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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

5. Apr. 09 - Palmarum / Palmsonntag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 12, 12-19

Jes 50, 4-7

Phil 2, 6-11

Mk 11, 1-10 oder
Joh 12, 12-16

Der Verfasser betrachtet alle genannten Perikopen des Sonntags, beschränkt sich in seinen Ausführungen auf die Bibelstellen aus beiden Evangelien. Stichworte zur Nachhaltigkeit: die richtigen Zeichen des Friedens, sich losbinden lassen, Macht als Ohnmacht


Stellung im Kirchenjahr

Die evangelischen und katholischen Wahlmöglichkeiten des Evangeliumstextes spiegeln den Festinhalt zu Beginn der Heiligen Woche. Beiden Texten ist der Einzug Jesu in Jerusalem (auf einem Esel) wichtiger Inhalt.


Exegetische Hinweise

Das dritte Gottesknechtlied in Jes 50 verweist deutlich auf die Leidensgeschichte und soll daher hier unberücksichtigt bleiben. Der Auszug aus dem Philipperhymnus hingegen kann als „krönender Abschluss“ des Herrscheranspruchs Jesu verstanden werden und so das Heilsgeschehen der Heiligen Woche abrunden: Die christliche Gemeinde und der gesamte Kosmos sollen in diese Proklamation einstimmen.

Das Hauptmerk der Ausführungen liegt aber auf den Auszügen aus den Evangelien, wobei Mk in einigen Punkten aussagekräftiger im Sinne der „Friedensthematik“ ist (und wohl als älteste und ursprünglichste Überlieferunsgestalt gelten dürfte).

Exegetisch soll kurz die Bedeutung des „Esels“, des „Eselsfüllen“ betrachtet werden. Der „junge Esel“ steht (gerade bei Mk) im Mittelpunkt und ist so Ausdruck einer propagierten Friedensbotschaft. In Anlehnung an Sach 9, 9 wird Jesus als der wahre Friedenskönig proklamiert (ähnlich Gen 49, 10 f.; Jes 40, 9). Er stützt seine Macht nicht auf Rosse und Streitwagen, sondern zieht in seine Herrlichkeit ein auf dem Rücken eines Esels.

Jesu Herrschaftsmittel ist der Frieden. Und dies inszeniert er selbst als messianische Gleichnishandlung durch die Wahl seines Transportmittels beim Einzug in Jerusalem. Jesus ist der von Gott in seine Stadt und zu seinem Volk gesandte Messias. Die Selbstverständlichkeit und das „Geschehen-Lassen“ aller Beteiligten zeigen deutlich, dass schon der Beginn des Leidens- und Auferstehungsweges Jesu nach Gottes Bedingungen abläuft (vgl. das Königsrecht der Requisition von Transportmitteln bsp. 1 Sam 8, 17).

Dem alttestamentlichen Duktus folgend wird Jesus auch entsprechend mit Psalm 118, 25 begrüßt und als einziehender Friedensfürst gehuldigt. Durch die Erweiterung in Mk 11, 10 betont der Text die messianische Konnotation des „Kommenden“.

Der Jungesel gilt in exegetischer Anschauung als das Tier des Messias schlechthin. Ergänzend heißt es im babylonischen Talmud: “Wer einen Esel im Traum sieht, hoffe auf das messianische Reich, denn es heißt: Siehe dein König …“ (Ber 56b mit Hinweis auf Sach 9, 9). Eine klare Abgrenzung scheint hier bewusst auch zu Vorstellungen des Einzuges eines zelotisch-kriegerischen Messiasprätendenten gesetzt zu sein.


Friedenspolitische Dimension

„Bindet ihn los, der Herr braucht ihn!“ (Mk 11, 2 f.)

Bindung an falsche Vorstellungen. Falsche Vorstellungen von Macht. „Nichts nützen die Rosse zum Sieg, mit all ihrer Kraft können sie niemand retten.“ (Ps 33, 17)

Falsche Bindungen an weltliche Dinge. Name, Macht und Heimat finden wir letztlich nur bei Gott. Jesus selbst möchte uns losbinden, befreien von falschen Vorstellungen. Deshalb setzt er sich für seinen Einzug in die Königsstadt nicht auf ein stattliches Schlachtross, sondern auf ein Junges einer Eselin. Jesus möchte uns losbinden, befreien von falschen Vorstellungen über die Macht. Seine Macht ist in der Ohnmacht. Machtvoll liefert er sich der Ohnmacht aus. Der Beginn der Passion hätte nicht besser gewählt sein können. Der Herrscher des Alls unterwirft sich dem Machtmissbrauch der Menschen. Es stellt sich die Frage: Lassen wir uns so selbstverständlich losbinden wie der junge Esel? Stellen wir uns so selbstverständlich zur Verfügung wie es die Eselsbesitzer mit dem Füllen tun? Was lässt uns Jesu Legitimität in ganz alltäglichen Begegnungen wahrnehmen? Wahrnehmen im doppelten Sinn: sehen und als wahr-nehmen?

„Bindet ihn los, der Herr braucht ihn!“ (Mk 11, 2 f.)

Wir lassen uns losbinden, weil der Herr uns braucht. Der Esel in dieser messianischen Gleichnishandlung ist ein Zeichen des Friedens. Wir können ein Zeichen des Friedens werden. Wenn wir uns lösen von falschen Vorstellungen der Macht und Machbarkeit, dann können wir mit Jesus einziehen in sein neues Reich. Jesus ist der neue Friedenskönig, er zieht ein in ein neues Reich des Friedens. Und wir sind eingeladen, mit ihm in sein Reich des Friedens einzuziehen. Wir sind dann ein Zeichen des Friedens, auf dem Jesu Botschaft in alle Welt ziehen kann, wenn wir die falschen Vorstellungen von Macht und Gewalt offen und öffentlichkeitswirksam durchbrechen. Wenn wir falsche Bindungen lösen und Ketten der Ungerechtigkeit durchschlagen.

„Bindet ihn los, der Herr braucht ihn!“ (Mk 11, 2 f.)
Zeichen des Friedens: den Esel statt des Pferdes nehmen heißt auch, auf sein „gutes Recht“ verzichten.
Zeichen des Friedens: den Esel auszuleihen statt ihn zu requirieren heißt, auf die Bedürfnisse der Armen zu achten.
Zeichen des Friedens: den Esel zu erbitten, statt ihn mit Gewalt zu nehmen, heißt, mehr auf die Macht der Worte zu vertrauen als auf die der Waffen.
Zeichen des Friedens: den Esel los zu geben statt ihn zurück zu halten heißt ihn mit einer wichtigen und würdevollen Aufgabe zu betrauen.
Zeichen des Friedens: es gäbe noch viele. Wichtig ist nur eines, der erste Schritt. Dass wir selbst in die Worte des Esels einstimmen und mit Überzeugung sagen können: „Herr, binde mich los. Denn Du brauchst mich als Zeichen Deines Friedens!“

Peter Hofacker, Oberursel

 

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