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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

26. Apr. 09 - Miserikordias Domini / 3. Sonntag der Osterzeit

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 10, 11-16 (27-30)

Apg 3, 12a.13-15.17-19

1 Joh 2, 1-5a

Lk 24, 35-48

Die Autorin betrachtet den ev. Predigttext und den kath. Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: die Rückkopplung unseres Handelns an das Bild vom guten Hirten – was würde Jesus an unserer Stelle tun? Rückbesinnung und Kraftschöpfen (Joh 10); der Glaube an den lebendigen Jesus als Grundlage für soziales und ökologisches Engagement (Lk 24)


Stellung im Kirchenjahr

Miserikordias Domini, der 3. Sonntag der Osterzeit, ist auch bekannt als Hirtensonntag. Die Stimmung ist normalerweise positiv, österliche Freudenzeit, Texte und Lieder vermitteln Geborgenheit in Gott. Der evang. Wochenspruch stammt aus dem Predigttext der Reihe I und gibt das Leitbild des Sonntags im evangelischen Bereich vor: Joh 10, 11.27.28a. Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Die katholischen Texte für diesen Sonntag haben einen völlig anderen thematischen Schwerpunkt als die evangelischen. Hier geht es in erster Linie um die Predigt des Auferstandenen und die Entfaltung der Osterbotschaft.


Johannes 10, 11-16

Exegetische Überlegungen

In biblischer Zeit war der Anblick von Kleinviehherden für die Menschen vermutlich etwas viel Alltäglicheres als heute. Hirt oder Hirtin zu sein war ein harter und gefährlicher Job, der nicht sehr angesehen war. Die Menschen zogen mit ihren Herden von Weideplatz zu Weideplatz, von einer Wasserstelle zur nächsten, oft durch unwirtliches Gelände. Die Schafe mussten vor wilden Tieren wie Wölfen, Schakalen, Bären und Löwen beschützt werden, aber auch vor Dieben.

Der Text im Johannesevangelium entstand in einer frühchristlichen Gemeinde in einer Zeit, in der die Menschen nach Lebenshilfe und Orientierung suchten. Sie erlebten immer wieder, wie sie auf Grund ihres Glaubens an Jesus Christus in Schwierigkeiten gerieten und ausgrenzt wurden. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem, 70 nach Christus, durch die Römer formierte sch das Judentum unter Führung bestimmter rabbinischer Kreise neu. Nach der schlimmen Erfahrung der Zerstörung war da plötzlich kein Platz mehr für unterschiedliche innerjüdische Glaubensrichtungen. Man wollte Geschlossenheit nach außen demonstrieren, um stärker zu sein. Als Folge davon wurden die johanneischen Christinnen und Christen aus der jüdischen Synagogengemeinde ausgeschlossen. Sie wurden als Ketzerinnen und Ketzer betrachtet, als Menschen, die die Glaubensgemeinschaft stören wollten. Der Synagogenausschluss hatte für die Betroffenen schlimme Konsequenzen. Denn er bedeutet nicht nur die religiöse Ächtung, sondern hatte auch harte gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen. Sie versuchten sich enger zusammenzuschließen und suchten nach Trost und Kraft im Glauben und in der Gemeinschaft. Johannes versucht, den Menschen Mut zu machen, ihr Leben zu meistern und sich trotz aller Bedrängnis nicht von ihrem Glauben an Jesus abbringen zu lassen.

Predigtimpulse

Das 18. und 19. Jahrhundert liebte das Bild des guten Hirten ganz besonders. Es gibt unzählige Darstellungen von Jesus als dem guten Hirten. Besonders Kindern hat man gerne solche Bildchen geschenkt, aber auch Kirchenfenster wurden zum Beispiel gerne damit geziert. Die meisten von uns freuen sich über den Anblick einer Schafherde mit dem Schäfer oder der Schäferin. Kinder beobachten gerne die herumtollenden Lämmer, aber auch Erwachsene genießen den Anblick. Für viele gehört es zum Frühling dazu, dass eine Schafherde da ist.

Die Menschen, für die der Evangelist Johannes sein Evangelium aufgeschrieben hat, haben sich vermutlich in den Worten unseres Textes wiedergefunden. Vermutlich haben sie gedacht: “Unser guter Hirte Jesus hat sein Leben für die Schafe, für uns gegeben.” Sie haben es so verstanden, dass Jesus derjenige war, der sie zusammengehalten hat. Für sie verkörperte Jesus diese Figur des Vertrauens, der Hirte, der seine Schafe kennt, sich um sie kümmert und keines verloren gehen lässt. Die Schafe wiederum erkennen ihren Hirten an der Stimme. Sie folgen ihm und wissen, er führt sie zu guten Weideplätzen. Für die Menschen damals in einer schwierigen Zeit war es sicher ein trostreiches Bild, sich vom guten Hirten beschützt und geborgen fühlen zu können.

Auch für uns gibt dieses Bild noch viel her. Die meisten Menschen werden davon berührt und haben bestimmte Vorstellungen, wenn sie solche Bibelworte hören. Allerdings verbinden wir vermutlich aber nicht nur gute Gefühle mit dem Bild vom Hirten und den ihm anvertrauten Schafen. Wer möchte schon gerne als „Schaf” bezeichnet werden? Wer ist schon gern „ein dummes Schaf”! Und auch ein „Schäfchen” ist man als Erwachsener nicht gern. Es geht hier wohl aber weniger um die Schafe als um den Hirten, und zwar um Jesus als „den guten Hirten”. Ihm geht es nämlich anders als anderen Hirten, nicht um den Gegensatz oben-unten und nicht ums Herrschen. Im Gegenteil, weil er sich für seine Herde verantwortlich fühlt, setzt er sein Leben aufs Spiel. Ich glaube, wenn wir ehrlich sind, müssen wir doch alle zugeben, dass wir uns in unserer Welt in vielen Bereichen eben doch manchmal als „dummes Schaf” fühlen. Wir brauchen einen „guten Hirten”, stark, fürsorglich, beschützend, dem wir vertrauen können. Denn „die bösen Wölfe” sind Wirklichkeit und keine Märchenfiguren. Bei den Gefahren, denen wir ausgesetzt sind, bei allem, was unser Leben schwierig macht, da ist es doch gut zu wissen, dass wir nicht allein sind. Wir können uns darauf verlassen, dass Gott bei uns sein will und wie ein guter Hirte für uns sorgen will. Das gibt uns Kraft und Stärke.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Die größte Gefahr für eine Herde besteht darin, ihren Hirten aus den Augen zu verlieren. Dann ist sie allein und schutzlos allen Gefahren ausgeliefert. Die Schafe laufen auseinander. Auch für uns als Gemeinde, ja als weltweite Gemeinschaft, ist es wichtig, unseren guten Hirten nicht aus den Augen zu verlieren. Wir müssen uns immer wieder fragen, was in einer bestimmten Situation im Sinne Jesu zu tun ist. Und unser Ziel muss sein, die Herde beieinander zu halten. Natürlich unter Berücksichtigung der Freiheit und des Selbsbestimmungsrechtes der Einzelnen, aber immer im Blick auch auf das Ganze - auf die Gemeinschaft hin. Bei uns schreitet die Vereinzelung immer mehr voran. In unserer Gesellschaft wird immer weniger Wert auf Gemeinschaft und sich gegenseitig unterstützen gelegt. Der Egoismus Einzelner hat schon für viel Zerstörung gesorgt, die Einstellung: „nach mir die Sintflut ...!“ wirkt sich verheerend auf unsere Umwelt und auch die soziale Gerechtigkeit zwischen den Generationen aus.

Ein Grundprinzip des christlichen Glaubens besteht jedoch darin, dass wir uns als Gemeinschaft fühlen und uns gegenseitig tragen. Dass wir eine Solidargemeinschaft bilden, die miteinander fröhlich ist und feiert, aber auch miteinander Schweres trägt und sich gegenseitig hilft. Und manchmal tut es einfach gut, sich geborgen zu fühlen unter der Obhut des guten Hirten und mit allem, was uns Sorgen macht, uns Gottes mütterlicher Fürsorge anvertrauen zu können. Das Vertrauen darauf, dass Gott bei uns ist und uns begleitet, wo immer wir auch sind, was immer wir gerade erleben, dieses Vertrauen bildet eine gute Grundlage, von der aus wir mutig und tapfer vielem die Stirn bieten können. Es kann uns Trost geben, wenn wir traurig sind und es gibt uns die Freiheit, unseren eigenen Weg ruhig und gelassen zu gehen und uns einzusetzen dafür, dass sich Gerechtigkeit und Frieden vermehren.


Lk 24, 35-46

Exegetische Überlegungen

Ungläubig und voller Zweifel reagierten die Jüngerinnen und Jünger, nachdem einige von ihnen dem auferstandenen Jesus begegnet waren und den anderen nun aufgeregt davon erzählten, berichtet uns das Lukasevangelium im Schlussteil, der in der Himmelfahrt Jesu gipfelt. Sie erschraken furchtbar und meinten, ein Gespenst zu sehen, als Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene, plötzlich mitten unter ihnen stand. Kein Begeisterungsgeschrei, nur ungläubiges Staunen, ja Erschrecken und Furcht. So beschreibt Lukas die Reaktion der Jünger und Jüngerinnen.

Auch damals schon fiel es den Menschen also gar nicht so leicht daran zu glauben, dass Jesus lebt, dass Gott stärker ist als der Tod. Dabei waren sie doch noch so dicht dabei. Erst recht haben es natürlich die Außenstehenden angezweifelt, die sogar an einen Trick der Anhängerschaft Jesu glaubten. Der Evangelist Lukas versucht die Skeptischen zu überzeugen, indem er berichtet, wie Jesus seine Hände und Füße zeigt; also sehr irdisch und körperlich präsent ist und dann auch noch etwas ganz Alltägliches, Körperliches tut. Er isst ganz einfach mit den anderen zu Abend. So wie er es immer getan hatte, unzählige Male. Essen steht im Allgemeinen für das Leben an sich und Freude daran. Menschen, die auf Dauer keinen Appetit haben, die keine Lust zu essen haben, sind normalerweise nicht lebensfroh, sondern krank, lustlos, dem Tode näher als dem Leben.

Predigtimpulse

Oft genug spüren wir in unserem Alltag doch herzlich wenig davon, dass Jesus auferstanden sein soll und damit das Leben über den Tod gesiegt haben soll. Es kann passieren, dass wir uns lange gar keine Gedanken darüber machen, weil es für unser tägliches Leben keine Rolle spielt. Viele fragen erst dann stärker nach Gott, wenn sie an ihre Grenzen stoßen, mit Schuld fertig werden müssen oder mit Krankheit und Tod konfrontiert werden. Jesus als Vorbild, als guter Mensch, als einer, der von Gott erzählt hat - das ist ja alles gut nachvollziehbar. Aber auferstanden? Wie sollen wir uns das denn vorstellen? Ein leeres Grab und dann die Begegnungen mit dem Auferstandenen, von denen in der Bibel erzählt wird. Wir würden uns schon gerne manchmal mit eigenen Augen davon überzeugen. Uns erginge es aber vermutlich genauso wie es den Jüngern und Jüngerinnen zunächst erging.

Die Vertrauten Jesu schöpften aus ihrem Erleben so viel neue Kraft, dass sie im Sinne Jesu weiterleben konnten. Bis heute können Menschen erfahren, dass Jesus nicht tot ist, sondern lebendig wird, wenn Menschen sich in seinem Namen versammeln. Manchmal erkennen wir es nicht, dass er da ist. Genau wie die Jüngerinnen und Jünger damals. Deshalb ist es wichtig, dass wir es uns immer wieder gegenseitig sagen und es uns gegenseitig spüren lassen: Er ist auferstanden. Jesus lebt und wir mit ihm. In ihm wurde sichtbar: Gott lässt uns nicht allein. Gott ist bei uns und begleitet uns. Unser ganzes Leben lang und auch noch darüber hinaus. Ob wir leben oder sterben, wir sind in Gott geborgen. Und unsere Toten auch.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Der Glaube daran, dass Jesus lebendig ist und die Sache Jesu weiter geht, ist die Grundlage für jegliches Engagement. Das gibt unserem Leben einen Sinn, für den es sich zu leben lohnt. Es eröffnet uns eine Perspektive, die über uns und unser individuelles Leben hinaus weist und uns motiviert, uns dafür stark zu machen, dass Jesus und seine Ideen lebendig bleiben. Das wirkt sich dann auf unser gesamtes Leben aus. Wir schauen über unseren Tellerrand hinaus und versuchen die Umwelt für nachkommende Generationen zu bewahren und ein Zusammenleben aller Lebewesen auf der Erde in Gerechtigkeit und Frieden zu ermöglichen.

Martina Horak-Werz, Gommersheim

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