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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

12. Apr. 09 - Osternacht / Ostersonntag

ev. Reihe I kath. 1. L.   kath. Evang.
Osternacht: Mt 28, 1-10
Tag: Mk 16, 1-8

Osternacht: insges. 9 Lesungen (incl. Epistel / Evang.):
(1.) Gen 1, 1 - 2, 2 od. Gen 1, 1.26-31a
(2.) Gen 22, 1-18 od. Gen 22, 1-2.9a.10-13.15-18
(3.) Ex 14, 15 - 15, 1 /
(4.) Jes 54, 5-14
(5.) Jes 55, 1-11 /
(6.) Bar 3, 9-15.32 - 4, 4
(7.) Ez 36, 16-17a.18-28 / (Epistel) Röm 6, 3-11
Tag:
(1.) Apg 10, 34a.37-43 /
(2.) Kol 3, 1-4 oder 1 Kor 5, 6b-8

 

Osternacht: Mk 16, 1-7
Tag: Joh 20, 1-9 oder Joh 20, 1-18

Der Verfasser betrachtet die ev. Predigtperikope zur Osternacht stellvertretend für das Ostergeschehen insgesamt. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Auferstehung – Kraft zum Aufstehen gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung, gegen Gewalt und Vernichtung, für die gerechte Verwirklichung von Lebensmöglichkeiten


Matth. 28,1-10

Die Schilderung bei Matthäus, was am ersten Tag der Woche morgens nach der Kreuzigung Jesu am Freitag zuvor geschah, ist merkwürdig und überraschend klar: das geschilderte Erdbeben wird als Erklärung für das Erscheinen des Engels beschrieben, nicht - wie meist vermutet - für die Auferstehung Jesu selber. Die sehr plastische Schilderung des Gespräches der beiden Frauen mit dem Engel und auch mit dem von ihnen zunächst nicht erkannten Jesus machen das zentrale Ereignis der Christenheit zu einer gut vorstellbaren, ausgeschmückten Geschichte.

Ostermorgen in einer einfachen Dorfkirche in Lateinamerika. Die Leute stehen dicht gedrängt. Eine Liste mit Namen wird vorgelesen, einer nach dem anderen. Es ist die bedrückende Liste mit Namen von Menschen, die getötet wurden oder verschwunden: erschossen, mit Folterspuren tot aufgefunden, auf einen Lastwagen gezerrt und nie wieder aufgetaucht, festgenommen und in Gefängnissen verschwunden. Carlos, Eva, Oscar. Nicht mal ein Grabstein sollte an sie erinnern; die Lebenden sollten eingeschüchtert werden, ihr Zusammenhalt sollte auseinanderbrechen. Aber die Namen sind nicht ausgelöscht, die Personen sind da. Name für Name antwortet die ganze Gemeinde im Chor: presente, d.h.: anwesend, hier unter uns. Nicht ausgelöscht, nicht durchgestrichen, nicht vergessen - presente.

An Ostern erinnern wir uns an die Kontinuität in der Schöpfung, die auch durch das Sterben nicht beendet wird. Wir Christen werden durch die andauernde Gegenwart Jesu erinnert, die Schöpfung Gottes bei aller Nutzung zu erhalten, Jesus will uns durch seine Präsenz zur Erhaltung der ganzen Schöpfung anregen, ermutigen. Das Ostergeschehen ist also auch Ermahnung zum nachhaltigen Handeln. Für Christen ist die Gegenwart Gottes in der Welt durch Ostern unterstrichen, wodurch Menschen auf Erlösung hoffen dürfen - wodurch aber auch Auftrag zum Handeln in und für diese Welt entsteht, die durch Eigennutz bestimmt ist – Luther nannte diesen Eigennutz „den Teufel, der uns regiert“. Durch die Präsenz Gottes in der Welt wird es möglich, Widerstand gegen Angst und Einschüchterung zu entwickeln, Widerstand gegen den alleinigen Eigennutz, gegen die Zerstörung der Schöpfung zu leben. Sie gibt Kraft zum Aufstehen.

Auferstehung gibt Kraft zum Aufstehen.

Kraft, mit der Hass und Gewalt überwunden werden können. Kraft gegen eine Art inneren Tod, der schleichend kommt und Uniformität und Gleichgültigkeit erzeugt. Kraft gegen den Götzen Geld, der inzwischen unser Leben bestimmt, gegen die übermächtige, ungezügelte Gier nach Geld. Sie zerstört Beziehungen, zerstört Leben. Kraft gegen die Gewalt, die deshalb um sich greift, weil Menschen spüren, dass sie „Verlierer“ sind, abgehängt sind, nichts mehr wert zu sein scheinen.

Die sozialen und ökonomischen Veränderungen in unserer Gesellschaft sind in den letzten Jahren immer stärker geworden und treten immer deutlicher zu Tage, die Schere zwischen Arm und Reich auch in unserer eigenen Gesellschaft geht beständig stärker auseinander: einige Wenige bekommen so viel materielle Möglichkeiten, die sie nie im Leben alle nutzen können, sie haben einfach zu viel Geld zur Verfügung. Viele haben wenig, fast keine Möglichkeiten, ihr Leben nicht nur zu fristen, sondern einige Annehmlichkeiten zu genießen. Harz VI und Kinobesuch – fast nicht möglich. Es reicht nicht für die Schulbücher der Kinder, den Ausflug mit der Klasse. Die Propheten des alten Bundes haben solche Verhältnisse schon angeklagt, Jesus hat es angeprangert. Aber durch seine Präsenz, der wir an Ostern gedenken, durch seine Gegenwart beflügelt, sollten Christinnen und Christen auf(er)stehen gegen Ungerechtigkeiten sozialer und ökonomischer Art in unserer eigenen Gesellschaft. Und weltweit. Denn materiell haben wir hier im Norden sehr viel von der Ausbeutung von menschlichem Können und Vermögen in den südlichen Ländern der Erde: billige Lebensmittel beim Discounter, Handys mit Rohstoffen aus Kriegsgebieten, bei deren Förderung Menschen in extremster Weise ausgebeutet werden; Pflaster- und Grabsteine, die gebrochen wurde mit Kinderarbeit, die schlimmer ist als Sklavenarbeit. Jedes T-Shirt, jeder Turnschuh, jeder etwas bessere Fußball sollte uns an die Ausbeutungssituationen erinnern, unter denen diese Produkte hergestellt werden, jede Tasse Kaffee aus Fairem Handel sollte unseren Widerstand beflügeln gegen billige, unfaire Angebote aus der Trickkiste der Anbieter.

Ostern erinnert an die Präsenz Jesu, an die Präsenz Gottes in der Welt.

Ostern ist ein sehr konkretes, sehr starkes Bild für Nachhaltigkeit, für Beständigkeit, für Zukunftsgestaltung.

Wolfram Walbrach, Düsseldorf

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