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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

15. März 09 - Okuli / 3. Fastensonntag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 9, 57-62

Ex 20, 1-17 oder
Ex 20, 1-3.7-8.12-17

1 Kor 1, 22-25

Joh 2, 13-25

Anmerkung der Autorin: Aus der Fülle der biblischen Impulse behandle ich schwerpunktmäßig die erste Lesung der katholischen Leseordnung: die Verkündigung des Dekalogs. Von daher ziehe ich dann inhaltlich die Linie durch die anderen Texte mit einigen Assoziationen und Impulsen zum Thema der Nachhaltigkeit.


Die Zeit im Kirchenjahr

Der dritte Sonntag in der Fastenzeit liegt in diesem Jahr bereits Mitte März, wenige Tage vor dem offiziellen Frühlingsbeginn. Vom Gefühl her ist es eine Zeit des Aufbrechens: die Tage sind bereits spürbar länger. In den Blumengeschäften blüht der Frühling, je nach Witterung auch schon in den Gärten. Der Handel mit der Osterdeko ist in vollem Gang. Alles ist ausgerichtet auf das aufblühende Leben. Andererseits ist die Einstiegsphase in die österliche Bußzeit vollzogen. Erste Erfahrungen mit den kleineren oder größeren Verzichten sind gemacht, möglicherweise auch die Erfahrung, es nicht so „zu schaffen“. In einer Zeit, in der fast alles jederzeit zu haben ist und der Konsum zu kleinen Erfahrungen von „man gönnt sich ja sonst nichts“ verlockt, ist es eine gewisse Herausforderung, persönlich die österlichen Vorbereitungszeit mit dem ihr eigenen Ernst durchzutragen. Es bedarf einer bewussten inneren Ausrichtung auf das Wesentliche dieser Wochen, um auf dem Weg bleiben zu können. Auch eine Chance für die Verkündigung am dritten Fastensonntag.


Ex 20, 1-17

Fast in der Mitte der Fastenzeit bringt uns die Leseordnung mit der Verkündigung des Dekalogs das Herz der mosaischen Verkündigung zu Gehör. Der Gott, der Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit und bis hierher zum Sinai gebracht hat, lässt dem Volk seinen Bundeswillen verkünden. Er soll für alle kommenden Generationen Geltung haben, um unter den Bedingungen der Freiheit die Freiheit des Volkes Gottes zu wahren. Wenn ich den Kontext dazu nehme: ein Wort, das unter mächtigen Zeichen - Donner, Blitz, Rauch und Posaunenschall - angekündigt wird. Ein Wort mit Macht und ein Wort für die Freiheit, Wort des Bundes getragen von der göttlichen Selbstoffenbarung.

Exegetische Hinweise zu Exodus 20,1-17 (1)

Die von uns so genannten zehn Gebote gelten bis heute als Ausweis christlichen Lebens. Dabei sind sie in der Regel nur in der verkürzten Form des Katechismus bekannt. Sie sind oftmals angereichert mit mancherlei Vorstellungen, die eher aus dem bürgerlichen Lebensmilieu stammen. Und sie sind belastet mit der Erfahrung der Beichtspiegel mit besonderer Konzentration auf das sechste Gebot. Auf der anderen Seite steckt der Dekalog den Lebensraum des Gottesvolkes ab mit bleibender Gültigkeit auch im Neuen Testament und darüber hinaus. Wird dieser Text also Predigtgrundlage, scheint mir um seiner lebendigen Ursprünglichkeit willen wichtig:

  • den ganzen Text zu verkünden
  • gewisse Zusammenhänge und Begriffe zu klären, um sie nicht inhaltlich zu überfrachten.

 

1. Der Dekalog ist ein Wachstumsgebilde

Die Überlieferung der sog. „Zehn Worte“ (= Dekalog) erfolgt im Alten Testament an zwei Stellen: in Exodus 20, 1-17 - eingeschoben in die machtvolle Gotteserscheinung am Sinai - und in Dtn 5, 6-21 als Gottesrede in einer Moserede. In der Exodusperikope scheint der Dekalog nicht recht in den Gesamtzusammenhang zu passen (vgl. den Anschluss Ex 19, 25 und 20, 1; Ex 20, 18 ff. knüpft an die Theophanie von 19, 16 ff. an und nicht an den vorausgehenden Dekalog). Er wirkt hier eher wie ein Fremdkörper. Wahrscheinlich ist der Dekalog im Deuteronomium die ältere Textfassung und Ex 20 eine Überarbeitung von Dtn 5. Der Dekalog wurde also später in die Gottesoffenbarung am Sinai eingeschoben, „um als Kerntext der Wortoffenbarung am Sinai“ (2) zu fungieren.

Der Dekalog ist auch in sich nicht einheitlich. Er kennt unterschiedliche Gattungen: Selbstvorstellungsformel; Formulierungen apodiktischen Rechts; überwiegend negative Formulierungen, und zwei Gebote, die positiv formuliert sind (Sabbat- und Elterngebot). Und es gibt die Zweiteilung in die Verpflichtungen gegenüber Gott und denen gegenüber der menschlichen Gemeinschaft, die sog. „zwei Tafeln“.

2. Einzelklärungen

  • V3: Das Verbot anderer Götter bedeutet nicht, dass ihre Existenz bestritten, sondern dass ihre Verehrung im Kult verboten wird. Die wörtliche Übersetzung lautet: „Nicht werden dir andere Götter sein, mir ins Angesicht.“ (3)
  •  V7: Das Verbot des Missbrauches des göttlichen Namens meint in erster Linie das Verbot einer magischen Verwendung des Namens. Die Deutung von Missbrauch als Eid oder Fluch geschieht erst später.
  • V8: Das Sabbatgebot wird von der Schöpfungsordnung her begründet. Das Sabbatgebot ist positiv formuliert.
  • V12: Das Elterngebot - ebenfalls positiv formuliert und als einziges mit einer Verheißung verbunden - richtet sich an die erwachsenen „Kinder“, die für ihre alternden Eltern sorgen sollen. Dabei geht es nicht um den Gehorsam der Kinder, vielmehr um den Respekt vor den Eltern. Es fällt auf, dass in der Formulierung „Vater und Mutter gleichberechtigt nebeneinander stehen, was im kulturellen Umfeld der Bibel keine Selbstverständlichkeit darstellt.“ (4)
  • V13: Das Verbot zu „morden“ bezieht sich vom Wort her klar auf das gewaltsame Töten, das durch keinerlei Recht gedeckt ist (fahrlässige Tötung, Mord). Es richtet sich damit grundlegend gegen Gewalttätigkeit, gegen die Blutrache oder auch die Selbsttötung. Die Todesstrafe oder die Tötung im Krieg sind dabei nicht im Blick.
  • V14: Das Verbot, die Ehe zu brechen, bezieht sich nicht auf alle möglichen sexuellen Verfehlungen und ist auch kein Scheidungsverbot. (Es gibt ein Scheidungsrecht im AT.) Es schützt die Unantastbarkeit der Ehe. Und es schützt die legitimen Nachkommen eines Mannes. Denn für den Mann bedeutet Ehebruch „nur“, wenn er in eine fremde Ehe eindringt. Für die Frau ist Ehebruch jeder sexuelle Kontakt außerhalb der Ehe.
  • V15: Das Gebot bezieht sich in erster Linie auf den Menschenraub zum Zwecke der Sklavenbeschaffung.
  • V16: Das Gebot hat den öffentlichen Bereich eines Gerichtsverfahrens im Blick. Schon zwei falsche Zeugenaussagen genügen für ein Todesurteil!
  • V17: Das hebräische Wort für „begehren“ hat einen weiten Bedeutungshorizont: es umfasst alles vom Begehren in Gedanken bis hin zur Aneignung.

Predigtimpulse und Nachhaltigkeitsaspekte

1. Die Selbstvorstellung Gottes

Vor allen Geboten und über ihnen steht als erstes die Selbstvorstellung Gottes als des rettenden Gottes aus dem Sklavenhaus Ägypten. „Das Sklavenhaus Ägypten“ - ein Bild für alle Zustände, in denen Menschen einander und ihre Um- und Mitwelt bis heute „versklaven“ und Räume der Unfreiheit schaffen: sei es die Ausnutzung billiger Arbeitskräfte auf dem Weltmarkt, das rücksichtslose Ausbeuten natürlicher Ressourcen im Großen oder der alleinige Maßstab der Wirtschaftlichkeit im Kleinen, Zeitarbeit, Abhängigkeiten, die in Familiensystemen geschaffen werden, gedankenloser Umgang mit den mir geschenkten Gütern dieser Erde… Versklavungen sind allgegenwärtig bis heute. Es gibt sie.

Jahwe - der „ich bin da für euch, als der ich da sein werde“, in unverfügbarer Freiheit und in freier Selbstverpflichtung engagiert für die Welt und die Menschen - ER ist es, der rettet. ER ist es, der in die Freiheit führt. Und Jahwe ist es, der Weg-Weisung gibt, wie die geschenkte Freiheit, der Raum heilvollen Lebens zu gestalten und unter den Bedingungen der Freiheit zu bewahren ist - das Zehnwort. Überall wo wir uns in verantwortlichem Engagement einsetzen für die Freiheit und gegen versklavende Mechanismen, bleibt es wesentlich, das gläubige Bewusstsein wach zu halten: letztlich ist Jahwe es, der rettet! Nur in Beziehung zu IHM kann der eigene Einsatz für einen heilvollen Raum der Freiheit gelingen.

2. Die ersten drei Weisungen.

Die ersten drei Weisungen des Dekalogs stärken und stützen diese allem voraus liegende Aussage. Mit dem „Jahwe allein“ ist eine tiefe personale und existentielle Bindung an den Rettergott gemeint. Darin liegt eine große Freiheit allem gegenüber, das sich wie Gott gebärden möchte und doch nur versklavendes Machwerk ist. Es bedingt die Freiheit von allen Bildern verhafteten Vorstellungen, die - da nach menschlichen Herrschaftsmaßstäben gefertigt - doch wieder versklaven und alle erdenklichen Opfer fordern, kultische wie existentielle. Das heißt: Gott selber befreit sein Volk von falschen Opfern, mit denen es sich den Lebensraum von Heil und Segen erleisten müsste. Gerade heute, da sich religiöse Identitäten zu verflüchtigen scheinen und vielerlei Heilslehren uns in Frage stellen, und wo wir kirchlich wieder zu alt bewährten Formen und strengeren Regeln zurück kehren möchten, scheint mir dies eine wichtige Botschaft zu sein. Verbunden mit „Jahwe allein“ bin ich bewahrt vor falschem Götterdienst. Das Gebot, keine anderen Götter zu verehren, kein Bildnis zu erstellen und den Namen Gottes nicht magisch zu missbrauchen, schützt den Raum der Gottesbeziehung, und führt den in die Freiheit Gerufenen zu einer befreienden Gottesbegegnung. Der Sabbat, als Gabe des Schöpfergottes der Schöpfung eingestiftet, schafft im weltlich-menschlichen Gestaltungsbereich jenen Raum der Freiheit, der den Menschen aufatmen lässt und ihn der Versklavung durch die Arbeit entreißt.

Es gibt heute eine schleichende Versklavung durch den zeitlosen Computer, die rund um die Uhr Erreichbarkeit durch die Mobilfunktelefone, das weltweite Produktionsnetz. Nicht zu arbeiten, nicht erreichbar zu sein, nicht online zu sein könnte Verdienstausfall bedeuten, ganz rasch nicht mehr up to date zu sein. Das Maschennetz ständiger Leistungsbereitschaft wird immer enger, die psychisch verstörten und gestörten, burned out Menschen immer mehr. Entsprechend wiederum boomt die Freizeitgestaltungsmaschinerie, die auf ihre Weise den Menschen nicht zur Ruhe kommen lässt. „Schabbat“ - Frei-Raum, um Mensch zu sein, zu wissen, dass nicht alles von mir abhängt, dass ich ein Recht habe, einfach mal nur für mich zu sein, in die Wolken zu schauen und die Welt ihren Gang gehen zu lassen - zu dem von Jahwe befreiten Menschen gehört konstitutiv dieses Ausatmen und zu sich kommen und die aus dieser Ruhe aufsteigende Feier. Es scheint mir einen Hinweis wert zu sein, dass der aus der Schöpfungsordnung hergeleitete Sabbat nicht in erster Linie ein liturgischer Tag ist, sondern Menschen und Tiere (!) vor Ausbeutung schützen will.

3. Die sog. zweite Tafel - die Gemeinschaftspflichten

Das „Ja“ des Menschen zu Gott trifft nicht auf einen weltlosen oder weltfernen Gott, sondern eben auf jenen Gott, der sich von Anfang an entschieden für Welt und Mensch engagiert. In dieser Linie ist es nur konsequent, dass zur Lebensgestaltung im Frei-Raum dieses Gottes das radikale „Ja“ zum Menschen konstitutiv dazu gehört. Vom Ursprung des Jahwe-Glaubens her ist die Zuwendung zu Gott mit dem gemeinschaftsgerechten Verhalten unlösbar verknüpft: was wir „Menschenrechte“ nennen, ist im Horizont des Sinaibundes Gottesrecht! (5) Bereits in der frühen prophetischen Botschaft wird die rechte Verehrung Jahwes an der Gerechtigkeit im mitmenschlichen Verhalten gemessen. Ja, es geht soweit, dass kultische Feste und Feiern für nichtig erklärt werden, wenn sich im zwischenmenschlichen Bereich Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Unterdrückung und Übervorteilung breit machen.

Im Zusammenhang mit dem Stichwort der Nachhaltigkeit ist zu bedenken, wie weit wir Sorge für die Schöpfung, Bewahrung der Ressourcen, achtsamen Umgang mit der Natur fordern können, wo der Mensch beständig Opfer eines immer rücksichtsloseren Kapitalismus wird!? Dem Gott des Bundes zu glauben, wie er sich im Dekalog zeigt, erfordert eine wache Aufmerksamkeit für den Menschen. In der aufrichtigen Zuwendung zum Menschen bewährt sich der biblische Glaube. Der Umgang miteinander ist der Ausweis für die gottgewollte Freiheit von allen versklavenden, unfrei und unheil machenden Mechanismen dieser Welt.

Wenn gerade in unserem Kulturraum die Tötung des neugeborenen Lebens zunimmt, wenn es zur Regel wird, dass Bindungen zerbrechen, dass Menschen mit materiellen Nöten immer mehr ins Abseits geraten, dass sich der Einzelne im Räderwerk von Wirtschaft und Politik immer häufiger ohnmächtig oder gar entwertet fühlt… dann ist es für alle, die sagen: „wir glauben diesem Gott“, not-wendig, ernsthaft zu fragen, wie weit der Glaube sich in der Tat für den Menschen ausweist. Dies setzt freilich voraus, dass auch der einzelne Glaubende für sich erfahren hat: auch er ist ein Befreiter, auch zu ihm ist „Ja“ gesagt. Dann kann das antwortende „Ja“ zum Menschen voll gelebt werden.


Ein Zeugnis aus Brasilien

Ein mir bekannter Priester, der seit Jahrzehnten im Norden des Amazonasgebietes als Seelsorger lebt, schreibt folgendes in einem seiner Rundbriefe (6):

Wir haben in Brasilien in jedem Jahr in der österlichen Bußzeit eine wichtige Brüderlichkeitskampagne zu einem brennenden Aspekt unseres Lebens. In diesem Jahr ging es um das Amazonasgebiet und die christliche Geschwisterlichkeit. Ich zitiere aus dem offiziellen Text der Brasilianischen Bischofskonferenz: … Die Lebensweise der Völker des Amazonasgebiets „kann ein Lebensmodell darstellen für alle Menschen, die auf dieser Erde leben. Unsere sog. Zivilisation, deren Lebensweise vom ungebremsten Konsum der Güter dieser Erde gekennzeichnet ist, von der Gewalt, von der Verwüstung des menschlichen Lebensraums im Austausch für überflüssigen Komfort und für nutzlose Luxusgüter, diese sog. Zivilisation bringt nicht anderes hervor als die ökologische Zerstörung des Planeten. … Die Völker des Amazonasgebietes erheben auf prophetische Weise ihre Stimme und laden ein zu einer Änderung des Lebensstils. Es genügt nicht, das Amazonasgebiet zu erhalten, um das Leben des Planeten Erde zu retten. Jeder Einzelne und wir alle zusammen müssen uns zu einem einfachen und nüchternen Lebensstil bekehren, der geprägt ist von der Pflege und der Sorge um die natürlichen Lebensvoraussetzungen und von der bedingungslosen Hochachtung des Anderen. Die Völker der Amazonaswälder leiden unter dem vorherrschenden Wirtschaftsmodell der Erde. Sie lassen einen Ruf der Bekehrung laut werden, zur Solidarität und zu einem Entwicklungsprojekt, das sich im Licht der menschlichen Würde entfaltet, wie es uns das Wort Gottes nahe legt.“


Verknüpfung und innerer Zusammenhang mit den weiteren Texten des Sonntages

Der Grundgedanke, der sich für mich durch die Texte der katholischen Leseordnung zieht, heißt: „Gott ist es, der rettet und befreit. Es geht um das Werk Seiner Rettung!“ Freilich sieht diese Rettung oft anders aus, als wir sie uns vorstellen. Vom Dekalog her ist deutlich geworden: das Werk der Rettung geht von Gott aus und zielt auf den verantwortlichen Mit-Menschen, der sich im Horizont des biblischen Offenbarungsgottes frei entfalten darf.

1 Kor 1, 22-25

Das Kreuz als Folterinstrument menschlicher Machtausübung ist Inbegriff all dessen, was das „freie Leben“ durchkreuzt und zunichte macht. Durchkreuztes Leben ist bis heute ein Skandalon. Um so eigenartiger muss es für die Menschen, die damals nach Heil und Leben suchten (wie auch heute), gewesen sein, dass ausgerechnet das Kreuz als Zeichen der Rettung verkündet wurde. Für den Apostel Paulus ist die skandalöse Anstößigkeit des Kreuzes noch unmittelbare Erfahrung. Doch nachdrücklicher und tiefer ist seine innere Überzeugung, dass eben dieses Kreuz der Weg der Liebe Gottes in Jesus Christus ist und darin Seine göttliche Weisheit liegt. Allein im Kreuz sind Rettung, Kraft und Leben zu erfahren. Das aber steht völlig quer in einer Welt, die nach Zeichen und Weisheit sucht (bis heute!). Ist es nicht Torheit, Rettung von dem zu erwarten, der so offensichtlich Opfer der Herrschenden wurde? Um so wichtiger, dass sich das christliche Engagement in diese Welt hinein stets dessen bewusst bleibt: gerade in scheinbarer Schwäche liegt Gottes Stärke und Seine Torheit ist Weisheit.

Joh 2, 13-25

„Das Paschafest der Juden war nahe…“ und Jesus, der im selben Zusammenhang dieses Festes sein Leben hingibt, stellt hier zu Beginn des Johannesevangeliums vehement und mit fast erschreckender Gewalt die religiöse Praxis am Tempel zu Jerusalem infrage und entlarvt weltlichen Handel zum Lobe Gottes als Lüge. „Schafft das hier weg“ - das Haus seines Vaters ist eben keine Markthalle. Es ist vielmehr der Ort, um den Frei-Raum Gottes in der Welt und für sie offen zu halten. Nach der Legitimation für sein Tun gefragt, verweist Jesus - allerdings unverstanden - auf sein eigenes Schicksal: in drei Tagen errichte ich diesen Tempel wieder!! Der eigentliche Tempel ist der Menschensohn und mit ihm der Mensch. Hier ist der „Ort“ der Gottesverehrung. Rettung von Gott her wird geschehen, in dem der Menschensohn seinen Leib in den Tod gibt, um ihn durch den Tod hindurch wieder aufzurichten. Diese Welt ist nicht zu retten, ohne den Mut sich selber ganz zu riskieren.

Evangelische Lesereihe I: Lk 9, 57 - 62

Diejenigen, die Jesus glauben und folgen, sind ebenso wie ER in den Raum ungesicherter Freiheit gerufen, der einen einzigen Maßstab hat und ein einziges Ziel kennt: das Reich Gottes. Davor verblassen alle innerweltlichen Bindungen und Verpflichtungen. Jesus zu folgen hat immer Konsequenzen, die bedacht werden wollen. Wen dieser Ruf trifft, wer hört und antwortet, für den gibt es kein „wenn“ und „aber“. Wem dies zu heikel ist, der sollte seine Hand nicht an diesen Pflug legen. Das bedeutet auch, dass alle Verbundenheit in diese Welt hinein eine Grenze kennt: Seinen Ruf. Jesus zu glauben, ihm zu folgen, verlangt unbedingten Einsatz für das Reich Gottes: jene Lebenssphäre, die gekennzeichnet ist vom „für“ - füreinander da sein, füreinander sorgen, füreinander das Leben in dieser Welt heilvoll gestalten.

Anmerkungen

(1) Zu den exegetischen Ausführungen vergleiche: Unsere Hoffnung – Gottes Wort, Die alttestamentlichen Lesungen der Sonn- und Festtage, Auslegung und Verkündigung, Lesejahr B, Hrsg. Ehrenfried Schulz und Otto Wahl, Knecht Verlag, 1. Auflage 1996, S. 177 ff.

Und: Alfons Deissler, Die Grundbotschaft des Alten Testamentes, Ein theologischer Durchblick, Herder Verlag 1995

(2) Deissler, dto. S. 88

(3) Kommentar aus der ursprünglichen Fassung der Jerusalemer Bibel, S. 103

(4) Unsere Hoffnung – Gottes Wort, dto. S. 179

(5) Deissler, dto. S. 96

(6) Zitat aus einem Brief von Pfarrer Alfons Blumenfeld, Juruti/Brasilien im September 2007

Gabriele Panning, Heusenstamm

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