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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

3. Aug. 08  18. - Sonntag im Jahreskreis / 11. Sonntag nach Trinitatis  

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
2 Sam 12, 1-10.13-15a Jes 55, 1-3 Röm 8, 35.37-39 Mt 14, 13-21

 Der Autor betrachtet den Text der ev. Reihe und aus der kath. Leseordnung den ersten Lesungs- und den Evangeliumstext. Stichworte: Einordnung unserer Umweltsünden im Verhältnis zu Gott, erst das Erkennen der Sünde leitet die Verhaltensänderung ein (2 Sam 12); Welternährungsprobleme, egoistischer Raubbau, die Welt ist nicht so, wie Gott sie verheißt – an wem liegt das? den Propheten heute auch zuhören (Jes 55); Sättigen ist mehr als das Stillen des Hungers, unser Ernährungsstil hat unchristliche Folgen für die Welt (Mt 14)

2 Sam 12, 1-10. 13-15

Nathans Strafrede

Nathan wird von Gott zu König David geschickt. Er nennt ihm das Gleichnis eines reichen Mannes, der zur Bewirtung eines Gastes einem armen Mann ein Schaf wegnimmt. David fordert, den Mann schwer zu bestrafen. Daraufhin weist Nathan David darauf hin, dass er nicht anders gehandelt habe, als er den Uria erschlug, um sich dessen Frau zu nehmen. David bekennt seine Sünde und wird mit dem Tod seines Sohnes bestraft.

Wie sind unsere Sünden im Verhältnis zur Umwelt zu einzuordnen oder, noch komplizierter, was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun? Wenn ich Müll in den Wald kippe, wenn ich so genanntes Gammelfleisch in Umlauf bringe, dann weiß ich schon im gleichen Moment, dass ich Unrecht begehe, das bei Entdeckung entsprechend sanktioniert wird. Bin ich mir aber überhaupt einer Sünde bewusst, wenn ich viel Auto fahre, wenn ich meinen Hof asphaltiere, wenn ich Ackerschädlinge mit Chemie behandle? Sind das überhaupt Sünden? Die Zusammenhänge sind oft kompliziert und teilweise auch noch nicht erforscht. Selbst bei der Klimadebatte werden nach wie vor die Ursachen unterschiedlich bewertet. Wenn aber Ursache und Wirkung erkannt werden, so sollte wie bei David auf die Erkenntnis das Eingeständnis der (Mit-)Schuld folgen und diesem wiederum ein verändertes Handeln.

Die Geschichte handelt davon, dass Sünde als solche erkannt werden muss, damit eine Änderung im Verhalten erfolgen kann.

Jes 55, 1-3

Einladung zum Gnadenbunde Gottes

Nach der Verheißung einer neuen Gnadenzeit spricht der Prophet die Einladung zum Gnadenbunde Gottes aus. Er wird dabei ganz konkret. Wer durstig ist, soll zum Wasser gehen. Wer kein Geld hat, soll trotzdem Wein und Milch bekommen. Wer auf Gott hört, soll leben, wer einen ewigen Bund mit ihm schließt, soll Gnade empfangen.

Für unser heutiges Denken wirkt diese Einladung zunächst befremdlich. Essen und Trinken nicht bezahlen und ausreichend davon bekommen, um Hunger und Durst stillen zu können? Die Welt sieht anders aus. Menschen in Teilen Afrikas müssen täglich weite Strecken gehen, um an Wasser zu gelangen. Sauberes Trinkwasser wird zum Gut, das bis zu Konflikten zwischen Staaten führt. Im Victoriasee fischen ausländische Fangflotten nicht nur die Fische ab, sondern verarbeiten sie gleich weiter. Auf die lokalen Märkte gelangen dann die Fischreste zum Verkauf für die Ernährung der ansässigen Bevölkerung. Prognosen sagen aus, dass die großen Fischbestände der Weltmeere Mitte des Jahrhunderts nicht mehr existieren werden, wenn sich die Praxis hemmungsloser Industriefischerei nicht grundlegend ändert. Das globale gegenwärtige Wirtschaften gibt wenig Anlass zur Hoffnung, dass die Ernährungsprobleme sich auf kurze Sicht ändern werden.

Nun ließe sich möglicherweise einwenden, die Beispiele würden durch die Bibel belegt und man nimmt sich, was man braucht. Das Prinzip wird aber umgekehrt und zweckentfremdet. Es sind die Besitzenden, die sich weiterhin und immer mehr bedienen und nicht diejenigen, die nur wenig besitzen. Soziale Ungerechtigkeit wird so verstärkt. Auch in unserem Land wächst die Armut, geht die Schere zwischen reich und arm immer mehr auseinander. Kirchen und andere Organisationen weisen darauf hin und fordern größere Gerechtigkeit ein. Gleichzeitig wird soziales und diakonisches Handeln wichtiger, um Bedürftigen zu helfen. Gott spricht durch den Propheten: Hört auf mich, dann werdet ihr Gutes essen und euch an Köstlichkeiten laben. Wer sich in den Bund mit Gott begibt, dem wird geholfen. Ganz praktisch ist dies eine Aufforderung an uns Christen, zu teilen, Bedürftige nicht auszugrenzen und sich außerdem für mehr Gerechtigkeit einzusetzen.

Mt 14, 13-21

Speisung der Fünftausend

Die Speisung der Fünftausend ist eine der bekanntesten Geschichten aus der Bibel. Das Volk, das Jesus folgte, wurde mit fünf Broten und zwei Fischen gesättigt und behielt außerdem zwölf Körbe voll übrig.

Wenn wir heute durch den Supermarkt gehen, so hat sich die Angebotspalette der Lebensmittel im Vergleich zu vor fünfzig Jahren ebenfalls fast auf wunderbare Weise vermehrt. Wir sehen Ananas, Bananen, Mangos, wir können zwischen an die zwanzig verschiedenen Firmen, die Marmelade herstellen, auswählen, und wir wissen bei einigen Produkten nicht mehr, aus welchen Bestandteilen sie zusammengesetzt sind. Wir können Dinge essen, die bei uns nie angepflanzt oder hergestellt werden könnten. Zum Teil müssen wir fragen, wenn wir nach bestimmten Produkten suchen, die wir in dem Überangebot nicht auf Anhieb finden. Wir können uns mittlerweile fast alles kaufen, worauf wir gerade Appetit haben, unabhängig von Region oder Jahreszeit. Aber sättigt uns das noch? Unser Konsum beschränkt sich nicht auf das Stillen von Hunger, das gemeinsame Kochen und Essen als Mittelpunkt der Familie ist längst in den Hintergrund getreten. Wir holen etwas aus der Grillbude, wärmen ein Fertiggericht in der Mikrowelle oder gehen eben einmal zum Chinesen. Wir haben uns daran gewöhnt, Essen als etwas Selbstverständliches wahrzunehmen und nicht mehr als die Grundlage unseres Lebens. Wir hören zwar, dass es Hunger auf der Welt gibt und schütteln den Kopf über die mangelnde Verteilung von Lebensmitteln in Hungerregionen, wir ändern aber unsere eigenen Essgewohnheiten nur in wenigen Fällen. Wenn wir aber z.B. Äpfel aus Neuseeland eingeflogen kaufen statt aus der Region, wenn wir im Januar intensiv bewässerte Erdbeeren aus dem Süden essen, wenn durch täglichen Fleischkonsum große Flächen in Entwicklungsländern beweidet werden müssen oder wenn für unsere Gaumen Mangroven, die wesentlich zur Uferbefestigung dienen, in Ecuador für die Zucht von Shrimps weichen müssen, dann lässt unser Konsum Rückschlüsse auf negative landwirtschaftliche Entwicklungen in diesen Ländern zu.

Die Fülle an Nahrungsmitteln, mit der wir es heute zu tun haben, ist gekennzeichnet durch übermäßiges Angebot und übermäßigen Konsum. Die Fülle, von der die Bibel berichtet, stillt das Grundbedürfnis des Hungers und geht trotzdem weit darüber hinaus. Neben dem Aspekt des Essens als Gemeinschaftserlebnis, des Teilens und gerechten Verteilens geschieht in der Speisungsgeschichte das Wunder der Vermehrung des zum Leben notwendigen Essens. Man kann dieses Wunder für praktisch geschehen halten als etwas, was nur Gott alleine vermag und sich damit jeder weiteren Erklärung entzieht. Der Text lässt sich aber auch in übertragendem Sinne verstehen. Diejenigen, die Jesus nachfolgen, denen werden die Grundbedürfnisse zum Leben gestillt und die Fülle des Lebens gewiss.

Winfried Hoffmann, Düsseldorf

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