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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

2. Nov. 08 - 31. Sonntag im Jahreskreis / 24. Sonntag nach Trinitatis  

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Pred 3, 1-14 Mal 1, 14b - 2, 2b.8-10 1 Thess 2, 7b-9.13 Mt 23, 1-12

Der Autor betrachtet den Predigttext der ev. Reihe und die beiden kath. Lesungstexte. Stichworte: was ist gerade in meinem Leben „dran“ – was sollte „dran“ sein – auch gesellschaftlich, es ist an der Zeit: Klimaerwärmung, Umgang mit Ressourcen (Pred 3); Reden auch Taten folgen lassen, Beschwichtigungsrhetorik, eigene Scheinheiligkeit (Mal 1)

Prediger 3, 1-14

Der 24. Sonntag nach Trinitatis steht evangelischerseits unter dem Leitbild „Zeit des Todes – Zeit des Lebens“. Um das Thema „Lebenszeit“ geht es auch im bekannten Text aus dem Buch des Predigers, der für diesen Sonntag vorgeschlagen ist.

Der Text bietet sich natürlich erst einmal an, um ihn sehr individualistisch auf die Lebenserfahrung der einzelnen Predigthörer zu beziehen. Sehr poetisch fasste er Lebenserfahrungen und Lebensfragen der Menschen in Worte und stellt – ohne sie ein einziges Mal zu formulieren zwischen den Zeilen an uns die Frage: „Was ist bei dir gerade dran im Leben?“

Doch sobald man diese Frage beantwortet, stellt sich sogleich die nächste: „Was hindert mich eigentlich daran, das zu tun, was in meinem Leben gerade dran wäre?“ Und hier schon weitet sich der Blick über das rein individualistische hinaus, denn was Menschen an der Verwirklichung dessen hindert, „was dran wäre“ sind vielfach gesellschaftliche Faktoren, die mit Themen wie Arbeitslosigkeit, Zukunftsängsten, Armut und Gerechtigkeit zu tun haben.

„Was gerade dran ist“, ist nicht nur eine Frage an das Individuum, sondern stets auch eine gesellschaftliche Frage, die zunehmend globalisiert zu stellen ist.

„Was ist an der Zeit“ angesichts einer kaum mehr zu leugnenden Klimaerwärmung mit all ihren verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt?

„Was ist an der Zeit“ angesichts knapper werdender Rohstoffe in denen Recycling zunehmend mehr wird, als eine romantische Idee einiger Umweltbewegter?

„Was ist an der Zeit“ angesichts eines stetig wachsenden Energiebedarfs bei gleichzeitig immer weniger und teurer werdenden fossilen Brennstoffe?

Doch gleichzeitig zu diesen immer drängender werdenden globalen Zukunftsfragen, ist ein zunehmender Rückzug ins Private zu beobachten. Diese Gegenbewegung zu der weltpolitischen Auseinandersetzung mit Fragen der nachhaltigen Zukunfstsicherung, die eigentlich „an der Zeit wäre“ kann auch als Resignation vor einer Globalisierung verstanden werden, der sich viele ohnmächtig ausgeliefert fühlen. Die Regeln hinter diesen Entwicklungen sind für den Einzelnen kaum mehr durchschaubar und werden deshalb als so unveränderbar empfunden, dass die Gesetze des Marktes fast schon physikalischen Naturgesetzen gleich unumstößliche Gültigkeit beanspruchen.

Die Frage, ob es nicht einmal „an der Zeit“ wäre, den weltweiten Wachstumswahn ökologisch und ökonomisch kritisch zu hinterfragen, wagt kaum noch jemand zu stellen, will man nicht als hoffnungslos weltfremd gelten.

Diese Entwicklung kann auf Grundlage unseres Predigttextes durchaus kritisch gesehen werden:

Menschliche Existenz ist im Gegensatz zur Ewigkeit Gottes immer geprägt von Vergänglichkeit. Die Frage nach Nachhaltigkeit, also nach dem, was in aller Vergänglichkeit Bestand hat, findet der Glaube nur in Gott beantwortet. Damit steht man als Prediger oder Predigerin mit diesem, vor allem bei Beerdigungen sehr beliebte Predigttext, leicht in der Gefahr, auch noch religiös der eben beschriebenen Resignation Vorschub zu leisten.

„Wir müssen uns in unser Schicksal fügen, denn so wie es uns trifft, ist es von Gott geschickt. Lernen wir, das Beste daraus zu machen!“ Dagegen gilt es heraus zu arbeiten, dass gerade die Vorläufigkeit der menschlichen Existenz die Voraussetzung für ihre Gestaltbarkeit darstellt.

Andererseits ist es die Ahnung um die Ewigkeit, die wie der Prediger sagt von Gott in das Herz des Menschen gelegt ist, die uns nach Beständigem suchen und sehnen lässt.

„Zeitlichkeit der Schöpfung im Horizont der Ewigkeit des Schöpfers gestalten“ so könnte man die Aufgabe christlicher Ethik beschreiben, vor die wir immer wieder gestellt sind.

Maleachi 1, 14b-2,2b.8-10

Der Text aus dem Propheten Maleachi ist im Zusammenhang mit der Evangeliumslesung Mt 23, 1-12 zu sehen. Beide Texte beleuchten kritisch die besondere Verantwortung religiöser Leitfiguren, besonders unter dem Aspekt der Authentizität. Glaubwürdigkeit hängt ganz entscheidend damit zusammen, ob die Wortführer ihren Reden auch entsprechende Taten folgen lassen. Das gilt nicht nur für die hier besonders angesprochenen Priester, sondern allgemein für jeden, der in einer wie auch immer gearteten Funktion Verantwortung übernimmt.

Ein möglicher Predigtansatz scheint mir die typisch menschliche Tendenz zu sein, es mit der Authentizität von Reden und Handeln nicht ganz so genau zu nehmen, sondern sich durchzumogeln, in der Hoffnung, dass es schon gut gehen wird und nicht weiter auffällt. Diese Einstellung finden wir heute leider überall. Einer immer gleichen Liturgie folgend, wollen uns Politiker nach jedem „Großschadensereignis“, wie man Katastrophen neuerdings nennt, weiß machen, dass so etwas bei uns nicht, oder ab jetzt nie mehr passieren kann, weil man alles im Griff habe. Doch mehr und mehr fangen die Menschen an, diese ewig gleiche Beschwichtigungsrhetorik zu durchschauen und an der suggerierten Allmachbarkeit zu zweifeln.

Allerdings scheint es mir verfehlt, diesen Text zum Anlass zu nehmen, nun ausschließlich in Stammtischmanier in die allgemeine Politiker und Funktionärsschelte einzustimmen, die grundsätzlich alles schlecht redet, was „von oben“ entschieden oder verordnet wird.

In beiden Texten wird auch unser Umgang mit unserer eigenen Verantwortung und in unserer Authentizität kritisch hinterfragt.

Dabei mutet uns der Prophet die Androhung zu, dass Gott selbst dafür Sorge trägt, dass Scheinheiligkeit nicht gesegnet sein wird, sondern letztlich negativ auf uns zurück fällt.

Dieser Tun-Ergehen-Zusammenhang lässt sich unschwer auch auf ökologische Zusammenhänge übertragen und mit Beispielen untermauern, wo uns heute schon dir Folgen vergangener „Umweltsünden“ teuer zu stehen kommen.

1 Thess 2, 7b-9.13

Es sei vorweg gesagt, dass es mir nur mit beachtlichen interpretatorischen Klimmzügen möglich scheint, diesem Text Aspekte ökologischer Nachhaltigkeit abzuringen.

Würde man die Verse 5-7a hinzunehmen, könnte man eventuell unter dem Stichwort Habsucht aus Vers 5 ein auf Eigennutz ausgerichtetes Verhalten dem elterlich sorgenden Verhalten gegenüberstellen. Dieses elterliche Sorgen, dass der nachfolgenden Generation das Beste hinterlassen will, hat an sich schon eine auf Nachhaltigkeit hin ausgerichtete Tendenz, die in einer zunehmend globalisierten Welt auch ökologische Aspekte mit bedenken muss.

Allerdings muss man sich im Klaren sein, dass eine solche Auslegung sich doch recht weit von der eigentlichen Intention des Paulus entfernt, dem es vor allem darum ging, die eigenen Motive als Verkünder des Evangeliums gegen Anfeindungen zu verteidigen, die ihm eigensüchtige Beweggründe unterstellten.

Dirk Reschke, St. Ingbert

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