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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

31. Mai. 09 - Pfingstsonntag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 14, 23-27

Vorabend: Gen 11, 1-9 od. Ex 19,
3-8a.16-20b
od. Ez 37, 1-14 od.
Joel 3, 1-5 / Tag: Apg 2, 1-11

(V:) Röm 8, 22-27
(T:) Gal 5, 16-25 od.
1 Kor 12, 3b-7.12-13

(V:) Joh 7, 37-39
(T:) Joh 20, 19-23 od.
Joh 15, 26-27; 16, 12-15

Der Verfasser betrachtet die ev. Predigtperikope, als kath. 1. Vorabendlesung Gen 11 unter Bezug auf Apg 2, 1-11, sowie Röm 8 als 2. Vorabendlesung. Er gibt folgende Stichworte an, die die Brücke zur Nachhaltigkeit schlagen: Ermutigung zur Weltverantwortung, Orientierung am Frieden Jesu (Joh 14); Zukunft gestalten, kein Fortschritt auf Kosten Schwacher (Gen 11); Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Schöpfung (Röm 8)


Text: Joh 14, 23-27 (ev. Reihe I)

Kontext:

Der Text Joh 14, 23-27 ist Teil der Abschiedsreden Jesu, die im Johannesevangelium den Bericht vom Wirken Jesu mit der Passionsgeschichte verbinden (Joh 13, 31-16, 33). Durch die Passage, die den Kontext der Perikope bildet (Joh 13, 31-14, 31), zieht sich als roter Faden die Absicht, die Jünger auf die neue Situation nach Jesu Tod und Auferstehung vorzubereiten. Der Predigttext selbst entfaltet die Aussage, dass Jesus den Jüngern angesichts des bevorstehenden Abschieds die tröstliche Kontinuität seiner Geistesgegenwart zusagt.

Hinweise zur Texterschließung:

Es fällt auf, dass in Joh 14, 23-27 Grundbegriffe und Kernaussagen vorangehender Verse noch einmal resümierend zu Wort kommen. So nimmt Vers 23 die Verse 15 und 21 auf, um zu betonen: Jesus lieben, heißt seinem Wort gemäß leben. Im Mittelpunkt christlicher Existenz stehen nicht religiös gestimmte Hochgefühle, sondern eine Glaubens- und Lebenspraxis, die sich an Jesu Wort orientiert. In Vers 23 f. wird, wie schon zuvor in den Versen 7-11 und 20, die Einheit von Jesus und Gott, von Vater und Sohn in Erinnerung gerufen. Indem der Evangelist dieser Aussage mehrfach Raum gibt, unterstreicht er ein ganzheitliches Glaubensverständnis, das die Aufspaltung des Gottesbildes in den strafenden Gott des Alten und seinen liebenden Sohn des Neuen Testaments nicht zulässt.

Bemerkenswert ist der Perspektivwechsel, der sich zwischen den Versen 2 und 23 vollzieht: Während in Vers 2 die menschliche Sehnsucht nach den himmlischen Wohnungen Gottes anklingt, formuliert Vers 23 die Zusage, dass Gott bei den Menschen Wohnung nimmt, die an seinem Wort festhalten. Ganz im Sinne der präsentischen Eschatologie, die das Johannesevangelium kennzeichnet, wird der Blick vom Streben nach jenseitiger Erlösung auf die irdische Lebenswelt zurückgelenkt. Nicht erst am Ende der Zeiten, sondern hier und jetzt, inmitten eines oft lebensfeindlichen Umfelds, ist die lebensfreundliche Präsenz Christi der nach seinem Wort lebenden Gemeinde als dauerhafte Erfahrung zugesagt. Als Tröster verheißt Jesus seinen und Gottes Heiligen Geist, der die christliche Gemeinde nach Ostern auf dem Weg der vergegenwärtigenden Erinnerung begleitet (V. 26) und sie darin bestärkt, als Kennzeichen der christlichen Gemeinschaft an der Liebe untereinander festzuhalten (Joh 13, 34 f.). Der Frieden, den Jesus den Jüngern als Abschiedsgabe hinterlässt, ist geprägt durch den Kontrast zu den (nicht nur) damals gängigen Methoden weltlich-politischer Friedenssicherung (V. 27). Ausschlaggebend für die Zukunft und Überzeugungskraft der christlichen Gemeinde ist gerade nicht das Vertrauen auf militärische Machtmittel, wie es im Sieg-Frieden-Konzept der Pax Romana zum Ausdruck kommt. Für Christinnen und Christen gilt als Trost und Orientierung der Frieden des Heilands, der sich in der heilenden Kraft der lebensförderlichen, gewaltlosen Zuwendung äußert.

Friedenstheologische und friedensethische Assoziationen:

In der christlichen Symbolik steht die Taube für den Heiligen Geist (vgl. das Zeugnis Johannes des Täufers in Joh 1, 32 par.) ebenso wie für den Frieden mit der Schöpfung (1 Mose 8, 11: Eine Taube mit Ölbaumblatt zeigt das Ende der Sintflut an). Der Text Joh 14, 23-27 unterstreicht die Konvergenz von Geist- und Friedenstaube und lässt so einen Zusammenhang erkennen, den zu vertiefen es sich im Laufe des Kirchenjahres besonders an Pfingsten oder während der Friedensdekade im November anbieten kann. Der Heilige Geist ist verheißen als Tröster und Beistand in einer Lebenswelt, auf deren Tagesordnung immer wieder Schrecken und Furcht stehen. Er eröffnet den Zugang zu einem umfassenden Frieden, der zwar nicht „von der Welt“ ist, aber doch „in der Welt“ Perspektiven des Glaubens und Handelns erschließt. Wo Christen sich in ihrem Leben von der biblischen Hoffnung auf eine Zukunft des Friedens und der Gerechtigkeit inspirieren lassen (vgl. Mi 4, 1 ff.; Offb 7, 16 f.), dürfen sie auf Gottes und Jesu heilenden Geist vertrauen, der Trost und nicht Vertröstung spendet.

Der Friede, den Jesus seinen Jüngern zusagt, ist charakterisiert durch die konsequente Absage an Furcht und Schrecken (Joh 4, 27). Weder lässt sich mit ihm der Versuch vereinbaren, „Tugend durch Terror“ zu erzwingen (die Formulierung geht auf Robespierre zurück), noch ist Jesu Frieden kompatibel mit einem Denken, das dem Vertrauen auf gewaltsame Vernichtungs- und Drohpotenziale Priorität einräumt und bereit ist, Menschen als „Kollateralschäden“ für die als gerecht empfundene Sache zu opfern. Entsprechend steht der Geist von Pfingsten gegen den Ungeist, der das Recht des Stärkeren propagiert und gewaltsam durchsetzt. Er stärkt das Engagement gegen eine Gesinnung, die nationale Größenfantasien auf Kosten anderer entwickelt und Mitbürger aus rassistischen oder anderen Motiven auszugrenzen versucht. Der gute Geist, den wir mit Pfingsten verbinden, ist ein Geist, der Menschen und Völker zusammenführt, der auf Ausgleich und Versöhnung bedacht ist. Statt Divisionen, die partikulare Interessen zu Lasten anderer verfolgen, beflügelt er Visionen von einer Welt, in der Jesu Botschaft der Nächstenliebe Gestalt annimmt und alle Menschen Anteil an den lebensnotwendigen Gütern der Erde haben.

Der Predigttext ermutigt und bestärkt Christen darin, ihr Leben am Wort Jesu auszurichten, sich seinem Geist der Liebe zu öffnen und seinen Frieden in den Konflikten unserer Zeit auszubreiten.

Zitat:

„Ein Gebot hat Christus das seine genannt, nämlich die Nächstenliebe. Was widerspricht dem so wie der Krieg? Mit dem Segenswunsch des Friedens grüßt er die Seinen, seinen Jüngern gab er nichts außer dem Frieden, nichts hinterließ er außer dem Frieden. In jenem heiligen Gebet (Joh 17) bittet er den Vater besonders um dies, dass wie er selbst mit ihm eins war, so auch die Seinen, d.h. die Christen, eins seien miteinander. ... Erforsche dessen (=Christi) gesamte Lehre: Nichts wirst Du irgendwo finden, was nicht Frieden atmet, was nicht Freundschaft preist, was nicht nach Nächstenliebe schmeckt.“ [Erasmus von Rotterdam: „Süß scheint der Krieg den Unerfahrenen“, hrsg. v. B. Hannemann, München 1987, S. 59 f.] Erasmus’ Essay „Dolce bellum inexpertis“ (1515) gilt als die erste europäische Antikriegsschrift.


Text: Gen 11, 1-9

Kontext:

Die Erzählung vom Turmbau zu Babel ist Teil der jahwistischen Urgeschichte, die „das Sich-Verfehlen des Menschen in seinen verschiedenen Möglichkeiten“ (C. Westermann) zum Gegenstand hat. Der von der Schöpfung über den Sündenfall und Brudermord bis hin zur Turmbau-Episode reichende Erzählfaden zielt auf Gottes Segenszusage an Abra(ha)m in Gen 12, 1-3. Er beschreibt Gottes Weg mit den Menschen als „die Geschichte eines immer neuen Strafens und zugleich eines gnädigen Bewahrens“ (G. von Rad), das den Menschen vor den Folgen seines lebensfeindlichen Handlungspotenzials schützt.

Historische Vergegenwärtigung:

Die Aussage der Perikope wird anschaulich, wenn man die politische Situation betrachtet, in die hinein sie vor ca. 3000 Jahren verfasst wurde: Israel hat unter Salomo den Gipfel seiner staatlichen Machtentfaltung erreicht. Es gilt außenpolitisch als angesehener Machtfaktor, innenpolitisch als erfolgreiches Wirtschaftswunderland. Der König macht sich durch ein aufwendiges Städtebauprogramm, durch riesige Tempel- und Palastanlagen einen Namen. Landesweit kommen Fremdarbeiter zum Einsatz – besiegte Ausländer, die man zu Arbeitsdiensten verpflichtet hat. Ein hoher Rüstungsetat sorgt für eine moderne Heeresausstattung. Als Kehrseite dieser stolzen Entwicklung lastet ein umfangreiches Steuerpaket auf dem Rücken der Bevölkerung, die Unterschiede zwischen arm und reich werden größer, die Spannungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen im Staat nehmen zu. – In dieser Lage weist der Jahwist auf die allseits bekannte Ruine des Stufentempels von Babylon hin, dessen Erbauer sich mit ihrem Vorhaben offensichtlich übernommen hatten. Die riesige Ruine wird zum Sinnbild eines problematischen Fortschritts, den jeder im eigenen Land beobachten kann, und so ermahnt der Verfasser der Turmbau-Erzählung die politische Führungsschicht seiner Zeit: Machtwille und Sicherheitsstreben, die auf Kosten der Schwachen durchgesetzt werden, sind langfristig zum Scheitern verurteilt. Ein Fortschritt, der mit Zwangsstrukturen und der dauerhaften Unterdrückung der Verlierer einhergeht, wird entgegen der herrschenden Großreichsideologie zu Zusammenbruch und nachhaltig gestörter Kommunikation führen. Gottes Segen kann nicht auf Fortschritt ohne Verantwortung liegen. Wo Menschen, und sei es der König, die ihnen gesetzten Grenzen nicht akzeptieren, wo sie ihre Mitmenschen aus dem Auge verlieren und ihre Machtinteressen den Überlebensbedürfnissen anderer vorordnen, da handeln sie gegen Gottes Willen und verspielen die Chance einer gemeinsamen Zukunft.

Assoziationen zum Thema Nachhaltigkeit:

Ein partikulares Fortschrittsdenken ohne Folgenabschätzung, das sich, ohne Grenzen zu achten, allein an Macht- und Marktanteilen orientiert, kann keine Zukunft eröffnen. Umgekehrt gilt es nach Gottes Willen eine Zukunft zu gestalten, in der Menschheit und Schöpfung insgesamt Lebensperspektiven gewinnen – einschließlich der heutigen Globalisierungsverlierer und der in ihrem Bestand bedrohten Tier- und Pflanzenwelt. Diese Aufgabenformulierung wird bestärkt durch den theologischen Rahmen, der Gen 11 innerhalb der jahwistischen Urgeschichte umgibt: Gottes Auftrag, die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren (Gen 2, 15), wird im Anschluss an die Turmbauerzählung aufgenommen und in der an Abra(ha)m gerichteten Anrede „Du sollst ein Segen sein“ (Gen 12, 3) für „alle Geschlechter der Erde“ fortgeführt.

Bezüge zum Pfingstbericht (Apg 2,1-11):

In der kirchlichen Tradition ist der Turmbau zu Babel immer wieder mit der Pfingstgeschichte in Apg 2 in Verbindung gebracht worden. Man hat die Turmbauerzählung als Gegenbild und geistigen Hintergrund des Pfingstberichts verstanden. Schelling, ein Zeitgenosse Goethes, nennt Pfingsten das „umgekehrte Babel“. Er meint damit: Die als Ergebnis des gescheiterten Turmbaus entstandenen Konflikte und Verständigungsschwierigkeiten finden ihre Überwindung in der Pfingstgeschichte. Gottes Geist eint Menschen in versöhnter Vielfalt über nationale, kulturelle und religiöse Grenzen hinweg (vgl. das Beispiel der Jugendtreffen von Taizé). Er verleiht Inspiration und langen Atem zum Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung, damit die Größen- und Allmachtsfantasien der babylonischen Turmbauer nicht das letzte Wort behalten.


Text: Röm 8, 22-27

Gegenstand der Römerbriefkapitel 5 – 8 ist das für Christen maßgebliche „neue Leben aus Gott“ (O. Michel). In Röm 8, 18-27 entfaltet Paulus als Hoffnungsperspektive die Schicksals- und Erlösungsgemeinschaft von Mensch und Schöpfung. Die Perikope ist geprägt durch die paulinische Naherwartung der Wiederkunft Christi und der damit verbundenen endzeitlichen Erlösung. Paulus greift das in der jüdischen Apokalyptik anzutreffende Motiv der „Messiaswehen“ auf (s. V. 18.22): Dem Erscheinen des Messias geht demzufolge eine besondere Zeit der Unheilsereignisse voraus, die Verwirrung und Leid herbeiführt. Zwar spielen, anders als im ersten nachchristlichen Jahrhundert, endzeitliche Naherwartungen in unserer heutigen Verkündigung eher eine marginale Rolle, umso mehr kommt jedoch dem von Paulus aufgenommenen Thema der Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Schöpfung eine aktuelle Bedeutung zu:

In Vers 20 spielt Paulus auf das Los der Vergänglichkeit an, das nach der biblischen Sündenfallerzählung die Erde ebenso wie den Menschen trifft (vgl. Gen 3, 17). So wie die Entfremdung des Menschen von Gott negative Folgen für die Schöpfung insgesamt hatte, so wird umgekehrt die Erlösung der Menschen, die zu neuer Gemeinschaft mit Gott gefunden haben, mit der Befreiung der Schöpfung von Leid und Vergänglichkeit einhergehen. Der Neutestamentler P. Stuhlmacher erläutert entsprechend: „Das Geschick der Schöpfung und der „Kinder Gottes“, die Jesus um sich versammelt, gehören wesenhaft zusammen.“ Wie der Mensch ist auch die ganze belebte Schöpfung auf endzeitliche Vollendung hin ausgerichtet (V. 21). Was könnte die Würde und den Eigenwert der Schöpfung besser unterstreichen als diese Aussage, die sie explizit zum Adressaten göttlichen Erlösungshandelns macht? Die paulinische Theologie berührt sich an dieser Stelle mit der Vision Jesajas, die in ausdrucksstarken Bildern das messianische Friedensreich mit der erlösten Schöpfung verbindet (Jes 11, 1-9).

Die Spannung zwischen diesem Hoffnungsbild der Erlösung und den leidvollen Erfahrungen der Gegenwart formuliert Vers 22: “...wir wissen ja, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt.“ (Übersetzung: P. Stuhlmacher) Diese Vorstellung von den Geburtswehen einer neuen Welt nimmt die Realität der Schmerzen ernst, die das Kommen des neuen Lebens begleiten. Doch auch wenn die erlösungsbedürftige Schöpfung „in anderen Umständen“ ist und eine „schwere Geburt“ sich anzubahnen scheint, bleibt sie aus der Sicht des liebenden Gottes „in Hoffnung“ - und wird nicht unheilschwanger. Wer von Hoffnung erfüllt ist, kann die Wehen durchleiden und wird sich so verhalten, dass schädliche Einflüsse von dem heranwachsenden Leben ferngehalten und die sich ihm bietenden Zukunftsbedingungen positiv gestaltet werden. So sind Christinnen und Christen eingeladen, sich in Solidarität mit ihren Mitgeschöpfen einer erlösten Welt zu öffnen, in der Gott die ganze Schöpfung von Leid und Vergänglichkeit befreit. Wo bei allen ökologisch und sozial guten Absichten die unübersichtliche Komplexität der Wirklichkeit rat- und sprachlos macht, hilft Gottes Geist als Beistand gegen die Resignation. (V. 26-27)


Literatur:

G. von Rad: Das erste Buch Mose. Genesis, übersetzt und erklärt von G. von Rad, ATD, Göttingen 1972, 9. Aufl., S. 117
C. Westermann: Theologie des Alten Testaments in Grundzügen, Göttingen 1978, S. 103
O. Michel: Der Brief an die Römer, KEK, Göttingen 1966, 13. Aufl.; S. 129
P. Stuhlmacher: Der Brief an die Römer, NTD, Göttingen 1985, S.123

Friedhelm Schneider, Speyer

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