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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

24. Dez. 08 - Heiligabend / Christvesper   /   Heilige Nacht / Christnacht

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

V: Lk 2, 1-14 (15-20) /
N: Mt 1, (1-17)18-21(22-25)

Hl. Abend: Jes 62, 1-5
Hl. Nacht: Jes 9, 1-6

A: Apg 13, 16-17.22-25
N: Tit 2, 11-14

A: Mt 1, 1-25
N: Lk 2, 1-14

Wegen der Vielzahl der zur Auswahl stehenden Schriftlesungen verzichtet der Autor auf exegetische Anmerkungen sowie eine Predigtskizze und konzentriert sich darauf, vorhandene Bezüge zur Nachhaltigkeit aufzuzeigen. Hinzu kommen einige Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte, die in der Predigt Verwendung finden könnten.


1. Gott steht zu seinem Bund und löst seine Verheißungen ein (Jes 62, Apg, Mt, Lk)

Jes 62 betont die Treue Gottes zu seinem Land, das sich mit ihm vermählt. Die Erwählung des Volkes hat Bestand, auch und gerade in Krisenzeiten, in denen es erfährt, dass Gott den Einzelnen wie die Gemeinschaft durchträgt (Apg). Was er verheißen hat, geht in Erfüllung (Mt: Stammbaum; Lk: Erfahrung der Hirten; Apg: David - Jesus)

Den Weg zu schaun, war mir Lust -
Doch nun: führ Du mich an!
Den grellen Tag hab ich geliebt und manches Jahr
Regierte Stolz mein Herz, trotz Furcht: vergiss was war.
So lang gesegnet hat mich deine Macht, gewiss
Führst Du mich weiter an
Durch Moor und Sumpf, durch Fels und Sturzbach bis
Die Nacht verrann
Und Morgenlicht der Engel Lächeln glänzt am Tor,
Die ich seit je geliebt und unterwegs verlor.

John Henry Newman (Aus: Ders.: Gott, das Licht des Lebens, 1987)


2. Krisenzeiten werden zu Zeiten, in denen Gottes Nähe besonders spürbar wird (Apg, Mt, Lk)

Es ist die Krisenzeit der Nacht, in der Gott nahe kommt und in der die Hirten auf Gottes Botschaft aufmerksam werden. In der Nacht gewinnt auch Maria den Schatz der Erkenntnis, der ihr zur Hilfe im Leben, vor allem auch im Leiden wird (Lk). Als Vorausbilder der Krise, die zum Neuanfang wird, nennen Mt die babylonische Gefangenschaft und Apg Israels Zeit in Ägypten.

Vier Monate nach Beginn der Krise beim deutschen Kinderhilfswerk Unicef wählt die Organisation im April 2008 auf seiner Mitgliederversammlung in Berlin einen neuen Vorstand. Auch werden neue Regeln für mehr Transparenz beim Einwerben und bei der Verwendung von Spendengeldern erarbeitet. Unicef war unter anderem in die öffentliche Kritik geraten, weil einige Werber von Großspenden dafür hohe Beraterhonorare erhalten hatten. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb noch gegen den früheren Geschäftsführer wegen des Anfangsverdachts der Untreue. Das Deutsche Institut für Soziale Fragen entzog Unicef zudem das Spendensiegel, das einen besonders verantwortungsvollen Umgang mit Spenden attestiert.


3. Inkarnation zielt auf Rettung des Ganzen (Jes 62, Tit, Lk)

Bei Lk umfasst die Begegnung des Himmels mit der Erde Natur, Menschen und Tiere. Die Rettungs- und Friedensbotschaft ist für das ganze Volk bestimmt und allen Menschen zugänglich. Niemand braucht Angst oder Furcht zu haben. Jes 62 betont, dass das anbrechende Recht und die offenbar werdende Gerechtigkeit für alle Welt bestimmt ist, und entspricht damit Tit, nach dessen Aussage das das Ziel Gottes die Rettung aller Menschen ist.

“Die Anstrengung ist bekannt, die das kirchliche Lehramt vor allem im zwanzigsten Jahrhundert unternommen hat, um die soziale Wirklichkeit im Licht des Evangeliums zu deuten und auf immer treffendere und eingehendere Weise ihren Beitrag zur Lösung der sozialen Frage, die inzwischen zu einem weltweiten Problem geworden ist, anzubieten. Diese ethisch-soziale Seite stellt sich als unabdingbare Dimension des christlichen Zeugnisses dar. Es gilt, die Versuchung einer intimistischen und individualistischen Spiritualität zurückzuweisen, die sich nicht nur mit den Forderungen der Liebe, sondern auch mit der Logik der Inkarnation und schließlich mit der eschatologischen Spannung des Christentums schlecht in Einklang bringen ließe. Wenn uns diese letztere den relativen Charakter der Geschichte bewusst macht, bedeutet das für uns keineswegs die Entpflichtung von der Aufgabe, Geschichte aufzubauen.” (Johannes Paul II: Novo millenio ineiunte, 2000)


4. Gefordert ist eine bekehrte Lebensführung (Apg, Tit)

Der Neubeginn impliziert Umkehr, setzt eine veränderte Einstellung und Lebensführung voraus, was Apg im Rückgriff auf Johannes den Täufer verdeutlicht. Wer nachfolgt, hat sich von Gottlosigkeit und irdischen Begierden zu distanzieren, und besonnen, gerecht, fromm und im Blick auf die Erlösung voll Hoffnung zu leben (Tit).

Du wartest auf uns,
bis wir geöffnet sind für dich:
wir warten auf dein Wort,
das uns aufschließt.
Stimm uns ab auf deine Stimme,
auf deine Stille,
deinen Sohn, sprich uns zu,
das Wort des Friedens.

Ganz nahe ist dein Wort,
Herr unser Gott,
ganz nah deine Gnade.
Begegne uns denn
Mit Macht und Erbarmen.
Lass nicht zu, dass wir taub sind für dich,
sondern offen mach uns und empfänglich
für Jesus Christus deinen Sohn,
der kommen wird,
damit er uns suche und rette, heute und täglich bis in Ewigkeit.

Huub Oosterhuis (Aus: Ders.. Ganz nahe ist uns dein Wort, 197310)


5. Gottes Engagement ist immer politisch (Jes 9, Apg, Lk)

Lk lokalisiert die Inkarnation im Kontext des Staatlichen. Gottes Eingreifen, das aus seiner Leidenschaft für die Welt erwächst (Jes 9), beendet Unterdrückung und Gewalttätigkeit. Er schafft eine neue Ordnung, die sich durch Frieden, Recht und Gerechtigkeit auszeichnet und Bestand für immer hat. Wo aber Gott in die Eigenverantwortung entlässt, gibt er angemessene Strukturen (Apg nennt die Richter und Könige des Alten Bundes).

“Rahner scheute sich nicht vor herausfordernden ‚Einmischungen’ in grundlegende Probleme im Zwischenfeld von Kirche und Gesellschaft, wie z.B. Kirche - Judentum - Nationalsozialismus, ‚Verjährungsfristen’, Friedensauftrag, Atomwaffen oder Theologie der Revolution. Politik und Religion zeigten sich für Karl Rahner bei aller grundlegenden Andersartigkeit immer mehr in ihrer schwer auflösbaren Einheit und gegenseitigen Abhängigkeit. Immer wieder forderte Rahner Freiräume, in denen Menschen fähig werden und fähig bleiben zu wirklich freier Entscheidung, und zwar nicht nur im Blick auf Eliten und Privilegierte, sondern für alle.” Karl Kardinal Lehmann (Aus: Ders.: Karl Rahners Bedeutung für die Kirche, in: Karl Rahner - 100 Jahre = Stimmen der Zeit. Spezial 1 - 2004)


6. Heilsames Engagement am Rand der Gesellschaft (Mt, Lk)

Die Inkarnation ereignet sich am Rand der Gesellschaft, was den Ort wie die Erstadressaten betrifft (Lk). Sie umschließt die Marginalisierten und gibt ihnen einen Ehrenplatz (Frauen im Stammbaum des Mt). Seine Entsprechung findet dies im Verhalten des Josef, der Maria nicht bloßstellen will und sich ihrer annimmt (Mt).

“9. Bildung ist eine sozialethische Herausforderung und hat dem Aufbau rücksichtsvoller Beziehungen in einer Solidargemeinschaft zu dienen. Etwa 15% der Jugendlichen haben keinen Bildungs- oder Ausbildungsabschluss. Sie drohen ausgegrenzt und marginalisiert zu werden. Unsere Situation verlangt neben einer sozial ausgleichenden regionalen und stadtteilbezogenen Bildungsförderung (Kindertagesstätten, Ganztagsschulen bzw. Ganztagsbetreuung, Schulsozialarbeit) und sozialpädagogischen Konzepten für Schulen (besonders mit Ganztagsangeboten) konsequentes Handeln; es darf nicht bei bloßen Appellen und Absichtserklärungen bleiben.” (aus: Maße des Menschlichen. Evangelische Perspektiven zur Bildung in der Wissens- und Lerngesellschaft. Eine Denkschrift des Rates der EKD, 2003)


Literatur:

Höffken, Peter: Das Buch Jesaja. Kapitel 1-39 = Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament 18/1, 1993
Ders.: Das Buch Jesaja. Kapitel 40-66 = Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament 18/2, 1998
Luz, Ulrich: Das Evangelium nach Matthäus (Mt 1-17) = Evangelisch-Katholischer Kommentar I/1, 20025
Oberlinner, Lorenz: Der Titusbrief = Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament 11,2, 1996
Radl, Walter: Das Evangelium nach Lukas. Kommentar. Erster Teil: 1,1-9,50, 2003
Werner, Wolfgang: Das Buch Jeremia. Kapitel 1-25 = Neuer Stuttgarter Kommentar Altes Testament 19/1, 1997
Witherington, Ben: The Acts of the Apostles: a socio-rhetorical commentary, 1998

Joachim Feldes, Berlin

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