Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

22. Mrz. 09 - Laetare / 4. Fastensonntag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 12, 20-26

2 Chr 36, 14-16.19-23

Eph 2, 4-10

Joh 3, 14-21

Der Autor betrachtet alle vier Perikopen. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Selbsteinsatz – Weizenkorn sein! (Joh 12); Atempause für das Land, Einhalt für die Ressourcenplünderung (2 Chr 36); Kontemplation und Respekt als Erscheinungsweise von Nachhaltigkeit (Eph 2); Mikrokredite, Mindestlohn, in Gottes Licht gedeihen nachhaltige Werke, keine „finsteren“, die das Licht scheuen (Joh 3)


Joh 12, 20-26: Das Weizenkorn

Jesus kommt in die Hauptstadt. Der berühmte Rabbi, der Wunderheiler! Äußerlich gesehen gleicht sein Einzug einem Triumphzug. Doch er weiß genau, was ihn hier erwartet: die Entscheidung auf Leben und Tod. Von Beginn an war sein Weg vom Schatten des Hasses begleitet. Inzwischen wird er von den Behörden steckbrieflich gesucht. Griechische Jerusalem-Pilger haben jedoch ein anderes Interesse. Sie wollen den berühmten Lehrer kennen lernen. Doch es ist nicht mehr die Gelegenheit zu Interview und Autogramm. Jesus geht auf den Kontaktwunsch nur indirekt ein. Er nutzt die Situation zu seiner letzten öffentlichen Rede.

Mit dem Wort vom Weizenkorn kommt er den Griechen entgegen. In ihrer eigenen Kultur kennen sie Mythen und Göttersagen vom ewigen „Stirb und werde“. Der Saat folgt die Ernte und dieser wieder neue Saat: ein Kreislauf des Hingebens und des Empfangens. Und in der Erwartung der Frucht entscheidet die Zukunft über die Gegenwart. - Im Mythos steigt Demeter, die Göttin von Saat und Ernte, schmerzgebeugt hinunter in das Totenreich, denn Hades hat ihre geliebte Tochter Persephone entführt. Der ausgehandelte Kompromiss der Gottheiten lässt das Mädchen ein halbes Jahr im Hades verbleiben, eine halbes Jahr aber bei ihrer Mutter: ein Gleichnis von Tod und Auferstehung, vom Wechsel von Winter und Sommer. – Im Unterschied zum Mythos erzählt Jesus allerdings keine Göttersage. Er spricht von sich selbst, von der Hingabe seines Lebens. Und davon, dass der Selbstaufgabe „vielfältige Frucht“ folgt. Aus wenig wird viel. Damit wird das Weizenkorn zum Symbol der Nachhaltigkeit.

Die Pioniere einer besseren, einer menschlichen Welt, die Visionäre lebensdienlicher Wege des Wirtschaftens und der gewaltfreien Lösung politischer Konflikte haben ihre ganze Existenz eingesetzt und mussten ihren Kampf oft genug mit dem Leben bezahlen, z.B. Martin Luther King: Ein Weizenkorn, dessen Hingabe bis heute „vielfältige Frucht“ trägt. King verstand seinen Weg im Sinne des Wortes Jesu: „Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“. Der Hingabe und dem Leiden in der Nachfolge Jesu ist nachhaltige Wirkung verheißen. M.L. King: „Meine persönlichen Erfahrungen haben mich ... den Wert unverdienten Leidens erkennen lassen. Als meine Bedrängnisse zunahmen, merkte ich, dass es zwei Möglichkeiten gab, mit meiner Lage fertig zu werden. Ich konnte mit Bitterkeit darauf reagieren oder versuchen, das Leiden in schöpferische Kraft zu verwandeln. Ich entschloss mich zum zweiten Weg.“ (Martin Luther King, Kraft zum Lieben, 1964, S.232 f.)


2 Chr 36, 14-16.19-23: Der Gott der Geschlagenen

Die Verwüstung Jerusalems ist in der Geschichte des alten Orients eine höchst nebensächliche Episode. Für den Gottesglauben aber wurde das Jahr 587 zum Schicksalsdatum. Die Allianz von Thron und Altar ist zerbrochen. Vernichtet ist nicht nur die Elite des Kleinstaates, tot ist auch JHWH als Lokalgott Israels und Judas, ein unbedeutender Gott unter vielen anderen. Im babylonischen Exil aber ersteht der eine universelle Gott! Er erfreut sich nicht an den aufgehäuften Schätzen der Oberschicht und steht nicht auf der Seite derer, die das Volk ausgebeutet hatten, sondern bei den Geschlagenen. (Die Diskussion über die Anhäufung privaten Reichtums im Neokapitalismus durch wenige bei gleichzeitig wachsender Armut vieler lässt grüßen.) Jetzt erst trägt die prophetische Verkündigung nachhaltig Früchte: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben.“ (Spr 14, 34) – Wichtig ist die Notiz über den Sabbat des verwüsteten Landes: Der rücksichtslosen Ausplünderung seiner Ressourcen hat Gott eine gründliche Atempause verordnet! Ein Menetekel für nachhaltiges Wirtschaften. Auch der Erde gebührt Gerechtigkeit. (Vgl. Lev 25, 1 ff.!)


Eph 2, 4-10: Kampf und Kontemplation

„Aus Gnade selig – geschaffen in Christus zu guten Werken“: diese fundamentale Polarität macht christliches Leben aus. Im klassischen Verhältnis von vita contemplativa und vita activa hat sie Gestalt angenommen. Die Kontemplation der Gnade hält den Respekt vor dem göttlichen Handeln, vor seiner Schöpfung und den Mitgeschöpfen wach und bewahrt vor Selbstgerechtigkeit. Das verleiht den „guten Werken" u.a. ein Profil der Nachhaltigkeit! Mit ihnen sind wir dankbare Mitarbeiter des Schöpfers und Streiter gegen „schlechte Werke“: im Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. - Was das bedeuten kann, hat der Gründer und erste Prior von Taizé, Roger Schutz, vorgelebt und prägnant formuliert: „Heute können sich die Christen nicht der Nachhut der Menschheit anschließen. Sie können sich keine nutzlosen Kämpfe leisten, in denen sie sich selbst festfahren. Wo darum gekämpft wird, den Stimmen der Verborgenen Gehört zu verschaffen und auf die Menschen aufmerksam zu werden, auf die niemand hört, ist der Platz der Christen in den ersten Reihen, im Kampf für die Befreiung aller Menschen. Ebenso stark erahnen die Christen zur gleichen Zeit, auch wenn sie das Schweigen Gottes umgibt, eine andere wesentliche Wirklichkeit: Der Kampf für die Menschen und an deren Seite findet seine Quellen in einem anderen Kampf, der immer stärker in ihrem Innern geschieht, dort, wo kein Mensch dem andern gleicht. Dort, wo wir am Tor zur Kontemplation stehen. Kampf und Kontemplation: Lassen wir uns so weit führen, bis sich unser ganzes Lebens zwischen diese beiden Pole spannt?“ (Frère Roger, Kampf und Kontemplation. Tagebuchseiten 1970-1972, Les Presses des Taizé 1973, S. 7 f.)


Joh 3, 14-21: Liebhaber des Lichtes

„Finstere Werke“ ans Licht zu bringen gehört zu den demokratischen Anstrengungen, so die oft mühsamen Verfahren gegen Korruption (wie z.B. in den Prozessen gegen die Führung von VW und Siemens) oder das Aufdecken von Schwarzgeldkonten (z.B. in Liechtenstein). Auch die gigantischen Fehlspekulationen im globalen Börsengeschäft müssen wohl „Werke der Finsternis“ genannt werden. Vor allem im Blick auf die globale Verteuerung der Nahrungsmittel und die dadurch verschärften Hungerkatastrophen. Die genannten “finsteren Werke“ zerstören Vertrauen und schaden denjenigen, die von den Entscheidungen einer reichen Führungsschicht abhängig sind, deren Arbeit aber den gesellschaftlichen Reichtum erst erzeugt. – Die Leiden der Menschen finden in der Bronzeschlange des Mose und vor allem im Kreuz Christi ihre Symbole. Von daher fällt Gottes Licht in die Welt: mit den Geboten der Thora, mit dem Wort der Bergpredigt „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Mt 6, 24), und, versteht sich, in Jesus, dem Fleisch gewordenen Wort. In seinem Licht gedeihen nachhaltige „Werke in Gott“: Was eine gerechte Ökonomie angeht z.B. ein Mindestlohn für alle oder das Mikrokredit-Programm von „oikocredit“, der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft und von der „Grameen -Bank“ des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus in Bangladesh.

Dr. Wolfgang Herrmann, Geilnau

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz