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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

7. Sep. 08 - 23. Sonntag im Jahreskreis / 16. Sonntag nach Trinitatis 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Hebr 10, 35-36 (37-38) 39 Ez 33, 7-9 Röm 13, 8-10 Mt 18, 15-20

Der Verfasser betrachtet den zweiten Lesungs- und den Evangeliumstext der kath. Leseordnung. Stichworte: die Natur – wieder – als Teil der Schöpfung wahrnehmen, Urlaubserinnerungen, Beziehungen – auch zu Gott – in denen wir stecken (Röm 13); Umgang mit Umweltsündern (Mt 18)

Predigtsituation

Der 23. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) der katholischen Leseordnung fällt in diesem Jahr in den beginnenden September – eine Zeit, die geprägt ist von frühherbstlichem Umbruch. Die Sommerferien sind in den meisten Bundesländern bereits vorbei; die Urlaubsstimmung wandelt sich zum alltäglich wiederkehrenden Trott der Arbeit. Viele Menschen sehnen sich zurück nach der Ruhe und der Entspannung des j vergangenen Urlaubs.

Die Natur rüstet sich zum letzten Aufblühen vor der Ernte – entgegen der vielen Überbleibsel von Urlaubern, die längst in die Heimat zurückgekehrt sind, um am geliebten Ferienort nichts anderes zurückzulassen als gebrauchte Taschent und zerbeulte Dosen – und vielleicht in manchen Menschen die Erinnerung an eine gute gemeinschaftliche Zeit.

Exegetische Hinweise zu Röm 13, 8-10

Die für den 23. Sonntag im Jahreskreis A (katholische Leseordnung) vorgesehene Perikope findet sich im vierten Teil des Römerbriefes. Dieser gesamte Teil hat den Charakter einer Paränese bzw. Paraklese. Gerade Kapitel 12 und 13 enthalten allgemeine Mahnungen und Weisungen, jedoch ohne Bezug zu einer bestimmten Zielgruppe (wohingegen Kapitel 14 und 15 sich auf konkret bestimmte Gruppen des römischen Volkes beziehen). Die inhaltliche Verbindung von Kapitel 12 und 13 stellt der Gedanke der auszufaltenden αγάπη als Erfüllung des νόμος dar.

Der Predigttext beginnt direkt mit der Aufforderung, niemandem etwas schuldig zu bleiben – außer der Liebe, die jeder jedem zu jeder Zeit schulde. Hiermit greift der Text inhaltlich auf Röm 12,9 zurück, um den Grundgedanken der Liebe zu verstärken; Paulus betont das Liebesgebot ausdrücklich als Zentrum und Ziel der Botschaft des christlichen Glaubens. Insofern sei die Liebe, wie er in V8b sagt, die Erfüllung des Gesetzes; bzw. in der αγάπη, die den Glauben voraussetzt, werde das Gesetz aufgerichtet (vgl. auch Röm 3,31). Dies wird auch in V9 verdeutlicht, in der sich Paulus auf das sechste, fünfte, siebte und neunte/zehnte Gebot bezieht (zitiert nach der zweiten Tafel des Dekalogs Ex 20,13-17 und Dt 5,17-21); als Beispiele für die gelebte Liebe werden die Gebote angef Jede der sittlichen Forderungen der Tora wird so zusammengefasst in der αγάπη, im Gebot der Liebe.

V10 stellt noch eine sachliche und allgemeine Begründung der Mahnung zur gegenseitigen Liebe dar: Sie fügt dem Nächsten nichts Böses zu. Gerade hier wird durch das sprachliche Mittel des Chiasmus (= Spiegelung / das Wort αγάπη steht am Anfang und am Schluss des Satzes) ausgedr dass die αγάπη wortwörtlich das letzte Wort des Aufrufs des Erbarmens Gottes und der dem Apostel gegebenen Gnade ist. Unumstößlich soll die αγάπη als Vollsinn des Gesetzes über allem stehen.

Predigtimpulse zu Röm 13, 8-10

„Christen? Das sind doch die, denen alles vorgeschrieben ist und die sich doch nicht daran halten!“ Diesen Vorwurf muss sich ein Christ je nach Umfeld in der heutigen Zeit gefallen lassen. Wie verbreitet ist doch das Vorurteil, dass man als Christ Duckmäuser der Kirche/der Bibel/des Pfarrer/des Papstes sei, sich am bloßen Gesetzesbuchstaben orientieren, aber hinterrücks doch über den Nächsten herziehe.

Doch wie oberflächlich ist dieser Blick auf den Glauben und den Menschen, der sich zum Christentum bekennt! Gerade in Röm 13,8-10 wird deutlich: Die Grundlage für alles Tun eines an Gott glaubenden Menschen ist die Liebe, von der alles ausgeht, die im Zentrum steht, und zu der hin sich alles vereinigt. Wenn der Christ liebt, wird sich dies auch in seinem Umgang mit Gott, mit den Menschen und der Welt ausdrücken. Gerade in V 8 betont Paulus, dass die Liebe des Menschen niemals so groß sein kann, dass damit der an den Christen herangetragene Anspruch erfüllt und die Gott und dem Nächsten geschuldete Liebe auch nur ansatzweise abgegolten werden könne.

Es wird auf diese Weise eine wechselseitige Beziehung zwischen Gesetz und Liebe deutlich, die eindrucksvoller nicht sein kann:

- Je mehr der Mensch liebt, umso mehr werden sich von innen kommende Forderungen an ihn erhöhen, denn es wird ihm ein Bedürfnis sein, sein Tun anders auszurichten.

- Je mehr das Gesetz sich durchsetzt, umso mehr Menschen bekommen die Chance und die Perspektive, sich an der Forderung der Liebe, die sich darin ausdrückt, zu orientieren.

Christen sind also nicht die gehorsamen Duckmäuser eines übermächtigen Diktator-Gottes, sondern Menschen, die sich aus freiem Willen entschieden haben, dem Anspruch der Liebe – so weit es ihnen möglich ist – zu folgen und diesen Anspruch in die Welt zu tragen und zu verbreiten.

Ökologischer Bezug

Der geschuldete Liebesanspruch, wie er in der Römerbrief-Perikope deutlich wird, bezieht sich natürlich nicht nur auf das Verhalten gegenüber Gott und den Menschen, sondern auch auf den Umgang mit der Natur. Nimmt der Mensch die Natur als Teil von Gottes Schöpfung ernst, dann gehört auch dazu, dass er dementsprechend mit ihr umzugehen weiß und umgeht.

So könnte und sollte es für den Christen ein besonderes Zeichen seiner αγάπη sein, dass er nicht nur dem Nächsten seine Hochachtung im Verhalten erweist, sondern sich auch gegenüber der Natur mit dem ihr gebührenden Respekt nähert und diese so pflegt, wie es im biblischen Auftrag Gottes an den ersten Menschen grundgelegt ist: „Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde.“ (Gen 1, 29)

Wenige Wochen vor Erntedank könnte eine Verbindung hergestellt werden von Liebe und Dank gegenüber dem, was Gott alles so wunderbar geschaffen hat und woran wir uns erfreuen können. Die Urlaubszeit hat uns wieder die Natur näher bringen können und auch die Liebe zu ihr verstärkt. Dankbar schauen wir zurück; dankbar auch nach vorne, um dem Schöpfer, der uns liebt, für seine Schöpfung zu danken.

Exegetische Hinweise zu Mt 18,15-20

Der vorliegende Predigttext entstammt dem Mittelteil des Matthäusevangeliums, in dem es nach der Beschreibung der Kindheit Jesu um die Verkündigung des Inhaltes der Botschaft und die Unterweisung der Jünger geht. Gerade zu Beginn des 18. Kapitels entwickelt sich unter seinen Jüngern ein Streit um die Rangfolge, die aufgelöst wird durch den Ermahnung Jesu, dass es nicht auf die Größe des Menschen ankomme – mehr noch, dass man wie ein Kind zu sein habe, um in das Himmelreich zu kommen. Anschließend warnt er vor der Verführung des Bösen, die radikal (z.B. durch Abhacken der Hand oder des Fußes) abgewendet werden muss. Diese Radikalit scheint durch das folgende Gleichnis vom verlorenen Schaf abgemildert zu werden. Direkt anschließend geht Jesus, nicht mehr inhaltlich in der Metapher vom Hirten und vom Schaf sprechend, darauf ein, wie man denn mit Sündern umzugehen habe. Der vorliegende Predigttext beginnt mit dem Wechsel der Anrede vom „ihr“ zum „du“ (V15). Der Abschnitt VV15-17 beinhaltet eine rechtlich geprägte Weisung, die das Verhalten zum sündigenden Bruder in der Gemeinde betrifft (= „Kirchenzuchtverfahren“). Wenn auch die Art der Sünde nicht näher spezifiziert wird, so kann man doch sagen, dass es sich um S handeln muss, die die Gemeinde bzw. die Öffentlichkeit betreffen und für diese zum Ärgernis werden. Der Schwerpunkt bei dem erwähnten Kirchenzuchtverfahren liegt allerdings nicht auf der Gemeinde, sondern auf dem Sünder, den man wieder auf den Rechten Weg f möchte und den es zu bewahren gilt. Das Kirchenzuchtverfahren beinhaltet in diesem Abschnitt die Stufen Zurechtweisung unter vier Augen – bei Unbußfertigkeit Hinzuziehen von ein bis zwei Zeugen, die der Beurteilung Nachdruck verleihen sollen (Zitat der Zeugenregel Dt 19,15) – Zurechtweisung von der Gemeine/Kirche – bei Ablehnung dessen Ausschluss des Sünders aus der Gemeinschaft. Gerade diese radikale Verfahrensweise zeigt den im Matthäusevangelium typischen Hoheitsanspruch Jesu, der allerdings seine Erdung erfährt durch den Kontext des dem Predigttext voranstehenden Gleichnisses vom verlorenen Sohn.

In diesem Zusammenhang nun schließt sich das Binde- und Lösewort an, das mit der Bekräftigung des „Amen, ich sage euch“ eingeleitet wird (V18). In der Zeit Jesu bedeutet Binden und Lösen auf die Lehre bezogen verbieten und erlauben, im Disziplinarbereich hingegen Bann und Aufhebung des Bannes. In den vorliegenden Versen steht der disziplinarische Bereich klar im Vordergrund. Die Aufkündigung der Gemeinschaft mit dem S geschieht in Vollmacht und wird im Himmel, d.h. von Gott, bestätigt. Jedoch sollte man nicht übersehen, dass mit der Lösevollmacht auch die Möglichkeit gegeben ist, einen Sünder, der einmal aufgrund seiner beharrlichen Sünde aus der Gemeinde ausgestoßen war, wieder in die Gemeinschaft zurückzuholen, sofern er (zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft) die Zurechtweisung annimmt.

In V19 schließt sich eine – ebenfalls gewichtig eingeleitete – Zusage an, die das gemeinsame Gebet betrifft. Zum gemeinsamen Gebet muss die innere Übereinstimmung der Betenden hinzukommen. Dies kann man durchaus auch auf das vorangegangene Kirchenzuchtverfahren beziehen: Die S sollen durch die Urteilenden in das Gebet mit eingeschlossen werden, damit am Ende die Bußfertigkeit erreicht wird. Gerade im jüdischen Bereich gilt die Zahl der Beter als entscheidend für die Wirksamkeit des Gebetes. Daher kann ein rabbinischer Spruch auch lauten: „Gott verachtet das Gebet der Vielen nicht“. Der abschließende Begründungssatz kann jenen zwei oder drei Menschen, die sich im Namen Jesu versammeln, seine Gegenwart verheißen. Zunächst gilt die Verheißung für das gemeinsame Gebet, sie lässt sich aber ausweiten auf jedwede Versammlung in seinem Namen. Somit steht die ganze Perikope im weiten Licht der großen ekklesialen Gemeinschaft, die Gott über sich und Jesus in ihrer Mitte weiß.

Predigtimpulse zu Mt 18,15-20

Nicht umsonst wurde die correctio fraterna von manchen mittelalterlichen Theologen höher geschätzt als persönliche Almosen, denn sie galt als gegenseitiger Akt der Liebe: Der Bruder weist in Liebe den Bruder zurecht; der Ermahnte nimmt die Zurechtweisung seines Bruders in Liebe an. In einer gottesdienstlichen Feier ausgestaltet, ist dieser Ritus (der Selbstanklage und der brüderlichen Zurechtweisung) – bis in die heutige Zeit! – Bestandteil des klösterlichen Lebens von vielen Konventen auf der Welt. Im Wesentlichen aber fußen solche in der heutigen Zeit „antiquiert“ anmutenden Zeremonien aber auf dem Gebet der Gemeinschaft miteinander und füreinander. Ähnlich wie im Kontext des Evangeliums steht der Gedanke der gegenseitigen Vergebung vornean – und das gemeinsame Gebet lässt die für viele eigentlich „peinliche“ Zeremonie mit Gottes Erbarmen ummantelt sein. Woraus aber gewinnen Christen den Mut, nun nicht nur sich selbst ihre Fehler, Unzulänglichkeiten und S einzugestehen, sondern auch den Bruder, die Schwester darauf hinzuweisen?

1. Jeder Mensch macht Fehler

„Wo Menschen sind, da menschelt es“. In diesem Sprichwort liegt viel Wahrheit, denn Menschen sind nicht perfekt; Menschen machen Fehler in ihrem Leben; Menschen haben ihr Leben nicht „in der Hand“ bzw. sind ihrer eigenen Kontingenz unterworfen. Dieses Bewusstsein, dass jeder Mensch – ohne Ausnahme! – seine Grenzen und Unzulänglichkeiten hat, lässt die Menschen eine große Gemeinschaft sein, in der jeder „im selben Boot“ sitzt.

2. Jeder Mensch braucht ein Korrektiv

Gerade wenn Menschen Fehler machen, betreffen sie damit die Gemeinschaft; sie verletzen andere Menschen, schädigen sie äußerlich und innerlich. Wie aber sollen nun Menschen einen Maßstab entwickeln, was ihnen und auch anderen gut tut, wenn sie niemals eine Rückmeldung, eine korrigierende Meinung, eine Zurechtweisung jedweder Art erhalten, die sie betrifft? Man kennt zwar in irgendeiner Weise die Gebote, doch im konkreten Leben erscheinen sie oft fremd, als Buchstaben oder Sätze, die das Leben nicht oder nur in peripherer Weise tangieren. So kann es hilfreich sein, eine Schwester, einen Bruder zu haben, der Gedankenanstöße für den weiteren Weg gibt.

3. Gott verheißt seine Gegenwart

Wenn Menschen gemeinsam beten, haben sie Gottes Zusage, dass er in ihrer Mitte sei, ernst genommen. Sie sind in der Lage, sich realistisch im Licht des erbarmenden Gottes zu betrachten. Aus dem Erbarmen und der Liebe Gottes gewinnen sie die Kraft, sich einander zu stellen und auch den Nächsten – in positiver Weise zum Guten anregend – zurechtzuweisen.

Ökologischer Bezug

In Anlehnung an das Evangelium könnte man auch fragen: Wie ist mit einem Menschen umzugehen, der sich gegen die Natur – und damit gegen den Schöpfer - versündigt, der Abfall aus dem Fenster eines fahrenden Autos wirft, der die Umwelt verschmutzt? In jedem Fall ist ein Mensch, der erkennt, dass die Schöpfung Gottes zu erhalten ist, dazu verpflichtet, zunächst einmal selbst darauf zu achten, dass er diesem Anspruch auch gerecht wird, d.h. dass er alles dafür tut, damit die Umwelt geschützt wird und weiterhin als Lebensraum von Tieren und Pflanzen erhalten werden kann. Dazu würde aber auch im Ausgangsfall gehören, dass man denjenigen, der die Umwelt schädigt, zurechtweist und energisch gegen ihn auftritt, jedoch nicht nur im Bewusstsein, rein rechtlich auf der richtigen Seite zu sein, sondern viel mehr aus Liebe zu dem, der der Zurechtweisung bedarf. Er ist es ja, der sich nicht den Schöpfungsauftrag bewusst macht; er ist es ja, der die Natur, die eine Grundlage für das Weiterbestehen der Menschheit bietet, benutzt, ohne auf die Folgen zu achten; er ist es ja, der auch das Leben seiner Kinder und Kindeskinder in Gefahr bringt.

Zur Ermahnung und Zurechtweisung gehört es daher, die Folgen des Tuns, das die Natur schädigt, in allen möglichen Varianten aufzuzeigen und zu vergegenwärtigen. Was jeder/jede tut, hat Auswirkungen auf andere. Das gilt für den moralischen Bereich, und das gilt genauso für die Schöpfung.

Wie weit diese Zurechtweisung nun gehen kann/darf/muss/soll ist sicherlich je nach Einzelfall abzuwägen, aber immer gilt es, sich bewusst zu machen, dass die Erhaltung der Natur in Gottes Willen liegt und dass es auch für die Menschheit lohnt, sich damit zu befassen.

Literatur:

Heinrich Schlier: Der Römerbrief, Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Freiburg 1979 (2. Auflage)

Joachim Gnilka: Das Matthäusevangelium 2. Teil, Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Freiburg 1988

Michael Kohlhaas, Herschbach

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