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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

26. Jul. 09 - 7. Sonntag nach Trinitatis / 17. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 6, 1-15

2 Kön 4, 42-44

Eph 4, 1-6

Joh 6, 1-15

Die Autorin betrachtet alle genannten Bibelstellen, wobei sie die alttestamentliche Lesung in ihre Überlegungen zu Joh 6 einbezieht. Stichworte zur Nachhaltigkeit: bei globaler sozialer Gerechtigkeit geht es nicht nur um die Verteilung, sondern um die Schaffung von Strukturen / Fairer Handel, Würde – Schaffung einer Win-win-Situation (Joh 6 / 2 Kön 4); Konziliarer Prozeß Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung – helfen durch Partnerschaft statt anonyme Spenden (Eph 4)


Stellung im Kirchenjahr

Der heutige Evangelientext ist in der evangelischen, wie in der katholischen Leseordnung, der Bericht der Brotvermehrung bei Johannes. In der katholischen Leseordnung folgen auf die Berichte aus dem, für das Lesejahr B sonst üblichen Evangelium des Markus, fünf Lesungen aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums. Der Text des 17. Sonntags schließt sich aber trotzdem organisch an den, an sich fälligen Markustext, an, denn auch bei Markus wäre die Brotvermehrungserzählung an der Reihe. Als Lesungstext wird das alttestamentliche Pendant zur Brotvermehrung aus dem zweiten Buch der Könige gelesen. Der neutestamentliche Text aus dem Epheserbrief schlägt die Brücke zum Begriff der Einheit und Gemeinschaft.


Überlegungen zu Joh 6, 1-15

Exegetische Überlegungen

Mit Kapitel 6 des Johannesevangeliums wechselt der Ort der Handlung von Jerusalem nach Galiläa. Der heutige Evangelientext ist der Beginn der großen Brotrede. Diese erstreckt sich von dem vorliegenden Text, der Speisung der 5000, über das Wunder des Seewandels (6, 16 ff.) bis hin zum Bekenntnis des Petrus: „Du bist der Heilige Gottes.“ (6, 69). In Vers 6, 41 findet sich das erste "Ich-bin-Wort", in dem Jesus sich als das „Brot des Lebens“ bezeichnet. Die Volksmenge, die Augenzeuge der Zeichen Jesu an den Kranken wurde, folgt Jesus, wohl in Erwartung weiterer Wunder, nach. Die Frage Jesu, wo es Brot zu kaufen gibt, scheint eher ein Test zu sein, als eine wirkliche Frage, „denn er wusste selbst, was er tun wollte“ (6, 6). Es ist ja auch ganz offensichtlich, dass die Jünger keine 200 Denare (das Jahreseinkommen eines Arbeiters) haben, um die riesige Menge satt zu bekommen. In Vers 10-13 folgt das eigentliche Wunder. Mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen (die ein Kind dabei hat) macht Jesus, nachdem er das Dankgebet gesprochen hat, fünftausend Männer (die Frauen und Kinder werden nicht gezählt) satt. Am Ende bleiben sogar noch zwölf Körbe übrig, mehr als zu Beginn da war. Die Menschen, die anwesend sind ziehen den Schluss: „Dieser ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommt“ (6, 14).

Verbindung zur alttestamentlichen Lesung (2 Kön 4)

Eine ähnliche Form wie die Erzählung der Brotvermehrung des Jesus findet sich auch schon im alten Testament, im zweiten Buch der Könige, welches die alttestamentliche Lesung des Sonntag ist. Hier ist es der Prophjet Elischa, der mit zwanzig Gerstenbroten und einigen frischen Körnen einhundert Männer satt macht. Die große Ähnlichkeit hat Bibelwissenschaftler vermuten lassen, dass die Geschichte von Elischa einfach nur auf Jesus übertragen wurde. Selbst wenn das so wäre, muss man sich trotzdem fragen, „was denn bei Jesus so Eindrückliches geschah, dass eine solche Geschichte auf ihn übertragen und dabei typisch neu gestaltet wurde“[1].

Bedeutung für Ökologie und Nachhaltigkeit

Nicht die Jünger teilen, wie in den Berichten der Brotvermehrung bei den Synoptikern, das Brot aus, sondern Jesus selbst gibt und plötzlich ist aus dem scheinbar Wenigen ein Überfluss geworden. Woher kommt der Überfluss? Darüber haben sich schon jahrhundertelang TheologInnen die Köpfe zerbrochen. Eine Theorie besagt, dass Jesus es schafft, dass die Menschen ihre Angst überwinden. Ihre Angst, zu kurz zu kommen, ihre egoistische Angst, die sie in die Vereinzelung, in die innere Einsamkeit treibt. Im Evangelium ist die Rede davon, dass Jesus die Leute auffordert, sich zusammenzusetzen. Sie tun, wie ihnen geheißen und vielleicht legen sie das Wenige zusammen, was sie mitgebracht haben. Und im Zusammenlegen erfahren sie Ergänzung und Bereicherung.

Zwei Dinge werden dabei klar:

1. Wer zusammen sitzt, der schaut sich an, für den ist die Lage überschaubar. Das nimmt Angst, das nimmt Bedrohlichkeit. Wenn Menschen zusammen sitzen und zusammen essen, Mahl halten, entsteht Beziehung. Und in dem heutigen Evangelium wird diese Beziehung mit Gott in Verbindung gebracht. Er ist der Urheber dieser Beziehung.

2. Nachhaltigkeit muss nicht immer sparen bedeuten. Es kann sein, dass alle mehr davon gewinnen, wenn sie geben.

Auf die Weltsituation übertragen kann das heißen:

Wenn Hungernde, also die Entwicklungsländer, mit an unseren Tischen sitzen dürfen, also auf gleicher Augenhöhe, verlieren wir nicht, wir gewinnen auch. Es entsteht Beziehung und auch wir werden beschenkt. Und: Dann geht es nicht mehr „nur“ um Lebensmittel, sondern dann geht es um die Würde und den Wert jedes einzelnen Menschen. Es geht um gerechte Strukturen, die nicht von Abhängigkeit geprägt sind. Solche Strukturen schaffen nicht nur Beziehung, sondern auch Gerechtigkeit und Frieden. Ein kleiner Schritt dahin sind die fair gehandelten Produkte. Sie orientieren sich nicht am Preiskampf der Unternehmer, sondern an der Leistung der Erzeuger. Die Konsumenten bekommen für den höheren Preis, den sie bezahlen, aber auch etwas: Hochwertige Produkte, die sozial gerecht und umweltverträglich produziert wurden.

Praktische Vorschläge zur Umsetzung

Das Hungertuch aus dem Jahr 2004 macht deutlich, dass es nicht um das Brot alleine geht, sondern auch um die Beziehung, die beim gemeinsamen Essen bzw. Teilen entsteht. Als Ergänzung kann auch die folgende Geschichte gelesen werden:

Das halbe Brot

Als der Arzt Professor Dr. Breitenbach gestorben war, gingen seine drei Söhne daran, das Erbe ihres Vaters getreu seinem letzten Willen unter sich zu verteilen. Da waren alte, noch handgeschnitzte Eichenmöbel, schwere Teppiche, kostbare Gemälde. Und dann war da noch eine Vitrine, ein schmaler, hoher Glasschrank mit vergoldeten Füßen und geschliffenen Scheiben. In diesem Schrank waren Erinnerungsstücke aufbewahrt. Behutsam wurde Stück um Stück herausgenommen. Als die Brüder das unterste Fach öffneten, stutzten sie. In grauem Seidenpapier eingewickelt lag da ein ziemlich großes, hartes Stück. Was kam zum Vorschein? – Ein steinhart gewordenes halbes Brot! Die alte Haushälterin erzählte den erstaunten Söhnen die Geschichte dieses Brotes: In der schweren Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) war der alte Herr einmal schwer krank gewesen. Zu der Erkrankung war ein allgemeiner Erschöpfungszustand getreten, so dass die behandelnden Ärzte etwas von kräftiger Nahrung murmelten und dann entmutigt die Achseln zuckten. Gerade in jener kritischen Zeit hatte ein Bekannter ein halbes Brot geschickt. Sosehr sich der Professor auch über diese Gabe freute, aß er sie doch nicht. Er wusste, dass im Nachbarhaus die Tochter des Lehrers krank war und Hunger litt. Er sagte damals: „Was liegt schon an mir altem Mann, das junge Leben braucht es nötiger“, und so musste die Haushälterin das halbe Brot den Lehrersleuten bringen. Wie sich später herausstellte, hatte auch die Lehrerfrau das Brot nicht behalten wollen, sondern an eine alte Witwe weitergegeben, die in einer Dachkammer ein Notquartier gefunden hatte. Aber auch damit war die seltsame Reise des Brotes noch nicht zu Ende. Die Alte trug es zur ihrer Tochter, die nicht weit von ihr mit ihren beiden Kindern in einer Kellerwohnung Zuflucht gefunden hatte. Diese Tochter wieder erinnerte sich daran, dass ein paar Häuser weiter ein Arzt krank war, der einen ihrer Buben kürzlich bei schwerer Krankheit behandelt hatte, ohne etwas dafür zu verlangen. Sie nahm das halbe Brot unter den Arm und ging damit zur Wohnung des Doktors. „Wir haben es sogleich wieder erkannt!“, schloss die Haushälterin. „Als der Herr Professor das Stück Brot wieder in den Händen hielt und von dessen Wanderung hörte, war er tief bewegt und sagte. „Solange noch die Liebe unter uns ist, habe ich keine Furcht um uns.“[2]


Überlegungen zu Eph 4, 1-6

Exegetische Überlegungen

Der Brief an die Epheser ist wahrscheinlich nicht von Paulus selbst, sondern von einem „Schüler“ des Paulus nach dessen Tod geschrieben worden. Auch handelt es sich nicht im eigentlichen Sinn um einen Brief, sondern eher um eine Epistel, genauer noch ein theologisches Lehrschreiben[3]. Während die ersten drei Kapitel sich eher auf der theoretischen Ebene mit Gemeinde befassen und einen hohen Abstraktionsgrad aufweisen, wird der Verfasser ab Kapitel vier konkreter, und es folgt der eher praktische Teil des Briefes. Gut erkennbar ist die Zäsur auch durch das Gebet am Ende des 3. Kapitels, das mit dem Wort „Amen“ abschließt. In den vorangegangenen Kapiteln wurde auf der theoretischen Ebene erklärt, was Gott in seiner Gnade geplant hat, damit die Menschen das Heil bekommen können. Jetzt schließen sich praktische Folgerungen aus dem zuvor Gesagten an. Dazu zählen „Haltungen, auf die es im Gemeinschaftsleben der Getauften besonders ankommt“[4] (4, 2-4): Demut, Friedfertigkeit, Geduld. Die Aufforderung, sich um die Einheit zu bemühen (das griechische Wort enotes kommt in dieser Form im NT nur hier und in 4, 13 vor) wird in den Versen vier bis sechs ausgeführt und erklärt. Sieben Faktoren sind es, die die Einheit begründen: Ein Geist, eine Hoffnung, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater.

Überlegungen zur Ökologie und Nachhaltigkeit

Der Epheserbrief, besonders die zur heutigen Lesung gehörenden Verse drei bis sechs des vierten Kapitels, ist einer der biblischen Texte, auf den sich die ökumenischen Bemühungen stützen. Dabei geht es neben allen Einheitsbemühungen auch um einen gemeinsamen Lernweg der christlichen Kirchen, der unter dem Begriff „Konziliarer Prozess“ zusammengefasst ist.

Auf der VI. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Vancouver (Kanada) 1983 schlug die DDR-Delegation ein gesamtchristliches Friedenskonzil vor, wie es Dietrich Bonhoeffer angesichts des drohenden Zweiten Weltkrieges fünfzig Jahre zuvor für geboten hielt. Ein Konzil war nicht möglich, und so kam es zur Einigung auf einen konziliaren Prozeß gegenseitiger Verpflichtung auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Der Konziliare Prozess ist seitdem ein fortlaufendes Geschehen des Nachdenkens und Beratens in größeren und kleineren Gruppen und Arbeitskreisen. Er ist wesentlicher Bestandteil der Ökumene, ja, der konziliare Prozess hat mit dafür gesorgt, dass der Gedanke der Ökumene in breiten Teilen der Gemeinden erst angekommen ist. Dabei ist wichtig zu beachten, dass das Ziel nicht nur sein soll, Einheit auf der Ebene des Glaubens zu erreichen. Die ökumenische Bewegung (Ökumene =griech. oikouménç „ganze bewohnte Erde“, „Erdkreis“) hat auch dafür gesorgt, dass ein größeres Bewusstsein für Zusammenhänge weltweit entstanden ist, dass Menschen eine stärkere Verbindung und Solidarität zu Gemeinden in der Zweiten bzw. Dritten Welt empfinden. Das führt weg vom anonymen Spenden, hin zu Partnerschaften und Lernen in Beziehung.

Pascale Jung, Losheim-Wadern

[1] Schweizer, Eduard, Das Evangelium nach Markus, Göttingen, 1989, S. 73.
[2] Aus: Zisler, K., Reischl, W., Perstling, H., Neuhold, H., Gruber, A. .Glaubensbuch 6. Im Glauben wachsen. Graz 1987, Seite 96. *
[3] Vgl. Mussner, F., Der Brief an die Epheser (ÖTK 10/GTB 509) Gütersloh 1982, S. 17.
[4] Josef Pfammatter: Epheserbrief, Kolosserbrief. Die neue Echter-Bibel 10 u. 12, Würzburg 1990, S. 30.

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