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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

31. Okt. 08 - Reformationstag  

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Phil 2, 12-13 Phil 1, 1-11 Lk 14, 1-6

Die Autorin betrachtet den Predigttext der ev. Reihe VI. Stichworte: lebendige Kirche, Veränderung, Erneuerung, Entscheidungen von Verantwortungsträgern – ist es gut, was wir tun, ist es auch gut für die anderen, dient es global und lokal der Gerechtigkeit und dem Frieden? (Phil 2)

Stellung im Kirchenjahr

Da der Reformationstag schon lange kein freier Tag mehr ist, finden nicht mehr überall Gottesdienste direkt am Reformationstag statt, allerdings wird wohl in den meisten Gemeinden am darauffolgenden Sonntag an die Reformation gedacht. Auch in Zeiten ökumenischer Annäherung ist es immer wieder wichtig, sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen. Der Grundsatz Martin Luthers, dass die Kirche immer zu reformieren bleibt, sollte uns auch heute noch Ansporn sein, darüber nachzudenken, wo wir etwas verändern müssen und wo wir Handlungsbedarf sehen, um dem Evangelium treu zu bleiben bzw. uns ihm wieder mehr anzunähern.

Wie viele Menschen seiner Zeit hat auch Luther intensiv darum gerungen, die Seligkeit zu finden. All seine frommen Übungen im Kloster und all seine biblischen Studien haben ihn diesem Ziel zunächst nicht näher gebracht. Obwohl er sich ernsthaft um eine Beziehung zu Gott bemüht hat, sozusagen mit Furcht und Zittern. Er selbst drückte das so aus: “Im Kloster gedacht ich nicht an Weib, Geld oder Gut, sondern das Herz zitterte und zappelte, wie mir Gott gnädig würde!”

Schließlich gelangte Luther zu der Überzeugung: wir Menschen können gar nicht aus eigener Kraft die Seligkeit erringen. Kein Mensch kann sich selbst erlösen. Wir brauchen aber auch keine Angst vor Gott und Gottes Strafe zu haben. Denn Gott liebt uns und verzeiht uns, wenn wir bereuen, etwas falsch gemacht zu haben. Es ist Gottes Gnade, die uns gerecht macht. Durch Gottes Handeln an uns sind wir gerettete, selige Menschen.

Exegetische Überlegungen

Entstehungsort und Entstehungszeit des Briefes an die Gemeinde in Philippi sind wie auch bei anderen Paulusbriefen nicht so genau feststellbar. Die Forschung streitet über die Einheitlichkeit des Textes. Die Mehrheit der Forschenden erkennt jedoch Phil 1, 1-3a als Texteinheit und Kern eines Briefes an, den Paulus während einer Gefangenschaft schrieb. Paulus weiß anscheinend von der Gemeinde in Philippi, dass sie treu und gehorsam den Weg des Evangeliums geht. In den vorliegenden Versen will Paulus wohl die Gemeinde bestärken und ermutigen, diesen Weg weiterzugehen auch ohne ihn. Wenn die Menschen weiterhin diesen Weg beschreiten und auch ohne die Anwesenheit des Paulus am Glauben festhalten, dann wird Gott ihnen helfen, erfahren wir da. Denn Gott bewirkt schon das, was sie wollen und mit Gottes Hilfe werden sie es schaffen.

Assoziationen

Zwei Poesialbumsprüche, die mir dazu spontan eingefallen sind:

· “Man muss nur wollen, daran glauben, dann wird es gelingen.“

· “Um glücklich zu sein, braucht der Mensch eine Aufgabe, einen geliebten Menschen und eine große Hoffnung”,

Darum geht es in der Kirche Jesu Christi, dass Menschen heil werden, dass sie selig werden.

Vermutlich können heutige Kinder und Jugendliche nicht so recht verstehen, was mit dem Ausdruck “selig” gemeint ist. Dieses Wort kommt in unserer normalen Umgangssprache nicht mehr vor. Wir gebrauchen es vielleicht noch in Zusammenhängen wie: seine Lippen umspielte ein seliges Lächeln oder auch eher spöttisch in Redewendungen wie: Wer’s glaubt, wird selig! Im Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache können wir lesen: Selig ist die altgermanische Weiterbildung eines älteren Adjektivs, das noch in glückselig, gültig, tauglich erscheint und bedeutet: glücklich, wohlgeartet, gut, gesegnet, heilsam. Dieses Wort bezeichnet also das Glücklich- und Heilsein, das Menschen anstreben, die an Gott glauben und im Sinne Jesu leben wollen. Glücklich sein, das wollen wir alle, wir suchen nach Möglichkeiten, ein glückliches, erfülltes Leben zu führen. Menschen brauchen eine Aufgabe, ein Ziel, das ihrem Leben Sinn gibt. “schaffet, dass ihr selig werdet” Das ist die Aufgabe, das Ziel, auf die uns der Text hinweist. Und nach der Meinung des Paulus können wir es schaffen. Denn er ist davon überzeugt, dass Gott uns selig macht und in uns wirkt, von Anfang bis zum Ende. Das ist doch gut zu wissen in einer Zeit, in der so viele Angebote da sind, die uns den Weg zum Glück, zur Seligkeit zeigen wollen. Da ist es wichtig, sich in Erinnerung an unsere Vorväter und - mütter einmal wieder zu besinnen auf das, was zur Zeit der Entstehung unserer evangelischen Kirche wichtig war.

Predigtthema

Wie Menschen heil und selig werden können.

Bezug zur Nachhaltigkeit

Leistung bedeutet nicht alles. Seligkeit können wir nicht schaffen, sie kommt nicht aus Menschenhand. Wir können sie nur von Gott geschenkt bekommen. Und das ist für uns heute immer noch eine gute, erlösende Nachricht. Auch unsere Kirche muss immer wieder reformiert, d.h. erneuert werden. Auch heute ist es notwendig zu überlegen, wo etwas verändert werden muss, damit wir das Ziel wieder deutlicher vor Augen haben. Was sich nicht verändert, was stehen bleibt, das ist tot. Wir wollen aber doch eine lebendige Kirche, die sich auseinandersetzt mit den Fragen unserer Zeit, die offen ist für Neues und Anregungen von außen ernst nimmt und überprüft. Bei aller Offenheit muss aber auch immer klar sein, was die Grundlagen sind, die nicht zur Disposition stehen. Nämlich: Gott liebt uns und ist bei uns, was immer auch geschehen mag. Gott will uns dazu verhelfen, glücklich zu sein und hat uns in der Bibel den Weg dazu gezeigt.

Reformation ist kein einmaliges abgeschlossenes Ereignis irgendwann in der Vergangenheit. Nein - Erneuerung unserer Kirche - das ist etwas, was andauernd notwendig ist und bleiben wird. Dazu gehört, sich immer wieder bewusst zu machen, dass Gottes Liebe da ist als Grundlage und als Maßstab für unser Leben. Wir können uns Gottes Liebe nicht verdienen, indem wir gute Werke tun. Sondern weil Gott uns liebt, können wir Gutes tun. Daraufhin müssen auch alle Entscheidungen, die wir treffen überprüft werden. Dient etwas zum Guten? Ist es dem Leben förderlich? Wird dadurch Gottes Liebe spürbar für alle Lebewesen auf dieser Erde? Wird in unserem Handeln Gottes Gerechtigkeit und Frieden erfahrbar für alle Kreatur? Haben auch andere die Möglichkeit Heil und Seligkeit zu erlangen, Glück zu erfahren oder graben wir ihnen ihre Lebensmöglichkeiten ab? Dieser Prüfung müssen Entscheidungen unserer Kirchenleitung oder unseres örtlichen Presbyteriums standhalten, aber auch der politischen Entscheidungsgremien und der Wirtschaft. Reformation heute heißt, unseren Einfluss so gut wie möglich geltend zu machen, um aller Welt zu zeigen, dass Gott Heil für alle will. Wir brauchen uns aber auch um unsere Kirche nicht zu sorgen und auch nicht um unsere Seligkeit. Gott selbst wird die Kirche und uns alle erhalten. Gott wird in uns wirken und dadurch unser Heil bewirken.

Literatur:

Winfried Lenzen, in: Gottesdienstpraxis, VI,4, Gütersloh 2002

Sheila Briggs in Kompendium: Feministische Bibelauslegung, Hg.: Schottroff/Wacker, Gütersloh 1998

Martina Horak-Werz, Gommersheim

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