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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

19. Jul. 09 - 6. Sonntag nach Trinitatis / 16. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 28, 16-20

Jer 23, 1-6

Eph 2, 13-18

Mk 6, 30-34

Der Autor betrachtet alle Bibelstellen des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Erbschaft, Vermächtnisse sind per se nachhaltig – es geht um die Fortführung des Gegebenen (Ökologie – Oikos – Haus Gottes), das Erbe aufrichtig und angstfrei annehmen (Mt 28); es gibt Anlass zur Klage – wie bei Jeremias (Klimapolitik, Globalisierungsopfer, ...) – wir sollen klagen und uns dabei ruhig auf Gott berufen (Jer 23); Zusammenhänge erkennen, im Frieden zusammenleben – nur so gedeiht das Oikos als Gesamtes (Eph 2); bei der Speisung der Hungernden (nach Essen, Gerechtigkeit, Bildung, ...) nicht skeptisch sein, sondern einfach einmal anfangen (Mk 6)


Matth. 28, 16-20

Zum Text:

Als Verfasser des ersten Evangeliums wird ein Matthäus genannt und auf jenen bekehrten Zolleinnehmer verwiesen, der bei Markus und Lukas Levi heißt. Da das Evangelium jedoch den Untergang Jerusalems voraussetzt und eher um das Jahr 80 herum verfasst sein dürfte, ist ein nicht näher bekannter, judenchristlicher Lehrer, der selbst ein Apostelschüler war, als Verfasser anzusehen. Quelle seines Werkes ist zum einen das Markusevangelium, dann eine Spruch- und Redesammlung, die auch von Lukas benutzt wurde, sowie Sondergut. Der Abschnitt 28, 16-20 erneuert die in Kapitel 10 berichtete Sendung der Jünger durch den „noch irdischen“ Jesus, nun aber erweitert zum weltweiten Auftrag. Parallelen finden sich in Lukas 24, 47 und auch Johannes 20, 21.

Predigtgedanken:

Der Text hat testamentarische Züge und lässt sich zugleich auf das Erleben eines Gottesdienstes beziehen. Die Jünger Jesu haben die Gemeinschaft mit ihm wie einen Gottesdienst erlebt, und nun verfügt der Testament-Geber: „Geht in den Alltag und haltet all das lebendig, lasst all das lebendige und alltägliche Wirklichkeit werden, was Ihr hier erkannt und erlebt habt.“ Um Nachhaltigkeit geht es hier, weil eine Erbschaft per se nachhaltig ist: Etwas Erlebtes, Erkanntes, Erfahrenes soll weiterwirken, lebendig bleiben. Und es geht auch im weiteren Sinne um Ökologie. Denn der Inhalt des Erbes ist das Ganze, das Umfassende. Der Mensch Jesus verkörpert das „Haus Gottes“. Wer da auf seine Erbe schaut, wird auch auf erlebte Heilungen zurückblicken und auf verantwortliches Miteinander mit dem Ziel „Dass alle leben!“ Der Auftrag „Gebt IHR ihnen zu essen!“ gehört dazu genau so wie die Ermöglichung von Neuanfängen und die Ermutigung dazu.

Hier können je nach örtlicher Gegebenheit und Interesse der Hörenden einzelne Stücke der „Erbmasse“ benannt, vertieft und in ökologische Bezüge gebracht werden. Als Kernaussage des Textes ist dabei das „Ich bin bei Euch alle Tage“ nicht zu vergessen. Trost und Stärkung durch nahestehende Menschen wie Eltern und Großeltern gegenüber einem Kind, später dann Freunde oder Ehepartner sind das Eine, darüber hinaus sind diese Worte die unbegrenzt gültige Zusage Gottes, die im gottesdienstlichen Geschehen sowohl mit der Feier der Taufe als auch mit der des Abendmahls vergegenwärtigt wird. In Umkehrung der bekannten „Barmer These“ ist hier dann daran zu erinnern, dass Gottes „Anspruch auf unser ganzes Leben“, wovon gern und mit Recht gerade im Zusammenhang mit ökologischer Verantwortung der Christen gesprochen wird, zugleich „Gottes gnädiger Zuspruch“ ist. Manche Erben haben ihre Schwierigkeiten damit, das Erbe anzunehmen, weil es ihnen als all zu große Last vorkommt. Wie gut, wenn dann der Erblasser ihnen die Ermutigung zusagte: „Habt keine Angst, ich bin bei Euch alle Tage!“


Jeremia 23, 1-6

Zum Text:

Der Text gehört zu dem Teil des Jeremiabuches, in dem Prophetenworte gegen Juda und Jerusalem zur Zeit der Könige Joschija bis Zidikia gesammelt sind. Unter König Joschija zum Propheten berufen wendet Jeremia sich zunächst gegen die noch nachwirkenden religiösen und ethischen Missstände. Joschija, der eine umfassende Reform des Jahweglaubens veranlasst, findet die Zustimmung Jeremias auch zu seiner Lossagung vom zerfallenden Assyrerreich. Unter König Jojakim (609-597) werden die Reformen rückgängig gemacht, und heidnische Sitten greifen erneut um sich. Der Prophet protestiert leidenschaftlich – auch gegen die Regierung – und wird verfolgt. Tief enttäuschen ihn der Misserfolg seiner Verkündigung und seiner Warnungen, der Unglaube seiner Zuhörer und die Nachstellung sogar durch seine Verwandtschaft. Von der Verschleppung nach Babylon bleibt er verschont. König Zidikija lässt ihn als Verräter verhaften, weil er die antibabylonische Politik kritisiert hat. Jeremia setzt seine harsche Kritik aber selbst aus dem Gefängnis heraus fort. Nach weiteren Unruhen flieht Jeremia ins ägyptische Exil. Seine leidenschaftliche Kritik und Klage wie sein ebenfalls leidenschaftlicher Trost, gipfelnd in der „Verheißung des neuen Bundes“, sind sein Vermächtnis.

Predigtgedanken:

Der Text beginnt mit einem „Weheruf“ im Namen Gottes. Gottes Urteil gegen die falschen Hirten wird proklamiert, - gegen den König, seine Berater, seine Hofpropheten, die ganze „PR-Abteilung“, gegen alle maßgeblichen Kräfte, die am Zustand des Volkes Juda wie auch Israels schuldig sind. Alle sie sind die schlechten Hirten. Jeremia präsentiert sich hier als durch und durch politischer Prophet, der ohne jede Scheu die Autorität Gottes für seine Klage in Anspruch nimmt. Eine derartige „Einmischung in die Politik“ durch kirchliche Instanzen oder Personen wäre heutzutage kaum vorstellbar, aber durchaus geboten!? Es wird nicht schwer sein, Gegebenheiten und Geschehnisse der Gegenwart zu benennen, die dem Unglauben und ethischen Verfall im Königreich Juda zur Zeit Jeremias entsprechen. „Es gilt ... ein offenes Bekenntnis...“ (eg 136, 4), auch wenn wir genau wie Jeremia die Erfahrung machen werden, nur wenig Gehör zu finden. Gerade in den gesellschaftlichen Bereichen, die mit den Schlagworten einer ökumenischen Dekade benannt werden – Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung „brüsten Unglaub’ und Torheit sich frecher jetzt als je“ (eg 136, 3). Globalisierung hat durchaus etwas mit der „Zerstreuung der Schafe“ zu tun, wenn sie eben nicht als globale Verantwortung zum Wohl aller verstanden wird. Dazu gehörte, „dass alle satt werden“ (Brot-für-die-Welt), und das setzt Bewahrung der Schöpfung voraus. Die bisher verfolgte Klimapolitik mit ihren Scheinlösungen und Ausflüchten gäbe einem Jeremia genug Anlass zur Klage.

Er würde es andererseits an leidenschaftlichem Trost nicht fehlen lassen: Augen auf für die bestellten neuen Hirten! Es gibt sie immer wieder, die Verantwortungsbewussten in Politik, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft. Ist es überheblich oder vermessen, in solchen Hoffnungsträgern Bevollmächtigte Gottes zu sehen? Und ist es naiv oder unzeitgemäß, eine trotzige Hoffnung auf DEN Hirten zu setzen, den Schöpfer und Bewahrer allen Lebens? Jeremia hatte zu seiner Zeit gewiss nicht den konkreten Menschen Jesus aus Nazareth vor Augen, wohl aber die Vision, dass Gott sehr konkret in unsere Geschichte eintreten wird. Er ist DER gute Hirte, der sich im Glauben der Christen im Menschen Jesus verkörpert. Weil er Gott ist, ist sein Eintreten in unsere Geschichte Grund zur Hoffnung und gegen alle Verzweiflung und Selbstaufgabe. Weil er zugleich der Mensch Jesus ist, wissen wir, was wir von seinem Eintreten zu erwarten haben.


Epheser 2, 13-18

Zum Text:

Der Epheserbrief zählt zu den paulinischen Schriften, wobei der Verfasser durchaus auch ein Schüler des Apostels gewesen sein kann. Der Gestaltung nach ist das Schreiben ein Brief, nach Stil und Inhalt jedoch eher eine Predigt: Im Eingangsteil finden sich Gotteslob und Fürbitte, am Ende ein liturgischer Lobpreis. Predigtthema ist die Kirche, und zwar die weltweite mit Christus als Herrn und Haupt. Das wird inhaltlich in den Kapiteln 1 bis 3 entfaltet, wozu der Predigttext zählt.

Predigtgedanken:

Um Frieden geht es in dieser Predigt, und zwar um DEN Frieden, der durch Jesus verkörpert wird, um den Frieden zwischen Gott und den Menschen und den der Menschen untereinander, hier insbesondere der Juden und der Heiden. Wobei aus christlicher Sicht wohl zu beachten ist, dass Paulus die angestammten Hausgenossen Gottes im Judentum verwurzelt sieht, und hinzu kommen dürfen die neuen, die ehemaligen Heiden. Doch sagen uns diese Verse etwas zu Nachhaltigkeit und Ökologie? Vielleicht, wenn wir Ökologie nicht gleich verkürzt mit Umweltfragen erklären, sondern weiter als Lehre vom ganzen Haus des Lebens verstehen. Damit es ein Haus des Lebens sein kann bzw. werden kann, muss Frieden sein bzw. werden. Weitere Stich- und Anreizworte im Text lohnen ein vertiefendes Nachdenken: fremd und ausgeschlossen sein (Vers 12), einander fern oder nahe sein (Vers 13), Jesus als verkörperter Friede (Vers 14), zu neuen Menschen gemacht werden (Vers 15), Friede den Fernen und den Nahen (Vers 17), Alle in einem Geist Zugang zu Gott (18). ...

Sind das nicht alles zu vertiefende Verheißungen für jene Menschen, die sich Gedanken oder auch Sorgen machen über die weitere Entwicklung der menschlichen Beziehungen zu- bzw gegeneinander? Und natürlich gehört in solches An- und Weiterdenken dann auch das Verständnis von und das Verhältnis zur außermenschlichen Mitwelt. Dass die GANZE Kreatur nach Erlösung und Frieden seufzt, gehört auch zum theologischen Vermächtnis des Paulus. Gewiss verbietet es sich, in diesem Text aus dem Epheserbrief eine Art „Paulinischer Ökologie“ erkennen zu wollen. Gewiss geht es im Kern um das Verhältnis von Judentum und Christentum und damit um die Verwurzelung des Christlichen im jüdischen Glauben, um Frieden und Versöhnung. Es verbietet sich jedoch nicht, auf der Basis solchen An-Denkens (Andacht) weiterzudenken und die gesamte „Hausgenossenschaft Gottes“ und ihren Frieden mit in den Blick zu nehmen.


Markus 6, 30-44

Zum Text:

Markus gilt als Verfasser des ältesten, griechisch geschriebenen Evangeliums (um 70 n. Chr. vermutlich in Rom), als Mitarbeiter des Paulus und später des Petrus. Er sammelte Überlieferungen über das Leben, Wirken und Lehren Jesu (Wundererzählungen, Gleichnisse, Einzelworte und Passionsberichte), ordnete diese zeitlich und sachlich und verarbeitete sie so zu seinem Evangelium. Der vorliegende Text gehört von der Gattung her zu den Wundererzählungen.

Predigtgedanken:

Die Sättigung der Vielen ist Thema in allen vier Evangelien und damit ein Kernthema der frühen christlichen Überlieferung. Dabei gehören Eingangsgebet und Brotbrechen schon zu jedem traditionellen jüdischen Mahl. Zugleich wird voraus gewiesen auf die Stiftung des Abendmahls und die künftige Mahlfeier der Gemeinde – damit aber auch darauf, dass diese Mahlfeier zugleich ein Sättigungsmahl war, bei dem besonders die Armen der Gemeinde versorgt wurden. Dass noch zwölf Körbe mit Brot übrig blieben, ist nicht Zeichen für orientalische Übertreibung seitens der Erzähler, sondern veranschaulicht die Fülle des Segens, den Gott in der Person und im Wirken Jesu zu Teil werden lässt, und steht für seine unermessliche Güte. Kernsatz der Erzählung ist für mich jedoch Vers 37: „Gebt doch ihr ihnen zu essen!“ Und das eigentliche Wunder ist, dass sie es tun – trotz aller klugen Vorbehalte und Ausreden. Was sie – was wir – dann im Namen Jesu und in der Gemeinschaft mit ihm tun, ist eben, etwas von der unermesslichen Güte Gottes, von seinem Segen weiter zu geben. Und das konkret, handfest, nicht nur in wohl klingenden Worten und Programmen. Womit wir wieder beim Abendmahl sind und seinem Kern: „Dies ist mein Leib.“ Das Wort ward Fleisch. Worte und Programme mit Hand und Fuß sind gefragt – und sind möglich. Und von wegen Wunder: Wahre Wunder gibt es immer wieder; wir müssen sie nur tun. Geben wir den Hungernden zu essen. Damit ist dann die globale Verantwortlichkeit angesprochen, die sich natürlich nicht Lebensmitteltransporten erschöpft. Beim Abendmahl feiert auch nicht in fröhlicher, sättigender Runde eine Teil-Gemeinschaft, die dann gnädig etwas von ihrem Kuchen für die Armen der Welt übrig hat – sondern die, die Armen der Welt, sind Teil der Gemeinde und von uns genau so zu sehen und nicht als Empfänger unserer Mildtätigkeit. „Gebt ihr ihnen zu essen“ ist damit die Aufforderung zum gerechten Teilen. Und da sind wir in der Tat gefordert.

Wilfried Stender, Essen

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