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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

15. Feb. 09 - Sexagesimae / 6. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 8, 4-8 (9-15)

Lev 13, 1-2.43ac.44ab.45-46

1 Kor 10, 31 - 11, 1

Mk 1, 40-45

Der Autor betrachtet die ev. Predigtperikope, den 1. kath. Lesungstext und den Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: die Saat der Schöpfungsverantwortung aufgehen lassen (Lk 8); Ausbreitung von Krankheiten durch Klimawandel, die Verantwortung als Verursacher wahrnehmen, Prävention betreiben – auch durch Energieeinsparung (Lev 13, Mk 1)


Thema: Dagegen halten (Lk 8, 4-15)

Wer konsequent ökologisch handelt, der muss es sich schon einmal gefallen lassen, belächelt zu werden. Bei ihm ist aber die Saat des Wortes Gottes angekommen. Nämlich unser Auftrag, den wir von dem Schöpfer haben, die Schöpfung zu bebauen und zu behüten. „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“ (Gen 2, 15) Der Mensch bekommt klare Grenzen gesetzt, wie er mit dem Paradiesgarten umgehen soll und was er nicht tun darf. Er tut es trotzdem und verliert das Paradies.

Sind wir nicht auch auf dem Weg dahin, das Paradies zu verlieren? Wer in den Sommertagen (2008) durch die herrlichen Wälder geht, erfreut sich an der schönen Schöpfung Gottes, er kann aber auch die Anzeichen der Zerstörung schon sehen. Der Mensch trägt die Verantwortung, denn er ist ja das erste Geschöpf Gottes. Mit der Zerstörung der Natur verliert er seine Lebensgrundlage. Im ersten Schöpfungsbericht ist er der Abschluss der Schöpfung. Er ist das Bild Gottes in der Welt. Gen 1, 27 f. sagt: Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ Er soll über die Schöpfung herrschen, aber im Auftrag Gottes und nach seinem Willen. Gott har die Schöpfung aus dem Chaos geschaffen (Tohuwabohu) und will sie zur Vollendung führen. Da darf der Mensch nicht gegenspielen.

Die Saat dieser Worte muss bei den Menschen auf fruchtbaren Boden fallen und nicht unter die Dornen der üblichen Alltäglichkeiten oder auf die Steine von gesellschaftlicher Konvention. Der Einsatz für den Erhalt der guten Schöpfung Gottes ist dann Selbstverständlichkeit


Klimawandel und Ausbreiten von Krankheiten (kath. Leseordnung)

In der 1. Lesung und im Evangelium geht es um die damals unheilbare Krankheit Aussatz. Lepra (Aussatz) ist eine seit frühen Zeiten bekannte Infektionskrankheit. Der Ursprung von Lepra soll in Ostafrika liegen. Übereinstimmend mit den Wanderungsbewegungen des frühen Menschen vor Zehntausenden von Jahren hätten sich von dort aus die Bakterien einerseits nordwestwärts nach Europa und andererseits Richtung Osten nach Indien und Asien ausgebreitet. Lepra ist heute durch Antibiotika heilbar, trotzdem sind heute weltweit immer noch etwa 300.000 Menschen daran erkrankt.

Krankheiten werden sich ausbreiten, so ist die Prognose von Wissenschaftlern. Vom weltweiten Klimawandel können vor allem Krankheitserreger und ihre Überträger profitieren. In Zukunft drohen Menschen, Tieren und Pflanzen häufige Epidemien, so liest man in einer US-Studie. Um sich besser gegen Krankheitsausbrüche wehren zu können, muss der Einfluss der Klimaänderung stärker beachtet und erforscht werden: "Wir müssen die globale Klimaveränderung sehr ernst nehmen", so die Schlussfolgerung von Andrew Dobson. "In der Zukunft wird die Welt nicht nur wärmer, sondern auch kränker sein." Diese Erwärmung begünstigt Epidemien bei Tieren, Pflanzen und auch beim Menschen, berichtet ein US-Forscherteam um Drew Harvell, Cornell University, und Andrew Dobson, Princeton University.(1) Bei Zecken und der damit verbundenen Borreolose spüren wir das schon heute. Auch Malaria könnte sich ausdehnen. Mit den Temperaturen könnte auch die Zahl der Krankheiten steigen: "Es geht nicht mehr nur um das Ausbleichen von Korallen oder die Zunahme von Malaria. Es ist erstaunlich, wie viele Epidemien zugenommen haben", sagt Harvells Mitautor Richard Ostfeld vom Institute of Ecosystem Studies in Millbrook. Zusammen mit seinen Kollegen hat der Forscher in einer zweijährigen Studie den Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und dem Auftreten von Infektionskrankheiten untersucht. Vogelmalaria breitet sich in manchen Ländern aus, und Korallen sterben ab. Durch das wärmere Meer gehen Austernbestände ein. Durch wärmere Winter wird die Zahl von Insekten als Überträger weniger reduziert. Es ist noch gar nicht genau ausgemacht, was alles geschehen könnte, aber eine große Gefahr ist die Klimaerwärmung für die Verbreitung von Krankheiten auf jeden Fall.

Die Heilung von Kranken war ein wichtiger Teil der Reich-Gottes-Predigt Jesu. „Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11, 5). Im Reich Gottes soll es dieses Elend nicht mehr geben. Wir glauben an das endgültige Kommen des Reiches Gottes, deshalb setzen wir uns für sein Kommen mit unseren oft so begrenzten menschlichen Kräften, ein. Im Verlaufe der Geschichte sind immer wieder Christen dieser Berufung gefolgt. So müssen die frühchristlichen Hospitäler, die Hospitäler des Mittelalters und die Krankenpflegeorden in den Ländern der 3. Welt bis heute genannt werden. Hingewiesen sei auf den Apostel der Aussätzigen Damian de Veuster. Aussätzigenhilfswerke, Einrichtungen gegen Aids und die kirchlichen Hilfswerke sind herausragende Beispiele. Was würde z.B. in Subsaharaafrika noch alles geschehen, wenn nicht viele Einrichtungen der Kirche sich dort um die Aids-Kranken und das Einschränken der Übertragung von HIV kümmern würden. Das Beispiel Jesu wurde weitergeführt, die Arbeit am Reich Gottes angepackt. Das wird durch dieses Handeln deutlich. Sich gegen Krankheiten und für Kranke einzusetzen heißt auch, Prävention zu betreiben, so dass Krankheiten gar nicht ausbrechen. Das wurde von Christen schon immer so gesehen.

Heute kommt noch unsere Verantwortung für den Klimawandel, der für verstärkte Verbreitung von Krankheiten beitragen wird, hinzu. Wir dürfen nicht sagen, was können wir schon tun? Jeder Beitrag im Energiesparen ist gefragt, jede Reduzierung von CO2-Ausstoß ist ein Beitrag. Fichte sagte einmal, als Deutschland in auswegsloser Lage war (1804): „Und handeln sollst du so, als hinge von dir und deinem Tun allein, das Schicksal ab der deutschen Dinge und die Verantwortung wär dein.“ So müssen wir abgewandelt sagen: Und handeln sollst du so, als hinge von dir die Reduzierung der Erderwärmung ab und du trügst dafür die Verantwortung.

(1) C. Drew Harvell et al.: Climate Warming and Disease Risks for Terrestrial and Marine Biota, in Science 296 / 2002: S. 2158 ff.

Dr. Ernst Leuninger, Limburg

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