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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

26. Dez. 08 - 2. Weihnachtsfeiertag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 1, 1-5 (6-8) 9-14

Apg 6, 8-10; 7, 54-60

 

Mt 10, 17-22

Der Autor betrachtet die ev. Predigtperikope. Stichworte zur Nachhaltigkeit: bequeme und unbequeme Wahrheiten, wem gehört die Erde, Klimazerstörung als Eigentumsdelikt, die Weihnachtsbotschaft als angenehme, aber unbequeme Wahrheit


Joh 1, 1-5, 9-14

Im Jahr 2007 bekam ein Mann den Friedensnobelpreis, der vor Jahren fast amerikanischer Präsident geworden wäre. Er hat einen Film gedreht, der um die Welt ging. „An inconvenient truth“, eine unbequeme Wahrheit, lautet der Titel, der auch gleich mit zwei Oscars preisgekrönt wurde. In dem Film wird geschildert, was mit der Erde passiert, wenn sich das Klima verändert. Der Titel des Films lautet wie gesagt: „Eine unbequeme Wahrheit“. Denn eine bequeme Wahrheit ist das nicht, was da auf uns zukommen kann.

Wie ist das nun mit Weihnachten, dem Fest, das wir heute feiern? Ist Weihnachten eine bequeme Wahrheit oder eher eine unbequeme Wahrheit? Um es von vornherein gleich zu sagen: Weihnachten ist eine angenehme, zutiefst angenehme Wahrheit für uns! Denn wie wären die Menschen sonst darauf gekommen, seit vielen Jahrhunderten dieses Fest großartig zu feiern. Aber ist Weihnachten damit gleichbedeutend mit einer ganz bequemen Wahrheit? Darüber sollten wir nachdenken mit Hilfe der bekannten Worte zu Anfang des Johannesevangeliums: Joh 1, 1-5, 10-13

Vor Jahren war ich als Pfarrer im Kindergarten und wollte mit den Kleinen über die Welt als Gottes Schöpfung sprechen. Zu Beginn habe ich den Kindern die Frage gestellt: „Wer hat die Welt gemacht?“ Und wissen Sie, was die Drei- Vierjährigen mir geantwortet haben? Sie werden kaum darauf kommen. „Die Bauarbeiter“ lautete die Antwort. Das ist zwar ungewöhnlich, aber auch nahe liegend in einer Zeit, wo wir mit Maschinen so viel auf der Welt bewegen. In der Vorstellungswelt von kleinen Kindern scheint es selbstverständlich zu sein, die Entstehung der Welt dem Handeln von uns Menschen in Form von Bauarbeitern zuzuschreiben. Schon die ersten Christen haben sich Gedanken gemacht wie und durch wen die Welt entstanden ist. Sie sind damals auf eine ganz andere Antwort gekommen. Von allem Anfang an ist einer bei und mit Gott gewesen. „Die Welt ist durch ihn gemacht“ sagten sie - durch den, dessen Geburt wir heute zu Weihachten feiern.

Über Jesu Kommen in unsere Welt wird gesagt:

„Er kam in sein Eigentum.“ Das sollte uns hellhörig machen. Die Welt hat zwar viele Herren und auch viele Eigentümer. Jährlich listet das amerikanische Magazin „Forbes“ auf, wer die Reichen und Reichsten der Welt sind. Da kann man sehen, wem von der Welt wie viel gehört. Auch mancher von uns freut sich, ein Stückchen Land sein eigen zu nennen. Aber unser Besitz ist nur vorläufig. Letztlich gehört die Erde keinem von uns, auch nicht Bill Gates oder arabischen Ölmilliardären. „Die Erde ist des Herrn“ heißt es schon in der Bibel. Und das ist auch gut so. Die Erde ist eine Leihgabe an uns, und das nur auf Zeit. Es ist an der Zeit, diese grundlegenden Eigentumsverhältnisse zu begreifen. Daran erinnert die Weihnachtsgeschichte, wo die Geburt Jesu mit den Worten kommentiert wird: „Er kam in sein Eigentum“. Wenn das so ist und wenn das wahr ist, kann diese Wahrheit durchaus auch unbequem sein. Wie gehe ich denn mit all dem um, was ich mein eigen nenne, uns aber nur auf Zeit geliehen ist? Und wie gehen wir als Menschheit insgesamt mit all dem um, was uns nur ein Leben lang anvertraut ist?

Brennende Regenwälder, abschmelzende Pole und vieles mehr sind so gesehen nicht nur bedauerliche Vorfälle, sondern es sind Eigentumsdelikte, eklatante Sachbeschädigungen an dem, was uns im Grunde gar nicht gehört sondern uns nur auf Zeit anvertraut und von Gott geliehen worden ist. So gesehen enthalten die biblischen Worte: „Er kam in sein Eigentum“ eine Sprengkraft, die mindestens so groß ist wie der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore. Was für ein Erbe hinterlassen wir Menschen heute eigentlich, wenn die klimatischen Bedingungen für menschliches Leben, so wie es seit 400 Generationen auf dieser Erde möglich ist, innerhalb von zwei bis drei Generationen derart durcheinander gewirbelt werden, dass das Klima aus den Fugen gerät, wenn menschliches Leben auf diesem Planeten in der uns vertrauten Form in Frage steht?

„Er kommt in sein Eigentum“, Schwestern und Brüder, noch nie passte dieser Satz aus dem Johannesevangelium zu Weihnachten so gut wie in dieses Jahr, da alle Welt sich über die Zukunft unseres blauen Planeten Sorge macht. „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ So geht der Satz leider schon in der Bibel weiter. Das ist eine recht genaue Beschreibung dessen, was in der Welt derzeit geschieht, die einfach so weiter machen will wie bisher. Aber wir sind letztlich nicht die Herren der Erde. Das ist nur Einer. Die Erde ist des Herrn. Wir sind nur Gast auf Erden. Das wussten schon unsere Vorfahren. Die uns zugedachte Aufgabe ist es, hier auf der Erde gute Haushalter Gottes zu sein.

„Er kommt in sein Eigentum“, diesen Satz aus der weihnachtlichen Botschaft müssen wir uns zu Herzen nehmen und endlich Ernst damit machen. Dazu gehört, unseren Lebensstil, besonders unseren Umgang mit Energie zu überdenken, damit wir die Welt als Gottes Eigentum bewahren statt sie zu ruinieren. Jeder trage seinen Teil dazu bei, sich als Gast auf Erden angemessen zu verhalten. Das ist vielleicht eine zunächst höchst unbequeme Wahrheit – ausgerechnet zu Weihnachten einer Änderung unserer Lebensgewohnheiten ins Auge zu blicken – wo wir es doch gerade zu Weihnachten gerne angenehm und recht bequem haben wollen. Die Wahrheit von Weihnachten hat aber auch und vor allem etwas unerhört Angenehmes und Entlastendes. Der, dem die Welt gemäß unserem Glauben jenseits jeder Grundbucheintragung letztlich gehört, will uns hier auf der Erde zu Menschen werden lassen, die aus Gottes Kraft und Licht leben.

Licht lautet dabei das Zauberwort – und das nicht nur zu Weihnachten. In der neueren Forschung hat man in der Biologie herausgefunden, dass in jeder Zelle unseres Körpers Licht enthalten ist. Jede Zelle ist somit ein Abbild des Lichtglanzes Gottes. Wir sind Geschöpfe, in denen Gottes Licht aufscheinen will, in jeder Zelle unseres Körpers und in unserem Bewusstsein erst recht. Denn Gott ist Licht und Jesus ist das Licht der Menschen. Das Licht erstrahlt inmitten aller Finsternis und es kann von der Finsternis nicht verschluckt werden. Aber unser Drama besteht darin, dass wir dieses geistige Licht nicht ergreifen, sondern uns stattdessen immer mehr an der Schöpfung vergreifen. „Das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hat’s nicht ergriffen“, klagte schon Johannes. Ergreifen, begreifen. Es wird Zeit, dass wir die grundlegenden Eigentumsverhältnisse, ja uns selber neu begreifen und verstehen lernen. „Gott kommt in sein Eigentum mit seinem Licht“, so lautet die weihnachtliche Botschaft. Das ist eine für uns höchst angenehme Wahrheit. Aber es ist keine bequeme Wahrheit, auf der man sich ausruhen kann. Denn Gott will alle, die sich ihm öffnen und ihn aufnehmen, ja er will uns alle zu Menschen machen, die nicht gegen, sondern mit der Schöpfung leben. Das ist eine Einladung, sich gemeinsam mit dem Herrn dieser Welt für diese Welt zu engagieren. Vertrauen wir darauf gerade jetzt zu Weihnachten. Gott will uns die Kraft geben, diese großartige Erde als lebenswerten Ort inmitten dieses Universums zu erhalten. Dafür ist das Kind aus dem Stall zu Bethlehem geboren und jedes neugeborene Kind ist dafür ein gutes Zeichen.

Bewahren wir die Erde – um der Neugeborenen willen und um Gottes Willen!!!

Andreas Krone, Waldems-Esch

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