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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11. Jan. 09 - 1. So. n. Epiphanias / Taufe des Herrn

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 3, 13-17

Jes 42, 5a.1-4.6-7
od. Jes 55, 1-11

Apg 10, 34-38
1 Joh, 5, 1-9

Mk 1, 7-11

Die Autorin betrachtet die Texte der kath. Leseordnung zur 1. Lesung und zum Evangelium. Stichworte zur Nachhaltigkeit: mit dem Traum von einer gerechten und solidarischen Welt einen Neuanfang wagen; soziales / politisches / ökologisches Engagement gehört zu dieser Sehnsucht untrennbar dazu


Bezug zum Kirchenjahr

Am Festtag der Taufe des Herrn lesen die beide großen christlichen Kirchen in diesem Jahr unterschiedliche Evangelien. Das katholische Lesejahr B schreibt die Taufe in der Version des Markus (Mk 1, 7-11) vor, der evangelische Predigtext die Fassung von Matthäus (Mt 3, 13-17). Nach der festlichen Advents- und Weihnachtszeit, die unsere Hoffnung auf ein Kind, mit dem etwas Neues beginnt, wach gehalten und gestützt hat (vgl. Jes 7), wird nun der normale liturgische Jahreszyklus eröffnet. Die Kirche erinnert in den Lesungen an das öffentliche Leben und Wirken des erwachsenen Jesus – beginnend mit der Taufe am Jordan.


Exegetische Anmerkungen

Mk 1, 7-11

Die Überschrift des Markus „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“ provoziert geradezu die Rückfrage: Wer ist das? Darauf gibt Markus in fünfzehn Kapiteln Antwort. Er beginnt mit der Zeit vor Jesu öffentlichem Wirken: Das Sonntagsevangelium schildert die Taufe Jesu am Jordan. Markus macht deutlich, dass mit diesem Ereignis, wirklich eine Wende bevorsteht. Das wird literarisch an drei Beobachtungen deutlich: 1) Die grundsätzlichen Bereitschaft aller (!) aus Judäa und Jerusalem, sich taufen zu lassen 2) Johannes erscheint im „Outfit“ des am Ende der Zeiten erwarteten Elija 3) Johannes verweist auf einen „Kommenden“.

Die Einleitung von Vers 9 „in jenen Tagen“ klingt feierlich und die Leser/-innen können nicht anders, als den, der nun in der Erzählung wirklich kommt, mit dem von Johannes bereits Angekündigten zu identifizieren. Auch Jesus lässt sich taufen. Er reiht sich damit ein in die große Menge, die zu einem anderen Leben – einer Umkehrung bereit ist. Das erregt bei Markus (vgl. auch Lk 31, 21) keinen Anstoß, wird aber in der Parallele Mt 3, 13 f. zum Anlass einer Diskussion zwischen Johannes und Jesus. Bei Markus bereitet die emotionslos geschilderte Taufhandlung an Jesu die nachfolgenden Verse 10 und 11 vor, die eine erste Antwort auf die Frage geben: Wer ist dieser?

Zunächst unterscheidet sich das, was Jesus hier tut, nicht von dem, was alle (!) anderen auch tun. Sie sprechen ihre Schuld aus, lassen sich von Johannes taufen und - so darf man sicher unterstellen - teilen die Hoffnung auf eine Veränderung zu einem guten Leben für alle. Und doch gibt es einen Unterschied, der aber nach Markus zunächst geheim bleibt: Nur Jesus sieht den Himmel offen und hört die Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!“ (so auch bei Mt, evtl. können bei Lk auch andere die Stimme hören). Diese wörtliche Rede Gottes zitiert einerseits Ps 2, 7 und verweist im zweiten Halbvers auf den Lesungstext Jes 42, 1. Mit der Beschreibung als Sohn Gottes gibt Markus eine erste deutliche Antwort auf die Frage: Wer ist Jesus?

Allerdings kennt diese Antwort bei Markus nur Jesus selbst, denn weder Johannes noch das umstehende Volk können dieses Himmelsbekenntnis hören oder sehen. So wird diese Gottesrede nach der Überschrift des gesamten Evangeliums zum zweiten Hinweis für die Leser/-innen, die so zum Mitwisser des Evangelisten werden. Nur mit dieser Brille kann das, was im Folgenden von Jesu Leben und Wirken erzählt wird, richtig gedeutet werden. Noch mehrmals wird die Gottesssohnschaft ausgesprochen (von den unreinen Geistern Mk 3, 11, von Petrus 8, 29, von einer Stimme aus dem Himmel Mk 9, 7, als Frage von Pilatus Mk 14, 62). Doch erst das Bekenntnis des Hauptmannes nach seinem Tod am Kreuz ist öffentlich und anerkannt. Dieser Gottessohn wirkt nicht nur durch Lehre und Wunder, sondern teilt mit den Menschen auch den gewaltsamen Tod. Gottes Sohn erscheint eben nicht mit herrschaftlicher Gewalt, sondern an der Seite der Armen, Gefolterten und Ermordeten. Deshalb bleibt erst dieses Bekenntnis am Ende des Lebens Jesu unwidersprochen.

Jes 42,1-7

Das Evangelium zitiert in der Gottesrede einen Teilvers aus Jes 40, 1. Es verweist seine Leser/-innen damit auf eben diesen Text, um der Frage „Wer ist Jesus?“ weiter nachzugehen. Oder genauer: Es zeigt uns heutigen Leser/-innen, welche Spuren Markus und wohl schon vor ihm die Anhänger/-innen des Neuen Weges (vgl. Apg 9, 2) aufgenommen haben, um nach seinem Tod zu ergründen, wer dieser Jesus war. Auch Johannes der Täufer zitiert in Mk 1, 3 eine Passage aus Deuterojesaja.

Jes 42,1-7 beschreibt die Gestalt eines Gottesknechtes. Es wird bei Deuterojesaja nicht ganz deutlich (und ist auch in der Forschung umstritten), wer dieser Gottesknecht eigentlich sein soll: Eine Personifizierung von Israel, eine reale Rettergestalt, eine literarische Figur…? Diese Leerstelle füllten die ersten Christen durch ihre Erfahrungen mit Jesus. So identifizieren sie ihn mit diesem Erwählten, „an dem Gott Gefallen fand“ (Jes 42, 1), der das Recht bringt (Jes 42, 1.3.4), der leise ist und unauffällig (Jes 42, 2), der vorsichtig und behutsam mit dem/n Angeschlagenen umgeht (Jes 42, 3): Der aber dennoch die Kraft hat, gegen Widerstände das Recht durchzusetzen (Jes 42, 4). Wie soll das gehen? In einem Bild gibt Vers 6 Antwort: Gott nimmt diesen Knecht an die Hand und setzt mit seiner Hilfe das Recht durch: „Blinde Augen zu öffnen und Gefangene zu befreien“. Immer wieder diskutiert ist die Frage, ob hier reale Krankheiten und tatsächlicher Freiheitsentzug oder auch Blindheit und Unfreiheit im übertragenen Sinn angesprochen sind? Der Text lässt m. E. beides zu. Vielleicht wäre es gut, sich jeweils von dem irritieren zu lassen, was man nicht als erstes hört.

Jes 55,1-11

Die kath. Leseordnung schlägt neben Jes 42, 1-7 alternativ auch Jes 55, 1-11 als Lesungstext vor. Vielleicht wegen dem zur Taufe des Johannes passenden Ruf zur Umkehr und dem Versprechen, dass Gott groß ist im Verzeihen (vgl. Vers 7)? Jedenfalls ist der Text eine einzigartige Einladung zum Festmahl Gottes (vgl. die Einladung zum Gastmahl von Frau Weisheit in Spr 9, 1-6, deren Lehre ebenfalls zum Leben führt – im Gegensatz zur Torheit Spr 9, 13-18). Sicher ist die Rede vom Kaufen ohne Geld in diesem Kontext metaphorisch. So notwendig wie Wasser und Getreide als Grundnahrungsmittel und gleichzeitig so herrlich wie Wein, Milch und fette Speisen sind Gottes Worte. Diese Leben spendenden Worte sind für alle - die wollen (!) - ohne weitere Bedingungen zugänglich.

Wie der Körper die Nahrung in Lebensenergie verwandelt, so verändert sich auch Gottes Wort, sobald es „den Himmel verlässt und wie Wasser die Erde tränkt und zum Getreide wird“ (vgl. Verse 10-11). Die Worte sind es noch nicht, die die Welt verändern. Sie müssen zu irdischem Stoff werden: Zur Energie, die Menschen am Leben hält; zur Kraft, aus der heraus Menschen die Welt im Sinne Gottes gestalten; zu Geduld und Liebe in der Begegnung mit anderen.

Jes 55, 1 ruft dazu auf, zum Wasser zu kommen. Vielleicht ist auch der Ort der Taufe am Jordan ein Bindeglied vom Evangelium hin zu Deuterojesaja. Seit byzantinischer Zeit wird die Taufstelle am heute jordanischen Ufer des Jordan lokalisiert. Um die Taufe der Umkehr von Johannes zu empfangen, mussten „alle aus Judäa und Jerusalem“ zunächst den Jordan überqueren und damit das Land verlassen. Und das genau an der Stelle, an der die Bibel den „Einzug“ (vgl. Josua) verortet. Damit wird symbolisch der Weg Israels nachvollzogen. Im Land leben darf das biblische Volk Israels immer nur solange, wie es den während des Exodus geschenkten Geboten für ein Leben in Freiheit folgt. Verlässt es diese Spur (so zumindest die deuteronomistische Theologie) ist das Land gefährdet. Die Taufe zur Umkehr des Johannes kann wie ein neuer Versuch des Lebens im Land und in der Gegenwart Gottes gedeutet werden. Nicht zufällig legt also Markus an diesem Ort sowohl Johannes als auch Gott Texte aus Deuterojesaja in den Mund; Texte, die Mut machen zur Heimkehr und bekräftigen, dass die Erfahrung der Gottesferne nicht die letzte Gotteserfahrung sein wird. Deuterojesaja beendet sein Buch mit dem Jubel der Natur beim Anblick der voll Freude Heimkehrenden (vgl. Jes 55, 12-13). Die Taufe Jesu am Jordan ist damit ein Schritt zurück und gleichzeitig ein wirklicher Neuanfang. Wenn Jesus diesen Schritt vollzieht, wird die Jesusgeschichte gesamtbiblisch auch zu einer neuen Erzählung darüber, wie das Leben im verheißenen Land glücken könnte.


Predigtanregungen

Am Ende der Weihnachtszeit und zu Beginn eines neuen Jahres könnte die Predigt am Fest der Taufe die Frage des Markus aufgreifen: Wer ist Jesus? Eine erste Antwort geben die Anbindungen an die Texte des Jesaja. Sie träumen den alten und neuen Traum von einer gerechten und solidarischen Welt. Sie vertrauen darauf, dass Gott aus dem „Sklavenhaus“ befreien will – ob es nun in Ägypten, in Babylon oder sonst wo auf der Welt zu verorten ist. Sie sprechen Mut zu und trösten, wenn alles zu scheitern droht, die Augen blind und die Seelen gefangen sind. Ganz banal wird mit der Taufe Jesu ein neuer Anfang gesetzt, diesen Traum nicht aufzugeben: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und den Armen wird frohe Botschaft verkündet …

Wer ist also Jesus? Derjenige, der uns mit auf den Weg nimmt, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Diese Sehnsucht nach der Gegenwart Gottes und soziales / politisches / ökologisches Engagement bedingen sich biblisch wechselseitig – das eine gibt es nicht ohne das andere. Die Sehnsucht realisiert sich in der Kraft, an der Hoffnung auf ein Land, in dem Milch und Honig für alle fließen und in dem ein gutes Miteinander für alle, möglich ist, festzuhalten.

Was ist daran „nachhaltig“? Zum einen die konkrete Not nicht zu spiritualisieren und gleichzeitig die Kraft zum Engagement nicht nur aus sich selbst schöpfen zu müssen. Zum anderen die Zusage, dass zu jeder Zeit, der Schritt aus dem begrenzten Gebiet heraus möglich ist. Ein Schritt zurück, der eine neue Perspektive und ein neues Hereinkommen ermöglicht. Es gibt diese Orte außerhalb, an denen Menschen wie Johannes der Täufer auf uns warten, uns wachrütteln und gestärkt ins Land schicken.

Du Gott der Anfänge,
segne uns,
wenn wir deinen Ruf hören,
wenn deine Stimme uns lockt
zu Aufbruch und Neubeginn.

Du Gott der Anfänge,
behüte uns,
wenn wir loslassen
und Abschied nehmen,
wenn wir dankbar zurückschauen
auf das, was hinter uns liegt.

Du Gott der Anfänge,
lass dein Gesicht leuchten über uns,
wenn wir in Vertrauen und Zuversicht
einen neuen Schritt wagen
auf dem Weg unseres Glaubens.

Du Gott der Anfänge,
schenke uns Frieden,
wenn der eigene Weg
uns aufwärts führt,
wenn wir Lebewohl sagen.

Lass die Blumen blühen
für jeden von uns,
lass Wind uns den Rücken stärken
und die Sonne warm
auf das Gesicht scheinen,
wo immer wir gehen.
(Aus Irland)

Dr. Katrin Brockmöller, Mainz

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