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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

12. Jul. 09 - 5. Sonntag nach Trinitatis / 15. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 5, 1-11

Am 7, 12-15

Eph 1, 3-14 oder kurz
Eph 1, 3-10

Mk 6, 7-13

Die Autorin betrachtet die Bibelstellen der kath. Leseordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: den Mund aufmachen, auch auf die Gefahr hin, nicht gehört zu werden / Nord-Süd-Konflikt, soziale Ungerechtigkeiten (Am 7); der Mensch hat schon in sich, was er zur Bewahrung der Schöpfung benötigt ... er soll seine Kreativität und seinen Verstand nutzen, Lebensstile auf Kosten anderer (Eph 1) sowie zahlreiche Impulse / Anstöße zu den Versen aus Mk 6, die hier nicht nochmals aufgeführt werden


Amos 7, 12-15

Exegetische Anmerkungen:

Amos wird angegriffen für das, was er prophezeit, und des Landes verwiesen. Seine Prophetie ist nicht erwünscht, weil sie in dieser radikalen Form nicht wahrgenommen und angenommen werden will. Die Regierenden befürchten, dass hinter den Worten des Amos judäische, dem Nordreich feindlich gesinnte Kreise stecken, die Amos mit Geld bestochen haben. Amos ist aber kein Berufsprophet, sondern ein Berufungsprophet. Er lebt nicht von seinem Prophetentum, denn sein Broterwerb ist die Viehzucht und Landwirtschaft. Jahwe selbst sei es, der ihn, -so wörtlich- „von hinter der Herde weg packte“.

Predigtgedanken:

Wer sagt, was unbequem, radikal ist, die bestehende Ordnung und Sicherheit in Frage stellt, hat es oft schwer, mit seinen Worten anzukommen und gehört zu werden. Die Ungerechtigkeit, dass viele Reichen immer reicher werden und viele Armen immer ärmer, bringt Unheil, z.B. Nord-Süd-Konflikt, gesellschaftliche Ungerechtigkeit in unserem Land. Wenn alle Menschen auf der Welt so viel Rohstoffe und Ressourcen verbrauchen würden, wie wir in westlichen Ländern, würde dieser Standard nicht mehr möglich sein. Ist er überhaupt notwendig, gerecht und verantwortbar? Menschen, die immer wieder den Finger in die Wunde legen, die auf drastische Auswirkungen der Raubbaus mit den Gütern der Welt und der Schöpfung aufmerksam machen, werden oft nicht gehört, für Spinner und Schwarzmaler gehalten. Wer spürt, dass ihm eine Botschaft von Gott gegeben ist, die nicht aus seinen eigenen Interessen kommt, der kann die Erfahrung machen, dass er nicht gehört werden will. Wie viele werden dafür bezahlt, dass sie nach dem Mund der Einflussreichen reden; Lobbyisten in unserer Zeit?

Quelle: A. Deissler, Hosea, Joel, Amos, St. Benno Leipzig 1985


Eph 1, 3-14

Exegetische Bemerkungen:

Ein Großteil der Bibelwissenschaftler geht davon aus, dass Paulus den Epheserbrief nicht selbst verfasst hat. Er soll einige Zeit nach seinem Tod entstanden sein und in paulinischer Tradition weitergeführt worden sein. Die Verse 3-14 im 1. Kapitel sind als ausführlicher Lobpreis Gottes gestaltet, nach Vorlage eines antiken Briefes. Die Kompaktheit der zentralen Heilsbotschaft und hymnisch überladene Sprache lassen den Text beim einmaligen Lesen kompliziert erscheinen.

Zentrale Kernaussagen des Textes:

1. Gott hat uns schon immer geliebt und will unser Heil.
2. Durch Christus sind wir erlöst und gerettet.
3. Durch den Heiligen Geist gehören wir jetzt schon zu Gott.

Anmerkungen aus der Sicht der Nachhaltigkeit:

Aus der festen Zusage und Überzeugung des Verfassers, dass jeder Mensch zuerst von Gott geliebt ist, ergibt sich, dass jeder Mensch die Aufgabe im Leben hat, darauf Antwort zu geben. Das kann nur in Solidarität mit allen Menschen der Welt geschehen und nicht auf Kosten der sog. „Dritten Welt“. Das, was der Mensch tut, soll zum „Lob seiner (Gottes) herrlichen Gnade“ (V 6a) geschehen. Somit ist es nicht mit einem Lebensstil vereinbar, der auf Kosten anderer geht, ein Lebensstil, der in Kauf nimmt, dass durch ungerechte Verteilung der Güter, Menschen ihrer Existenzgrundlage entzogen werden. In und an uns Menschen muss ablesbar sein, dass wir als Gottes Söhne und Töchter leben. Gott will das Heil der Menschen und damit das Heil aller Menschen und Geschöpfe, und nicht nur derer, die gerade diesen Text lesen.

„Mit aller Weisheit und Einsicht reich beschenkt“ - das könnte in der Predigt als Aufhänger genommen werden, dass der Mensch in sich trägt, was er zur Bewahrung der Schöpfung und zur Gerechtigkeit unter den Menschen einbringen kann. Jeder Mensch darf und soll kreativ sein und soll seinen Verstand benutzen.

Es ist klar, dass nicht jeder Mensch die Möglichkeit hat, Großprojekte anzutreiben, zur gerechteren Verteilung der Güter und zum fairen Umgang mit den Ressourcen auf der Welt. Allerdings kann sich jeder Mensch überlegen, wo er in seinem begrenzten Bereich Möglichkeit hat, Schöpfung zu bewahren, z. B. durch Art und Weise des Aufbaus und der Pflege des eigenen Gartens, neue Lebensräume für Tiere zu schaffen, Verzicht auf Einsatz von chemischen Mitteln, ...

Wichtig bei allem ist, nicht die moralische Keule zu schwingen, sondern aus der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen, die eigene Verantwortlichkeit herauszuspüren und wahrzunehmen. Ermutigung soll im Vordergrund stehen und positive Handlungsoptionen sollen aufgezeigt werden.


Mk 6, 7-13

Biblischer Hintergrund:

Jesus ist in Galiläa unterwegs gewesen und hat das Reich Gottes verkündet. Dann kommt er wieder in seine Heimatstadt Nazareth zurück. Sein Auftreten und Wirken bleibt aber nicht ohne Widerspruch und Ablehnung. Nun beansprucht er seine Jünger und erteilt ihnen den ersten Missionsauftrag und startet damit einen neuen Anlauf seiner Verkündigung.

Exegetische Anmerkungen und Impulse:

“V7 Er rief die Zwölf zu sich und sandte sei aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben.“

Wenn die Jünger zu zweit ausgesandt werden, soll dies sowohl ein Zeichen für Gemeinschaft sein, als auch die Glaubwürdigkeit erhöhen. Die Zwölf können gegenseitig Zeugen sein. Wer etwas erreichen will, schafft dies nicht im Alleingang. Jesus braucht seine Jünger, die im Namen Gottes unterwegs sein sollen.

Unreine Geister – was können das sein?

  • Psychosoamtische Krankheiten
  • Allmachtsvorstellungen von Menschen: alles ist machbar
  • Vorstellungen von Menschen: Nehmen und verbrauchen, solange die Rohstoffe, Ressourcen und Kapazitäten da sind, ohne Rücksicht auf Nachhaltigkeit und spätere Generationen
  • Gewissenlosigkeit: kein Gespür haben für die ganz persönliche Verantwortung mit den Schätzen der Welt so umzugehen, dass es allen Menschen zum Leben dient.

Impulse zum Nachdenken:

  • Wo suche ich nach Mitstreiterinnen und Mitstreitern in der Gemeinde oder in meinem Umfeld, um Projekte der Nachhaltigkeit durchzusetzen, z.B. im Pfarrgemeinderat beschließen, fair gehandelten Kaffee bei Gemeindefesten auszuschenken?
  • Jeder Christ hat eine Sendung und Berufung: Spüre ich den Auftrag an mich ganz persönlich, mich in der Gemeinschaft mit anderen für Nachhaltigkeit einzusetzen?

V8 Und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, V 9 kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.“

Jesus gebietet den Jüngern nichts mitzunehmen, was über den Augenblick hinaus Sicherheit geben könnte. Die Jünger werden so die Erfahrung machen, abhängig zu sein und müssen auf Bequemlichkeiten verzichten. Durch diese Erscheinung soll deutlich werden, dass sie tatkräftiges Zeugnis für die Einfachkeit, Armseligkeit und Sorglosigkeit der christlichen Botschaft ablegen. Wort und Tat stimmen überein.

Impulse zum Nachdenken:

  • Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden, für Nachhaltigkeit erfordert, dies nicht nur in Worten zu tun, sondern auch Taten folgen zu lassen´
  • Frieden heißt nicht nur keinen Krieg führen, sondern z. B. auch in der eigenen Ausdrucksweise gewaltfrei zu sprechen
  • Bin ich beim Autokauf darauf bedacht, ein Auto nach dem Spritverbrauch zu beurteilen oder nur nach dem Gefallen? Unabhängig davon, ob der Sprit teuer oder billig ist?
  • Suche ich nach Alternativen in meiner Fortbewegung? Bus, Bahn, Fahrgemeinschaft...
  • Kaufe ich ein größeres Auto, weil ich einmal im Jahr im Urlaub fahre und da möglichst viel mitnehmen möchte? Schwereres Auto, höherer Spritverbrauch
  • Es gibt so viele Dinge zu kaufen, die man einfach nicht braucht, auch wenn sie bequem sein könnten. Lasse ich mich verführen? Nur mal ausprobieren?
  • Wenn ich eine Wanderung unternehme, muss ich alles Mögliche einpacken oder begnüge ich mich auch mit dem Notwendigen? Wer alles klein einpackt, produziert unnötigen Verpackungsmüll. Mehrwegbehältnisse
  • Wenn ich nur das Notwendige dabei habe, kann ich den Augenblick viel eher wahrnehmen, bin ich viel aufmerksamer für das Spontane und Ungeplante, was mir geschenkt wird. Ich kann mich viel eher auf das Einlassen, was mir vor Ort begegnet.

„V10 und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. V 11 Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von eurern Füßen, zum Zeugnis gegen sie.“

Füße abschütteln gilt als symbolisches Gericht, vgl. Mk 6, 4 ff. Die Jünger sollen sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ihnen gegenüber keine Ablehnung geben würde. Jesus macht bei seinem Missionauftrag gleich auf dieses Thema aufmerksam und gibt ihnen Anweisung zum Handeln.

Impulse zum Nachdenken:

  • Wer sich für Nachhaltigkeit einsetzt, wird nicht überall mit offenen Armen empfangen. Bin ich so realistisch?
  • Wer Menschen gewinnen möchte, sich gemeinsam für ökologisch-soziales Handeln einzusetzen, wird auch immer wieder die Erfahrung machen, dass Menschen nicht bereit sind, sich mit diesen Gedanken konfrontieren zu lassen. Führe ich gleich Gericht gegen sie oder habe ich im Hinterkopf, dass für sie vielleicht noch nicht der „Kairos“ da ist, in dem sie dafür empfänglich sind?

V12 Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. V13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“

Auffällig ist, dass Jesus seine Jünger nicht damit beauftragt, das Reich Gottes zu verkünden, sondern „nur“ die Menschen zur Umkehr aufzurufen, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Die Jünger sollen praktische Spuren hinterlassen.

Impulse zum Nachdenken:

  • Wer andere zur Umkehr aufruft, muss auch selbst bereit sein umzukehren.
  • Gilt Umkehr im ökologischen Bereich nur in meiner Einstellung oder gehe ich tatsächlich in den Bioladen?
  • Lerne ich umzudenken, Geldanlagen auch nach ethischen Gesichtspunkten zu beurteilen oder nur nach einem günstigen Ertrag für meinen Geldbeutel?
  • Wer sich für Nachhaltigkeit einsetzt, setzt sich für Heilung ein. Ziel meines Anspruches, Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen zu verwirklichen sollte das „magis“, ein Mehr an Leben sein.
  • Umkehr im Sinne der Nachhaltigkeit heißt: Effizienz, Suffizienz, Konsistenz optimieren

Gedanken zur Jahreszeit:

Sommerzeit, Urlaubszeit: mal etwas ausprobieren, sich auf Neues einlassen,

  • sich Zeit nehmen herauszufinden, wo ich Menschen in meiner Umgebung finde, die sich auch mit dem Thema der Nachhaltigkeit beschäftigen, Institutionen aufsuchen
  • sich Zeit nehmen, nach Alternativen von ökologischer Verwerdbarkeit zu suchen
  • sich Zeit nehmen, sich auf Notwendiges zu beschränken, nicht alles vorzuplanen

Elisabeth Geisler, Waldems-Esch

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