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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

12. Okt. 08 - 28. Sonntag im Jahreskreis / 21. Sonntag nach Trinitatis  

 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
1 Kor 12, 12-14.26-27 Jes 25, 6-10a Phil 4, 12-14.19-20 Mt 22, 1-14

Die Autorin betrachtet alle genannten Predigtperikopen des Tages. Stichworte: lebenverachtende Tiertransporte, bewußt konsumieren – wissen, was wir woher kaufen, Zusammenhänge erkennen und kommunizieren (1 Kor 12); Umgang mit Zeit und Prioritätensetzung, geistig-seelische / materielle Akzente (Jes 25, Mt 22); Entbehrungen ertragen können ist nur ein erster Schritt, die gewonnenen Kräfte sind auch anschließend einzusetzen (Phil 4)

 

 

 

1 Kor 12, 12-14.26-27

 

Paulus betont in diesem Abschnitt an die Gemeinde in Korinth die Vielfalt der Gaben einer Gemeinde. Die Bilder sind bekannt und vertraut: ein Leib – viele Glieder/ wenn einer leidet, leiden alle. Sie legen Gedanken auf verschiedene Aspekte von Nachhaltigkeit nahe:

 

· Wir sind in einen größeren Zusammenhang eingebunden. Wenn Teile der Schöpfung leiden, leiden alle. Hier gebietet die biblische Schöpfungstheologie den Einbezug unserer„älteren Brüder und Schwestern“, der Tiere, die mit Mann und Frau am gleichen Schöpfungstag ins Dasein gerufen wurden. Zwar weisen sie Unterschiede zur Spezies „Mensch“ auf. Im Blick darauf, dass sie aber ein Teil der Schöpfung vor Gott sind, stehen sie mit den Menschen auf gleicher Ebene. Ähnliche Gedanken legen sowohl das Alte Testament (Pred 3: „Sie haben alle den gleichen Atem“) als auch Paulus selbst in Röm 8 nah: „Die ganze Schöpfung seufzt...“ Jeder hat eine andere Aufgabe, alle sind Teil eines Ganzen, im Ursprung so angelegt, dass keiner auf Kosten des Anderen lebt (Gen 1). Eine umfassende Vorstellung von Schalom.

 

· In Christus sind alle verbunden und die Unterschiede, die für uns oft an Bedeutung gewinnen, fallen auf eine andere Ebene: Juden - Griechen/ Sklaven - Freie. Die Reihung kann ergänzt werden: Manager - Arbeitslose/ Türken - Russlanddeutsche/ engagierte Gemeindemitglieder – Kirchenferne usw.

 

Gerade eine Woche nach dem Erntedankfest sind diese Themen noch gut aufzunehmen. Ziel einer Auslegung müsste es sein, die „Ganzheitlichkeit“ des Körpers der christlichen Gemeinde zu betonen. Diese reicht heute weit über den von Paulus skizzierten Kontext der Gemeinde hinaus.

 

 

 

Assoziationen

 

· Häuptling Seattle, dessen Worte von 1854 im Kanon EG 635 „Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig“ aufgenommen sind

 

· Das Leiden und die Todesangst der Tiere, die quer durch Europa, Amerika, Australien auf LKWs und Schiffen unter qualvollsten Bedingungen zu den Schlachthäusern transportiert werden, essen wir mit, wenn wir ihr – meist billiges – Fleisch essen. (siehe www.animals-angels.de ; www.vegetarische-initiative.de ; www.tierrechte.de )

 

· Den Preis für billiges Fleisch zahlen meistens die Tiere. Ein Wort zum verantwortlichen Einkauf ohne Produkte aus Massentierhaltung wäre angebracht. Dazu sollte man/ frau nicht dogmatisch werden, sondern schlicht Fakten benennen.

 

· Der Arbeitsplatz, der nach China ausgelagert wird, führt zu Entlassungen bei uns.

 

· Das billige T-Shirt hat einen hohen Preis für die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in den Maquiladores, z.B. in El Salvador (www.saubere-kleidung.de ; www.ci-romero.de )

 

· Dorothee Sölle (aus dem Kalender „Der Andere Advent“ 2006; Rechte bei Fulbert Steffensky):

 

 

 

Als ich einmal sehr deprimiert war, hat mir ein Freund aus Holland etwas sehr Schönes gesagt:

 

„Die Leute im Mittelalter, welche die Kathedralen gebaut haben, haben sie ja nie fertig gesehen.

 

Zweihundert oder mehr Jahre wurden daran gebaut. Da hat irgendein Steinmetz eine wunderschöne Rose gemacht, nur die hat er gesehen, das war sein Lebenswerk.

 

Aber in die fertige Kathedrale konnte er nie hineingehen.

 

Doch eines Tages gab es sie wirklich.

 

So ähnlich musst du dir das mit dem Frieden vorstellen.“

 

 

 

 

 

Perikopen der kath. Leseordnung:

 

 

 

Die Texte Jesaja 25 und Mt 22 bieten die Nachhaltigkeit unter einem ganz anderen Gesichtspunkt an: wie gehen wir mit Zeit und mit Prioritäten in unsrem Leben um?

 

 

 

Sie nehmen den Gedanken des Festes auf, zu dem Gott einlädt. Diese Einladung führt bei Mt dazu, dass sich die Adressaten während des Einladungsprozesses völlig verändern. Die ursprünglich Eingeladenen verplempern ihre Zeit mit ihren Alltagsgeschäften. Schließlich platzt dem Gastgeber der Kragen. Den Gott, der in Zorn gerät, lässt das NT sonst eher spärlich durchblicken, aber Mt bringt das Thema gleich mehrfach (vgl. Vertreibung der Händler aus dem Tempel).

 

 

 

Eine nachhaltige Predigt könnte am Umgang mit unserer Zeit anknüpfen. Wie setzen wir unsere Prioritäten im Leben? Kommen wir erst dann zum „Eigentlichen“, wenn die Alltagsgeschäfte erledigt sind? Wir wirkt sich das auf das Sabbatgebot aus, die Ladenschlusszeiten? Da die ursprünglich Eingeladenen andere Termine haben, kommen am Schluss ganz Andere: aus den Straßen und Gassen; Böse und Gute; Kirchennahe und –ferne etc.

 

 

 

Spannend: durch die Erweiterung der Einladung ist nicht etwa das Niveau gesunken! Auch diese „Neuen“, „Anderen“ sind dem Gericht unterworfen und müssen sich z.B. dem Anlass entsprechend kleiden. Die innere Haltung muss äußerlich sichtbar werden. Dies ist eine Weiterführung gegenüber Mt 21, 28-32 und Mt 21, 33-44

 

 

 

 

 

Phil 4, 12-14

 

Gegenüber der Gemeinde in Philippi betont Paulus, dass er ihre Fürsorge für ihn hoch schätzt. Zwar kann er sich in jedem Extrem zurechtfinden: ob es darum geht Entbehrungen zu ertragen oder im Überfluss zu leben; ob er satt ist oder Hunger leidet, alles vermag er durch Christus. Das ist eine Qualität gelebter Spiritualität. Sie darf aber nicht zum Appell werden, alles auszuhalten! Sondern sie muss Kräfte freisetzen, gegen Unrecht aufzustehen.

 

 

 

 

 

Literatur

 

Preuß/ Berger, Bibelkunde des Alten und Neuen Testaments, Heidelberg 1980

 

Schrage, Wolfgang, Ethik des Neuen Testaments, Göttingen 1982

 

Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2006

 

Annette Herrmann-Winter, Michelstadt

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