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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

24. Mai. 09 - Exaudi / 7. Sonntag der Osterzeit

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 15, 26 - 16, 4

Apg 1, 15-17.20a.c-26

1 Joh 4, 11-16

Joh 17, 6a.11b-19

Der Verfasser betrachtet den ev. Predigttext und die Bibelstelle der 2. kath. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: treu bleiben im Glauben / Zeugnis ablegen / Christenverfolgung selbst riskieren – im Einsatz für Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit (Joh 15); von der Liebe motivierte Solidarität ist nicht oberflächliche Rührung, sondern feste Entschlossenheit / Solidarität als Verantwortung für das Ganze / Suche nach zukunftsfähigen Lösungen aktueller Probleme (1 Joh 4)


Evangelisch Joh 15, 26-16,4

Thema: Treu bleiben

Es gibt immer wieder Verfolgungen von Menschen aus den verschiedensten Gründen, auch aus dem Grund ihrer Religion. Sie haben an Dramatik ganz andere Dimensionen wie die hier dargestellte. Denken wir nur an den Holocaust durch Deutsche veranlasst, der kaum überboten werden kann. Dagegen aber standen Menschen aus ihrer christlichen Überzeugung heraus auf. Sie wussten, dass sie ihr Leben in die Waagschale warfen, aber sie standen treu zu ihrem Glauben. Hier sei nur stellvertretend auf Dietrich Bonhoeffer und Alfred Friedrich Delp SJ hingewiesen. Von einem christlichen Widerstandskämpfer ist bekannt, dass er auf dem Weg zum Schafott das festliche Lied „Großer Gott wir loben dich“ gebetet hat. So tief war ihre Vertrauen in Gott auch in diesen schweren Stunden.

Der Arbeitskreis für Religionsfreiheit (AKREF) der Deutschen Evangelischen Allianz und die Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz schreibt: „Auch wenn die Zahl der Märtyrer und der von Christenverfolgung Betroffenen weltweit nach 1990 zunächst durch den Zusammenbruch des Weltkommunismus und vieler Diktaturen stark zurückgegangen ist, nimmt Christenverfolgung derzeit weltweit wieder zu, vor allem, da nach langen Jahrzehnten verhältnismäßiger Ruhe Christenverfolgung in so großen Ländern wie Indien und Indonesien aufflammt. Niemand kann die Zahl der Märtyrer genau erfassen, die Schätzungen liegen zwischen 90.000 und 165.000. Und wie viele Christen weltweit gefoltert, schikaniert oder vertrieben werden, kann noch nicht einmal geschätzt werden.“

In islamitischen und anderen Ländern sind Christen nach wie vor großen Verfolgungen ausgesetzt. Aber sie bleiben unter dem Beistand des Heiligen Geistes ihrem Glauben treu. Sie legen weiterhin ihr Zeugnis für Christus ab.

Treu bleiben im Glauben und Zeugnis für diesen abzugeben, ob gelegen oder ungelegen, das ist auch unsere Aufgabe. Vor allem auch, wenn es um die Gerechtigkeit in der Welt geht, um den Einsatz für die, die unter der Ungerechtigkeit leiden und oft im Elend leben müssen und den Einsatz für Frieden und Versöhnung auch unter den Religionen.


Textbezug 2. Lesung (1 Joh 4)

Unsere Liebe umfasst wie die Liebe Gottes alle Menschen, kommende Generationen und die Schöpfung. Sie äußert sich vor allem in solidarischem Handeln. „Gott liebt den Menschen so, dass er selbst Mensch wird, ihm nachgeht bis in den Tod hinein und auf diese Weise Gerechtigkeit und Liebe versöhnt.“ (Benedikt XVI.). Gott hat eine unendliche Liebe zu den Menschen. Wir sollen in der Liebe Gottes bleiben, damit bleiben wir in Gott und er bleibt in uns.

Dazu gehört der der Einsatz für den Nächsten. Das macht das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe deutlich, wir sollen den Nächsten lieben wie uns selbst. Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter macht Jesus deutlich, dass vor allem Menschen in Not unsere Nächsten sind. Dies öffnet uns die Augen für die große Not in der Welt. Das ist nicht einfach weit weg, sondern diese notleidenden Menschen sind unsere Nächsten. Die Frömmigkeit schwächt nicht den Kampf gegen die Armut oder sogar das Elend des Nächsten. Die selige Theresa von Kalkutta ist ein sehr offenkundiges Beispiel dafür, dass die Gott im Gebet gewidmete Zeit dem tatsächlichen Wirken der Nächstenliebe nicht nur nicht schadet, sondern in Wirklichkeit dessen unerschöpfliche Quelle ist. In ihrem Brief zur Fastenzeit 1996 schrieb die Selige an ihre Mitarbeiter im Laienstand: ,,Wir brauchen diese innige Verbindung zu Gott in unserem Alltagsleben. Und wie können wir sie erhalten? Durch das Gebet’’.

Das fordert unseren Sinn für Gerechtigkeit heraus, die allen Menschen zuteil werden soll. Eine römische Bischofssynode formulierte 1987 den Zusammenhang von christlicher Spiritualität und Gerechtigkeit wie folgt: „Der Heilige Geist lässt uns immer klarer erkennen, dass Heiligkeit heute den Einsatz für Gerechtigkeit und die Solidarität mit den Armen und Unterdrückten erfordert. Die Umgestaltung der Gesellschaft nach dem Plan Gottes gehört zur wahren Heiligkeit der Christgläubigen.“

Zum Einsatz für Gerechtigkeit weltweit und auch für kommende Generationen verpflichtet uns die von der Liebe motivierte Solidarität. Diese ist nicht ein Gefühl vagen Mitleids oder oberflächlicher Rührung wegen der Leiden so vieler Menschen nah oder fern. Im Gegenteil, sie ist die feste und beständige Entschlossenheit, sich für das "Gemeinwohl" einzusetzen, das heißt, für das Wohl aller und eines jeden, weil wir alle für alle verantwortlich. Biblisch begründet ist sie vor allem bei Paulus im Galaterbrief (6.2): „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Unser Handeln muss nach dem Gerechtigkeitstheoretiker Rawls „fair“ sein, das heißt den Nächsten immer mit bedenken. Dies gilt weltweit und auch für kommende Generationen. Dies wird auch so mehr und mehr verstanden: „Dass Männer und Frauen in verschiedenen Teilen der Welt Ungerechtigkeiten und Verletzungen der Menschenrechte, begangen in fernen Ländern die sie vielleicht niemals besuchen werden, als ihnen selbst zugefügt empfinden, ist ein weiteres Zeichen einer Wirklichkeit, die sich in Gewissen verwandelt hat und so eine moralische Qualität erhält (Johannes Paul II.SCR 38.)“

Es kann gefragt werden, „was können wir denn erreichen“. Hier gilt z.B. der afrikanische Satz: „Wenn viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, dann kann sich die Welt verändern“

In die Liebe ist aber auch die Schöpfung einbezogen. SCR sagt es so: „Die christliche Soziallehre muss künftig mehr als bisher das Bewusstsein von der Vernetzung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Problematik wecken. Sie muss den Grundgedanken der Bewahrung der Schöpfung mit dem einer Weltgestaltung verbinden, welche der Einbindung aller gesellschaftlichen Prozesse in das - allem menschlichen Tun vorgegebene umgreifende Netzwerk der Natur Rechnung trägt. Nur so können die Menschen ihrer Verantwortung für die nachfolgenden Generationen gerecht werden. Eben dies will der Leitbegriff einer nachhaltigen, d. h. dauerhaft umweltgerechten Entwicklung zum Ausdruck bringen." Diese Solidarität kann auch für die ganze Schöpfung eingefordert werden, denn Solidarität heißt letztlich Verantwortung für das Ganze. In der Ökologie kommt das Ganze der Schöpfung in den Blick. Papst Johannes Paul II. hat einmal gesagt, dass wir die Schöpfung in unsere Liebe einbeziehen müssen. Aus dieser Liebe heraus erwächst das ständige Bemühen um die je zukunftsfähigere Lösung. Am einprägsamsten hat dies der Patron der Umwelt Franzikus von Assisi in seinem Sonnengesamg ins Wort gebracht, in welchem er z.B. Sonne und Mond als unsere Geschwister bezeichnet.

„Du höchster, mächtigster, guter Herr, Dir sind die Lieder des Lobes, Ruhm und Ehre und jeglicher Dank geweiht; Dir nur gebühren sie, Höchster, und keiner der Menschen ist würdig, Dich nur zu nennen.

Gelobt seist Du, Herr, mit allen Wesen, die Du geschaffen, der edlen Herrin vor allem, Bruder Sonne, die uns den Tag heraufführt und Licht mit ihren Strahlen, die Schöne, spendet; gar prächtig in mächtigem Glanze: Dein Gleichnis ist sie, Erhabener.

Gelobt seist Du, Herr, durch Schwester Mond und die Sterne. Durch Dich sie funkeln am Himmelsbogen und leuchten köstlich und schön.

Gelobt seist Du, Herr, durch Bruder Wind und Luft und Wolke und Wetter, die sanft oder streng, nach Deinem Willen, die Wesen leiten, die durch Dich sind.

Gelobt seist Du, Herr, durch Schwester Quelle: Wie ist sie nütze in ihrer Demut, wie köstlich und keusch!

Gelobt seist Du, Herr, durch Bruder Feuer, durch den Du zur Nacht uns leuchtest. Schön und freundlich ist er am wohligen Herde, mächtig als lodernden Brand.

Gelobt seist Du, Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde, die gütig und stark uns trägt und mancherlei Frucht uns bietet mit farbigen Blumen und Matte.

Gelobt seist Du, Herr, durch die, so vergeben um Deiner Liebe willen Pein und Trübsal geduldig tragen. Selig, die's überwinden im Frieden: Du, Höchster, wirst sie belohnen.

Gelobt seist Du, Herr, durch unsern Bruder, den leiblichen Tod; ihm kann kein lebender Mensch entrinnen. Wehe denen, die sterben in schweren Sünden!

Selig, die er in Deinem heiligsten Willen findet! Denn Sie versehrt nicht der zweite Tod. Lobet und preiset den Herrn! Danket und dient Ihm in großer Demut!“

Dr. Ernst Leuninger, Limburg

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