Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25. Jan. 09 - 3. Sonntag nach Epiphanias / 3. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 8, 5-13

Jona 3, 1 - 5.10

1 Kor 7, 29-31

Mk 1, 14-20

Die Autorin betrachtet den Text zur 2. Lesung der kath. Leseordnung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: vernünftiger Umgang mit Lebewesen und Gegenständen; Entscheidungen treffen, auch im Kleinen; das Leben in Freiheit gestalten angesichts dessen, was uns verheißen ist.


Stellung im Kirchenjahr

Der 25. Januar ist der 3. Sonntag im Jahreskreis. Zugleich ist er der Gedenktag der Bekehrung des Apostels Paulus. Dieser Gedenktag kann uns dazu animieren, nicht Andersdenkenden nachzustellen und sie zu bekämpfen, sondern den "Kampf" bzw. die Versöhnung im eigenen Innern liebevoll an- und aufzunehmen und sich selbst zu bekehren.


Exegetische Hinweise

Paulus hat den 1. Korintherbrief zwischen 53 und 55 n. Chr. geschrieben. Den Anlass bildeten Fragen, die die im Jahre 50 oder 51 gegründete und nun von Spaltung bedrohte Gemeinde schriftlich an Paulus gerichtet hatte. Unsere heutige Lesung steht im Kontext der Fragen über Ehe und Ehelosigkeit (1 Kor 7, 1-40). Die Antwort des Apostels Paulus verdeutlicht, was für den Glauben und das Leben eines Christen maßgeblich ist. Der Korintherbrief ist stark von der Erwartung der unmittelbaren Wiederkunft Christi geprägt.


Nachhaltigkeitsbezug

"Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht." 1 Kor 7, 29-31

Die Zeit ist kurz. Wer am Grab eines geliebten Menschen steht, wer Einschränkungen im eigenen Leben schmerzlich spürt, der kann dem Apostel Paulus aus ganzem Herzen zustimmen: Die Zeit ist kurz! Doch diese Lebenszeit dürfen wir eigenverantwortlich gestalten. Trotz aller feststehender Termine, trotz Arbeitszeit und Arztbesuchen: Jeder einzelne Tag ist mir in die Hand gelegt, ihn zu prägen und zu nutzen. Das kann bedeuten, dankbar zu gebrauchen, was mir zur Verfügung steht. Vielleicht äußert sich diese Dankbarkeit durch den sorgsamen Umgang mit Dingen. – Der Heilige Benedikt fordert in seiner Ordensregel die Mönche auf, mit Alltagsgegenständen ebenso achtsam umzugehen wie mit heiligem Altargerät. Für uns kann es bedeuten, beim Einkauf von Lebensmitteln und beim Wegwerfen genau zu überlegen: Was brauche ich? Wer ein bisschen übt, dem fällt das Unterscheiden leicht: Was kaufe ich, weil es mir gefällt (man hat ja so seine Leidenschaften…) und was kaufe ich, weil ich es zum Leben brauche? Gewohnheit macht bekanntlich den Zylinder zum Hut. Kaum ist ein großer Wunsch erfüllt, steht der nächste vor der Tür. Aber auch noch so viele materielle Dinge können das Herz nicht erfüllen. Erfüllend sind oft die unerwarteten, geschenkten Augenblicke, wie gelungene Begegnungen und ein gutes Wort zur rechten Zeit.

Dafür bin ich dankbar und diese Dankbarkeit kann zu einer Grundhaltung des Herzens werden. Wenn ich meine Lebenszeit eigenverantwortlich gestalten darf, ist das zugleich eine Aufgabe, die vor Trägheit bewahrt: Wie oft höre (oder sage?) ich als Begründung für ein bestimmtes Denk- oder Verhaltensmuster: "Ich bin so erzogen worden!" Erstaunlicherweise höre ich diese Worte am meisten von jugendlichen Firmlingen, die doch sonst gern alles in Frage stellen, was Eltern, Lehrer oder "Kirche" sagen… Auch wir Erwachsenen sind herausgefordert, es nicht beim Gedanken "ich bin so erzogen worden" zu belassen. Es ist zu wenig, sich so einzurichten, wie "man das in unserem Kulturkreis halt so macht".

Die Aufgabe besteht darin, sich zu informieren und zu entscheiden. Das kann auch bedeuten, angesichts der Ewigkeit und dessen, was uns verheißen ist, in aller Freiheit etwas wegzulassen. Denn es muss sich nicht jeder Wunsch schon auf Erden erfüllen. Umgekehrt darf ich mir guten Gewissens das gönnen, was mir gut tut und was ich bewusst genießen kann. Für den, der glaubt, gelten neue Maßstäbe. Wir Christen dürfen uns einen alternativen Lebensstil im Widerspruch zu gängigen Normen leisten. Franz von Sales sagt: "Gott gibt uns den Verstand, damit wir Menschen sind und wissen, dass Gott existiert. Und er gibt uns den Glauben, damit wir Christen sind und wissen, dass Gott der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist." Glaube ist nicht ein Gefühl, sondern heißt, sich ganz und gar Gott überlassen. Unser Verantwortungsgefühl, das aus Herz und Verstand gebildet wird, prägt unseren Umgang mit den Ressourcen dieser Erde. Es gilt zu entscheiden, ob ich allabendlich die Nachrichten aus aller Welt sehe und ob mein Leben danach ganz selbstverständlich so weiter geht wie vorher. Welchen Lebensstil möchte ich führen?

Paulus und die ersten Christengemeinden lebten in der Naherwartung: Sie glaubten an das baldige Weltende und dass sie die Wiederkunft des Auferstandenen noch erleben würden. Jesus würde als der Messias erkennbar sein und das Reich Gottes würde sichtbar. Endlich würde Gottes Gerechtigkeit walten. Das Gesetz der Liebe und der Freiheit würde gelten. Gleitet uns da ein Lächeln übers Gesicht? Weil wir es aus heutiger Sicht besser wissen?

Die Erwartung, dass Jesus bald wieder kommt, prägt nicht unser heutiges Lebensgefühl. Und doch: Drückt nicht die Naherwartung aus, dass die Christen mit Jesus beschäftigt sind? Selbst wenn wir zu denen gehören, die das Weltende nicht mehr zu ihren eigenen Lebzeiten erwarten, bleibt die Grundfrage: Welche Rolle spielt Jesus in meinem Leben? Was entspricht der Naherwartung von damals heute bei uns, in unseren Gemeinden? Es ist die Frage nach der Bedeutung Jesu für mein Leben!

Die Zeit ist kurz. Zahlreiche Ratgeber rund ums Zeitmanagement geben teils hilfreiche, teils aberwitzige Tipps, wie wir unsere vielen Aufgaben und Hobbys in einem 24-Stunden–Tag unterbringen können. Schnell stellt sich das Gefühl der Hetze und des Gestresst-seins ein. Es gehört zum guten Ton, einen vollen Terminkalender und keine Zeit zu haben. Aber wollen wir das? Wenn die Zeit kurz ist, muss ich Prioritäten setzen: wofür entscheide ich mich, was lasse ich weg. Hut ab vor dem, der sich dann für unpopuläre Beschäftigungen entscheidet; der sich für ein Leben in Liebe zu Gott und den Menschen entscheidet. Denn nichts ist größer und existenzieller als die gelebte Beziehung zwischen uns und dem auferstandenen Herrn.

Sr. Petra Bastian, Neu-Isenburg

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz