kirche als Institution gesetzt und das Thema könnte lauten: „Wenn Kirche drauf steht, sollte auch Kirche drin sein!“ Ausgangspunkt wären die Verse 14-16 („Licht der Welt“).

„Licht“ spielt in allen Religionen eine wichtige Rolle, so auch damals im Judentum. Und wenn Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt!“ mag das noch einigermaßen moderat klingen. Doch wenn heute ein evangelischer oder katholischer Prediger diese Aussage auf seine jeweilige Kirche bezieht, klingt das schon sehr anmaßend. Hat doch Kirche in den zurückliegenden Jahren einen starken Bedeutungsverlust erleben müssen. Das spiegelt sich u.a. in Kirchenaustritten. Sicherlich macht es Sinn, nach den Gründen zu suchen. Und an manchen dieser Gründe kann und muss auch ernsthaft gearbeitet werde. Aber vielleicht sind es auch ganz andere Gründe, etwa die, dass wir einen Grundsatz der Werbung nicht ernst genug nehmen: Tue Gutes und rede darüber! Festzustellen ist, dass zumindest die beiden großen Volkskirchen offensichtlich Probleme damit haben, ihr „Licht leuchten zu lassen“.

Die Kirche kann von der Wirtschaft lernen. Für die Wirtschaft ist klar, dass auf Werbung nicht verzichtet werden kann. Es kommt allerdings darauf an, richtig zu werben, Produkte ins rechte „Licht“ zu setzen. Werbeagenturen leben davon, dass sie dieses professionell tun. In den Kirchen wurde Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bisher eher stiefmütterlich behandelt. Mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit könnte auch den Kirchenaustritten entgegengewirkt werden. Hinsichtlich der Kirchenaustritte muss allerdings auch eine ehrliche Auseinandersetzung bezüglich der Gründe stattfinden. Bei genauer Draufsicht sind es jedenfalls nicht nur finanzielle Gründe. Was also sind die anderen Gründe? Klaffen Anspruch und Wirklichkeit nicht zu oft auseinander? Ist in (der) Kirche drin, was drauf steht?

Dennoch, bei aller berechtigter Kritik, die an den Kirchen aufkommen kann, könnte auch fröhlich und selbstbewusst von den „guten Werken“ geredet werden, die in und durch die Kirchen getan werden. Hierzu könnten die „12 gute Gründe in der Kirche zu sein“ hilfreich sein:

Zwölf gute Gründe, in der Kirche zu sein

Im christlichen Glauben bewahrt die Kirche eine Wahrheit, die Menschen sich nicht selber sagen können. Daraus ergeben sich Maßstäbe für ein verantwortungsbewusstes Leben.
In der Kirche wird die menschliche Sehnsucht nach Segen gehört und beantwortet.
Die Kirche begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Das stärkt auf geheimnisvolle Weise.
In der Kirche können Menschen an einer Hoffnung auf Gott teilhaben, die über den Tod hinausreicht.
Die Kirche ist ein Ort der Ruhe und Besinnung. Unsere Gesellschaft ist gut beraten, wenn sie solche Orte pflegt.
In der Kirche treten Menschen mit Gebeten und Gottesdiensten für andere ein. Sie tun das auch stellvertretend für die Gesellschaft.
Die kirchlichen Sonn- und Feiertage mit ihren Themen, ihrer Musik und ihrer Atmosphäre prägen das Jahr. Die Kirche setzt sich dafür ein, diese Tage zu erhalten.
In Seelsorge und Beratung der Kirche wird der ganze Mensch ernst genommen und angenommen.
In Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen der Kirche schaffen viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte ein besonderes, menschliches Klima.
Wer die Kirche unterstützt, übt Solidarität mit den Schwachen und Benachteiligten.
Kirchliche Musik und Kunst sind bis heute prägende Kräfte unserer Kultur.
Wo immer Menschen hinkommen oder hinziehen, treffen sie auch die weltweite christliche Gemeinschaft. Dazu kann jede und jeder beitragen.

(Quelle: Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Nordelbisch-Evangelisch-Lutherischen Kirche, Broschüre "12 Gründe in der Kirche zu sein")


Dank:

Mein Dank gilt den Mitgliedern des Seniorenkreises „Gespräch um Vier“ im Haadter Wohnstift, namentlich Charlotte Becker, Helga Erhard, Gisela Rose und Conrad Pohle und den Mitgliedern des Ökumenischen Gesprächskreises Venningen, namentlich: Heidi und Otto Christmann, Hans Hesse, Hildegard Hein, Brigitte Stauch, Hanna und Günter Vogeler.

Literatur:

Julius Schniewind, NTD, Bd. 1, Matthäusevangelium, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1968
Eduard Schweizer, NTD, Bd.1, Matthäusevangelium, Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1977
Gottfried Voigt, Der schmale Weg, Predigtexte zur Reihe I, Ev. Verlagsanstalt Berlin, 1978

Eberhard Dittus, Neustadt an der Weinstraße

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