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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

23. Nov. 08 - Christkönigssonntag / Ewigkeits- o. Totensonntag 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
2 Petr 3, (3-7) 8-13 Ez 34, 11-12.15-17 1 Kor 15, 20-26.28 Mt 25, 31-46

Der letzte Autor des Kirchenjahres betrachtet den ev. Predigttext und den kath. Evangeliumstext. Stichworte: jede Zeit für Wandlungsprozesse nutzen, menschliches Leben ist zeitlich begrenzt – ökologische Zeiträume nicht, Langfristigkeit von Projekten (2 Petr 3); es geht um die kleinen Gesten, nicht um die frommen Übungen (Mt 25)

Stellung im Kirchenjahr

Der Christkönigsonntag ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Er beschließt das Kirchenjahr mit der Frage nach dem Ende der Zeit. Er erinnert daran, dass Leben auf der Erde immer endliches Leben bedeutet.

Das Christkönigsfest wurde 1925 von Papst Pius XI. mit der Enzyklika „Quas primas“ eingeführt. Äußerer Anlass war die 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nizäa.

Die Lehre vom Königtum Christi hat ihren Ursprung in der jüdischen Messiaserwartung, die das davidische Königtum gemäß der Nathan-Verheißung als eine auf ewige Dauer errichtete Institution sieht (2 Sam 7, 12- 16). Nach dem äußeren Untergang der Königreiche von Juda und Israel bezieht sich diese Erwartung auf einen neuen in der Nachfolge des „Gesalbten“ Davids erscheinenden gerechten König (Jer 23, 5). Neutestamentlich stellt die Pilatusszene (Joh 18, 37) Jesus als diesen Messiaskönig dar, dessen Reich aber nicht von dieser Welt ist.

Während die Könige auf Erden das letzte Wort hatten / bzw. haben, repräsentiert das Königtum Christi eine Instanz, die gegenüber allen gekrönten oder selbsternannten Königen, die das letzte Wort haben wollen, am Ende der Zeiten das richtige und richtende Wort sprechen wird. Die Lesungen des Christkönigsfestes kreisen deshalb um das Thema des gerechten Herrschers und das endgültig richtende Wort Gottes.

Auch der am selben Sonntag in der evangelischen Kirche begangene Totensonntag stellt das Ende der Zeit, insbesondere den Abbruch der persönlichen Zeit durch den Tod, in die Mitte der Betrachtung. 1816 wurden durch Anordnung König Friedrich Wilhelms III von Preußen unterschiedliche regionale Gedenktage zur Erinnerung an die Verstorbenen zum „Totensonntag“ zusammengeführt und auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr gelegt. An diesem "Gedenktag der Entschlafenen" finden meistens in den Friedhofskapellen spezielle Gottesdienste statt, in denen der verstorbenen Familienangehörigen gedacht wird und die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten verkündigt wird.

2 Petr 3, (3-7) 8-13

Zwar ist die Verfasserschaft der Petrusbriefe umstritten, der Adressatenkreis( 1Petr 1, 1-2) steht jedoch fest: Diasporagemeinden von Heidenchristen im nördlichen und westlichen Kleinasien. Den Angehörigen dieser Gemeinden wurde die Zeit bis zur Wiederkehr Christi offenbar zu lang. Diese war ja von Jesus selbst „dieser Generation“ angekündigt worden. Lag hier ein Irrtum des Messias vor? Oder hatten ihn seine Apostel falsch verstanden? An der Beantwortung dieser Frage hingen alle Umstände des täglichen Lebens, die mit Vorsorge und Zukunftsplanung zu tun hatten. Offenbar war ja die Jerusalemer Urgemeinde bereits wegen der Vernachlässigung von finanzieller Zukunftsplanung in eine erhebliche wirtschaftliche Krise geraten. Wie sollte man sich verhalten? Der Petrusbrief sieht die Gefahr, dass diese Dehnung der Zeit falsch interpretiert wird (vgl. 2 Petr 3, 16). Dem wirkt der Verfasser mit einer Auslegung entgegen, die durch die Formulierung „beim Herrn ist ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag“ berühmt geworden ist (vgl. z.B. die Sage vom Mönch von Heisterbach).

Die Dehnung der Zeit wird so doppelt erklärt: Zum einen als Wahrnehmungsproblem. Menschliche Wahrnehmung und göttliche Wahrnehmung unterscheiden sich so, dass die Grenzen der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit überschritten werden. Zum anderen wird die für den Menschen erfahrbare Dehnung der Zeit als Zuwendung Gottes gedeutet. Sie ist Teil des umfassenden göttlichen Heilswillens, der „nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass sich alle bekehren“

Damit ist die Zeit in eine neue Qualität gesetzt. Sie ist nicht mehr langsam dahinziehende Wartezeit, sondern aktiv zu nutzende Bewährungszeit. „Eilen wir uns, die Menschen zu lieben, sie gehen so schnell“, schrieb der polnische Dichterpriester Jan Twardowski.

Wird aber das Leben der Christen damit nicht in eine ungestüme Hektik verwandelt, erst recht vor dem Hintergrund, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb? (3, 10 vgl. das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen). Bestärkt wird dieser Eindruck von Vers 11 f.: „...wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen!“. Im Vers 14, der nicht mehr zum Lesungstext gehört, heißt es allerdings: „Weil ihr das erwartet, bemüht euch darum ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden.“

Der neue Himmel und die neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt und die uns am Ende der Zeiten als Ziel unserer Sehnsucht erwarten sollen, sind nach diesem Text sowohl Ergebnis der Beschleunigung des Menschen als auch des apokalyptischen Eingriffes Gottes. In dieser Spannung zwischen die Gerechtigkeit beschleunigender Aktion und ihr Herbeikommen ersehnender Kontemplation ist christliches Leben seitdem eingespannt.

Zwischen dringendem Handeln und betrachtendem Wartenkönnen

Auch in der Betrachtung von Umweltentwicklungen haben wir es mit Zeiträumen zu tun, die die menschliche Vorstellung übersteigen. Es fällt Menschen schwer, sich Zeit über die Dimensionen der eigenen Lebenszeit vorzustellen. Langfristiges Denken endet bei uns in einem Horizont von 30 bis 50 Jahren.

Ökologisches Denken z.B. in Fragen des CO2-induzierten Klimawandels oder der Auswirkungen von anderen heutigen Emissionen setzen ein Denken in Jahrzehnten und Jahrhunderten voraus. In der Perspektive des 2.Petrusbriefes sind dies Bewährungszeiten, die uns geschenkt sind, damit „jeder Gelegenheit haben soll, vom falschen Weg umzukehren“.

Zeiten auch längerer Dauer für Wandlungsprozesse zu nutzen, ohne sich dabei in rastloser Hektik zu überfordern, ist eine Lebenskunst, zu der das Evangelium einlädt. Die Balance zwischen fatalistischer Untätigkeit (Es ist ja sowieso alles egal) und aktivistischer Hektik (ohne mich geht nichts) hält der Petrusbrief durch das Vertrauen auf das Handeln Gottes und den Ansporn menschlicher Tätigkeit.

Zu Mt 25, 31-46:

Mt 25, 31-46 entfaltet eine große Vision vom endzeitlichen Gericht Gottes. Der König thront in der Mitte des Bildes umgeben von den Engeln und den Völkern der Erde. Letztere werden geschieden in die Gesegneten zur Rechten und die Verfluchten zu seiner Linken. Ein eindrucksvolles und zugleich eindeutiges Bild: Die Guten werden belohnt, die Bösen werden bestraft. Ob das Weltgericht von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle oder eine der vielen anderen Gerichtsdarstellungen über Kirchenportalen oder auf Kirchendecken, dieses Bild vom endgültigen Ausgleich ist uns tief eingeprägt. Der Witz dieser Gerichtserzählung liegt jedoch darin, dass die grandiose Herstellung dieses Ausgleichs mit einer Verblüffung geschieht. Weder die Guten noch die Schlechten sind sich offenbar darüber im Klaren gewesen, wie sie sich ihren gerechten Lohn verdienen. Dass sie dafür belohnt bzw. bestraft werden, wie sie sich dem Richter-Gott gegenüber verhalten haben, war zu erwarten. Dass es um Glauben oder Unglauben, um Beten oder Fluchen, um Opfern oder Gottesdienste, um Tempel oder Kirchenbesuch gehen würde, darauf waren sie vorbereitet. Aber das alles kommt überhaupt nicht zur Sprache, stattdessen geht es um : Hungernde speisen, Durstige tränken, Obdachlose und Fremde aufnehmen, Nackte kleiden, Kranke und Gefangene besuchen. Verblüffung ist die erste Reaktion auf diese Offenbarung. Letztlich geht es um eine grenzenlose Zumutung.

Primat der Tat – Menschlichkeit als Spiritualität

Was hat das denn noch mit Religion zu tun, wenn im endgültigen Ausgleich alle religiösen Übungen nicht einmal zur Sprache kommen? Was ist das für ein Gott, der am Ende nur auf ganz profane, „simple“ zwischenmenschliche Gesten schaut, dem die frommen Übungen, das heilige Tun offenbar gleichgültig sind? Ist mit so einem Evangelium denn eine Religion, eine Kirche zu machen? Man kann die ganze Geschichte des Christentums als einen solchen Versuch lesen, der heute eine geistesgeschichtlich einmalige Situation erzeugt hat: die Säkularisierung. In der säkularen Gesellschaft gibt es eine große Zahl von Menschen, die für sich entschieden haben, dass sie ohne „all das fromme Tun“ glücklich werden können. Hat Gott sich nicht mit seiner Hochschätzung des einfachen zwischenmenschlichen Handelns selber um seine Verehrung, um seinen Kult gebracht? Ist er am Ende selber die Ursache dafür, dass in der säkularen Welt gilt: „Gott ist tot“? Und könnte es nicht sein, dass der Gott dieses Evangeliums die Säkularisierung dieser Welt weniger bedauert als viele Kirchenleute, die darin Dekadenz und Abfall vom rechten Weg sehen? Sicher ist jedoch und das lässt sich aus diesem Evangelium nicht hinausinterpretieren, dass er sich über jeden freut, der Werke der Liebe und Zuneigung zu anderen Menschen vollbringt.

Von vielen Kirchenleuten wird heute befürchtet, dass angesichts der hohen Wertschätzung der caritativen Dienste der Kirche (vgl. Perspektive Deutschland / www.perspektive-deutschland.de) Kirche reduziert werden könne auf Caritas, auf ein reines Wohlfahrtsunternehmen. Kirche sollte in dieser Perspektive mehr sein als „nur“ Caritas. Hier liegt die grenzenlose Zumutung dieses Textes: am Ende zählt nur die Liebe: Caritas

Hanno Heil, Limburg

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