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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

9. Nov. 08 - 32. Sonntag im Jahreskreis / drittletzt. So. des Kirchenj.  

 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
1 Thess 5, 1-6 (7-11) Weish 6, 12-16 1 Thess 4, 13-18 Mt 25, 1-13

Der Autor geht auf die Bibelstellen der ev. Reihe VI und des kath. Evang. ein. Stichworte: Der Einsatz für Friede und Sicherheit darf nicht schlafen - Wachsamkeit, Zivilcourage (1 Thess 5); klug ist, wer vorausschauend ist - Nachhaltigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Knappheit an Ressourcen (Mt 25)

 

 

Historische Bedeutung des 09. Novembers

 

Vor 70 Jahren, in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938, wurden Hunderte von Synagogen angesteckt sowie unzählige jüdische Geschäfte geplündert und zerstört. Jüdische Bürger wurden von Nazihorden durch die Straßen getrieben, getreten und zu Tode geschlagen. Der unsägliche Schrecken dieser Pogromnacht hat sich in das geschichtliche Gewissen Deutschlands unauslöschlich eingebrannt.

 

Im Gegensatz zum dunkelsten Kapitel deutscher Vergangenheit wird der 09. November 1989 mit einem der hellsten und fröhlichsten Ereignisse der deutschen Geschichte in Verbindung gebracht. Um 17.oo Uhr beginnt die Live-Übertragung einer Pressekonferenz aus Ostberlin mit dem SED - Politbüromitglied Günter Schabowski. Kurz vor Ende zieht er einen Zettel aus der Tasche und liest vor: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (...) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt." Noch in dieser Nacht werden aufgrund dieser Worte Deutsch-Deutsche Grenzübergänge zu Orten ausgelassenen Feierns und das, was für unmöglich angesehen wurde, nahm seinen Anfang, nämlich das Ende jahrzehntelanger Trennung und Spaltung, der Mauerfall und schließlich die Wiedervereinigung Deutschlands.

 

Exegetische Anmerkungen zu den Bibelstellen:

 

1 Thess 5, 1-6 (7-11): Allgemeine Anreden in Schreiben werden heutzutage selbstverständlich mit „Damen und Herren“ begonnen. Irritierend ist für den ein oder anderen, wenn biblische Lesungen mit „Brüder“ beginnen, wie in der heutigen Lesung, als wenn die „Schwestern“ nicht angesprochen wären. Dazu sei heute gesagt, dass das griechische Wort „Adelfoi“ in androzentrischer Sprache sowohl exklusiv für Brüder als auch generisch für Geschwister verwandt werden kann. Und da die urchristliche Gemeinde aus Männern und Frauen bestand, ist die Verwendung des Wortes „Geschwister“ anstatt „Brüder“ sinnig, womit klar ist, dass beide Geschlechter zu Beginn angesprochen sind.

 

Das, was Paulus in diesem Kapitel schreibt, ist für die Gemeinde „in der Sache klar“. Es geht ihm um eine Bestärkung im Glauben und somit um Trost. Jedoch reicht das noch nicht, denn das Warten auf den „Tag des Herrn“, also die Zwischenzeit bis zu seiner Wiederkunft, will gelebt und gestaltet werden. Paulus lenkt damit die Aufmerksamkeit auf das konkrete Leben. Im Mittelpunkt steht aber auch die Ungewissheit im Hinblick auf den Zeitpunkt des Endes. Erwähnt sei noch, dass das Bild vom „Dieb in der Nacht“ die neutestamentliche Kurzform für die Unvorhersehbarkeit des jüngsten Tages ist.

 

Mt 25, 1-13: Das Matthäusevangelium wurde schon oft als Handbuch für Jesus und seine Lehre bezeichnet. So gesehen treffen wir auf ein typisches Bild für unsere Beziehung zu Jesus Christus. Er ist der Bräutigam, wir (Kirche) sind die Braut, was ein geläufiges Bild für die messianische Zeit und die wartende Gemeinde war. Zu den zentralen Begriffen der Bibelstelle gehört das Öl. Dabei handelt es sich nach William Kelly (vgl. Literaturliste) um den Heiligen Geist, der in uns Christen wohnt. Wachsamkeit ist zwar die zentrale Aufforderung des Textes, aber was nützt sie, wenn kein Öl mehr da ist?

Predigtskizze: Wie will ich Leben?

 

Lebensentwürfe und Konzepte sind individuell und verschieden. Die Frage nach dem Richtig oder Falsch lässt sich nur schwer, wenn überhaupt, beantworten. Patentrezepte gibt es trotz Supernanny´s nicht. Entscheidend ist wohl, dass jeder seinen eignen und unverwechselbaren Weg finden muss.

 

Dennoch gibt es und muss es Dreh- und Angelpunkte, Meilensteine und manchmal auch Stolpersteine im Leben aller geben. Die Geschichte lehrt fast immer schmerzlich, was es zukünftig zu vermeiden gilt und was aus der Vergangenheit zu lernen ist.

 

Die Bibel ist voll von Vergangenheitsbewältigungen. Dementsprechend ist es nur allzu verständlich, dass die biblischen Autoren immer wieder in mahnender Weise den Zeigefinger erheben. „Das Ende der Tage, der Tag des Herrn, der Tag des jüngsten Gerichts, die Ankunft des Bräutigams …“ sind Chiffren für das Zeitfenster des Lebens, das jedem von uns vorgegeben ist und dessen Rahmen wir nicht kennen.

 

Die Frage, wie wir leben wollen, ist nämlich eine endliche Frage. Eine Frage, die wir in den endlichen Grenzen unseres Lebens beantworten müssen und die Auswirkungen hat auf unser zukünftiges Leben bei Gott und das Leben nachfolgender Generationen. So gesehen hat alles was wir tun, aber auch das, was wir nicht tun, Konsequenzen.

 

Falsch und unverantwortlich ist es jedoch im Hinblick auf eine Entscheidungssituation mit Ängsten zu operieren. Denn Angst ist im eigentlichen Sinn kein guter Ratgeber, da es im Grunde auf Überzeugungen ankommt, die aus Einsicht resultieren sollten. Angst vor Strafe mag pädagogisch lange mit Erfolg propagiert worden sein, nach dem Motto: „Wer nicht hören will, muss fühlen“, aber wünschenswert ist vielmehr das Handeln aus Einsicht.

 

Doch was ist das Richtige und Gute, nach dem wir Leben sollen? Die Bibel schenkt uns heute in den beiden Lesungstexten wertvolle Anregungen, wie wir unser Leben besser und nachhaltiger leben können. Die Umsetzung des Geforderten kann uns aber auch anderen zum eigentlichen Gewinn des Lebens werden.

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte:

1. Der Einsatz für Friede und Sicherheit darf nicht schlafen (1 Thess 5, 1-6 (7-11))

Wer je Opfer eines Einbruchs oder Gewaltverbrechens geworden ist, weiß um Leid, Schrecken und Verlust, der daraus resultiert. Im einen Moment denkt man an nichts Böses und im anderen Moment wird man von der Realität schier überrollt. So sehr der Traum vom Guten und vom Frieden in der Welt lebendig gehalten werden muss, so sehr gilt es aber auch, nicht die Augen vor einer oftmals brutalen Realität zu verschließen. Unrecht, Gewalt und Terror schlafen nie. Sie schleichen sich an, wie ein Dieb in der Nacht. Wir müssen dem Bösen die Stirn bieten. Biblisch ist hierbei vom Panzer des Glaubens und der Liebe und vom Helm der Hoffnung und des Heils die Rede. Übersetzt kann das heute bedeuten, dass wir zur Sicherheit aller eine gerechte, faire und entschiedene Rechtsprechung brauchen. Wir brauchen offene Augen und Ohren gegenüber Diskriminierungen und Anfeindungen, die vor unseren Haustüren geschehen. Wir brauchen ein Herz, das den Mund aufmacht und einen Kopf der einschreitet, wenn uns und allen anderen (z.B. einer greisen Nachbarin, dem Farbigen von nebenan, dem Kind von der anderen Straßenseite …) Leid droht.

Es braucht aber ebenso in unserer Gesellschaft feinfühlige Wachsamkeit gegenüber dem Guten. Gegenüber einem liebevollen Wort, einem aufrichtigen Händedruck und einer wohltuenden Umarmung. Gegenüber Menschen, die es gut mit uns meinen und sich für andere einsetzen. Schließlich braucht es ein Gespür gegenüber Gott und dem, was er uns auf unseren Lebensweg mitgeben möchte, nämlich Liebe, Vertrauen, Mut und eine Hoffnung auf ein neues und verwandeltes Leben bei ihm.

 

2. Klug ist, wer vorausschauend ist (Mt 25, 1-13)

Wenn uns das Öl ausgeht, dann ist das gelinde ausgedrückt ärgerlich, nicht nur beim Autofahren, sondern vielmehr noch im biblischen Gleichnis über die zehn Jungfrauen. In dieser Stelle aus dem Matthäusevangelium geht es im Kern um die Frage, ob ich auf das vorbereitet bin, was kommt. Wäge ich die möglichen Konsequenzen meines jetzigen Handelns im Hinblick auf die Zukunft ab? Habe ich meine Ressourcen im Blick? Wenn ich eine der Fragen mit Nein beantworten muss, dann können gehörige Probleme auf mich zukommen und ich werde je nach Ausgang als klug oder töricht bezeichnet.

 

Wenn wir nun in einem Gedankenexperiment die Geschichte der Jungfrauen mit ihren Öllampen auf die Verteilungssituation des Rohstoffs Erdöl übertragen, dann kommen wir zu folgender Situation. Die Erdöl exportierenden Länder wären dann quasi die fünf klugen „OPEC-Jungfrauen“ die vermeintlich alle Trümpfe in der Hand hielten, weil sie für ihre Lampen genügend Öl haben. Der Haken ist allerdings dabei nur, dass sie im eigentlichen Sinn noch nicht wirklich klug sind, nur weil sie (momentan noch) viel Öl besitzen. Die fünf „Nicht-OPEC-Jungfrauen“ sind dann Länder, die natürlicher Weise kein Erdöl besitzen. Sie können aber nicht einfach töricht genannt werden, weil sie nichts dafür können, dass es bei ihnen kein Öl zu finden gibt. Wer ist nun wirklich klug und wer ist wirklich töricht? Folgende Fragen, müssen wir uns deshalb gefallen lassen:

 

Wie verschwenderisch gehe ich mit meinen Ressourcen um?

 

Was mache ich mit dem erwirtschafteten Geld?

 

Wie viel Öl brauche ich wirklich?

 

Gibt es nicht umweltschonendere Alternativen, wenn es im Eigentlichen ja nur darum geht, dass das Licht nicht ausgeht?

 

Die Frage nach dem klugen oder törichten Handeln wird erst in Zukunft entschieden werden. Alle Staaten sind gut beraten, gut zu überlegen, was sie tun wollen und was sie verantwortet dann wirklich tun. Ressourcen wie z.B. Öl, aber auch Gas, Wasser und fruchtbares Land, stehen nicht unendlich zur Verfügung. Jeder sollte das wissen, obwohl man bei manchen den Eindruck gewinnen könnte, dass sie so leben, als wenn es kein Morgen gäbe. Klug ist, wer vorausschauend ist. Der schnelle Mammon, der schnelle Profit, machen viele blind für kluge Entscheidungen, die erst langfristig Früchte bringen. Sie vergessen dabei, dass die große Abrechnung bzw. die Zeche wahrscheinlich erst ihre Kinder oder Kindeskinder zahlen müssen. Biblisch gesehen wird der Offenbarungseid mit der Ankunft des Bräutigams fällig. Auf diesen Moment haben alle zwar hingefiebert, um das Freudenfest feiern zu können, aber auch dort gibt es nicht nur Gewinner. Der große Wermutstropfen besteht nämlich darin, dass sich die Hälfte der Jungfrauen selbstverschuldet ins Abseits manövriert hat.

 

Der Unterschied für uns heutige Menschen liegt allerdings darin, dass die Verschwendung, Ignoranz und Geldgier der Törichten das Leben aller (der Törichten und Klugen) zerstören kann. Zu hoffen bleibt also, dass sich Einsicht und Weitblick bei allen durchsetzen, damit wir nicht alle irgendwann am Ende die Dummen sind.

 

Thomas Stephan, Bruchsal

Literatur/ Quellen:

Schott-Messbuch (A). Freiburg-Basel-Wien 1983.

Regula Grünenfelder: Ermächtigung 5: Wach und in Kontakt wie eine Schwangere

John Nelson Darby. Betrachtung über den 1. Thessalonicher (Synopsis); http://www.bibelkommentare.de

Julius Schniewind. Das Neue Testament Deutsch. Das Evangelium nach Matthäus. Teilband 2. Göttingen 1964.

William Kelly. Einführende Vorträge zum Matthäusevangelium. aus: „Lectures Introductory to the Study of the Gospels”. Winschoten. Niederlande 1970 (übersetzt von J. Das).; http://www.bibelkommentare.de

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