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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

29. Mrz. 09 - Judika / 5. Fastensonntag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mk 10, 35-45

Jer 31, 31-34

Hebr 5, 7-9

Joh 12, 20-33

Der Verfasser betrachtet die ev. Predigtperikope und den kath. Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Erlöste Schöpfung, Reich Gottes, Versöhnung von Gott und Mensch, Umgang mit der Natur, Schöpfung als geschenkter Lebensraum, Biokraftstoffe in Brasilien; außerdem: „Vaterunser, ökologisch ausgelegt“


Exegetische Anmerkung zu den Bibelstellen

Mk 10, 35-45

Wir Menschen haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Nichts, was wir tun, soll ohne Lohn bleiben. Was sich nicht in barer Münze auszahlt, soll wenigstens Anerkennung oder Ehre einbringen. So betrachtet ist das Ansinnen der Zebedäiden verständlich und im Sinne der Gleichbehandlung auch das Murren der anderen Jünger. Und Jesus nimmt sie ernst. Ihrer Frage folgt die Gegenfrage Jesu. Was sind sie bereit, auf sich zu nehmen, und ist ihnen die Konsequenz ihrer Bereitschaft bewusst? Folgt man den Berichten der Apostelgeschichte und den Heiligenlegenden, dann haben die Zebedäussöhne ihr Versprechen eingehalten, obwohl Jesus ihrer Bitte keine Zusage erteilt hat. Sie haben den Kelch des Todes getrunken und das existenzbedrohende Untertauchen in den Fluten der Nachfolge, später als Bluttaufe des Martyriums gedeutet, erfahren.

Doch die Antwort Jesu beschränkt sich nicht auf die Apostel und deren Lebenshingabe in seiner Nachfolge. Er skizziert eine Gemeinderegel, die für alle gilt, die ihm nachfolgen, und die sich als Gegenentwurf zu herrschenden und bis heute wirksamen Mechanismen zeigt. Dabei gilt, dass wir selber leben müssen, was wir von anderen fordern. In dem Wort von Jesu Lebenshingabe für viele schließt sich wieder der Bogen zur anfänglichen Frage nach dem Reich Gottes und seiner Ordnung. Jesu Dienen um der Erlösung der Menschen willen lässt sein Reich schon hier auf Erden beginnen, und unser Dienen in seiner Nachfolge lässt sein Reich immer mehr aufscheinen. Dabei geht es nicht, wie in der Antwort an die Zebedäiden ausschließlich um ein Martyrium in der Christusnachfolge, das es auch heute noch gibt, sondern um einen Lebensentwurf, der das beginnende Reich Gottes ein Stückchen Wirklichkeit werden lässt.

Joh 12, 20-33

Jesus ist in der Öffentlichkeit seines Landes ein bekannter Mensch. Wo er auftaucht, zieht er Menschen in seinen Bann. So in dieser Perikope einige Griechen, die, so lässt sich vermuten, als Proselyten oder anderweitig dem Judentum Verbundene beim Osterfest in Jerusalem weilen. Doch die Antwort auf deren Ansinnen dient nicht der Befriedigung der Neugier, sondern entwirft ein theologisches Programm, das Jesu Wirken zusammenfasst und uns auch heute in die Pflicht nimmt.

Christus, das Weizenkorn stirbt und bringt reiche Frucht. Doch damit erschöpft sich Gottes Handeln nicht, sondern fängt erst an. Dem Beispiel Jesu folgend sollen wir der Sache dienen und unser Leben hintanstellen. Die Sache, um die es geht, ist das Reich Gottes, in dem die unüberwindliche Trennung von Himmel und Erde aufgehoben wird – und das unzerstörbar. Gottes liebevoll ausgestreckte Hand, die wir Menschen immer wieder ausschlagen, und das besonders radikal und unwiderruflich im Kreuzestod Jesu, durchbricht diese für uns Menschen unüberwindliche Schranke von Leid und Tod durch die Auferstehung seines Sohnes. Der durch das Kreuz erhöhte Christus erlöst die Welt von der Gottesferne und verbindet Himmel und Erde.

Doch das geht nicht ohne uns Menschen. Die Freiheit, die Gott uns als seinen ihm ebenbildlichen Geschöpfen geschenkt hat, gilt auch beim Erlösungshandeln Gottes. Gottes Liebe und Nähe können nur in unserem Leben und Handeln aufleuchten. Als seine Diener lassen wir, zwar anfanghaft und unvollkommen, sein Reich auf dieser Erde Wirklichkeit werden. Doch die Freiheit unserer Entscheidung über unser Tun und Handeln hat Konsequenzen, die wir im Gericht und der Erfahrung von Gottes Gerechtigkeit tragen müssen.


Überlegungen zu einem Predigtentwurf

Seh’ ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst (Ps 8, 4-5).

Der gekreuzigt auferstandene Herr ist das Zentrum der Verkündigung am 5. Fastensonntag. Die ganze Fastenzeit arbeitet darauf hin, das Christusgeheimnis zu verkünden. Wie kann Christus, Gott und Mensch zugleich, unser Leben, Leiden und Sterben teilen? Warum geschieht das? Was bringt uns das? Fragen von zentraler Bedeutung, der sich kein Prediger an diesem Sonntag ganz verschließen kann. Führen doch die Texte des 5. Fastensonntags brennpunktartig Aussagen zu diesen Fragen auf. Vor allem die beiden Evangelientexte Mk 10, 35-45 der evangelischen Leseordnung und Joh 12, 20-33 der katholischen Leseordnung fassen das Himmel und Erde verbindende Wirken Jesu theologisch dicht und eindrucksvoll zusammen. So wird sich eine Predigt nicht ausschließlich ökologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten widmen können. Dennoch kann es sinnvoll sein, den Reigen der üblichen Predigtthemen zu durchbrechen und Aspekte zur Sprache zu bringen, die in der Bedeutungsschwere der Texte und der Prägung der Passions- bzw. Fastenzeit oft zu kurz kommen. Der Aufruf zur Umkehr, der uns, unseren Lebensstil und unser Handeln verändern will, ist ein zentrales Motiv dieser geprägten Zeit. Das kommt auch im Wort des Dieners bzw. des Dienens, was die Texte der Markus- und der Johannesperikope verbindet, zum Ausdruck. Es liegt nahe, wie es bei Mk 10, 42 ausgeführt wird, das dienende Handeln von uns Menschen ausschließlich auf andere Menschen zu beziehen, also den Armen, Kranken, den Unterdrückten und Leidenden beizustehen, damit sie ein wenig vom Reich Gottes erfahren können. Doch hat die ganze Schöpfung in Gott ihren Anfang und damit auch ihr Ende. Die ganze Schöpfung ist geschenkter Lebensraum. In allem findet sich Gottes Wirklichkeit wieder. Unser Umgang mit der Natur darf sich nicht allein an der Nützlichkeit orientieren, sondern muss unsere Welt als einen Entfaltungsraum von Gottes Wirklichkeit wahrnehmen. Sicherlich bedarf die Natur keiner Erlösung, wie sie uns Menschen notwendig ist, würde es doch einen Bruch mit Gottes Zusage voraussetzen. (Röm 8, 20-22) Doch spiegelt sich in unserem Umgang mit unserer Umwelt auch unser Verständnis von Umkehr und Nachfolge wieder. Das Bild vom fruchtbringenden Weizenkorn in Joh 12, 24 ist nicht nur eine Metapher für Jesu Tod und Auferstehen, sondern auch ein Hinweis, dass in der Natur Gottes Wirken zu finden ist. Wenn wir also mit den Texten des Tages anregen, nicht nur in der Betrachtung von Jesu Leiden, Sterben und Auferstehen zu verharren, sondern daraus Konsequenzen für unsere Lebensgestaltung und unser Handeln zu ziehen, dann sollten wir auch unsere Haltung und unseren Umgang mit der Natur in den Blick nehmen. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesminister und Sekretär für das UN Umweltprogramm, formulierte bei einem Vortrag am 28.03.2008 in Halle. „In unserer Kirche wird immer wieder die Frage gestellt, ob sie eine Kirche für die Menschen oder für die Schöpfung ist. Der wunderbare Heilige von Assisi schrieb über Erde, Sonne, Mond und Quelle als Schwestern und Brüder. Ist uns bewusst, dass der Römerbrief ausdrückt, die ganze Schöpfung harre der Erlösung? Ist uns bewusst, dass Schöpfung zu erhalten ist, weil sie Schöpfung ist, nicht weil sie den Menschen nützt? Wie viel hat sich schon als extrem nützlich herausgestellt, von dem viele geglaubt haben, es sei gänzlich unnütz. Wer sind wir eigentlich, dass wir mit unserer gegenwärtigen Nützlichkeitsvorstellung das betrachten, was Gott geschaffen hat?“


Ökologische Anmerkung

Wie eng verzahnt ökologisches Denken und soziales Handeln sind und wie komplex und vielschichtig die Thematik ist, kann am Beispiel der Bioethanolgewinnung in Brasilien deutlich werden. Im Zuge der CO2-Diskussion und steigender Energiepreise scheint Biokraftstoff eine mögliche Alternative zu sein.

Brasilien hat mit Unterstützung der EU und den USA diesen Zukunftsmarkt entdeckt und investiert kräftig. Dadurch steigt der Landbedarf, und auf ökologisch sensible Gebiete wird wenig Rücksicht genommen. Die großen Zuckerrohrplantagen, auf denen der Biokraftstoff gewonnen wird, führen zu Monokulturen und verdrängen einen vielfältigen Anbau.

Sozial bedeutet das, dass die Kleinbauern von ihrem Land vertrieben werden, dass die Grundnahrungsmittel nicht ausreichend selbst hergestellt werden, sondern für teures Geld gekauft werden müssen. Aufwendige Bewässerungen senken den Grundwasserspiegel. Dünger und Pestizide, bei Monokulturen in großem Maße notwendig, verschmutzen das Grundwasser. (Nachzulesen bei www.misereor.de/themen/rohstoffe-energie). An diesem Prozess sind wir unmittelbar beteiligt. Wir schätzen unsere Mobilität und fahren gerne Auto, und oft ist es sogar durch die berufliche Situation unumgänglich. Durch unser Konsumverhalten gingen die Investitionen beim Automobilbau mehr in den Komfort und die Größe und nicht in Innovationen zur Spritersparnis.

Doch genügt es, weniger Auto zu fahren oder nur noch spritsparende Modelle zu kaufen? Genügen unsere Forderungen an die Politik, mit Gesetzen einzugreifen? Müssen wir nicht von den Konzernen einfordern, neben dem berechtigten Gewinnstreben auch einen moralischen Kodex zu entwerfen, der sozialethische und ökologische Aspekte berücksichtigt?

Anfangen müssen wir bei uns und unserem Verhalten. Wir müssen lernen, vernetzt zu denken und die Auswirkungen unseres Handelns auf lokale und globale Strukturen zu bedenken. Erkennen müssen wir auch, dass nationalstaatliche Regierungen nur bedingt Einfluss auf die weltweit operierenden Konzerne haben. Einfache Antworten, wie wir unserer Schöpfungsverantwortung gerecht werden, gibt es nicht.


Literatur

Rudolf Pesch, Das Markusevangelium
Rudolf Schnackenburg, Das Johannesevangelium
Die deutschen Bischöfe, Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen Nr. 19 und Nr. 29 (kostenlos als PDF unter: www.dbk.de).


Kontexte

Der Sonnengesang des Franziskus

Du höchster, mächtigster, guter Herr, Dir sind die Lieder des Lobes, Ruhm und Ehre und jeglicher Dank geweiht; Dir nur gebühren sie, Höchster, und keiner der Menschen ist würdig, Dich nur zu nennen.

Gelobt seist Du, Herr, mit allen Wesen, die Du geschaffen, der edlen Herrin vor allem, Schwester Sonne, die uns den Tag heraufführt und Licht mit ihren Strahlen, die Schöne, spendet; gar prächtig in mächtigem Glanze: Dein Gleichnis ist sie, Erhabener.

Gelobt seist Du, Herr, durch Schwester Mond und die Sterne. Durch Dich sie funkeln am Himmelsbogen und leuchten köstlich und schön.

Gelobt seist Du, Herr, durch Bruder Wind und Luft und Wolke und Wetter, die sanft oder streng, nach Deinem Willen, die Wesen leiten, die durch Dich sind.

Gelobt seist Du, Herr, durch Schwester Quelle: Wie ist sie nütze in ihrer Demut, wie köstlich und keusch!

Gelobt seist Du, Herr, durch Bruder Feuer, durch den Du zur Nacht uns leuchtest. Schön und freundlich ist er am wohligen Herde, mächtig als lodernden Brand.

Gelobt seist Du, Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde, die gütig und stark uns trägt und mancherlei Frucht uns bietet mit farbigen Blumen und Matten.

Gelobt seist Du, Herr, durch die, so vergeben, um Deiner Liebe willen Pein und Trübsal geduldig tragen. Selig, die's überwinden im Frieden: Du, Höchster, wirst sie belohnen.

Gelobt seist Du, Herr, durch unsern Bruder, den leiblichen Tod; ihm kann kein lebender Mensch entrinnen. Wehe denen, die sterben in schweren Sünden!

Selig, die er in Deinem heiligsten Willen findet! Denn Sie versehrt nicht der zweite Tod. Lobet und preiset den Herrn! Danket und dient Ihm in großer Demut!

(Vergleiche dazu auch EKG 514 oder GL 285)

Bei „www.eo-bamberg.de“ finden sich unter dem Stichwort „Schöpfung“ verschiedene Gottesdienstmodelle, die teilweise auch für die Fasten- bzw. Passionszeit geeignet sind.

Das Vaterunser, ökologisch ausgelegt

Unser Vater im Himmel.

Du bist der dreieine Gott, der Schöpfer, der Befreier von Mensch und Natur und die heilige schöpferische Kraft, die Neues schafft.

Dein Name werde geheiligt.

Wer die Erde verletzt, schändet Deinen Namen. Wer Deine Geschöpfe mit Füßen tritt, tritt Dich als Schöpfer mit Füßen. Wie Du heilig bist, ist auch Deine Schöpfung geheiligt.

Dein Reich komme.

Dein Reich schließt auch die Erlösung der gesamten Kreatur ein.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf der Erde.

Dein Wille, dass die Menschen die Erde bebauen und bewahren, gestalten und erhalten.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Gib uns jeden Tag neu so viel, wie wir brauchen, nicht mehr, damit wir nicht habgierig werden und die Natur ausbeuten, aber auch nicht weniger, damit wir menschenwürdig leben können. Hilf auch allen Tieren und Pflanzen, dass sie die Nahrung bekommen, die sie für ihr Überleben brauchen. Lass uns erkennen, was sie brauchen.

Und vergib uns unsere Schuld.

Unsere Schuld gegenüber den Tausenden von Tier- und Pflanzenarten, die durch die menschliche Zivilisation ausgerottet wurden. Unsere Schuld im Umgang mit dem Wald, der Tierhaltung, der Verschleuderung begrenzter Ressourcen der Erde.

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Schuldet vielleicht auch die Natur uns etwas? Menschen Dürrgebieten oder Überschwemmungszonen oder die durch die Grippewelle bei uns Erkrankten hadern mit Dir und Deiner Natur. Zeig uns Wege, mit den Widerwärtigkeiten Deiner Schöpfung umgehen zu lernen.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Stärke uns insbesondere gegen die ständige Versuchung, die Natur einfach als unseren Besitz zu betrachten, mit dem wir meinen, machen zu können, was wir wollen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Denn Dir, Schöpfer, gehört alles Leben, das der Menschen und aller Kreatur, Du bist die Schöpferkraft, und Dir gehört alles staunende Loben und aller Dank.

Amen. (Autor unbekannt)

Paul Nowicki, Speyer

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