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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

29. Jun. 08 - 13. Sonntag im Jahreskreis / 6. Sonntag nach Trinitatis  

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
1 Petr 2, 2-10 2 Kön 4, 8-11.14-16a Röm 6, 3-4.8-11 Mt 10, 37-42

Der Verfasser betrachtet die Texte der kath. Leseordnung. Stichworte: soziale und kulturelle Brücken ermöglichen, Mut zum eigenen Standpunkt (2 Kön 4); Sünde behindert Lebensverwirklichung – individuell und global / sozial (Röm 6); Wasser als Lebensgrundlage, Privatisierung und soziale Gerechtigkeit am Beispiel Wasser (Mt 10)

2 Kön 4, 8-11.14-16a

2 Kön 4, 8-11.14-16a ist dem Erzählkranz um den Propheten Elischa entnommen, der als Schüler und Nachfolger des Elija zwischen 850 und 800 v. Chr. im Nordreich wirkte. Die Leseordnung versteht die Perikope entsprechend der Zuordnung zum Evangelium (Mt 10, 37-42) als Beispielgeschichte dafür, wie ein Prophet aufgenommen werden soll und welcher Lohn dafür erwartet werden darf.

Dabei ist die Tat der vornehmen, leider namenlos gebliebenen Frau doppelt bemerkenswert. Zum einen gibt sie ein Beispiel orientalischer Gastfreundschaft, die dem Gast nicht nur das Nötigste zuteil werden lässt, sondern ihn in jeder Weise beschenkt. In einem weiten Verständnis kann solche Gastfreundschaft als eine Haltung verstanden werden, die Anteil am Schicksal des Anderen und Fremden nimmt, und so fundamental gegen soziale Kälte gerichtet ist.

Zum anderen handelt die Frau mutig und couragiert, wenn sie den Propheten und mit ihm den Gott, den er mitbringt, aufnimmt. Wie Elija hat auch Elischa als Mahner gegen den Abfall von Jahwe im Volk und vor allem bei der Oberschicht des Reiches, die vielfach Fremdgötter huldigten, einen schweren Stand. Er wird verspottet und offen verfolgt. Wer ihn aufnimmt, ergreift Partei für ihn und riskiert dasselbe Schicksal. Hier könnte sich die Frage anknüpfen, mit wie viel Mut und Risikobereitschaft wir uns heute für die Sache Gottes, z.B. die Bewahrung der Schöpfung, einsetzen – auch auf die Gefahr hin, etwa als „Gutmenschen“ verspottet zu werden.

Der Mut der Frau und ihre Gastfreundschaft ziehen als Konsequenz Heil nach sich, denn ihr wird ein männlicher Nachkomme geschenkt – die sichtbarste Segnung für eine Frau im Alten Orient.

Röm 6, 3-4.8-11

Im Römerbrief, vermutlich 55/56 n. Chr. geschrieben, richtet sich der Apostel Paulus an die christliche Gemeinde in Rom, die er persönlich nicht kennt. Aufgrund der komplexen und abstrakten theologischen Argumentation gilt der Brief als sein theologisches Vermächtnis. Trotzdem ist Röm nicht nur Lehrschreiben, sondern ein Brief mit dem Anspruch, aufrichtige Kommunikation mit Nutzen für beide Seiten zu betreiben. Deshalb dürfen bei der Auslegung die Adressaten des Briefes in ihrer Lebenssituation und mit ihren konkreten Fragen nicht aus dem Blick verloren werden.

Beherrschendes Stichwort in Röm 6-7 ist das Wort „Sünde“, das in den beiden Kapiteln 36-mal vorkommt (von insgesamt 47-mal in Röm). Diese ausführliche Auseinandersetzung mit „Sünde“ muss für die römischen Christen in irgendeiner Form bedeutsam gewesen sein. Sicher haben sie bei der paulinischen Rede von der Sünde an die eigenen Unzulänglichkeiten gedacht. Aber Paulus beschreibt „Sünde“ in einer Sprache, die an die versklavenden und unterdrückenden Seiten der kaiserlich-römischen Weltherrschaft erinnerte. „Sünde“ wird so gekennzeichnet als Störfaktor, der Leben jetzt spürbar be- und verhindert. Deshalb kann „Sünde“ nicht nur als individuelles, moralisches Fehlverhalten definiert werden, sondern ist auch gesellschaftlich zu bestimmen.

Der Tod der Menschen für die Sünde hat dann auch politische Implikationen. Paulus interessiert sich hier (noch) nicht dafür, ob und wie die Getauften eine Auferstehung nach dem Tod erfahren werden. Wichtig ist ihm das Leben im Hier und Jetzt. Die Überwindung der Todesherrschaft der Sünde macht frei für ein Leben, das das Mittun an den Unrechtsstrukturen des Kaiserreichs verweigert, wo immer das nur möglich ist.

In einem solchen politischen und gesellschaftskritischen Sinn wird heute die Rede vom Tod der Sünde dann relevant und brisant, wo „Sünde“ mit den weltumspannenden Todesmächten unserer Zeit identifiziert wird. Aktualisierend kann danach gefragt werden, welche Strukturen das Leben und die Schöpfung heute weltweit gefährden. Als Aufgabe für Christen ergibt sich daraus, weltweite Unrechtsstrukturen zu benennen und die Stimmen der Opfer deutlich zu verstärken. Weiterhin stellt sich mit Paulus die Frage, „was jetzt möglich ist im Leben derer, die darauf vertrauen, dass die Auferstehung der Toten sein wird und damit eine neue Welt mit neuen Menschen. Wer sich auf den Messias taufen lässt, lässt sich auch taufen auf seinen Tod und seine Auferstehung. Das aber macht ihn zum Genossen der neuen Welt schon jetzt. Und das zeigt sich in der messianischen Praxis, die möglich wird und die gegen die Welt der Sünde und des Todes gelebt wird.“ (Gerhard Jankowski, Die große Hoffnung, Berlin 1998, 141)

Literatur:

Gerhard Jankowski, Die große Hoffnung. Auslegung des Römerbriefes, Berlin 1998

Luise Schottroff, Die Schreckensherrschaft der Sünde und die Befreiung durch Christus nach dem Römerbrief des Paulus, in: dies., Befreiungserfahrungen. Studien zur Sozialgeschichte des Neuen Testamentes, München 1990, 57-72

Mt 10, 37-42

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Das Evangelium enthält den Abschluss der sog. „Aussendungsrede“ (Mt 9, 35 – 11, 1), der dritten von fünf längeren, von Mt komponierten Reden Jesu. In der an die 12 Jünger gerichteten Rede zeigt Jesus auf, was „Jüngersein“ ausmacht. Dabei stellt der Evangelist Jesus so dar, dass Anliegen seiner eigenen Zeit zur Sprache kommen. Für Mt meint Jüngerschaft eine Nachfolge Jesu, die im Einzelnen den Verzicht auf Familie und Besitz um Jesu willen bedeuten kann. Die hier genannten Forderungen betreffen wohl vor allem christliche Wandermissionare, die ohne Besitz und Familie predigend von Ort zu Ort zogen und besonders stark den Anfeindungen der Umgebung ausgesetzt werden. In diesem Kontext erklärt sich die Radikalität der Forderungen.

Trotzdem richtet sich das Evangelium nicht nur an eine kleine, auserwählte Gruppe, die sich in besonderer Weise verpflichtet fühlt, die Nachfolge Jesu zu leben. Wer seinen christlichen Glauben ernst nimmt, kann der Frage der Nachfolge und den Konsequenzen für das eigene Leben und Tun nicht ausweichen.

Nachhaltigkeitsbezug

Anknüpfend an den „Becher frischen Wassers“, der den „Kleinen“ gereicht wird, könnte das Thema „Wasser“ in einer Predigt angesprochen werden. Dazu einige Anmerkungen:

Wasser gehört für uns zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens. Aber das gilt nicht für alle Menschen: Gegenwärtig leben 1,2 Milliarden Menschen vor allem in den südlichen Ländern ohne Zugang zu ausreichendem, sauberem und erschwinglichem Trinkwasser. 2,5 Milliarden haben keinen Zugang zu ausreichenden Sanitäreinrichtungen. 6000 Menschen sterben täglich an Krankheiten, die mit diesen Mängeln zu tun haben.

Wasser ist eine schwindende Ressource, dessen Verfügbarkeit im Laufe der letzten Jahrzehnte erheblich zurückgegangen ist. Zum einen ist die Wasserentnahme stetig angestiegen, zum anderen hat sich die Wassernot in vielen Regionen durch den Klimawandel verschärft.

Wassermangel kann lokale und internationale Streitigkeiten auslösen. Experten befürchten, dass zukünftige Kriege um die Ressource Wasser geführt werden.

Mit der 1995 in Kraft getretenen WTO-Vereinbarung GATS (Allgemeines Übereinkommen über den Handel mit Dienstleistungen) nimmt die Privatisierung der Wasserversorgung, einer sog. Umweltdienstleistung, rapide zu. Unter marktwirtschaftlichen Kriterien wird Wasser zu einer Ware wie jede andere. Damit geraten Kriterien der Nachhaltigkeit außer Blick, denn für in der Regel gewinnorientierten Privatunternehmen sind soziale Verantwortung und Schutz der Umwelt keine Hauptprioritäten. Die Preise werden nicht nach den Bedürfnissen der Menschen und der Umwelt festgesetzt, sondern müssen den Gesetzen des Marktes folgen, um die Gewinne zu maximieren. Die Versorgung mit Wasser in ausreichender Menge und Qualität für alle Menschen gerät damit zusätzlich in Gefahr.

Was geht uns das Wasserproblem an?

Wasser ist eine allen Menschen zustehende, lebensnotwendige Gabe des Schöpfers. Ohne die Verwirklichung des Menschenrechtes auf Wasser ist ein Leben in Würde für alle gefährdet. Deshalb sollte Wasser als Allgemeingut allen Menschen ausreichend zur Verfügung stehen.

Das Wasserproblem stellt sich nicht nur für die, die in Weltregionen mit Wasserknappheit leben. Überall dürfen Eingriffe in den Wasserkreislauf nur innerhalb verantwortungsvoller Grenzen vorgenommen werden, weil der Wasserkreislauf der Erde nicht übermäßig gestört werden darf. Wasser muss überall – auch dort, wo viel Wasser verfügbar ist -, als eine knappe Ressource behandelt werden.

Um die Wasserkrise wirksam anzugehen, muss in größeren Zusammenhängen gedacht und gehandelt werden. Die zunehmende Wasserknappheit spielt sich im Umfeld einer allgemeinen ökologischen Krise ab. Zum Beispiel muss der Treibhauseffekt angegangen werden, um die Folgen der Klimaveränderung zu mildern und den Wasserkreislauf funktionsfähig zu erhalten.

Was kann ich tun?

Auf den ersten Blick scheint es den Menschen in wasserarmen Regionen nichts zu nutzen, wenn hier sorgsam mit Wasser umgegangen und Wasser gespart wird. Global wirkt sich aber aus, wenn wir durch unsere Lebensweise einen Produktionsstil vorleben und exportieren, mit dem ein hoher Wasserverbrauch verbunden ist. Bei der Herstellung eines Autos werden z.B. 20000 Liter Wasser verbraucht; für die Herstellung eines Computers noch mehr. Eine Übertragung unsers Verbrauchsverhaltens auf die ganze Menschheit, würde zu einer raschen Erschöpfung der Süßwasserreserven in vielen Regionen führen. Auch bei der eigenen Ernährung steht der Wasserbedarf auf dem Prüfstand: „Wir essen mehr Wasser als wir trinken“. Viele importierte Früchte (z.B. Zitrusfrüchte, Melonen) zeichnen sich durch hohen Wasserverbrauch aus. Zur Glaubwürdigkeit der Christen gehört ein Lebensstil des respektvollen und verantwortungsbewussten Umgangs mit dem Geschenk „Wasser“.

Das Evangelium macht deutlich, dass der, der sich auf Jesus einlässt, immer wieder neu vor die Frage gestellt wird, was er tun und lassen muss, um der Lebensgemeinschaft mit Gott zu entsprechen und im rechten Verhältnis zu seinen Mitmenschen und seiner Umwelt zu leben. Seine Botschaft will aufrütteln und herausreißen aus einem bequemen, angepassten Alltagstrott zur Mitarbeit am Heilsprojekt einer gerechteren Welt.

Die Größe und Komplexität des Problems „Wasser“ ruft ein Gefühl der Hilflosigkeit hervor. Oft befallen uns Zweifel, ob das scheinbar so Geringe, das wir mit unseren begrenzten Mitteln erreichen, überhaupt angesichts der großen Not in der Welt Gewicht hat. Der von Jesus benannte „Becher frischen Wassers“ ermutigt uns, denn wir dürfen daran glauben, dass die Kraft solcher „kleinen Zeichen und Taten“ in die Heilsökonomie Gottes für diese Welt heilsam aufgenommen wird! Vielleicht ist es im übertragenen Sinne wie ein „Becher frischen Wassers“, den wir an Bedürftige weiterreichen, wenn wir uns dafür einsetzen, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser bekommen, wenn wir so leben, dass der Wasserhaushalt möglichst wenig gestört wird oder wenn wir das uns Mögliche tun, um Wasser zu sparen.

Literatur:

Alfons Weiser, Theologie des Neuen Testaments II. Die Theologie der Evangelien, Stuttgart 1993

www.menschen-recht-wasser.de

Christoph Hof, Andernach

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