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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

21. Jun. 09 - 2. Sonntag nach Trinitatis / 12. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 14, (15) 16-24

Ijob 38, 1.8-11

2 Kor 5, 14-17

Mk 4, 35-41

Der Autor betrachtet die Bibelstellen der kath. Leseordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Gott setzt Grenzen, diese verlangen nach Anerkennung, dem Fortschritt Maßstäbe geben (Ijob 38); sich von der Liebe drängen zu lassen führt zu einer nachhaltigen Mitgestaltung der Schöpfung (2 Kor 5), wir müssen Jesus nicht erst aufwecken – seine Anweisungen sind schon gegeben (Mk 4)


Mk 4, 35-41 Das Wunder der Sturmstillung:

Unser täglich Leben

Wir hören Nachrichten; täglich aktuelles Geschehen verbunden mit Informationen, Erläuterungen und Kommentaren. Trauriges, Fürchterliches, Interessantes, Belangloses nehmen unsere Wahrnehmungsorgane auf. Doch meist gehen wir trotzdem getrost unserer täglichen Arbeit und Verpflichtungen nach. Als gläubige Menschen geht es uns oft genauso. Doch wir ziehen uns einmal in der Woche zurück – zur Begegnung mit Jesus in seinem Brot. Nicht, dass wir ihn schlafend vorfinden, wohl aber sind seine Worte der Frohen Botschaft letztlich für uns nicht mehr aufrüttelnd. Wir haben ihm – Gott, seinem Sohn und dem Heiligen Geist - viele schöne Plätze bereitet, die wir gerne besuchen. Nur noch an anderen Stellen in unserem Leben regen wir uns auf und diskutieren. Gottes Anwesenheit, unser Glaube gibt uns diese Sicherheit, unser Leben hier als überwiegend angenehm zu beschreiben. Die Alltagsaufgaben anzugehen und je nach Gutdünken mal die eine oder andere Blickrichtung aufzunehmen, mal zu unterstützen oder um in Betroffenheit zu erstarren. So sorglos müssen sich die Fischer am Anfang ihrer Fahrt gefühlt haben.

Dann passiert es – auf einmal bekamen sie – auf einmal bekommen wir Angst. Warum?

Vielleicht weil wir krank werden, unsere Zukunft sich als unsicher erweist, mit dem Tod konfrontiert sind, wir Ungerechtigkeiten erkennen, uns bedroht fühlen. Was vorher sicher schien und reibungslos ablief, hat ein abruptes Ende erfahren. „Dieser Jesus ist doch jetzt gefordert“, so denken wir, „wieso kann er das nur zulassen?“ Ja, wo ist er, dass ich ihn wecken kann, wie die Jünger im Boot?

Was wäre, wenn ich mir vorstelle, dass Jesus mir im wirklichen Leben begegnet? Seine Anwesenheit sichtbar und fühlbar ist? Was wir sonntags feiern, eben keine müde und routinemäßige Zusammenkunft ist? Diejenigen, die gekommen sind, haben Fragen, wollen Hilfe. Aber er kennt ja mein Problem, unsere Probleme. Die Fragen brauchen wir folglich nicht mehr alle zu stellen. Da horche ich genauer hin, was er sagt und lass mich davon betreffen und bewegen. Und andere tun es mit mir. Wir tauschen uns aus, was wir gehört haben, wie wir es für uns verstehen und umsetzen können und bändigen so unsere (Lebens-)Angst und schenken uns gegenseitig Hoffnung. Und das verstärkt sich immer mehr. Unser Leben wird anders. Die plötzliche Angst kann mir und uns keine Angst mehr machen.

Vom Rettungswunder zur Nachhaltigkeit

Unsere Perikope von der Sturmstillung wird häufig als Rettungswunder bezeichnet. Bei all den Krisen und Gefahren unserer heutigen Zeit hoffen wir doch selbst immer wieder auf Rettung oder zumindest auf das Ausbleiben von Situationen, wo wir auf Rettung angewiesen wären. Die Sturmstillung zeigt uns, wie unversehens wir in eine Notlage kommen können (vgl. Vers 38: „wir zugrunde gehen“). Die Frage, wer dafür verantwortlich ist oder Schuld hat, stellt sich hier nicht.

Schon im Ersten Testament in den Psalmen (vgl. Ps 69, 2) ist von Notlagen die Rede und mittlerweile auch in unseren Sprachschatz übergegangen: „wenn einem das Wasser bis zum Halse steht“ Ob unverschuldet oder selbst verschuldet, sind diese Situationen nicht außer gewöhnlich.

Der Umgang mit Notlagen, eigener und fremder Not, erweckt laut unserer Perikope den Eindruck, dass wir das Gefühl haben, Jesus „aufwecken“ zu müssen und ihn um Hilfe zu bitten. Das Gefühl ihn „aufzuwecken“, das ist ein Schritt, der zwar von einer Notsituation ausgelöst werden kann, aber immer wieder neu gegangen werden muss – bis dahin, dass wir davon ausgehen können, dass ER immer da ist. Das heißt, ihn als Lebendigen zu sehen, seine Anweisungen zu befolgen, seinen Gedanken und Worten Leben einzuhauchen. Unser Leben, das Denken und Handeln muss sich von ihm durchgehend infizieren lassen.

Jesus als den immer Anwesenden zu erleben, ist ein grundlegender, langer Prozess und sehr umfassend. Er ist nicht nur auf mich, auch auf alle anderen Geschöpfe und die gesamte Schöpfung ausgerichtet. Und in dieser Perspektive zu handeln, Not zu sehen und die geschwisterliche Hilfe anzubieten ist eine Nachhaltigkeit, die das Leben für den Einzelnen und im Miteinander auf Dauer verbessert. Letztlich ist diese Denk- und Handlungsweise sogar notwendig, um unsere Gesellschaft zusammen zu führen und den Fortbestand der Schöpfung nicht vorzeitig zu beenden.


2 Kor 5, 14-17 …für die Nachhaltigkeit gestorben…

So würde vielleicht Paulus heute im Korintherbrief schreiben. Seine Liebe zu Christus hat in ihm förmlich gebrannt, so dass sein Zeugnis wahrhaft nachhaltig gewirkt hat. Da er kein großer Redner war (2 Kor 10, 10), wie seine Gegner bemerken, muss wohl seine innere Überzeugung und seine Hingabe ausschlaggebend gewesen sein.

Aber dieses Engagement, die Durchdrungenheit seiner Person von Jesus hat ihn für unseren Glauben so entscheidend und prägend gemacht. Seine Liebe zu Jesus drängt ihn und meint damit auch uns, sich in diese Liebe zu stellen. Nicht mehr menschliche Maßstäbe (Wissen, Zeit, Leid) und Besitztümer zählen („mein Haus, mein Boot…“) sondern nur die Ausrichtung hin auf Jesus (die Erfahrung eines absoluten Lebens). Wenn sich darum unser Leben dreht, dann hat sich grundlegend etwas gewandelt. Paulus spricht daher von der neuen Schöpfung. Und diese Schöpfung kann nicht mehr untergehen. Sie bietet Leben für alle, die in Christus leben. Oder im Bild des Evangeliums ausgedrückt: die Jesus als mitlebende Person bei sich wissen.


Ijob 38, 1.8-11 Menschliche Grenzen anerkennen

Mit der Drohung an die Adresse Ijobs: „bis hierher darfst du und nicht weiter…“ könnte man sich an den Baum der Erkenntnis im Paradies erinnert fühlen. Eine Autorität setzt Grenzen. Gott will dem Menschen Grenzen aufzeigen, die er vermeintlich nicht mehr kennt oder kennen lernen will. In der Fortsetzung des Satzes heißt es: „hier muss sich legen deiner Wogen Stolz“. Also die Selbstherrlichkeit des Menschen hindert ihn, selbst zu erkennen, was noch seine Leistung ist und was er Gott als dem Schöpfer zuzuerkennen hat.

Während früher Menschen verstärkt aus ihrer Erfahrung lernten und ihre Hilfen davon ableiteten, versucht der Mensch heute, in das Leben selbst einzugreifen; natürlich immer unter dem Mantel der Verbesserung und der notwendigen Hilfeleistung. Aber ist abzusehen, wie sich z.B. gentechnische Veränderungen langfristig auswirken? Wenn wir dem Leben höchste Priorität einräumen, damit dem Schöpfer alle Macht zuerkennen und trotzdem in Versuchen alles Leben nachzuahmen oder zu verändern trachten, dann stimmen unsere Welt- bzw. Glaubensausrichtung nicht mehr überein.

Es geht nicht darum, den Fortschritt zu behindern, sondern um die Frage, was ist noch Fortschritt? Was ist noch verantwortlich? Wollen wir Gottes Planung übernehmen? Die Anerkennung einer Grenze des Menschen zur Veränderung der Schöpfung Gottes ist eine unumgängliche Voraussetzung für dauerhaftes, nachhaltiges Leben auf diesem Planeten. In dem der Mensch seine Grenze annimmt, wird er ein neuer Mensch. Er wird zu dem, was sein Menschsein ausmacht.

Rüdiger Torner, Köngernheim / Rhh.

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