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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

14. Jun. 09 - 1. Sonntag nach Trinitatis / 11. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 16, 19-31

Ez 17, 22-24

2 Kor 5, 6-10

Mk 4, 26-34

Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: die Bereitschaft zum vorausschauenden Denken, Werte- statt Güterorientierung, andere Kulturen wahrnehmen, nicht nur im Hinblick auf ihre finanziellen Ressourcen (Lk 16); in der Schöpfung steckt Gottes herrschaftlicher Wille zum Heil (für alle), das hat für uns Maßstab zu sein (Ez 17); Christen sind frei, zu gestalten, sie sind glaubensgenmäß nicht materiellen Zwängen unterworfen, Altenheime / Gesundheitsreform (2 Kor 5); wir haben kein Recht auf Erfolg unserer Bemühung, Allmachtsgedanken schaden (Mk 4)


Predigttext (evang.): Lk 16, 19 - 31

Exegetische Beobachtungen:

Es handelt sich um eine der großen Beispielerzählungen im Lukasevangelium, in der gleichen Weise gestaltet wie die Gleichnisse vom barmherzigen Samariter oder vom verlorenen Sohn. Der Evangelist behandelt hier das Thema arm und reich und die verderbliche Rolle des Besitzes für’s Seelenheil. Er greift auf einen Erzählstoff zurück, der den Zeitgenossen wohl vertraut war und in zahlreichen Varianten kursierte: ein ägyptisches Märchen berichtet z.B. von der Fahrt des Setme Chamois ins Totenreich, wo der Reiche sich plötzlich in der finsteren Unterwelt wieder findet, während der Arme, ausgestattet mit Ehrengewändern und Luxus, seinen Platz beim Gott Osiris einnehmen darf, der überdies befohlen hatte, ihm die Grabausstattung des Reichen zu schenken. „Gib, so rettest du dich; behalte und genieße, so verdirbst du“, lautet die einfache Moral dieser Erzählungen. Bei Lukas hat die Geschichte eine zweite Pointe: Der Reiche bittet Abraham, er möge doch seine fünf Brüder vor dem Verhängnis warnen, das ihn betroffen hat. Abraham lehnt ab unter Hinweis auf Mose und die Propheten.

Theologische Wertung:

Die Beispielerzählung beginnt mit dem altbekannten Problem der Theodizee: Die verschiedenen Lebenswege geben unserem Gerechtigkeitsempfinden Rätsel auf. Damit Gott nicht ungerecht oder machtlos erscheint, wird ein Ausgleich des erlittenen Unrechts notwendig. Dies geschieht direkt nach dem Tod durch Umkehrung der Verhältnisse: Der arme Lazarus wird erhöht, der Reiche erniedrigt. So kann Gott gerecht, gütig, und zugleich allmächtig bleiben und unser moralisches Verhalten behält Bedeutung für das Ergehen: Wer zu Lebzeiten nur bequem war und die Nächstenliebe versäumt hat, wird dafür zur Rechenschaft gezogen. Dabei muss die himmlische Vergeltung ebenso unerbittlich verfahren wie Gott es auf Erden macht. Die verspätete Einsicht des Reichen kann so weder ihm, noch seinen lebenden Brüdern helfen. Die Wahrheit über das rechte Leben war ihnen ja durch Gesetz und Propheten bekannt. Ihre Blindheit zu Lebzeiten erklärt sich aus der verderblichen Wirkung von Geld und Reichtum auf die Menschen. Der Satz „Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr…“ beschreibt ein Grundanliegen des Evangelisten.

Nachhaltige Aspekte:

Die Lazaruserzählung kann als Appell an unsere Fähigkeit zu voraus schauendem Denken interpretiert werden, weil sie die Fernwirkungen aktuellen Fehlverhaltens drastisch beschreibt. Das Problem der „Reichen“ ist nicht ihr Mangel an Wissen, sondern ihr Mangel am Willen, sein Leben in einen Horizont tätiger Nächstenliebe zu stellen. Ihr Verhalten zeugt nicht nur von Egoismus, sondern offenbart Kleinglauben: Dass mit einer Verantwortung auch die Kraft wächst, übersteigt ihren Horizont. Lieber hält man sich ans Gegebene. Was man dabei übersieht, kann auch nicht verunsichern, stört nicht das gemütliche Beisammensein. Lazarus, der krank vor der Tür lag, war der abgewiesene Anruf Gottes zur Umkehr. Gegen solche Lieblosigkeit richtet selbst das Evangelium vom auferstandenen Christus nichts aus. Das Übersehen von Not wird heute allerdings dem leicht gemacht, der sein Interesse auf Kommerzfernsehen, Boulevard und den engsten Familienkreis beschränkt. Doch kann sich der besinnungslose Konsumhedonist vor den Folgen seines Tuns oder Nichthandelns ebenso wenig drücken wie der Reiche in unserer biblischen Erzählung: wenn Raubüberfälle in der Stadt zunehmen, wenn immer mehr Flüchtlinge und Armutsmigranten ankommen, die in seiner Nachbarschaft untergebracht und mit seinen Steuergeldern versorgt werden müssen, werden ihm die Versäumnisse seiner Zeit und ihrer politischen Vertreter vielleicht bewusst.

Dem erzählenden Jesus geht es um die Sinnausrichtung unseres Daseins: sollen Werte das Leben bestimmen oder Interessen? Nach Edmund Husserl sind Werte die letzten Zufluchtsorte von Transzendenz in unserer modernen Welt. Sie schützen vor Verdinglichung und Entfremdung in einer anonym gewordenen, an Effizienz und Kapitalverwertungskriterien ausgerichteten Warenwelt. Werte motivieren zu einem Lebensstil, der unsere enge Lebenswelt „überschreitet“. Erich Fromm hat dem Existenzmodus des „Habens“ ein Konzept der „Seinsorientierung“ gegenüber gestellt. Statt besitzen, herrschen, kontrollieren zu wollen, was in der Konsequenz zu unlösbaren Konflikten führt, soll der Mensch im „Seinsmodus“ seine kreativen Fähigkeiten entfalten, Interesse am Gestalten entwickeln, seine Freude am gemeinsamen Erreichen von Zielen haben. Im Mittelpunkt steht die Gemeinschaft durch Lieben und Geben.

Werte benötigen keinen Platz und verbrauchen keine Ressourcen. Sie vermehren sich durch Weitergabe, während Güter sich durch Weggabe verknappen. Demokratie wäre so ein segensreiches Werte-Geschenk für viele Länder Afrikas. Die dort herrschenden Diktaturen behindern die Entwicklung nachhaltig. Da durch Korruption viel Geld verloren geht, wären Regeln und Methoden des „good government“ dringlicher und wertvoller als mancher Millionenbetrag an Entwicklungshilfe. Die Weitergabe von Werten macht allerdings mehr Mühe als die Überweisung von Geld und ist langwieriger als ein Gütertransport in Krisengebiete. Wenn wir Bildungsstätten gründen, Experten schicken und auf Lernprozesse setzen, hilft das gegen Fehlhaltungen und Unwissen nachhaltig.

Wenn wir uns auch selbst öffnen können für Wissen und Erfahrungen anderer; wenn wir die Errungenschaften von Kulturen, die uns fremd sind, respektieren können, lernen und gewinnen wir ebenso. Anzustreben ist nicht die Anpassung aller Menschheitskulturen an den westlichen Lebensstil, sondern eine Konvergenz, die allen historisch gewordenen Eigenheiten das jeweils Beste abgewinnt und aufhebt in einer gemeinsamen Zukunft. An vielem lässt sich sparen, nur nicht am Denken. Lukas würde sich freuen, wenn seine Warnung vor den Suchtgefahren des Reichtums gehört würde.


1. Lesung (kath.): Ez 17, 22 - 24

Theologische Wertung:

Der Text gehört zu den Unheilsankündigungen Ezechiels. Seine Drohworte münden in das Bekenntnis zu dem einen Gott, der alles geschaffen hat und heute noch die Völkerwelt regiert. Er hat den Untergang Israels herbeigeführt, doch dies ist nicht sein letztes Wort. Ezechiel, der seine umfassende Geschichtsschau aus exilischer Perspektive entwirft, löst Israel vom Tempelkult, indem er verkündet, Gott könne an jedem Ort verehrt werden. Statt durch den Tempelkult am Zion wird Israels Identität künftig nur noch durch Wort und Geist Jahwes gestiftet. Veranschaulicht wird dies durch eine Zeichenhandlung: Gott pflückt ein Reis von einer Zeder und pflanzt es an einem anderen Ort wieder ein.

Nachhaltige Aspekte:

Hier denke ich an die bildhaften Parallelen im Handeln Gottes. Einmal führt er Völker heran, um Israel zu strafen oder zu befreien, so dass diese zu Paradigmen seiner Weltregierung werden. Im Lesetext vollzieht er das Gleiche an der Natur: er erniedrigt und erhöht Bäume, lässt Pflanzen ergrünen und verdorren, pflanzt Schösslinge um. Gott demonstriert, dass er überall „im Regimente sitzt“, damit alle „erkennen, dass ich Jahwe bin“. Natur und Geschichte werden zu Aspekten einer umfassenden Handlungskonzeption: Sie besteht in Gottes Willen zum Heil, der sich an Menschen, Völkern und allem Lebendigen vollzieht. Die ganze Schöpfung wird Adressat göttlichen Gerichts und Heilshandelns. Der einzelne Mensch, den Ezechiel als erster unter den Propheten in persönlicher Verantwortung vor Gott sieht, muss sich diesem Prozess stellen: Will er Gottes Werk mittun, indem er sich unter sein Gesetz stellt, oder will er der „Sünde“ verfallen und „sterben?“ Jeder wird nach seinem persönlichen Verhalten beurteilt, Kollektivurteile sind abgetan. Dieses Recht auf freie Entscheidung ermöglicht allen Künftigen Chancen, neu anzufangen. Für uns mag es sich darin zeigen, dass gerodete Wälder neu gepflanzt, ausgeräumte Landschaften wieder neu erblühen können, wenn wir es nur wollen. Damit auch unsere Zeit erkennt, dass allem Geschehen ein transzendentaler Sinn innewohnt, der auf Heil und Leben zielt.


2. Lesung (kath.): 2 Kor 5, 6 – 10

Theologische Wertung:

Zentralthema des 2. Korintherbriefes ist das apostolische Amt. Im Kontext von Kap. 4, 7 bis 6, 10 geht es um den Inhalt der apostolischen Verkündigung. Christlich existieren bedeutet, ein geistlich bestimmtes Leben im „neuen Bund“ zu führen, welches sich im Glauben konstituiert und in den Gnadengaben von Glaube, Liebe und Hoffnung ausweist. Die Christen leben „zwischen den Zeiten“: noch in der Welt, aber so, dass sie der Welt gekreuzigt sind und sich darin als „Fremde“ fühlen. Das „Schauen“ der Wahrheit liegt in der Zukunft. Gegenwärtig bleibt nur die Hoffnung, welche immer wieder durch Trost und Zuversicht gestärkt werden muss. Dabei hilft das Bestreben, Gott zu gefallen. Denn zum einen hält es die Verbindung zu ihm, zum anderen mehrt es den „Lohn“, den jeder einmal vor dem „Richterstuhl Christi“ empfangen wird.

Nachhaltige Aspekte

Die begnadeten Sünder sind frei, durch gute Tat Gott zu erfreuen, ohne in gesetzliche Verdienstethik zurück zu fallen. Helle Zuversicht befreit zu mutigem Bekennen und Tun. Das Fremdheitsgefühl im eigenen Körper muss dabei nicht hindern, sondern kann beflügeln, weil damit auch manche Angst verblasst. Christliche Menschen sind frei, „zwischen den Zeiten“, im Seinsmodus als „Neue Kreatur“ neue Modelle des Miteinander zu versuchen:

Müssen alte, verwitwete Menschen vor der Alternative stehen, entweder allein oder kaserniert in Heimen zu leben? Betreute Wohngemeinschaften dürften für viele besser sein. Auch Wohnprojekte, bei denen sich mehrere Generationen aus freiem Entschluss zusammen finden, um einen Teil ihres Lebens miteinander zu verbringen, finden zu Recht immer mehr Interesse.

Wer schreibt vor, dass es im Wirtschaftlichen allein auf den Gewinn ankommt? Kirchliche Einrichtungen erleben durch die Gesundheitsreform zwar Kostendruck und Wettbewerb wie andere und müssen sparen. Sie sind aber aus Prinzip nicht gewinnorientiert. Sie können sich dadurch auch künftig von kommerziellen Einrichtungen abheben. Wenn sie ihre Verwaltungen nicht allzu üppig ausstatten (Verwaltung und Juristerei sind die größten Feinde des Evangeliums), haben sie Geld und geistliche Ressourcen frei, um die Atmosphäre menschlicher, christlicher zu gestalten. Manche Theolog/inn/en, die im Gemeindedienst nicht unterkommen können, wären hier in verschiedenen Funktionen einsetzbar. Nach entsprechender Fortbildung könnten gerade sie dazu beitragen, den Geist dieser Einrichtungen zu heben. Auch das ehrenamtliche Engagement der Gemeinden, die sie mittragen, kann mithelfen.


Evangelium (kath.): Mk 4, 26 - 34

Theologische Wertung:

Das Evangelium ist von der Passionsgeschichte her konzipiert: als Werbebotschaft für den Glauben an Jesus Christus. Er war der Messias und Menschensohn, der in Galiläa wirkte und am Kreuz für uns alle starb. Die beiden Gleichnisse von der selbstwachsenden Saat und vom Senfkorn illustrieren die Wirkung dieses Evangeliums: geheimnisvoll wie das selbsttätige Wachsen der Saat; gewaltig wie die Entwicklung einer großen Staude aus einem winzigen Korn – erneut ein Gleichnis, das die natürlichen Lebensprozesse in den Blick nimmt. Es passt gut zur Jahreszeit, in der alles wächst und reift, manches Feld ist vielleicht schon abgeerntet und liegt bereit für eine zweite Aussaat. Ist es nicht vermessen, die Wirkung unserer Predigt damit zu vergleichen?

Nachhaltige Aspekte:

Eine Karikatur von Marie Marks zeigt einen Mann, der die Erdkugel auf seinem Rücken trägt. Eine Frau steht daneben und sagt: „roll das Ding doch.“ Es heißt, Gutmenschen wären schon von fern zu erkennen am sauertöpfischen Gesichtsausdruck. Unbefangene fragen: Warum tun die das? Wenn sie überhaupt nichts davon haben? Bei Manchem hat man den Eindruck, er suche geradezu nach einer Möglichkeit, Verantwortung, Last und Probleme zu übernehmen, um sich so fühlen zu können, wie es das Gesicht zeigt. Fehlt diesen Leuten die Fähigkeit zum Glück? Ein anderer Cartoon zeigt, wie ein leptosomer, bebrillter Mensch mit einem Schild in der Fußgängerzone steht: „Pfarrer auf der Suche nach einer lieben, kleinen Randgruppe“ Böse, gewiss, denn wer sich angesprochen fühlt, wird zwingende Argumente für sein Tun beibringen, die jede Kritik beschämen. Wird „so jemand“ seine Schützlinge auch mal wieder loslassen können?

Jesus kann uns beruhigen: Vieles wächst von allein, wenn ihr nur die richtige Saat ausbringt. Nicht alles können wir vollbringen. Zu oft gießen kann auch schaden. Oft ist es Kleinglaube, der zu gouvernantenhafter, kontrollierender Ängstlichkeit verführt. Was aus der Saat werden kann, zeigt die Senfstaude. Ob sie heranwächst, haben wir meist nicht in der Hand. Wenn sie nicht wächst, dürfen wir erneut versuchen. Unser Glück darf nicht davon abhängen. Vertrauen kann sehr gut tun.

Winfried Anslinger, Homburg

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