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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1. März 09 - Invokavit / 1. Fastensonntag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 4, 1-11

Gen 9, 8-15

1 Petr 3, 18-22

Mk 1, 12-15

Der Autor betrachtet die genannten Perikopen mit Ausnahme des Petrusbriefs. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Ökonomie des „genug für alle“ statt individuelle materielle Verwirklichung, Verantwortung behalten, der Ungerechtigkeit widersprechen (Mt 4); das Zeichen des Regenbogens ist kein Freibrief für Beliebigkeit (Gen 9); das Reich Gottes steht in der stetigen Spannung zwischen „Schon jetzt“ und „Noch nicht“: wir sind Moderatoren des Übergangs (Mk 1)


Mt 4, 1-11

Was steckt hinter den Versuchungen der Macht „Satan“, wie reagiert Jesus darauf und was bedeutet das für seine Nachfolgegemeinschaft früher und heute? Vorausgesetzt wird ein Verständnis des Satans als eine von Menschen gemachte Macht, die Gewalt und Tod verkörpert. Diese Macht wird als eine solche Übermacht erlebt, dass sie mit individuellen Kräften nicht mehr beeinflussbar oder kontrollierbar erscheint. Sie versucht, Gewalt über jeden Mensch zu gewinnen und so mächtig, dass sie sich an Gottes Stelle setzt.

Aus Steinen Brot

Das Brotwunder lehnt Jesus ab ab, weil er nicht will, „dass das Brot das letzte Wort hat, dass es Herr wird über die Menschen und Gott ersetzt.“ (Sölle / Schottroff, S. 24). Damit weist er den Versuch des Satans zurück, „seine Herrschaft und Macht durchzusetzen, indem er die Mittel zum Leben als das Leben selber ausgibt.“ (ebd., S. 24) Der Satan will in die Logik des ökonomisch denkenden und handelnden Menschen einstimmen, für den Geld zur Macht wird, die Unendlichkeit verheißt – immer mehr davon zu haben, verspricht mehr Leben, Lebensgenuss, Zukunft. An die Stelle einer Ökonomie des „Brot allein“, einer Ökonomie des „Reichtums“, die soziale und ökologische Rücksichtslosigkeit, Leben auf Kosten anderer und der nachfolgenden Generationen, mit sich bringt, setzt Jesus eine „Ökonomie des genug für alle.“

Von Engeln getragen

Jesus weist die Versuchung zurück, Gott zu testen und ihn sich verfügbar zu halten. Gott ist aber nicht da, um als Erfüllungsgehilfe ausprobiert zu werden. Jesus weiß als Mensch, dass er die Verantwortung für sich und sein Handeln übernehmen muss und nicht an Gott abgeben kann.

Die Welt beherrschen

In der dritten Versuchung zeigt der Satan Jesus die Weltherrschaft und ihre Macht und Reichtümer und verlangt dafür von Jesus seine Anbetung und damit den Verrat an Gott. Die Art der Weltherrschaft, in der von „Gott“, dem „Nächsten“, von Gerechtigkeit und Erbarmen keine Rede ist, lag im Imperium Romanum konkret vor. Jesus hat diese Weltherrschaft durchschaut und ihr klar widersprochen. Das gilt auch heute für die Gewalttätigkeit einer Ökonomie und Politik, die nur den Gewinn sieht und keine Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung kennt.

Götzen zu Gott machen – die eigene Verantwortung nicht annehmen - alles beherrschen können ohne Gerechtigkeit und Erbarmen: das sind die Verheißungen und Versuchungen in unserer globalisierten Welt: Einflüsterungen des Satans, der Macht über uns gewinnen will. Jesus hat diesen Versuchungen ins Auge geblickt, sich verantwortlich damit auseinandergesetzt, sich nicht herausgeredet, sondern klar und deutlich widersprochen.

An seinem Beispiel können wir lernen, der Logik der Todesmächte zu widersprechen und für eine andere Welt, die Leben für alle ermöglicht, einzutreten.


Genesis 9, 8-15

Anmerkungen zum Text

Der Lesungstext von Gottes Bund mit Noach steht am Ende der Erzählung über die Bewahrung der Welt und der Menschheit vor der vernichtenden Flutkatastrophe (Gen 5, 1-9, 29). Dieser Abschnitt der Urgeschichte zeigt, wie die Welt – im Gegensatz zu dem, wie Gott sie eigentlich wollte (Gen 1, 1-2, 3) –, wirklich ist: bedroht durch Schwäche und Gewalt der Lebewesen, aber im Zeichen des Bogens unter dem „Ja Gottes“ stehend. Nach der Sintflut wird der durch Gebote abgesicherte Neuanfang mit einem feierlichen Bundesschluss besiegelt, in den alle Menschen, die Tiere und die Welt eingeschlossen sind. Der Bund beinhaltet die einseitige Selbstverpflichtung Gottes, niemals wieder eine alles verderbende Flut kommen zu lassen. Gott garantiert die Beständigkeit der Schöpfung, die „zum Ort konkret erfahrbarer Gottesnähe und des friedvollen, lebensförderlichen Zusammenlebens werden [soll]“ (Zenger, S. 3). Als dauerhaftes Zeichen des universellen Schöpfungsbundes setzt Gott seinen Bogen in die Wolken. Er soll Gott an seine Selbstverpflichtung und die Menschen an die Treue Gottes zur ganzen Schöpfung erinnern.


Ökologische Perspektiven

Das geflügelte Wort „Nach uns die Sintflut“ bietet folgende Anknüpfungspunkte.

„Vor uns die Sintflut?“

In jüngster Zeit haben die Belege dafür stark zugenommen, dass die sich beschleunigenden Schmelzprozesse des Grönland-Eisschildes und der Eisverlust der Westantarktis den Meeresspiegel steigen lassen. Beide gehören zu den sogenannten Kipp-Elementen des System Erde. Schon das „Umkippen“ eines einzelnen dieser Elemente kann das Jahrtausende anhaltende natürliche Gleichgewicht unseres Klimasystems verändern und zu einer „zweiten Vertreibung aus dem Paradies“ führen. Ab einem bestimmten Kipp-Punkt wird „ein Prozess angestoßen (...), der nicht mehr gestoppt und in den meisten Fällen nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, sobald er einmal in Gang gesetzt ist.“ (S. 38) Der Kipp-Punkt für das unwiderrufliche Abschmelzen des Grönland-Eises liegt bei einem globalen Temperaturanstieg von ein bis zwei Grad gegenüber heute. Die Menschheit ist knapp davor, die Temperatur über diesen Punkt zu treiben. Das würde bedeuten, dass das im grönländischen Eisschild gespeicherte Wasser schmelzen würde (das sind 2,6 Millionen Kubikkilometer; Grönland ist viermal so groß wie Frankreich und zu 80 % von einem Eispanzer bedeckt, der an der höchsten Stelle 3200m über dem Meeresspiegel liegt) – ein weltweiter Meeresspiegelanstieg von 7m wäre langfristig die Folge! Schon bei einem weltweiten Meeresspiegelanstieg zwischen 50-140 cm, mit dem in unserem Jahrhundert bei anhaltendem Trend zu rechnen ist, würden allein in Bangladesh drei Millionen Hektar Landfläche überflutet und etwa 15-20 Millionen Menschen vertrieben.

„Nach uns die Sintflut?“
vorläufig sterben wir
seelenruhig
in unseren Liegestühlen
dann sehen wir weiter.“ (Hans Magnus Enzensberger)

Obwohl das Bewusstsein für die Gefahren des Klimawandels wächst, scheint die Haltung und Einstellung vieler Zeitgenossen, Politiker und Wirtschaftsbosse vom Motto „Nach uns die Sintflut" gekennzeichnet. „Was kann uns denn schon passieren?!“ „Was gehen mich die Folgen meines Handelns an?“ „Was kann ich schon tun?“ – Ein scheinbar verbreitetes Lebensgefühl? „Nie wieder eine Sintflut?“ Gott ist ein Gott des Lebens und nicht des Todes. Er will nicht, dass das, was er gut geschaffen hat, zugrunde geht. Der Regenbogen ist dafür das untrügliche Zeichen. Das schenkt Hoffnung und Zuversicht, darf aber nicht zu fatalistischem „im-Liegestuhl-Sitzen-bleiben“ (vgl. Enzensberger) führen. Das Zeichen des Regenbogens verpflichtet den Menschen, seiner Verantwortung als Ebenbild Gottes gerecht zu werden und fürsorglich mit der ihm anvertrauten Erde umzugehen – damit sie für ihn selbst, seine Nachkommen und alles, was lebt, auch in Zukunft „Lebenshaus“ bleibt. Im Vertrauen auf die Segenszusage Gottes mit der uns anvertrauten Zukunft verantwortlich umgehen – dazu sind wir gerufen im Zeichen des Regenbogens.


Mk 1, 12-15

Knapp und markant berichtet Markus zu Beginn seines Evangeliums vom Wüstenaufenthalt und der Versuchung. Danach fasst er das zentrale Anliegen Jesu programmatisch zusammen. Das Reich Gottes ist die Mitte seiner Botschaft und Sinn seiner Sendung. Es ist der fundamentale Schlüsselbegriff für den christlichen Glauben, der sich an Jesus von Nazaret und dessen Botschaft und Praxis orientiert.

Mit Jesus fängt die messianische Zeit an, in der paradiesische Zustände, der Friede zwischen Mensch und Mensch, Menschheit und nichtmenschlicher Schöpfung, wieder hergestellt werden. Die Gemeinschaft Jesu mit den wilden Tieren verweist darauf. Mit dem Anbrechen des Reichs Gottes beginnt die Vollendung des Noachbundes.

„Das Reich Gottes“ steht in der Spannung zwischen „Schon jetzt“ und „Noch nicht“: Es ist in Jesus gegenwärtig, aber noch nicht vollendet. Es ist bedingungsloses Geschenk und zugleich verpflichtende Gabe. Folge dieses Geschenkes kann nicht Passivität sein, es fordert vielmehr die Übereinstimmung des Menschen mit dem geschenkten Reich durch eigene Aktivität (vgl. dazu: Jon Sobrino, S. 495 f.). Das Reich Gottes ist ein gemeinsames Werk Gottes mit den Menschen.

So ist die Botschaft Jesu auch Aufforderung, sich in Gemeinschaft mit dem Gott des Lebens in Arbeit und Kampf (vgl. Leonard Ragaz, S. 224 f.) für die uns anvertraute Welt einzusetzen; ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen, Geschöpfe und die Natur zu ermöglichen.


Literatur:

Dorothee Sölle / Luise Schottroff, Jesus von Nazareth, München 52004
Jon Sobrino, Die zentrale Stellung des Reiches Gottes in der Theologie der Befreiung, in: Ellacuria, I., Sobrino, J. (Hg.), Mysterium Liberationis. Grundbegriffe der Theologie der Befreiung Bd. 1, Luzern 1995
Leonard Ragaz, Die Botschaft vom Reich Gottes, Bern 1942
Erich Zenger, Jenseits der Geschichte, in: Bibel und Kirche 1 /2003, 2-5
Germanwatch (Hg), Die Welt am Scheideweg: Wie retten wir das Klima? Reinbek bei Hamburg 2008

Christoph Hof, Andernach

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