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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

13. Jul. 08 - 15. Sonntag im Jahreskreis / 8. Sonntag nach Trinitatis

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Röm 6, 19-23

Jes 55, 10-11

Röm 8, 18-23

Mt 13, 1-23

Die Autorin betrachtet ausführlich den zweiten kath. Lesungstext, geht aber im Teil „Predigtimpulse“ auch auf die anderen Perikopen ein. Stichworte: als „Freigelassene“ agieren, für Gerechtigkeit einsetzen, als „Sklave Gottes“ frei sein für ein gerechtes Handeln (Röm 6); mit mir und anderen Lebewesen liebevoll und achtsam umgehen, Lebensrhythmen beachten (Jes 55, Mt 13); „Leiden der Zeit“, wir sind die entscheidenden Werkzeuge der Offenbarung (Röm 8)

Kirchenjahreszeit

Der 15. Sonntag im Kirchenjahr liegt in einer Zeit der Pause. In vielen Bundesländern wird er die Zeit um den Beginn der großen Ferien markieren. Umrahmt wird die Feier dieses Sonntages von den Festen zweier bedeutender Heiliger: des hl. Benedikt, Patron Europas, am 11. Juli und am 15. Juli des hl. Bonaventura, genannt „Doctor Seraphicus“, einer der großen Mystiker seiner Zeit. Es ist die Zeit, in der wir nach Möglichkeit mehr als sonst die freie Natur genießen; eine Zeit allerdings auch, die uns gerade in den vergangenen Jahren deutliche Klimaveränderungen vor Augen geführt hat. Insofern eine Zeit, die uns empfänglich sein lässt für die Deutung biblischer Text im Kontext von: Bewahrung der Schöpfung, Nachhaltigkeit und Lebensgerechtigkeit. Alle Texte dieses Sonntages bieten einen Bezug zum Thema auf sehr unterschiedliche Weise. Ich beschränke mich in erster Linie auf den Römerbrief und werde nur vereinzelt Hinweise auf die anderen Texte geben.

Exegetische Überlegungen zu Röm 8, 18-23

Die Lectio continua aus dem Römerbrief führt mit dem für die zweite Lesung ausgewählten Abschnitt in die Mitte des achten Kapitels. Da die heraus gegriffenen Abschnitte nur vom Ganzen her ihren jeweiligen Sinn erhalten, erscheint es mir wichtig, ganz kurz die große Linie zu zeichnen (*1):

Zugrunde liegt das fortwährende Ringen des bekehrten Paulus um die rechte Zuordnung der mosaischen Weisung und ihrer währenden Gültigkeit einerseits und seiner alles umstürzenden Christuserfahrung andererseits - immer unter der Grundfrage: wer kann mich aus meinem in die Sünde verstrickten Todesleib erretten? (vgl. Röm 7, 24) Diese Auseinandersetzung ist keinesfalls eine rein innerliche, sondern sie fordert ihn in den unterschiedlichen christlichen Strömungen seiner Zeit heraus: auf der einen Seite jene, die immer noch glaubten, ohne das mosaische Gesetz gäbe es keine Erlösung, und auf der anderen Seite jene, die in christlichem Enthusiasmus sich mit der Taufe gleich in den Himmel versetzt fühlten und diese Welt überspringen wollten. Der einzige Weg für Paulus ist: Leben aus Gottes Geist in der Nachfolge des Kyrios Jesus. ER allein schenkt „sola fide“ und durch den Geist Leben, Freiheit und Erlösung aus der Sündenverstrickung.

So klingt als Basso Continuo im achten Kapitel das große Thema auf: „keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind!“ (8, 1) - vielmehr: Leben aus jenem Geist der Sohnschaft „in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (8, 15). Das ist umfassender Ausdruck eines im Glauben aufgerichteten, von Angst und falscher Unterwürfigkeit befreitem Leben, ja einem Leben, das „jetzt schon“ so tief Anteil hat an der Lebendigkeit Gottes, dass es, trotz der Todverfallenheit des irdischen Leibes, den Tod nicht „schmecken“ wird - allein durch Seine belebende Liebe: „Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.“ (8, 37) Mitten darin steht jener unnachahmliche Text existentieller Schöpfungssolidarität.

Predigtimpulse

Paulus weiß um „die Leiden der gegenwärtigen Zeit“ (V 18), er hat sie vielfach am eigenen Leib erfahren - und er weiß, dass der Christ diesen Leiden bleibend ausgeliefert ist. Die „Leiden dieser Zeit“ - dafür brauchen wir nur die Zeitung aufschlagen, Nachrichten hören oder vor unserer Tür aufmerksam auf die Menschen hören. Die „Leiden dieser Zeit“ sind nicht einfach durch richtiges Handeln wegzubringen oder wegzubeten, bedrängend und oftmals alles beherrschend sind sie im Leben da, ein Faktum, das zunächst mal zu akzeptieren ist.

Dem gegenüber steht für Paulus die „Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ - also keine selber herbei geführte, keine, die durch moralische Anstrengungen erworben werden könnte, sondern eine, die an uns offenbar werden soll. Offenbar werden kann jedoch nur etwas, das schon da ist. Und das heißt nichts anderes als: diese unvergleichliche Herrlichkeit ist in uns bereits da! – mitten in all dem, was so gar nicht danach aussieht. Das ist ebenso ein Faktum wie die erfahrene Not! Diese kühne Sicht gewinnt Paulus alleine aus Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu. Er ist voraus gegangen, er hat den Platz bereitet, er sagt: „mir nach!“ So geht der Weg.

„Sehnsüchtig warten“ (V19) - spüre ich dem griechischen Wort nach: „einem kommenden Ereignis mit Spannung entgegensehen in völligem Hingenommensein“ (*2) - so völlig ausgespannt ist alles, was geschaffen ist auf das hin, was da - verborgen gegenwärtig - offenbar werden soll an denen, die durch den Geist Kinder Gottes sind. Nicht nur passiv erleidend ist die Schöpfung in die Menschheitsgeschichte, mit der sie von Uranfang an schicksalhaft verwoben ist (Gen 3,17), hinein genommen, vielmehr in aktiver Hoffnung auf das, was Gott selber durch Jesus Christus als Hoffnung in sie hineingelegt hat. Wie eine Frau, die kurz vor der Geburt steht, liegt die ganze Schöpfung in Geburtswehen (V22) - eine ungewohnte Sicht, die allem, was geschaffen ist, gleichsam ein Wesen, eine Seele zuspricht, die sich auf ein endgültiges Befreitwerden hin ausstreckt.

Die „Sklaverei und Verlorenheit“ der Schöpfung (21) steht uns täglich vor Augen. Zu vielfältig sind Ausbeutung, Verschmutzung, Nutzbarmachung ohne jede Rücksicht und allein um des Profits willen. Ein Wegschieben menschlicher Verantwortung steht uns schlecht an. Ebenso wie die Verantwortung verdrängende Frage: „Wie kann Gott das zulassen?“. Wir haben die Verantwortung! Unser Tun oder Unterlassen zieht wellenförmig Kreise bis in die entlegensten Winkel der Schöpfung. Aus vielen Untersuchungen, die durch Raumfahrt und andere neue Forschungsgebiete möglich geworden sind, wissen wir um die Kraft energetischer Strömungen: Gedanken, Gefühle, die sich wie der Fall des Steins ins Wasser wellenförmig ausbreiten und Wirkungen zeigen. Das heißt unsere Welt wird nicht nur überschwemmt von materiellen Giftstoffen aller Art, sondern sie wird überschwemmt von Giftstoffen vielfach ausgestossener Ängste, Hass, brutaler Rücksichtslosigkeit, verletzter Liebe… Und jeder Einzelne fügt durch seine Entscheidungen einen Mosaikstein dazu bei. Selbst bei bestem Willen - wie lässt sich in einem solchen globalen Zusammenhang, in dem wir allein durch den Kauf unrechtmäßig bezahlter Arbeit zum Kreislauf der „Sklaverei“ beitragen, mit Hoffnung schöpfungsgerecht handeln?

„Auch die Schöpfung soll… befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.“ (V21)!

ER, der das Gesamt der Schöpfung diesem Prozess überantwortet hat, ER dessen Lebenswort wie „Regen und Schnee zur Erde fällt…“(Jes 55, 10) und dort mit Gewissheit wirkt; ER, der sein Lebenswort Jesus, den Christus, in den Acker unseres Lebens sät (Mt 13, 1 ff.) - ER hat den Keim der Herrlichkeitsfülle seines Lebens durch den Hl. Geist einem jeden Menschen und der Schöpfung eingestiftet. Diese Herrlichkeit ist in uns lebendig, wenn wir wie ein guter Acker das Wort aufnehmen.

Aus dieser göttlichen Kraft und auf sie hin haben wir die unabdingbare Verantwortung unserer Mitschöpfung gegenüber liebevoll, achtsam, in Ehrfurcht vor dem Eigensein der Geschöpfe und mit Rücksicht auf die Lebensrhythmen zu handeln. Aus einem solchen Umgang, der in erster Linie meine eigene Geschöpflichkeit umgreift: dass ich also mit mir selber liebevoll, achtsam, in Ehrfurcht vor meinem Eigensein und mit Rücksicht auf den eigenen Lebensrhythmus handle - derart kann mein Denken und Tun heilsam Wellen schlagen bis an die Ränder der Erde. So kann zum Vorschein kommen, was jetzt schon der Schöpfung eingestiftet, nur darauf wartet, durch ein Handeln aus dem Geist Gottes heraus befreit zu werden.

Und ich selber kann als Befreite zum Vorschein kommen, die in keiner Weise mehr den knechtenden Zusammenhängen dieser Welt zu verfallen braucht. (Röm 6, 19-23) Als offizielle soziale Einrichtung gibt es keine Sklaverei mehr - dafür umso intensiver und meist entwürdigender im Gefolge eines immer dreisteren Kapitalismus und einer schamlosen Ausbeutung der Not der Ärmsten. In diesen Zusammenhängen bedeutet es eine enorme Herausforderung, konkret zu leben, dass wir durch Jesus „Freigelassene“ sind und unsere „Glieder in den Dienst der Gerechtigkeit“ stellen können (Röm 6, 19). ‚Dies wird unsere Heilung und Heiligung bewirken, die für Paulus unser eigentlicher „Gewinn“ ist. „Gewinnmaximierung“ im paulinischen Sinne: als „Sklave Gottes“ frei sein für ein gerechtes Handeln und als Gabe Gottes „das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Röm 6, 23) empfangen.

Fußnoten:

(*1) Zu den exegetischen Überlegungen vergleiche: Unsere Hoffnung - Gottes Wort, die neutestamentlichen Lesungen der Sonn- und Festtage, Lesejahr A, Hrsg. Otto Knoch und Ehrenfried Schulz, Knecht Verlag, 1. Auflage 1992, S. 428ff

(*2) Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament, bearbeitet von Fritz Rienecker, Brunnen Verlag Giessen-Basel, 20. Auflage 1997

Gabriele Panning, Heusenstamm

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