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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

7. Dez. 08 - 2. Adventssonntag

ev. Reihe I kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 21, 25-33

Jes 40, 1-5.9-11

2 Petr 3, 8-14

Mk 1, 1-8

Der Autor betrachtet alle Bibelstellen des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: sich auf Anfänge besinnen, hängen / klammern am gewohnten Lebensstil (Jes 40); Umkehr / Neuanfang ohne Angst, aber als gottgegebene Chance (2 Petr 3); Unnötiges abspülen, die Änderung der Wahrnehmung zulassen (Mk 1); Klimawandel und soziale Katastrophen – Fatalismus ist keine gottgewollte Lösung (Lk 21)


Geistige Wende und Sinneswandel

Die Stimmung der Menschen, die sich zum Gottesdienst versammeln, ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Stück weit entfernt von der Gestimmtheit der biblischen Texte an diesem Tag. Die Gemeinden erwarten an diesem Tag eher die Einstimmung in die Friedens- und Freudenbotschaft von Bethlehem. Die asketische Strenge der Prophetengestalt des Täufers und die apokalyptischen Phantasien aus dem 2. Petrusbrief und dem dem Lukasevangelium werden sie eher enttäuschen und erschrecken. Der gemeinsame Grundton der biblischen Texte für den 2. Adventssonntag ist auch nicht Angst und Schrecken, sondern die in allen Perikopen enthaltene Aufforderung zur Umkehr. In der Sprache Martin Luthers wird die Umkehr Buße genannt. Die semantische Bedeutung des Wortes Buße hat sich jedoch mehr in Richtung Strafe verändert, sodass dieses Wort nicht mehr ungedeutet verwendet werden kann. Der griechische Ausdruck bedeutet wörtlich übersetzt: geistige Wende, Sinneswandel. Nachhaltiges Handeln und Verhalten setzt auch eine solche geistige Wende, d.h. einen grundsätzlichen Mentalitätswechsel voraus.


Jes 40, 1-5.9-11

Am leichtesten werden sich die Hörerinnen und Hörer auf den ersten Blick mit der Trostbotschaft des Jesajabuches tun. Trostbedarf besteht zu allen Zeiten. Das im vorliegenden Text benutzte Bild einer himmlischen Ratsversammlung, in der verschiedene Sprecher

  • das Ende der Epoche des Frondienstes in der Epoche der israelitisch-judäischen Monarchie und den gleichzeitigen Beginn des alleinigen Königtums Gottes ankündigen,
  • die Aufforderung, einen Königsweg für Gott in der Wüste zu bereiten, aussprechen,
  • den Auftrag an ein prophetisches Ich geben, zu verkündigen, dass allein das Wort Gottes Bestand haben werde (vielleicht deshalb in der katholischen Lesung ausgespart?),
  • Jerusalem als die personifizierte Frohbotschafterin Zion auffordern, den Judäern die anbrechende Gottesherrschaft des guten Hirten anzukündigen,

wird den Zuhörern nur sehr aufwendig zu vermitteln sein.

Der Gedanke der Umkehr, in dieser Perikope als Neubeginn beschrieben, erinnert daran, dass die Adventszeit wie alle Zeiten vor den Christusfesten ursprünglich eine Bußzeit ist. Eine Zeit der Besinnung und des Nachdenkens, ob der eingeschlagene Lebensweg dorthin führt, wohin wir wollen und sollen. Gesetzt den Fall, der Ruf des Propheten richtet sich, wie manche Exegeten annehmen, an deportierte Judäer in Babylon, dann fordert er diese auf, die Weltstadt mit ihrem Glanz und ihrem Luxus zu verlassen und wieder an den Anfang der Geschichte Gottes mit seinem Volk in die Wüste mit ihren Entbehrungen zurückzukehren. Sicher haben viele darin auch die Anfrage an ihren Lebensstil gesehen, den sie nicht bereit waren aufzugeben. Viele der Deportierten sind möglicherweise aus diesem Grund geblieben und bildeten seit dieser Zeit die jüdische Gemeinde in Babylon.


2 Petr 3, 8-14

Der Briefschreiber teilt das Interesse vieler seiner Zeitgenossen an den Zeichen, die die erhoffte Wiederkunft Christi ankündigen. Er benutzt ein weit verbreitetes apokalyptisches Muster: Die Ablehnung und Verspottung des Glaubens und der Gläubigen ist der Beginn der endzeitlichen Ereignisse. Darin besteht sicherlich auch die Übereinstimmung mit den Erfahrungen, die sie machen. Dann wird ein Furcht erregendes Gericht, das die Menschen, aber auch die belebte und unbelebte Natur umfasst, alle Feinde besiegen. Die Treuen werden überleben und Bürger der neuen Erde unter einem neuen Himmel sein.

Der 2. Petrusbrief gehört mit einiger Sicherheit bereits in das zweite nachchristliche Jahrhundert. Die Erwartung der schnellen Wiederkunft Christ hat sich nicht erfüllt. Der Verfasser geht mit dieser Erfahrung in zweierlei Weise um. Einmal ersetzt er die Botschaft: „Der Herr kommt bald.“ durch die Ankündigung: „Der Herr kann jederzeit kommen wie ein Dieb.“ (Vers 10). Diese Ausdrucksweise verwendet im Übrigen bereits der Evangelist Lukas. Für Petrus aber ist die Verzögerung der Wiederkunft ein Zeichen der Geduld und der Liebe Gottes, denn er will nicht, dass irgendjemand verloren gehe, sondern dass alle den Weg zur Umkehr finden. (Vers 9) Diese Aussagen sind ein Kontrapunkt gegen zwei Gefahren, in denen eine Predigt steht, die zur Umkehr aufrufen will. Einmal die Gefahr der Schwarzmalerei: Um die Zuhörer von der Notwendigkeit der Umkehr zu überzeugen, werden die Folgen des gedankenlosen Umgangs mit der Schöpfung so drastisch geschildert, dass bei den Zuhörern vor allem Gefühle der Angst und des Schreckens zurückbleiben. Solche Emotionen lösen nichts anderes als Lähmung und Abwehr aus. Da ist es gut, dass die Perikope an die Langmut und die Geduld Gottes erinnert. Die andere Gefahr ist die des Fatalismus. Wenn es bereits so schlecht um die Erde bestellt ist, dass der Untergang gar nicht mehr abzuwenden ist, wozu noch der Einsatz und die Anstrengung. Die mühsame Überzeugungsarbeit scheint sowieso keine Früchte zu tragen. Vielmehr erleben viele Ablehnung und Spott. Da kann die Geduld Gottes zum Vorbild und zur Quelle der notwendigen Ausdauer werden.


Mk 1, 1-8

Die Stimme des Rufers in der Wüste hat dem Markusevangelium den Löwen als Wappentier eingebracht, obwohl der Rufer eine menschliche und historische Gestalt ist: Johannes, genannt der Täufer. Es ist ziemlich plausibel, dass Jesus zunächst ein Schüler des Johannes gewesen ist und erst nach dessen gewaltsamen Tod mit seinem eigenen Wirken begonnen hat. Zunächst werden wohl auch Johannes-Anhänger und Jesus-Anhänger nebeneinander existiert haben. Im weiteren Verlauf der christlichen Überlieferung wird dann Johannes zum Vorläufer und Propheten Jesu.

Der Prediger oder die Predigerin muss der Versuchung widerstehen, den asketischen Lebensstil des Johannes zum Vorbild eines einfachen Lebens zu stilisieren. Es geht nicht um die Gestaltung von individueller Sinnsuche. Das Leben des Täufers in der Wüste ist vielmehr eine prophetische Zeichenhandlung. Er will damit an die Wüstenzeit, als Zeit der unmittelbaren Nähe zwischen Gott und seinem Volk erinnern.

Spannender ist allemal die Umdeutung des rituellen Tauchbades durch Johannes von einem kultischen Reinigungsbad zu einem ethischen Erneuerungsbad. Vor allem die Predigt, von der im 3. Kapitel des Lukasevangeliums berichtet wird, macht deutlich: Die Johannestaufe ist verbunden mit dem Ruf zur Umkehr. Alle sollen ihren Lebenswandel überprüfen, ob er dem Willen Gottes entspricht. Es ist Zeit, Ernst zu machen mit einem Leben, das die Ehrfurcht vor Gott mit der „Ehrfurcht vor dem Leben“ (Albert Schweitzer) verbindet. Die Taufe zur Sündenvergebung ist mehr als eine rückwärts gerichtete Heilung einer verkorksten Existenz. Die Taufe ist auch verbunden mit einer Aufforderung nach vorwärts, in Zukunft einen anderen Lebensweg einzuschlagen.


Lk 21, 25-33

Im ersten Teil dieses Textes, der aus der so genannten „kleine Apokalypse“ entnommen ist, tritt die religiöse Phantasie über alle Ufer. Sie legt sich mit maßloser Aggressivität mit allen Grundlagen der Existenz, dem Lebensraum, der Heimat menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens an. Das gesamte Universum, Sonne Mond und Sterne lässt sie mit der irdischen Schöpfung untergehen. Umso glanzvoller wird das Erscheinen des Menschensohnes sein, der die Seinen errettet. Die Perikope suggeriert, die Zeichen der Endzeit werden so eindeutig sein, wie die Zeichen des Frühlings nach dem Winter. Die historische Erfahrung belegt die Falschheit aller Weltuntergangsprophezeiungen.

In der gegenwärtigen Debatte um die Deutung der Umweltdaten, die von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erhoben werden, macht sich ein neuer Zungenschlag breit. Die konservative Presse und Medien versuchten zunächst, die Verursachung des Klimawandels durch die Produktion, die Mobilität und das Konsumverhalten der Industrieländer schlicht zu leugnen. Dabei wurden den Umweltgruppen Angst- und Panikmache vorgeworfen. Manche scheuten sich nicht, die Gefahr einer Ökodiktatur an die Wand zu malen.

Nachdem der Zusammenhang zwischen der massenhaften Nutzung fossiler Brennstoffe und dem Klimawandel kaum mehr zu leugnen ist, begegnet man jetzt vermehrt dem Argument, der Klimawandel sei sowieso nicht mehr aufzuhalten. Deshalb lohnten sich bestimmte Anstrengungen letztendlich nicht.

Das Ergebnis beider Argumentationslinien ist identisch. Es braucht nichts unternommen zu werden. Die Predigerin und der Prediger sollten sich hüten, einer solch fatalistischen Stimmung den Boden zu bereiten. Sie ist der Feind des Umdenkens in Richtung Nachhaltigkeit. Vielmehr sollen sie auf den Fortgang der Jesusrede eingehen. In den nächsten Versen mahnt Jesus unmissverständlich, sich nicht gehen zu lassen, sondern ein verantwortliches Leben zu führen. So wie die Falle hinter dem Vogel unerwartet zufällt, so unberechenbar ist der Tag des Gerichts. Martin Luther hat das in seiner Sentenz aufgenommen, wenn er sagt: „Und wenn ich wüsste (so wie Menschen meinen, etwas zu wissen d. Verf.), dass morgen die Welt unterginge, würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen.“

Gottfried Müller, Speyer

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