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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

18. Jan. 09 - 2. So. n. Epiphanias / 2. Sonntag im Jahreskreis

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 2, 1-11

1 Sam 3, 3b-10.19

1 Kor 6, 13c-15a.17-20

Joh 1, 35-42

Anmerkung des Autors: Ich beziehe mich nur auf den Text der evangelischen Predigtreihe. In den Texten der katholischen Lesungen ist der Gedanke der Nachhaltigkeit – jedenfalls für mich – weit schwerer zu entdecken und müsste eher „von außen“ hineingetragen werden. / Stichworte zur Nachhaltigkeit: Jesus als Gott des Lebens und der Freude, Einsatz für die Nachhaltigkeit ztur Mehrung der Freude


Zu Johannes 2, 1-11

Jesus ist in Kana bei einer Hochzeit, offenbar eingeladen mit seinem Jüngerkreis, zu dem u. a. auch seine Mutter gehört. Als der Wein zur Neige geht, verwandelt er ca. 600 Liter Wasser in besten Wein. Johannes bezeichnet dieses „Weinwunder“ als das erste „Zeichen“ Jesu, mit dem er seine „Herrlichkeit“ offenbar macht. Eine Geschichte mit mehreren Ebenen:

Zunächst: Jesus ist dort, wo gefeiert wird. Die Liebe, das Leben wird gefeiert. Dabei wird gegessen und getrunken, und das nicht wenig. So eine Hochzeit dauert mehrere Tage, die Zahl der Gäste ist groß. Jesus ist hier mittendrin, feiert mit und sorgt schließlich dafür, dass die Feierfreude nicht getrübt wird. Er ist also nicht nur der, der die „Mühseligen und Beladenen“ zu sich ruft, der als Arzt zu den Kranken kommt, der sich denen am Rande zuwendet und die von den Hecken und Zäunen einlädt. Hier ist er bei denen, denen es gut geht, deren Leben gelingt, die etwas zu feiern haben. Jesus zeigt damit: Gott ist nicht nur da, wenn es „not-wendig“ ist, in den finsteren Tälern und Krisensituationen des Lebens, sondern auch im Glück, im Hellen, auf der Höhe. Er macht es so, wie Paulus schreibt: „Weint mit den Weinenden und freut euch mit den Fröhlichen“ (Röm 12, 15). Glaube ist also nicht nur etwas für die Schwachstellen des Lebens, sondern für das ganze Leben in seiner Fülle.

Zum andern: Das „Wunder“. Für Johannes eben kein Wunder, sondern ein Zeichen der Herrlichkeit Jesu und Gottes Herrlichkeit. Sie zu offenbaren, ist er ja Mensch geworden. Auch wenn er erst am Kreuz seine Herrlichkeit vollends offenbaren wird – „meine Stunde ist noch nicht gekommen“ - ist das „Wein-Wunder“ von Kana schon der Anfang. Bezeichnend auch, dass Jesus für dieses Zeichen die Wasserkrüge benutzt, die für die „Reinigung“ vorgesehen sind, und zwar nicht nur vordergründig für das – hygienisch sinnvolle – Händewaschen vorm Essen, sondern für die rituelle Reinigung, Symbol der Angewiesenheit des Menschen auf die Vergebung Gottes („Mit Gott ins Reine kommen“). Dafür ist nun nicht mehr notwendig, kultisch-religiös alles richtig zu machen, sondern entscheidend ist der Glaube an den, den Gott gesandt hat. Die Pointe ist also eben nicht, platt gesagt: Jesus kann zaubern! sondern: In der Gegenwart Jesu wird sichtbar, wer Gott ist, nämlich der ohne Vorbedingungen Schenkende – und mit ihm wird unser Leben zum Fest. Wer ihm glaubt, hat das Leben.

 

So kann dieser Text Hinweise geben auf einen „nachhaltigen Lebensstil“:

Wer glaubt, hat Grund, das Leben zu feiern, weil er Gott auf der Seite des Lebens weiß. Vielleicht müssen wir in unseren Kirchen – in der protestantischen vielleicht noch mehr als in der katholischen – eine „Kultur des Feierns entwickeln und pflegen. Natürlich gehört da auch das Essen und Trinken dazu, das hält schließlich „Leib und Seele zusammen“. Der pharisäische Satz: „Die Leute kommen ja nur, wenn es was zu essen und zu trinken gibt!“ sollte unter Christen keinen Platz haben.

Und feiern ist mehr als „Feierlichkeit“ (die ja bei uns immer noch mehr mit Steifheit und Ernst verbunden ist als mit Lust am Leben). Wer Gott, den Freund des Lebens, in seiner Mitte weiß, kann das Leben genießen. Das ist etwas anderes als „Freut euch des Lebens, solange das Lämpchen noch glüht“. Daraus spricht eher eine Geringschätzung oder gar Verachtung des Lebens. Wer etwas genießt, der wird auch mit seinen Möglichkeiten dafür Verantwortung übernehmen. Wer sein Leben getragen weiß von Gott und darum keine Angst haben muss, zu kurz zu kommen, der kann teilen und mitteilen und sogar verzichten. (Vorsicht Falle! Verzicht muss freiwillig sein und darf nicht gefordert werden.)

Auf diesem Hintergrund kann ein Engagement für die Bewahrung der Schöpfung, für mehr Frieden und Gerechtigkeit, nicht Last, sondern Lust werden, aus Freude am Leben und aus Dankbarkeit gegenüber dem Freund des Lebens, Gott selbst.

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Grünstadt

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