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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

20. Jul. 08 - 16. Sonntag im Jahreskreis / 9. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
1 Petr 4, 7-11 Weish 12, 13.16-19 Röm 8, 26-27 Mt 13, 24-43

 Die Autorin betrachtet den Predigttext der ev. Reihe Vi und den kath. Evangeliumstext. Stichworte: Selbstreflexion von Kirche und Gemeinden, Klima des Respekts, „dient einander mit den empfangenen Gaben“, Missionsgeschichte des Christentums (1 Petr 4); Motivation gegen die Resignation: Nachhaltigkeit ist nicht „mainstream“, nachhaltiges (Land-)Wirtschaften bedeutet, Perspektiven im Auge zu behalten, im Kleinen anfangen und das Vertrauen nicht verlieren (Mt 13)

Bezug zum Kirchenjahr

Der 9. Sonntag nach Trinitatis bzw. 16. im Jahreskreis lädt von seinem kirchenjahreszeitlichen Proprium her – dem Umgang mit den uns anvertrauten Gaben – förmlich dazu ein, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. (Wochenspruch in der evang. Perikopenordnung: Wem viel anvertraut ist, bei dem wird man viel suchen; Lk 12, 48; Evangelium: Gleichnis von den anvertrauten Talenten, Mt 25, 14-30). Für eine intensivere Beschäftigung bieten Thematik und Jahreszeit auch die Möglichkeit, Gottesdienst und Aktion zu verbinden, etwa einen Ort zu besuchen, an dem Nachhaltigkeit Gestalt gewinnt, ein Jugend- oder KU-Projekt in den Gottesdienst m zu lassen etc. Auch der Evangeliumstext der kath. Leseordnung lädt zur Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit ein.

Zum Predigttext der ev. Reihe VI

Der vorgeschlagene Predigttext 1 Petr 4, 7-11 steht im Zusammenhang einer breit angelegten Reflexion über die dem Zuspruch wie dem öffentlichen Bekenntnis ihrer Taufe und der Erwartung des wiederkommenden Herrn Jesus Christus gemäßen Lebensgestaltung von Christinnen und Christen angesichts von Repression und Verfolgung. Dabei nimmt der Verfasser vielfach einzelne Gruppierungen – Frauen, Männer, Sklaven, Älteste – in den Blick; der Predigttext richtet sich jedoch an die gesamte Gemeinde.

Angesichts des bevorstehenden Weltendes (V7) mahnt er zum besonnenen und nüchternen Gebet (V7b), zur vergebenden Liebe (V8) und zur Gastfreiheit (V9) und dazu, die eigenen Gaben im Sinne Gottes zum Wohl aller einzubringen (V10). Die einzelnen Gebote werden durch die abschließende Mahnung, alle diese Dinge zum Lob Gottes einzusetzen (V11), gebündelt und geistlich verortet: Der großzügige Einsatz der eigenen Begabungen für den Mitmenschen – in der menschlichen wie auch der materiellen Zuwendung – ist Gottesdienst in der Welt. So dient die unterschiedliche Verteilung der Begabungen letztlich dazu, Gott im gegenseitigen Teilen und im gegenseitigen Dienst zu verkündigen und zu preisen und auf diese Weise eine Beziehung zwischen Gott und der Welt herzustellen: Der gegenseitige Dienst bezeugt Gott und macht Christen in ihrem Lebensumfeld glaubwürdig. Der Doxologie am Ende des Textes (V 11c) entspricht so auch die anfängliche Aufforderung, besonnen und nüchtern zum Gebet zu sein. Wird εις προσευχας hier mit H. Balz als „Ausdruck der von den Frommen erfahrenen Nähe Gottes und ihres Angewiesenseins auf Gott, also Gottesdienst im eigentlichen Sinn“ (S. 402) verstanden, so bedeutet dies, dass sich der / die Glaubende auch durch eine nüchterne und sachliche Analyse der Gegebenheiten „dieser Welt“ im Angesicht Gottes ausweist und durch sein angemessenes Handeln Gott die Ehre gibt.

Nachhaltigkeit

Wer in den einzelnen Weisungen (Vv 7b -10) Bezüge zum Thema Nachhaltigkeit sucht, wird ohne Ende fündig werden und auch die eigenen Projekte in ihnen verorten können. Hier nur einige Beispiele:

· „Seid nüchtern!“ (V 7b): Wie weit interessieren wir uns als Gemeinde und Kirche für eine ehrliche und kritische Analyse unserer selbst, der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Ökologie etc. und beziehen deren Ergebnisse in unser Gebet und unsere Verkündigung ein?

· „Seid gastfrei“ (V 8) fordert uns auf, unseren Umgang mit Asylsuchenden neu zu bedenken. Neuere Studien über die Beziehung zwischen Migranten/innen und ihren Herkunftsländern zeigen einen deutlichen positiven Einfluss der Migranten/innen auf die Entwicklung in deren Herkunftsländern in ökonomischer wie in sozialer Hinsicht. Gastfreiheit im Blick auf eine offenere Asylpolitik trägt also mit zu einer Demokratisierung und Öffnung der Heimatländer der Migranten/innen bei und ist so ein – wenn auch kleiner – Bestandteil nachhaltiger Weltpolitik. Umgekehrt dämmen nachhaltige Land- und Wasserwirtschaft z.B. die Landflucht in Afrika ein, eine nachhaltige Friedenspolitik die Massenmigration etc.

· „Die Liebe bedeckt der S Menge“ spricht konkrete Alltagserfahrungen, eventuell auch in der eigenen Gemeinde an: Was bedeutet die Erfahrung von Vergebung oder die Erfahrung, auch mit Schwächen und Fehlern akzeptiert und gebraucht zu werden, für die Beziehung von Menschen untereinander? Was bewirkt ein Klima des gegenseitigen Respekts und der Achtung der Würde für die Ausstrahlung einer Gemeinde?

· „Dient einander mit den Gaben, die ihr empfangen habt“ (V 10) lädt über allgemeine Überlegungen zu einem weltweiten gerechten Umgang mit G und Ressourcen (Wasser, Nahrungsmittel, Produktionsmittel, Naturreservate, Demokratie, Frieden, …) hinaus zu einem Blick auf die moderne Arbeitswelt ein – gerade angesichts der erneuerten EU-Dienstleistungsrichtlinie. Dem urkirchlichen Gemeindeverständnis einer Arbeitsteilung, die Menschen ermöglicht, ihre besonderen Gaben und Fähigkeiten zum Wohl aller einzubringen, steht dabei eine zunehmende Ausbeutung von Arbeitskraft auch hierzulande gegen Der gegenseitige Dienst und der Respekt vor den Gaben der Anderen fallen der Ausbeutung der Dienstbarkeit anderer durch Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen zum Opfer (Problematik der „working poor“). Das betrifft zunehmend auch Kirche und Diakonie durch Outsourcing, Einstellung von Zeitarbeitskräften und vermehrtem Einsatz von „Ein-Euro-Jobbern“.

Über den engeren Kontext des 1. Petr. hinaus muss die Aufforderung „dient einander“ heute auch im Blick auf unsere Verantwortung für die nachfolgenden Generationen verstanden werden. Gott mit den uns anvertrauten Gaben dienen heißt auch, dass die Rohstoffvorkommen und Ökosysteme nicht wenigen Generationen zur Ausbeutung und Zerstörung gegeben, sondern der Menschheit insgesamt anvertraut sind.

Bei aller Fülle an Möglichkeiten, die einzelnen Gebote zu konkretisieren und auf nachhaltiges Handeln zu beziehen, wird eine Predigt der Perikope und ihrem Kontext im 1. Petr. aber nur gerecht werden, wenn sie – wie auch der Predigttext – die konkreten Handlungsoptionen in ihrem christologisch-ethischen Rahmen verortet. Durch die Taufe und die Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi sind die Glaubenden dem Herrschaftsbereich der todbringenden Weltmächte entzogen und der Herrschaft des gekommenen und wiederkommenden Herrn Jesus Christus unterstellt. Das verpflichtet sie, schon jetzt diesem Herrn gem zu leben. Was aber sind uns unsere Taufe, unsere damit verbundene Zugehörigkeit zu Jesus Christus und seiner geglaubten und endg erwarteten Herrschaft wert und wie gewinnen sie in unserem Lebensstil Gestalt? Gerade der 1. Petr. verweist auf den Widerspruch zur Welt, den Verzicht auf gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe, denen sich Christinnen und Christen durch ihre Taufe aussetzen. Auch unser Bekenntnis zu Jesus Christus kommt ohne solchen Verzicht nicht aus. Allerdings wird er uns nicht mehr von außen auferlegt, sondern muss von uns selbst im Blick auf unser Konsumverhalten und unser soziales Engagement geleistet werden – damit unsere Zugehörigkeit an uns sichtbar wird.

Nach wie vor diskutieren Gemeinden, ob dies lediglich die individuelle Lebensgestaltung betrifft – und damit Privatsache ist, oder ob dies das Profil einer Gemeinde bzw. der Kirche insgesamt prägt. Mit dem Predigttext ist zu fragen, wie ernst wir Christinnen und Christen den Zusammenhang zwischen dem liebenden und allen dienenden Umgang mit unseren G (also deren nachhaltigem Gebrauch) und dem Lob bzw. der Verkündigung Gottes nehmen: Wie politisch muss „die Kirche“ sein, um überhaupt glaubw Gottesdienst feiern zu können? Welche innergemeindliche Relevanz haben kirchliche Stellungnahmen – z.B. die EKD-Stellungnahme zum Thema Armut, das Accra-Papier des Reformierten Weltbundes, die Kritik des Ratsvorsitzenden an den Konzernen etc…? Wie glaubw bleibt die Gemeinde vor Ort, wenn sie sich angesichts der sinkenden Finanzen auf allen Ebenen um „Billiglösungen“ bem

Wer im Gottesdienst ökumenische oder sogar interreligiöse Aspekte bedenken will, könnte die Auswirkungen der westlich-christlichen Missionsgeschichte in den afrikanischen und lateinamerikanischen Kolonien in den Blick nehmen, aber auch die Frage nach der heutigen Funktion von Evangelisation stellen, die vielerorts gerade im nordwestlichen Christentum den wirtschaftlichen Status Quo zementiert, in dem Ressourcen und menschliche Arbeitskraft in den sog. „Billiglohnländern“ schonungslos ausgebeutet werden und Umwelt „nachhaltig!“ zerst wird.

Zum Evangeliumstext der kath. Leseordnung

Auch der dritte Text der katholischen Lesungsreihe stellt menschliches nachhaltiges Handeln in den Zusammenhang der Verwirklichung der Gottesherrschaft in dieser Welt. Der lange Abschnitt Mt 13, 24-43, der sich, anders als die beiden anderen vorgeschlagenen Texte, dem Prediger als Predigttext zum Thema Nachhaltigkeit empfiehlt, bietet grundlegende Antworten auf die Frage nach der Motivation, nachhaltiges Handeln auch durchzuhalten, ohne darin müde zu werden. Die drei hier zusammengefassten Gleichnisse sind Texte gegen die Resignation. Ausgangspunkt der Auslegung wäre für mich im Blick auf das Thema Nachhaltigkeit die Frage: Warum soll ich nachhaltig handeln, wenn dieses Handeln im Mainstream nicht nachhaltigen Handelns untergeht?

Betrachtung zum Text

Im Kontext des Mt-Evangeliums steht das Gleichnis in einer Reihe von Parabeln, die dazu dienen, „die Geheimnisse des Himmelreiches zu verstehen“ (13, 11). Analog zu den anderen Gleichnissen halte ich auch dieses Gleichnis – gegen seine allegorische, vermutlich spätere Deutung (36-43) für eine Parabel, deren tertium comparationis in der Gleichzeitigkeit von Unkraut und Weizen auf dem Acker des heranwachsenden Gottesreiches (V 30) besteht. Als solche würde ich das Gleichnis – trotz der tröstenden Perspektive: „die Gerechten werden leuchten wie die Sonne“ (V 43) – dementsprechend auch predigen.

Damit öffnet sich der Blick über den Endgerichtsbezug der Auslegung (Vv 39-43) und der Personalisierung der Guten und Bösen hinaus für das „Hier und Jetzt“ und die Interpretation von Handlungszusammenhängen. Anders als in der Deutung aufs Endgericht hin, bei der die Verteilung von B und Gut für alle erkenntlich wird, geht das Gleichnis selbst von einem Status Quo aus, bei dem die Erntearbeiter Unkraut und Weizen nicht klar unterscheiden oder zumindest nicht sauber trennen können (V 29). Erst die langwährende Reife- und Erntezeit wird darüber Klarheit geben, bis dahin nimmt der Bauer um des Weizens willen in Kauf, dass das Unkraut dessen Wachstum behindert, erzielt durch diese Art des Ackerbaus zugleich aber auch den größtmöglichen Ernteertrag an Weizen.

Wie das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen bilden auch die in das Gleichnis und seine Auslegung interpolierten Gleichnisse von Senfkorn und Sauerteig „das gegenwärtige Anbrechen des kosmischen, von jenseits kommenden und von Gott selbst geschaffenen“ Reich Gottes (Luz, 485), der βασιλεια των ουρανων, ab, und damit erst einmal keine vom Menschen geschaffene oder zu schaffende Wirklichkeit. Allerdings betont Mt im Gegensatz zu den anderen Evangelisten „die Forderungen, die zum RG gehören“ (Luz, 488; RG scil. Reich Gottes). „Das ‚Eingehen in die β.’ … ist im Sinne eines geschenkten Lohns verheißen den Tätern einer besseren Gerechtigkeit (5, 20), dem, der den Willen des Vaters tut (7, 21)“ (Luz, 488). Noch deutlicher als beim Senfkorngleichnis, bei dem der Senfbaum zwar schon im Korn selbst angelegt ist, zum Wachsen aber äußerer Faktoren bedarf, wird dies am Bild des Sauerteigs, der von selbst allmählich das Mehl durchsäuert und aktiven Anteil an dessen Verwandlung und Verwertbarkeit hat.

Nachhaltigkeit

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (14-30) bietet in seiner Bildwelt Raum, den Begriff „Nachhaltigkeit“ an der Art der Feldwirtschaft des Bauern zu erläutern. Der Bauer schielt nicht nach einer kurzfristigen optimalen Feldnutzung, sondern betreibt durch die Vermeidung von Monokultur und der natürlichen genetischen Stärkung seines Saatgutes durch Konkurrenz mit anderen Feldpflanzen einen Landbau, der ihm ermöglicht, auf seinem Feld auf Dauer widerstandsfähigen Weizen anzubauen. Für „nachhaltig predigen“ über einen längeren Zeitraum hinweg eignete sich dieser Text somit quasi als „Einstiegstext“, was aber nicht gegen die eigentliche Intention des Gleichnisses ausgespielt werden sollte.

Denn eine am Thema Nachhaltigkeit orientierte Predigt findet mit diesem Text wie mit kaum einem anderen die Möglichkeit, der Komplexität der Zusammenhänge Rechnung zu tragen, in denen nachhaltiges Wirtschaften und Handeln Gestalt gewinnt. So eindeutig sich Nachhaltigkeit in manchen Wirtschaftszweigen konturiert (z.B. in der Land- und Forstwirtschaft, wenn es darum geht, ökologisch und ressourcenerhaltend zu wirtschaften), so schwierig ist Nachhaltigkeit in manch anderen Bereichen zu erkennen oder überhaupt zu definieren. Dient z.B. die Ansiedlung von bestimmten Industriezweigen in Schwellen- und Entwicklungsländern einseitig der billigen Produktion oder können sie nicht auch dem Wirtschaftswachstum und damit der Unabhängigkeit und dem Wohlstand des Landes nachhaltig zugute kommen? Ist die Aufstauung von Flüssen – wenn man den im Staugebiet lebenden Menschen neue Lebensräume erschließt – nur umweltzerstörend oder können sie nicht auch eine sinnvolle Bewässerung unfruchtbaren Landes und den Gewinn regenerierbarer Energie ermöglichen? Das Gleichnis warnt uns vor vorschnellem Urteil: Nicht jedes nachhaltige Handeln ist sofort als solches erkennbar. In manchen Zusammenhängen ist vielleicht – noch – gar nicht sicher entscheidbar, ob Handlungszusammenhänge nachhaltig sind oder nicht. Und auch in wenig nachhaltigen Handlungszusammenhängen kann es nachhaltige Aspekte geben. In solchen komplexen Zusammenhängen kommt es entscheidend darauf an, die Nachhaltigkeit einzelner Aspekte oder Handlungsfelder zu erkennen und sorgfältig zu pr Dabei ist zur Urteilsbildung ein genaues und oft auch langfristiges Hinsehen notwendig. Das birgt jedoch auch die Chancen, die kleinen Anteile der Nachhaltigkeit in einem Prozess zu sehen und stark zu machen. So, wie der Bauer darauf vertraut, dass der Weizen unter dem Unkraut wächst und Ertrag bringen wird, so tragen die nachhaltigen Aspekte in komplexen Zusammenhängen auch die Verheißung in sich, dass sie sich schließlich als solche erweisen und die vergänglichen und zerstörerischen Prozesse überdauern werden.

Das kann uns Mut machen, uns auch im Kleinen auf nachhaltiges Handeln einzulassen, ohne zu resignieren oder übertriebene Zielvorgaben zu machen. Nachhaltiger Umgang mit Wasser und Energie vor Ort – z.B. durch Brauchwasserzisternen, durch gezieltes Heizen, durch Wärmedämmung – trägt zum Erhalt der Atmosphäre und zum Erhalt der Ressourcen bei, auch wenn andere sorglos damit umgehen. Ökologischer Landbau wird – wenigstens zunächst einmal – nicht den industriellen Landbau vollständig ablösen, aber er hat in den letzten Jahrzehnten doch das Gesicht der europäischen Landwirtschaft verändert. Der Erfolg dieser kleinen Schritte wird auch daran sichtbar, dass sich andere von dem positiven Beispiel beeinflussen lassen und mitmachen.

Die ansteckende Wirkung, die den kleinen und unscheinbaren Schritten zukommen kann, illustrieren die in das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen und seine Deutung interpolierten Gleichnisse vom Senfkorn und Sauerteig (Mt 13, 31-33): Ein winziges Senfkorn bringt einen riesigen Baum hervor, ein wenig Sauerteigmasse durchsäuert einen ganzen Teig. Zwar lassen sich auch diese Gleichnisse nicht einfach allegorisch nach dem Motto „kleine Ursache – große Wirkung“ auf alles nachhaltige Handeln übertragen, würde eine solche Pauschalisierung doch die Botschaft des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Weizen relativieren und über die Komplexität, die Langwierigkeit und die Rückschläge hinweggehen, die die Beispiele gezeigt haben. Doch verheißt die Botschaft der Gleichnisse gerade den kleinen und unscheinbaren Bemühungen um Teilhabe an nachhaltigem Handeln – dem sparsamen Umgang mit Wasser und Energie, dem Kauf von Bio- und Transfair-Produkten, dem verantwortungsvollen Investment z.B. in Öko-Fonds etc. – weitreichende Wirkungsoptionen: Denn unser Handeln steht insofern doch in einem Zusammenhang mit dem verheißenen und geschenkten Reich der Himmel, als es uns Anteil an der Verwirklichung von Gottes Willen für seine Welt und uns damit ein unfassendes Ziel und eine Perspektive gibt, auch wenn die Herstellung des letztendlichen Heilszustand Gott selbst vorbehalten bleibt.

Auf die Ausgangsfrage: „Warum soll ich nachhaltig handeln, wenn dieses Handeln im Mainstream nicht nahhaltigen Handelns untergeht?“ lässt sich von hier aus antworten: Weil Gott in seinem Heilshandeln unsere kleinen Schritte aufnehmen und zum Ziel f wird.

Diese Verheißung motiviert uns, den Blick für nachhaltiges Handeln zu schärfen und befreit uns davon, angesichts ausstehender oder ausbleibender Sichtbarkeit unserer kleinen Schritte zu resignieren. Die Wirkung nachhaltigen Handelns trägt eben meistens nicht sofort Früchte, sondern ist eine zwar vorhergewusste aber oft eben noch ausstehende Wirkung, auf die der nachhaltig Handelnde vertraut und damit an sie glaubt.

Insofern kommt es – im Bild gesprochen – weniger auf den Zustand des Ackers als vielmehr auf die Haltung des Bauern an. Dessen Mentalit bedarf, wer sich heute auf nachhaltiges Wirtschaften, d.h. auf ein an den natürlichen Möglichkeiten und einer dauerhaften Regeneration der Ressourcen ausgerichtetes Wirtschaften, einlässt: Eine klare Perspektive, die Fähigkeit zum geduldigen Festhalten an dieser Perspektive gegen den äußeren Anschein und die Fähigkeit, in der Komplexit das Gelingende und Gedeihende zu entdecken sowie die Einsicht auch der eigenen Grenzen.

Zitierte Literatur:

Horst Balz: Art. προσευχομαι, προσευχη in: Horst Balz/Gerhard Schneider (Hrsg.): Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd 3, 2. Aufl. 1992, 396-409.

Ulrich Luz, Art. βασιλεια in: Horst Balz/Gerhard Schneider (Hrsg.): Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament Bd 1, 2. Aufl. 1992, 481-491.

Dr. Susanne Bei der Wieden, Frankfurt am Main

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