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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

25. Mai. 08 - 8. Sonntag im Jahreskreis / 1. Sonntag nach Trinitatis 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
5 Mose 6, 4-9 Jes 49, 14-15 1 Kor 4, 1-5 Mt 6, 24-34

Die Autorin betrachtet alle Predigttexte des Sonntags. Stichworte: Liebe bedeutet Ehrfurcht vor dem Leben aller Geschöpfe (5 Mose 6); bindungsfähig bleiben – Verbundensein mit der Erde als Schöpfung (Jes 49); Haushalten auch mit dem Wort Gottes (1 Kor 4); richtige und falsche Sorge um das Leben – Unterstützung und Erstickung des Lebens in seiner Fülle (Mt 6)

Die Texte:

a) 5. Mose 6, 4-9 (Predigtreihe VI): Das Grundbekenntnis Israels

b) Jes. 49, 14-15 (1. Lesung): Gott verlässt Zion nicht. Auf ihn ist Verlass

c) 1. Kor. 4, 1-5 ( Reihe „A“ , 2. Lesung) Diener Christi und Haushalter

d) Mt. 6, 24-34 (Evangelium) Sorgt für Gottes Gerechtigkeit, Gott sorgt für euch

Gedanken zu den Texten und Folgerungen für „nachhaltige Predigten“

Ad a)

Gott von ganzem Herzen lieben darf nicht heißen, die natürliche Welt zu verachten. Im Gegenteil: die Liebe zu Gott erweist sich in der Ehrfurcht vor dem Leben, das Gott geschaffen hat. Das Leben in jedweder Form und Ausprägung sollen wir als heilig, das heißt als Gott zugehörig ansehen und achten. Wer ein Geschöpf missachtet, missachtet dessen Schöpfer. Denn – in der Sprache der Bibel gesprochen – Gottes Atem wohnt in jedem von ihnen.

Ad b)

Menschliche Bindungen sind brüchig – selbst die engste von allen: die Mutter-Kind-Bindung. Gott jedoch hält seine Versprechen; er steht zu den Bindungen, die er eingegangen ist. Nicht nur mit Israel, nicht nur mit den Christen sondern mit der ganzen Schöpfung hat er einen Bund geschlossen. Bei unserem Umgang mit der Erde gilt es dies zu bedenken. Die Erde ist keine Verfügungsmasse, kein Selbstbedienungsladen der Menschen; sie ist Wohnung und Heimat für das Leben, mit dem sich Gott verlässlich verbunden und verbündet hat.

Ad c)

Wir sind Haushalter über Gottes Geheimnisse. Das treue Haushalten bezieht sich auf das Wort Gottes. Eine direkte Interpretation im Sinne von „nachhaltiges Wirtschaften“ wäre also kurzschlüssig. Vielmehr möchte ich fragen, ob wir als Christen und Schriftkundige Gottes Wort immer treuhänderisch auslegen oder ob wir es zu unserem Vorteil, in unserem egoistischen, anthropozentrischen Sinn interpretieren. Dies wäre an einigen – möglichst bekannten – Texten zu überprüfen. Hier nur drei Beispiele:

„Und Gott sah, dass es gut war.“ Heißt es in Genesis 1 nach jedem Schöpfungstag. Haben wir dies immer so weitergesagt oder haben wir die Welt und die Lebewesen nicht lieber selbst in gut und böse, nützlich und schädlich, besser und schlechter eingeteilt?

Am Ende der Sintfluterzählung setzt Gott an den Himmel den Regenbogen als Merkzeichen „für den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier“. Sagen wir dies immer so deutlich weiter oder verschweigen wir diesen Bundesschluss nicht zu oft, um – je nach Standpunkt – den Bund Gottes mit Israel oder den neuen Bund in Christus größer dastehen zu lassen?

„Es warten alle auf dich, dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit“ heißt es im Psalm 104. Können wir diesen Vers wirklich so nachsprechen wie er gemeint ist oder finden wir die Speise für den Menschen nicht insgeheim doch wichtiger als die Nahrung für die Vögel unter dem Himmel (vgl. auch Mt. 6, 24 ff).

Das Wort ist nach biblischem Verständnis nicht einfach eine Ansammlung von Buchstaben. Das Wort geschieht. Es tut und bewirkt etwas. Es entfaltet seine Energie – im Guten wie im Schlechten. Deshalb ist der haushälterische Umgang mit dem Wort Gottes so wichtig. Unser Verschweigen der göttlichen Heilszusagen für die ganze Schöpfung, unsere anthropozentrisch verengte Tradition der Bibelinterpretation hatte und hat Folgen für unsere Haltung und unser Verhalten gegenüber den Geschöpfen. Diese Haltung gilt es zu überprüfen und zu korrigieren. Dann kann sich auch unser Verhalten ändern.

Ad d)

Bei diesem Text gibt es mehrere Ansätze für nachhaltige Predigten. Ich will für dieses Mal bei dem Stichwort „Sorge“ ansetzen:

Die Vögel sorgen sich um ihre Jungen. Sie versorgen sie unermüdlich. Sie arbeiten hart, aber sie legen keine Vorräte an, solange sie ihre Brut zu versorgen haben. Sie sorgen für das Notwendige. Diese Sorge dient dem Leben. Übermäßige, maßlose, falsche Sorge hingegen kann töten: die übermäßige Sorge um die Energieversorgung brachte Menschen dazu, Kernkraftwerke zu bauen, ohne die Technik zu beherrschen, ohne eine verantwortbare Lösung für die radioaktiven Abfälle zu haben. Die schlimmen Folgen konnte ich vor einigen Jahren in Minsk in einem Sonderkindergarten für Strahlenopfer und einer Polyklinik für Kinder sehen.

Wir sollten uns in der Tat um das Weltklima sorgen. Wir sollten für den Erhalt von Lebensräumen sorgen. Es ist die falsche, kurzsichtige Sorge um uns selbst, um unseren Wohlstand, unseren Lebensstandard und Lebensstil – z.B. um unsere grenzenlose Mobilität, die uns an einem sorgsamen Umgang mit Lebewesen und Lebensräumen hindert.

Die falsche Sorge, Rind- und Schweinefleisch könnte teurer werden, verhindert, dass wir uns um das Wohl der Tiere sorgen, dass wir für bessere Haltungsbedingungen und das Ende von tierquälerischen Schlachttransporten sorgen.

Es fehlt uns am Vertrauen, dass Gott weiß, was wir zum Leben brauchen. Es fehlt uns am Vertrauen, dass der Kuchen für alle reicht, wenn wir uns nicht selbst das größte Stück abschneiden sondern einfach nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit streben. Dieses Vertrauen gilt es wiederzugewinnen, gilt es einzuüben, gilt es vorzuleben.

Wer in dem Vertrauen lebt, dass Gott für ihn sorgt, der hat Kopf und Hände frei, um für das Leben zu sorgen.

Man könnte diesen Text auch im Anschluss an eine Vogelwanderung und/oder eine botanische Exkursion predigen. In diesem Falle würde ich bei dem (aus der weisheitlichen Tradition kommenden) Gedanken ansetzen, die Vögel (vermutlich ist an die Raben gedacht) und die Feldblumen als Vorbild für den Menschen darzustellen.

Fundstück: eine Predigt Martin Luthers, (abgedruckt in den Göttinger Predigtmeditationen 1961)

„Nun gibt es zwei Gleichnisse, die sind so höhnisch und spitzig, dass sich einer zu Tode schämen müsste vor diesem Evangelium. Wenn wir die Ohren nur halb auf täten, so würden wir erschrecken. Es geht mancher Bauer oder Bürger über seinen Acker und sieht so viel Blümlein und Vöglein: so müsst er erschrecken. Alle Blümlein und Vöglein haben das Evangelium am Hals geschrieben und lehren: „Wie ein abgöttischer Tropf bist du, der du dem Mammon dienst. Jede Blume und jeder Vogel ist frömmer denn du; denn jene dienen dem Evangelium und ist ihnen das Evangelium doch nur auf die Federn geschrieben, dir aber in den Mund, auf die Haut, ins Herz“… Dieses Vöglein singt als sein Metten, sein Te Deum laudamus. Wenn du aber fragen wolltest: „Ei liebes Vöglein, warum bist du so fröhlich? Wo ist dein Koch und dein Keller ?“ so wird es sagen: „Ich arbeite nicht, ich säe nicht, ich ernte nicht, ich sammle nicht in Scheunen, aber ich habe einen Vorrat und einen Koch, der heißt himmlischer Vater“ … Wäre es nicht gut, wenn ein Mägdelein ihren Kranz ansähe? So viel Blumen sie trägt, so viel Doktoren hat sie, die da sprechen: „Siehe, wie einen schönen Rock habe ich!“ … Die Frommen aber sehen Vögel und Blumen mit Verwunderung und lernen an den beiden, nämlich also: Wenn Gott das seinen Kreaturen tut, sollte er nicht mich kleiden und nähren ? … Einem jeglichen ist es auferlegt, dass er arbeite. Auch der Vogel hat seine arbeit, fliegt hin und wieder nach dem Körnlein, singt und zieht seine Jungen auf. Das sind seine Arbeiten. Also müssen auch wir tun …

Heike Krebs, Bellheim

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