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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

6. Jul. 08 - 14. Sonntag im Jahreskreis / 7. Sonntag nach Trinitatis 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
2 Mose 16, 2-3.11-18 Sach 9, 9-10 Röm 8, 9.11-13 Mt 11, 25-30

Die Autorin betrachtet den Text der ev Reihe VI, die kath. zweite Lesung und den kath. Evangeliumstext. Stichworte: kein zwanghaftes Verharren, gerechtere Verteilung reicht zum Überleben (2 Mose 16); Friedensherrschaft korrespondiert mit Friedenserziehung (Sach 9); in Jesus Kraft schöpfen, um immer wieder aktiv Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt leisten zu können (Mt 11)

Stellung im Kirchenjahr

Der 7. Sonntag nach Trinitatis, bzw. 14. Sonntag im Jahreskreis, liegt mitten im Sommer und auch schon mitten in den Sommerferien. Das heißt, die Gemeinde ist nicht vollzählig, die Kinder und Jugendlichen machen erfahrungsgemäß auch Ferien vom Gottesdienst. Es gibt zahlreiche Feste in den Dörfern, wie Vereinsfeste und Kerwe. Das Thema des Sonntags in der evangelischen Kirche wird im Wochenlied deutlich: Was Gott erschaffen hat, das will Gott auch erhalten (EG 326, 3). Leitbild des Sonntags nach der neuen Agende der Evangelischen Kirche der Pfalz ist das Brot des Lebens.

2. Mose 16, 2-3.11-18

Exegetische Überlegungen

Die Erzählung von Wachtel- und Mannawunder stammt in ihrem literarischen Grundbestand aus priesterlichen Kreisen der frühnachexilischen Zeit in der Diaspora, die der Priesterschrift nahe stehen. Grundlage ist vermutlich eine Wundererzählung, die aus dem südlichen Palästina stammt. In einigen Tälern der Sinaihalbinsel gibt es sogenanntes Tamariskenmanna, das ist das Sekret der Schildlaus auf Tamariskenblättern.

Aus der alten Wundererzählung machte die Redaktion eine “Murr-Erzählung”. Es geht um die Frage der Lebensmöglichkeiten in Palästina aus der Sicht der vor der Entscheidung zur Rückwanderung stehenden Menschen des Volkes Israel in der Diaspora. Der Vorbehalt gegen die Rückwanderung wird dem gegen Mose und Aaron murrenden Volk in den Mund gelegt.

Dabei wird das materiell gesicherte Leben dem Risiko des Auszugs gegenübergestellt. Allerdings zieht die Geschichte das Fazit, dass das Beharren im Gesicherten und die Ablehnung des Auszugs gleichzeitig eher eine Verweigerung des Lebens ist und damit den sicheren Tod bedeutet.

Assoziationen

Etwas Besseres als den Tod kannst du überall finden.

Gott sorgt für das Volk Gottes. Deshalb können wir mutig den Auszug aus Altem wagen.

Manchmal ist ein Auszug notwendig, um Lebenserfahrungen zu sammeln, die weiter bringen.

Es gibt keinen Vorrat für viele Jahre, aber Brot für jeden Tag, niemand muss Hunger leiden, es ist genug für alle da.

Predigtthema

Auszug aus (vermeintlichen) Zwängen eröffnet neue Möglichkeiten für eine gerechtere Gesellschaft

Bezug zur Nachhaltigkeit

Alle sollen genug zum Leben haben, unabhängig davon, wie viel oder wie wenig sie „sammeln“ können. Das regt uns an über eine gerechtere Verteilung der Güter dieser Erde nachzudenken.

Tatsache ist doch, dass einige wenige viel mehr besitzen als sie tatsächlich brauchen, aber immer mehr Menschen in der Welt nicht einmal das Nötigste haben um überleben zu können.

Mögliche Umsetzungen innerhalb unserer Gesellschaft wären zum Beispiel Bedarfsgehälter (Familiengehälter) statt an Ausbildung oder an Leistung orientierte Bezahlung.

Literatur

Eckart Otto, in: Gottesdienstpraxis, VI,4 (Exegesen), Gütersloh 1989

Klaus Eulenberger, in: Gottesdienstpraxis, VI,3 (Exegesen), Gütersloh 2002

Sacharja 9, 9-10

Exegetische Überlegungen

Sacharja, Haggai, und Maleachi haben ein gemeinsames Thema, nämlich die Neuordnung des politischen, religiösen und sozialen Lebens in Juda nach dem babylonischen Exil. Symbol für den Neuanfang ist der Wiederaufbau des Tempels.

In den nachexilischen Texten der Hebräischen Bibel spiegelt sich der Konflikt zwischen denen, die aus dem Exil heimkehren und der in Juda zurückgebliebenen Bevölkerung, was Religion und Politik angeht. Vermutlich beruhen die uns vorliegenden Texte auf der theologischen und politischen Arbeit mehrerer Personen, nicht einer herausragenden prophetischen Gestalt.

In Sacharja 9 - 14 spielt der Tempelbau zwar keine Rolle mehr, aber das kommende Heil ist weiterhin mit der universalen Bedeutung Jerusalems verknüpft. Manche Erwartungen haben sich nicht erfüllt, aber die Hoffnung auf Gottes Sieg beherrscht die letzten Kapitel des Sacharjabuches. Kapitel 9 fällt formal aus dem Rahmen des übrigen Buches heraus, denn es ist ein poetischer Text, während die anderen Kapitel in Prosa abgefasst sind.

In 9, 9 ff. wird eine Frauengestalt angesprochen, die „Tochter Zion.“ In den Evangelien werden die Verse 9 und 10 auf Jesus bezogen und bilden die direkte Vorlage für unser Weihnachtslied „Tochter Zion“.

Bei Sacharja wird die Stadt Jerusalem als Person dargestellt. Bei Frau Zion / Jerusalem geht es vor allem darum, die Beziehung zwischen Gott (JHWH) und Israel / Juda zu beschreiben. Dabei handelt es sich bei der Stadt-Frau um eine eigenständige Größe, unabhängig vom Volk Israel, die selbstständig handelt und deren Schicksal durch weibliche Lebensbedingungen, wie sie die patriarchale Gesellschaft zuließ, bestimmt ist. In unserem Text werden nun der Jubel und die Freude Zions ausgedrückt. Im Zusammenhang der Tochter-Zion-Metapher muss davon ausgegangen werden, dass JHWH selbst als König zur Tochter Zion kommt. Dieser König stellt alles auf den Kopf, was eigentlich von Königen damals erwartet wurde. Denn er kommt in Demut und mit dem Anspruch, Frieden zu schaffen.

Assoziationen

Die jubelnde Tochter Zion begrüßt voller Hoffnung das segensreiche Eingreifen Gottes, das ein Leben ohne Bedrohung durch Gewalt für alle Menschen gewährleisten soll.

Predigtthema

Gott will Frieden, darauf dürfen wir hoffen

Bezug zur Nachhaltigkeit

Die Hoffnung auf Gottes Friedensherrschaft bleibt Ansporn für uns, so weit es in unserer Macht steht, für Gewaltlosigkeit und Frieden einzutreten. Das beginnt mit Friedenserziehung im Kinderzimmer, im Kindergarten und in der Schule. Seit dem 11. September 2001 beherrscht das Thema Krieg wieder neu unseren Alltag. Ständig werden uns Begründungen für die fast schon überwunden geglaubte, angebliche Notwendigkeit von Kriegen geliefert. Unsere Politik muss sich wieder darauf besinnen, friedliche Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Krieg darf einfach kein akzeptables Mittel der Politik sein. Rüstungsproduktion und militärische Einrichtungen müssen umgewidmet werden und für friedliche Zwecke genutzt.

Literatur

Beate Schmidtgen in: Kompendium Feministische Bibelauslegung, hrsg. von Luise Schottroff und Marie-Theres Wacker, Chr. Kaiser, Gütersloh 1998, S 366 ff.

Matthäus 11, 25-30

Exegetische Überlegungen

Das Matthäusevangelium ist vermutlich Ende des 1. Jh. n. Chr. in judenchristlichen Gemeinden in Syrien entstanden. Feste Strukturen waren noch nicht sehr weit entwickelt. Bei aller Unterschiedlichkeit der vorhandenen Auffassungen gab es aber doch wichtige Schwerpunkte, die das Matthäusevangelium deutlich machen will.

Für matthäische Gemeinden ist Jesus der einzige mögliche Lehrer und Meister. Mit Nachdruck betont Matthäus immer wieder, dass sie auch nur einen einzigen Vater haben, den sie zu Recht mit diesem Namen nennen und der - als ”der in den Himmeln” - den Vätern auf Erden gegenüber steht. Das war vor allem deshalb wichtig, weil seit Augustus die römischen Herrscher Autorität beanspruchten mit dem Titel “pater patriae”, Vater des Vaterlandes. Das Bekenntnis der matthäischen Gemeinden zu Gott als dem einzigen Vater - noch dazu in den Himmeln - ist auf diesem Hintergrund Ausdruck der Verweigerung und ein Akt des Widerstandes gegenüber den Herrschaftsansprüchen der irdischen römischen “Väter”.

Der vorliegende Text ist zweigeteilt. Der erste Teil mit der Vater-Sohn-Thematik erinnert an Parallelen im Johannesevangelium und bei Lukas. Die Verse 28-30, das Paradox von der leichten Last und dem sanften Joch sind matthäisches Sondergut.

Das Joch steht in der Bibel oft für Unterdrückung und Knechtschaft. Gott hilft dann, dieses Joch zu zerbrechen. Die Wendung «ein Joch auf sich nehmen» besagt aber auch, die Vorschriften oder Lehren eines anderen übernehmen. Sprichwörtlich waren bei den jüdischen Schriftgelehrten die Aussagen vom «Joch des Gesetzes» oder vom «Joch der Herrschaft des Himmels». - «Seele» bezeichnet hier - wie im Alten Testament - das «Ich» des Menschen.

Jesus steht damit mit seiner Rede in der Tradition der alttestamentlichen Weisheit.

Assoziationen

Da will uns jemand entlasten, uns Kraft auftanken lassen. Das ist gut zu wissen. Ruhe für die Seele, Aufatmen. Das tut uns gut, gerade wenn wir oft das Gefühl haben, „die Last der Welt auf unseren Schultern tragen zu müssen“.

Predigtthema

Jesu Gesetz will uns nicht belasten, sondern uns Kraft geben

Bezug zur Nachhaltigkeit

Viele Menschen, die sich für eine bessere Welt engagieren, haben immer wieder auch das Gefühl, dass ihnen alles zu viel wird. Manchmal äußert sich das sogar in körperlichen Beschwerden wie Rückenschmerzen und Verspannungen, dass wir zu schwer tragen. Wir müssen immer wieder auch auftanken, Ruhepausen einlegen, es uns miteinander gut gehen lassen. Bei Jesus können wir abladen und Kraft schöpfen, die wir dann wieder aufs Neue einsetzen können, um im Sinne des Matthäusevangeliums Widerstand zu leisten gegen jede Art der Unterdrückung und Knechtschaft, sei es in menschlichen Beziehungen wie zum Beispiel auf dem globalen Arbeitsmarkt oder gegenüber der geknechteten Schöpfung bei Massentierhaltung oder Abholzung des Regenwaldes.

Literatur

Martina S. Gnadt in: Kompendium Feministische Bibelauslegung, hrsg. von Luise Schottroff und Marie-Theres Wacker, Chr. Kaiser, Gütersloh 1998, S 483 ff

Margit Binz in: Gottesdienstpraxis, I, 3 ( Gütersloh 2003)

Martina Horak-Werz, Gommersheim

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