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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

28. Dez. 08 - 1. So. nach dem Christfest / Fest der Heiligen Familie

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 2, (22-24) 25-38 (39-40)

Sir 3, 2-6.12-14 (3-7.14-17a)
od. Gen 15, 1-6; 21, 1-3

Kol 3, 12-21 od.
Hebr 11, 8.11-12.17-19

Lk 2, 22-40

Der Verfasser betrachtet die Perikope des Lukas-Evangeliums, die gleichzeitig ev. Predigtperikope und kath. Evangeliumstext ist. Stichworte zur Nachhaltigkeit: die Familie als Grundlage für nachhaltige Entwicklung

1. Sonntag nach dem Christfest / Fest der Heiligen Familie

Gemeinsam ist diesem Sonntag die Stelle Lukas 2, 22-24. Maria und Josef bringen Jesu in den Tempel, um ihn dem Herrn zu weihen.

Gedanken

Familie ist das nachhaltigste soziale Phänomen (Keimzelle der Gesellschaft). Es gab sie zu allen Zeiten, sei es als Großfamilie, sei es als Mehrgenerationenfamilie oder heute als Kleinfamilie. Familie ist ständig im Wandel begriffen, aber ohne Familie ist die Zukunft der Menschheit nicht vorstellbar. Das Wort Familie kommt von Hausgemeinschaft und meint alle, die einer Hausgemeinschaft leben. Zumeist ist diese Gemeinschaft im Kern abstammungsgemäß begründet, z.B. Eltern und Kinder, aber auch in weiteren Generationen.

In der traditionellen Form der Familie, vor allem in der Landwirtschaft und im Handwerk, war Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft eine Einheit, das ist immer mehr aus einander gefallen. Die Familie hatte auch das Gesundheits- und Altersrisiko zu tragen, dies ist heute weithin auf die Gesellschaft übergegangen. Das gilt auch von der Bildung, hier ist der Familie überwiegend nur die primäre Bildung geblieben.

Die Familie ist zur Kleinfamilie geworden, Vater-Mutter-Kind. Oft kommen auch Patchworkfamilien vor, wenn Kinder aus verschiedenen Partnerschaften zu einer Familie gehören. Ehen sind nicht mehr so stabil wie früher, es wird später geheiratet, andererseits streckt sich die Familie von der Breite (Vielkinderfamilie) in die Länge (mehr Generationen) bis hin zur 5 Generationenfamilie, in denen dann Kinder 8 Urgroßväter und 8 Urgoßmütter erfahren können, aber oft keine Geschwister und keinen Onkel und keine Tante. Die Familienaufgabe bleibt nicht nur an der Mutter hängen, sondern wird partnerschaftlich aufgeteilt.

Die Familie sichert die Weitergabe des Lebens. Sie schafft den Schonraum für die heranwachsenden Kinder sowohl in Fragen des elementaren Lebenserhaltes als auch der Sozialisierung. Sie ist das erste und wichtigste soziale Netzwerk. Sie ist verantwortlich für die Bildung, heute in der Regel nur für die primäre Bildung und trägt auch die Primärverantwortung für die Wechselfälle des Lebens oft auch für weitere Generationen. Ohne sie hat die Gesellschaft keine Zukunft, deshalb gilt es die Familie zu stützen und zu fördern. Aber die Familie steht unter großen Herausforderungen.

Was hat das mit der Heiligen Familie zu tun? Sie war keineswegs eine typische Familie in ihrer Zeit. Das Kind war nicht von Josef. Er nahm Frau und Kind trotzdem an, weil Gott es so wünschte, damit hat er Maria und Jesus einen rechtlichen Raum zum Leben und Überleben geschaffen. Maria wurde auch durch den Engel Gottes gefordert, sie sagte ja dazu. Das Kind wurde in einem Stall geboren und die Familie musste nach Ägypten flüchten. Im Tempel nannte Jesus Gott seinen Vater. Die Eltern – Maria und Josef – sorgten für seine Ausbildung und Erziehung. Maria musste den Kreuzestod ihres einzigen Sohnes erleben. Dieser vergaß aber selbst in der Todesstunde seine Verpflichtung des Erstgeborenen nicht, für die alt gewordene Mutter und Witwe zu sorgen und vertraute sie Johannes an (siehe da deinen Sohn, siehe da deine Mutter, Joh 10, 26 f.).

Was bedeutet das für Familien heute? Ihnen sind auch besondere Herausforderungen gestellt und sie müssen selbst immer wieder fragen, was für sie der Wille Gottes ist. Auch zur Sicherung der Partner und der Kinder bedarf es einer guten rechtlichen Absicherung von Ehe und Familie. So wie Josef und Maria für einander und ihr Kind da waren, so muss es auch heute in einer partnerschaftlich organisierten Ehe sein. Die Arbeitwelt muss so organisiert werden, dass die familiären und wirtschaftlichen Aufgaben gleichmäßig auf Mann und Frau verteilt werden, denn bei dem immer länger dauernden Leben macht die Erziehungsaufgabe höchstens 20 - 25 Jahre, also etwa ein Viertel des Lebens aus. Außerdem muss Familie in ihrer Aufgabe noch mehr subsidiarisch unterstützt werden. So müssen die vorschulische Erziehung und der Kindergarten in allen Bundesländern für die Eltern kostenfrei sein und es dürfen in der Altersvorsorge nicht immer mehr Leistungen an die einzelnen übertragen werden.

Die Familie ist der Raum, in der verschiedene Generationen zusammenleben, sich gegenseitig helfen, das Leben besser zu meistern und die Rechte der einzelnen Person mit manchmal gegenteiligen Anforderungen gesellschaftlichen Lebens in Einklang zu bringen. Sie ist das Fundament der Gesellschaft. Wir brauchen auch weiterhin eine stabile Familie, denn sie leistet einen wichtigen Dienst für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft.

Dr. Ernst Leuninger, Limburg

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