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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

8. Feb. 09 - Septuagesimae / 5. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 20, 1-16a

Ijob 7, 1-4.6-7

1 Kor 9, 16-19.22-23

Mk 1, 29-39

Der Autor geht auf alle Bibelstellen des Tages ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: gerechter Lohn für alle – statt Ausnutzung (Mt 20); beklagenswertes Leben – auch in der heutigen Welt, allerdings nicht für alle...(Ijob 7); Option für die Schwachen – nicht nur auf die Institutionen zeigen, sondern „Einigen“ konkret helfen (1 Kor 9); Heilung durch Mitteilung (Mk 1)


Exegetische Anmerkungen zu den Bibelstellen:

Mt 20, 1-16a: „Dadurch, dass der Herr des Weinbergs bis zum Abend Arbeitslose dingt und ihnen allen vollen Lohn gibt, erweist er seine Güte, die weiter geht als die Gerechtigkeit, ohne diese aber zu verletzen“ (vgl. Kleine Jerusalemer Bibel). Der Text ist auch ein Skandalon, ein Anstoß. Der Hörer soll empört werden, dadurch wird deutlich, dass Gott souverän ist. Jeder Lohn ist seine freie Gabe. Es gibt keinen „verdienten Lohn“, sondern jeder Lohn ist Gnadenlohn (vgl. Julius Schniewind).

Ijob 7, 1-4.6-7: Ijob wurde in seinem Leben von Gott schwer heimgesucht. Unverständlich steht er dem „Warum?“ seines Leidens gegenüber. Bitter geprüft schaut er auf das Elend der Menschen und sein eigenes Schicksal. Da hilft nur noch beten. (vgl. Schott- Messbuch)

1Kor 9, 16-19.22-23: Christen, die rücksichtslos ihr Recht behaupten, gab es nicht nur in der Gemeinde von Korinth. Paulus will ihnen klarmachen, dass sie besser täten, auf ihr Recht (von der Verkündigung des Evangeliums zu leben) zu verzichten, wenn sonst dem schwächeren Bruder / der schwächeren Schwester Schaden zugefügt würde. Durch sein gelebtes Zeugnis will er glaubwürdig den Glauben verkünden und nicht materieller Nutznießer desselben sein. (vgl. Schott-Messbuch)

Mk 1, 29-39: Bei der Heilung der an Fieber erkrankten Schwiegermutter von Petrus geht es primär nicht um die Heilung einer medizinisch attestierbaren Krankheit. Krankheiten wurden vielmehr in der jüdischen Tradition als Strafe Gottes angesehen. Folge einer Krankheit war die gesellschaftliche und ökonomische Isolation in der jüdischen Gesellschaft. Die Bezeichnung „Schwiegermutter des Petrus“ soll vorrangig die kranke Frau nur näher identifizieren und keiner Zölibatsdiskussion Nahrung geben. Zentral wichtig ist, dass Jesus nicht über die Frau gesprochen hat (wie alle anderen – Vers 30b), sondern direkt auf sie zu ist und sie ohne Scheu angefasst hat (Vers 31). Aus dem Darniederliegen wird ein Aufrichten Jesu. Die Heilungstat Jesu am (heiligen / geschützten) Sabbat macht deutlich, dass menschliche Verordnungen um das Heil der Menschen Willen außer Kraft gesetzt werden können. Der Rückzug Jesu zum Gebet ist die Voraussetzung für sein Handeln. Nur durch die innere Verbindung zu Gott kann Jesus durch Wort und Tat die Kranken heilen (vgl. Manfred Diefenbach).


Predigtskizze: Gerechter Lohn für alle! (Mt 20, 1-16a)

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Letzten beißen die Hunde. In diesem Spannungsfeld bewegt sich unsere Ellenbogengesellschaft. Hauptsache, ich habe mein „Schäfchen“ im Trockenen. Entsteht nicht „Futterneid“, wenn der andere genau so viel bekommt wie ich, obwohl er nicht so viel geleistet hat bzw. so viel leisten kann? Im Kölner Dialekt gibt es das Sprichwort: Man muss auch „jönne könne“. Kann ich anderen etwas können? Es gibt jetzt schon in vielen Betrieben ein Ungleichgewicht unterschiedlicher Tarif- und Arbeitsverträge. Mitarbeiter erster bis letzter Wahl sind vorzufinden. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Das Gleiche für die gleiche Arbeit zu bekommen, ist eine Illusion. Frauen werden benachteiligt, sie bekommen nicht das gleiche Geld für die gleiche Arbeit. In den „neuen Bundesländern“ wird immer noch nicht für das gleiche Geld wie im Westen gearbeitet. Wie stehen wir zur Behindertenquote im öffentlichen Dienst? Empfinden wir sie als gerecht, oder fühlen wir uns durch sie benachteiligt? Nutzen Firmen nicht flächendeckend qualifizierte Praktikanten aus, ohne ihnen eine Chance auf Festanstellung zu geben? Burn-out Syndrom mit Ansage für viele?! Wegwerfartikel Mensch. Wenn er sich nicht mehr lohnt oder zu teuer wird, dann wird er entsorgt? Im Matthäusevangelium setzt sich der Herr des Weinbergs über unseren kleinkarierten Begriff von Gerechtigkeit hinweg. Jeder bekommt das, was ihm zusteht. Eifersüchtiges Schielen auf den vermeintlichen Nebenbuhler ist verständlich menschlich, aber wirklich unchristlich.


Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte:

1. Beklagenswertes Leben (Ijob 7, 1-4.6-7))

Die weltweiten Verhältnisse sind eigentlich zum Davonlaufen. Da wird heute immer noch und immer mehr wettgerüstet. Wir leben diesbezüglich augenscheinlich in einer beratungsresistenten Welt. Gibt es nicht schon genug Elend, Leid und Krieg? In diesem so kurzem und dennoch an sich so wertvollem Leben zählt das Leben überall nicht wirklich viel. Wen interessieren Ökosysteme und Stammesreservate, wenn man sie profitabel anbohren kann? Wen interessieren Menschenrechte, wenn man billig produzieren kann? Wen interessiert, dass Kinder täglich tausendfach verhungern, wenn es sowieso zukünftig milliardenfache Überbevölkerung gibt? Bitter ist die Pille, die uns Ijob heute verabreicht. Aber das, was er zu sagen hat, hat leider traurige Aktualität. Sicher, uns in Deutschland und Europa geht verhältnismäßig gut. Aber auch in unserer Gesellschaft gibt es immer mehr tiefe Risse und Verwerfungen, der Verwahrlosung und Rücksichtslosigkeit. Wenn wir daran nichts ändern und nicht daran arbeiten, wird es finster. Wir müssen lernen, nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit Händen, Armen und Herzen zu beten. Nur so haben wir eine Chance auf eine bessere Zukunft.


2. Option für die Schwachen (1Kor 9, 16-19.22-23)

Glaubwürdigkeit ist so eine Sache. Wer ist heute noch glaubwürdig: Politik, Wirtschaft, oder Kirche? Steht der Nutzen oder der Eigennutz im Vordergrund? Die Frage nach dem eigenen Antrieb ist entscheidend. Wählerstimmen, Dividenden oder Mitgliederzahlen, sind das die Gradmesser? Wir brauchen im positiven Sinne Überzeugungstäter. „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten“, so sagt es Paulus. Das erfordert eine ganz schöne Menge. Auch wenn ich nicht alles kann (das sind wohl wir alle), sollte ich mit Leib und Seele alles Mögliche versuchen, um wenigstens einigen zu helfen. Da bin ich selbst gefordert, im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ich kann nicht mit dem Finger nur auf Institutionen und Organisationen zeigen und danach meine Hände in den Schoß legen. Es kommt auch auf mich an. Was fehlt, sind eigentlich nicht Zeit oder Mittel, sondern Überzeugung und Achtsamkeit. Ich kann Schwachen helfen, egal welches Gesicht sie haben. Bei Behördengängen, Formalitäten und Einkäufen kann ich mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn ich will. Es kommt auf mich an.


3. Heilung durch Mitteilung (Mk 1, 29-39)

Es ist weitaus besser mit Menschen, als über Menschen zu reden. Jesus hat dies vorgemacht. Alle haben über die Schwiegermutter des Petrus geredet, aber keiner hat sich ihr spürbar zugewandt. Jesus „ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf“. Im „Darübersprechen“ sind wir gut, besonders an Stammtischen, in Raucherecken und bei Kaffeepausen. Besser wäre es jedoch, wenn wir vermehrt mit Betroffenen lernen würden zu sprechen. In unserem Kommunikationszeitalter scheint es trotz oder gerade wegen Handy, E-mail und Fax schwerer geworden zu sein, sich mit-zuteilen. Unpersönlich und anonym kann ich in virtuellen Welten zwar leicht in Kontakt treten, aber im wirklichen Leben scheint das etwas schwieriger zu sein. Sich Mitteilen ist mehr wie nur Worte machen. Auf Menschen zugehen und Dasein erfordert den ganzen Menschen. Extrem ausgedrückt bedeutet dies im Hinblick auf Kranke, Alte und Sterbende: Spar dir das Geld für einen wunderbaren Kranz und investiere dein Geld in Benzingeld und besuche den nahe stehenden Menschen, so lange er lebt. Davon hat der Mann, die Frau, das Kind etwas. Vom Kranz kann er oder sie sich nichts mehr kaufen. Wir können Menschen aufrichten, wenn wir uns ihnen zuwenden. Was kann ich schöneres für einen Menschen tun, als ihm Ansehen zu schenken und ihn durch mein Mitwirken Kraft und Halt zu geben?


Literatur:

Die Bibel. Einheitsübersetzung, Freiburg-Basel-Wien 1980.
Kleine Jerusalemer Bibel. Neues Testament und Psalmen. Herder-Übersetzung mit dem vollständigen Kommentar der Jerusalemer Bibel. Freiburg 1991, Seite 45f.
Das Evangelium nach Matthäus. Übersetzt und erklärt von Julius Schniewind. Göttingen 1964, Seite 206-208.
Schott-Messbuch (B). Freiburg-Basel-Wien 1984, Seite 457f.
Manfred Diefenbach. 5. Sonntag im Jahreskreis (B): Mk 1, 29-39 (www.Perikopen.de)

Thomas Stephan, Bruchsal

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