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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

1. Jun. 08 - 9. Sonntag im Jahreskreis / 2. Sonntag nach Trinitatis  

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
1 Kor 9, 16-23 Dtn 11, 18.26-28.32 Röm 3, 21-25a.28 Mt 7, 21-27

 Der Autor betrachtet alle Predigttexte des Tages. Stichworte: Solidarität ist wichtig, aber braucht eine (religiös-ethische) Grundlage, um tragfähig zu sein (1 Kor 9 / Röm 3); Strukturen und Weichenstellungen heute wirken weiter in die Zukunft (Dtn 11); Vertrauen auf Gott, Schwangerenberatung am Beispiel des Bistums Speyer (Mt 7)

Exegetische Anmerkungen:

1 Kor 9, 16-23: Paulus erlebt sich im Kern seiner Identität als ein Befreiter. In dieser von Gott in der Berufung mitgegebenen Freiheit ist er nicht auf den Applaus oder auch nur die Zustimmung der Gemeinde angewiesen. Die entscheidende Motivation kommt nicht von denen, denen er begegnet, die ihm zuhören oder ihm gar folgen. Er braucht sie nicht. Denn er erfährt sich als Bedrängter, der sich in seiner Freiheit zugleich gezwungen sieht, die befreiende und heilende Botschaft zu verkünden, um so viele als möglich zu retten. So hat es Paulus auch nicht nötig, sich nach dem jeweiligen Zeitgeist zu richten. Seine Rede vom “Allen alles werden” bedeutet keineswegs, er träte wie ein Chamäleon auf, das sich seiner Umgebung anpaßt und doch ungerührt bleibt, indifferent. Im Gegenteil erlebt sich der Apostel mit dem / der je Neuen in intensiver Solidarität verbunden. Denn wie er sich selbst als auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen weiß, sieht er alle, Juden und Heiden, als der Erlösung bedürftig. Diese Bedürftigkeit allen bewußt zu machen geht einher mit der eindringlichen Botschaft, dass auch Gottes Verheißungen sich an allen erfüllen werden.

Dtn 11, 18.26-28.32: Vor den Einzelbestimmungen in Dtn 12 ff. steht Dtn 11 als zusammenfassende Ermahnung, die mit großem rhetorischen Aufwand, ja Pathos, die wichtigsten Akzente der Einleitungskapitel in Erinnerung ruft. Dabei greift der Text die durch und durch positiven Erfahrungen der zurückliegenden Wüstenwanderung auf. Diese Erfahrungen gilt es beständig zu reflektieren, ohne sich in der Vergangenheit zu verlieren, sondern mit dem Ziel, sie zu aktualisieren, im wahrsten Sinn des Wortes zu vergegenwärtigen. Reflexion zielt nicht auf wohltuende Innerlichkeit und gescheite Sentenzen, sondern auf die Umsetzung in die Praxis ab. Ob und wie das geschieht, ist nicht mehr Gottes, sondern Wille des Volkes. Der Mensch ist in diesem Sinn ungebunden und frei. Doch entbindet Gott ihn nicht von einer Verantwortung, die aus der Vergangenheit schöpft, in der Gegenwart entscheidet und in die Zukunft hinein wirkt. Die Entscheidung hier und jetzt - “heute” - ist die Wahl zwischen Segen und Fluch, Leben und Tod, Gedeih und Verderb sowohl für die aktuell Lebenden wie die nachfolgenden Generationen.

Röm 3, 21-25a.28: Der Abschnitt hat zentrale Bedeutung im Gedankengang des ersten Teils des Römerbriefes. Paulus führt hier in gedrängter Form die These 1, 17 aus, die den Inhalt des “Evangeliums” als “Offenbarung der Gerechtigkeit Gottes” benennt. Das offenbarte und verkündete Heil besteht in der Rechtfertigung des Sünders durch Gottes Tat. Der Mensch braucht nicht (welche Entlastung!) auf sich selbst zu vertrauen, sondern sich kann ganz der schöpferischen Kraft Gottes überlassen. Aber er - davor warnt Paulus - darf sich auch seine Verdienste verlassen, denn das Entscheidende ist dem Menschen geschenkt. Am Kreuz ist das Heil für alle Menschen als Befreiung aus der Wirklichkeit ihrer Sünde geschehen, als von Gott geschenkte Sühne, für Juden wie für Heiden.

Mt 7, 21-27: Zum Abschluß der Bergpredigt weist Jesus darauf hin, dass es Gott allein zusteht, den Menschen moralisch zu bewerten. Seine Einschätzung offenbart sich im Weltgericht, das jeden und jede zur Verantwortung zieht. Sein wesentliches Kriterium besteht darin, ob der Christ seinen Glauben im Handeln unter Beweis gestellt hat. Das bedeutet zwar nicht eine Auflösung der Christologie in Ethik. Doch unterstreicht die Doppelparabel von den beiden Hausbauern noch einmal nachdrücklich, dass Christus den Weg ins Leben für den öffnet, der die geforderte “bessere Gerechtigkeit” (Mt 5, 17-20) praktiziert. Eine reine Gesinnungsethik, die nicht bereit ist, sich an ihren Früchten messen zu lassen, kann vor den Ansprüchen Jesu nicht bestehen.

Predigtskizze: Wo Gott zu Wort kommt, muß niemand auf der Strecke bleiben.

Leben heute vollzieht sich in einer ständig zunehmenden Komplexität, die aus verschiedenen Entwicklungen erwächst. Der Alltag wird immer mehr technisiert und entpersonalisiert. Abläufe werden beschleunigt, Menschen voneinander isoliert. Auch die Sprache unterliegt einer rasanten Entwicklung. Transnational wird Verständigung vereinfacht, zwischen den Generationen Kommunikation erschwert. Was also einerseits effektiv und effizient ist, trägt andererseits zu einer neuen Unübersichtlichkeit des Alltags bei. So wird das Leben in einer von der Globalisierung geprägten Welt zu einer Zumutung, die nicht alle meistern. In einer Welt, die zum Dorf geworden ist, bleiben Menschen auf der Strecke. Eine erste daraus resultierende Frage ist die nach der Schuld an der von den einen begeistert gefeierten, von anderen als tragisch bedauerten Situation. Es wären die relevanten Interessen und Interessierten zu nennen und zum Teil auch anzuklagen. Aber die Texte des Sonntags wollen nicht beim Schwarzen Peter oder einer noch so berechtigten Schelte stehenbleiben. Denn der Mensch im Allgemeinen oder auch der Christ im Besonderen ist nicht nur Opfer. Er ist immer auch mitverantwortlich. Für das, was ist, was geschehen ist, aber vor allem auch für das, was geschehen soll. Wo Schuld ist, ist immer auch Verantwortung, Verpflichtung zum Neuanfang.

Mit Blick auf die Schriftlesungen werden drei Komponenten dieser Verantwortung deutlich:

1. Der Mensch ist - Gott sei Dank - frei. Er ist als freies Wesen geschaffen, wird als Freier aus der Wüste entlassen, ist durch Jesu Tod und Auferstehung befreit von Sünde und Tod. Er ist frei von, aber auch frei zu. In der Betrachtung all dessen, was Gott uns schenkt, geht dem Menschen auf, was er zu tun hat.

2. Entscheidungen, die wir heute treffen (und auch das Nicht-Entscheiden ist ja eine Entscheidung), treffen wir für uns und in der Konsequenz immer auch für die nachfolgenden Generationen. Wir sind mit den Nachkommenden verwoben, wir sitzen aber auch mit denen im selben Boot, die heute leben. Alle wollen leben, alle wollen überleben. Niemand schafft das für sich allein.

3. Was wir tun, geschieht in eschatologischer Perspektive. Im Bemühen, die je “bessere Gerechtigkeit” zu üben, gehen wir auf Gott zu, der uns entgegenkommt, als der, der uns trägt, aber auch über uns richtet.

Der Freiheit, die uns Gott schenkt, steht eine Illusion gegenüber. Sie erhebt sich aus einer Welt, die ich als so komplex und unübersichtlich erlebe, dass ich mir erlaube, frei zu bekennen: “Ich bin Dein Opfer und ich bin entschuldigt.” Wo kein Kläger, da kein Richter, schon gar kein Henker. Ernsthaftes Christentum widerspricht dem. Selbst wenn ich zu der vorliegenden Situation nicht im Geringsten beigetragen hätte (welch wohltuende, ja geradezu behagliche Vorstellung!), bin ich doch berufen, einzugreifen und gegenzusteuern. Umso mehr die Welt und der Mensch in ihr Schaden nehmen, desto dringlicher wird meine Aufgabe. Niemand ist schuldlos, sondern alle und alles ist der Erlösung bedürftig. Und dieser Bedürftigkeit kommt der erlösende Gott entgegen, der aus purer Liebe Undurchsichtiges, Erdrückendes, Vereinsamendes und Trennendes verwandeln will. Aufatmen und Leben, Segen empfangen und Segen spenden, gemeinsam leben und überleben, in einer Gott sei Dank lebenswerten Welt, darauf zielt er ab. In jede Situation hinein dies zu bekennen, zu ermutigen, zu trösten und zuweilen auch dafür zu kämpfen ist die Berufung von Christinnen und Christen in der Welt von heute.

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte:

1. Schuld, Solidarität und Gnade sind global (1 Kor / Röm)

Wo alle und alles der Erlösung bedürftig sind, sitzen alle im selben Boot. Dies gebietet eine Solidarität, die jedes Handeln prägt, aber auch auf Gottes Verheißungen setzt.

Bei der Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit kommt dem biblischen Ethos eine befreiende und stimulierende Funktion zu. Das biblische Ethos erschöpft sich nämlich nicht in der Forderung nach Gerechtigkeit. Das der menschlichen Person Zukommende und Gebührende ist mehr als Gerechtigkeit, nämlich persönliche Zuwendung, Liebe und Barmherzigkeit. So ist die Barmherzigkeit eine Erfüllung der Gerechtigkeit, die diese zugleich überbietet. Eben deshalb hebt die Barmherzigkeit die Forderungen der Gerechtigkeit nicht auf. Die christliche Barmherzigkeit setzt die Gerechtigkeit vielmehr voraus, und sie muss ihre Authentizität in der Motivation und in der Entschlossenheit zur Gerechtigkeit gegen jedermann, im Kampf gegen ungerechte Strukturen und im Einsatz für den Aufbau einer gerechteren Gesellschaft erweisen.

Aus: Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland, 1997

2. Entscheidungen heute sind die Entscheidungen für morgen (Dtn)

Verantwortung und Handeln sind relevant für die aktuell Lebenden, aber auch für die nachkommenden Generationen.

Der Verein BürgerWerkStadtErfurt e.V. hat neben seinem Engagement für eine nachhaltige bauliche Stadtentwicklung in Erfurt das weitere Interessenfeld Projektgruppe “KINDER UND JUGENDLICHE, SCHULE UND BILDUNG - UND DAS, WAS JEDER DAFÜR TUN KÖNNTE” erschlossen. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es nicht ausreicht, Schulen nur mit pauschalen Forderungen zu konfrontieren, dass alles viel besser werden muss. Es ist vielmehr notwendig, dass die gesamte Gesellschaft die Schulen auf ihrem Weg zu Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit unterstützt und begleitet. Die einzelnen Projekte sind auf der Homepage des Vereins www.buergerwerkstadterfurt.de dargestellt.

3. Im Vertrauen auf Gott dem Leben ein tragfähiges Fundament schenken (Mt)

Der Glaube an Gott schenkt den persönlichen Halt, motiviert aber auch dazu, für das Leben anderer einzutreten. Dies gilt bevorzugt denen, “die sich noch nicht und die sich nicht mehr helfen können”. (sel. Paul Josef Nardini).

Im Zuge der Neuordnung der Schwangerenberatung im Bistum Speyer am 1. April 2000 wurde die Bischöfliche Stiftung “Mutter und Kind” gestiftet (www.bistum-speyer.de). Damit will Kirche schwangere Frauen in noch größerem Umfang und nachhaltiger als zuvor unterstützen: durch Beratung, Begleitung und Vermittlung von Hilfen, sowohl vor der Geburt, als auch in den ersten drei Lebensjahren des Kindes. Die Stiftung hat sich drei Schwerpunkte gesetzt:

- Sie unterstützt die katholischen Schwangerenberatungsstellen in der Diözese finanziell und ideell.

- Sie fördert Projekte kirchlich-caritativer Träger zugunsten schwangerer Frauen.

- Sie will die Öffentlichkeit für die Würde der Frau sowie das Lebensrecht und den Schutz der ungeborenen Kinder sensibilisieren.

Daneben arbeiten auf dem Gebiet des Bistums auch zwei Beratungsstellen der Initiative “Donum Vitae” (www.donumvitae.de).

Literatur:

Luz, Ulrich: Das Evangelium nach Matthäus (Mt 1-7) = Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament I/1 (1985)

Rose, Martin: 5. Mose, Teilband 2: 5.Mose 1-11 und 26-34. Rahmenstücke zum Gesetzeskorpus = Zürcher Bibelkommentare: AT, 5 (1994)

Schrage, Wolfgang: Der erste Brief an die Korinther (1 Kor 6,12-11,16) = Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament VII/2 (1995)

Wilkens, Ulrich: Der Brief an die Römer (Röm 1-5) = Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament VI/1 (19872)

Joachim Feldes, Frankenthal

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