Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

4. Mai. 08 - 7. Sonntag der Osterzeit / 6. So. n. Ostern (Exaudi) 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Röm 8, 26-30 Apg 1, 12-14 1 Petr 4, 13-16 Joh 17, 1-11a

Die Autorin geht auf alle Texte des Sonntags ein. Stichworte: Reagieren auf übermächtig erscheinende Probleme und Aufgaben, Globalisierung, Kraft schöpfen durch das Gebet, christliche Wege

Stellung im Kirchenjahr

Es ist der letzte Sonntag des Osterfestkreises, am darauf folgenden Sonntag wird das Pfingstfest gefeiert. Die Texte handeln alle davon, wie es gelingen kann, nach Ostern und Himmelfahrt das Leben als Christen, als christliche Gemeinde zu gestalten.

Exegetische Hinweise

Der Text aus dem 8. Kapitel des Römerbriefs sagt uns, den Erlösungsbedüftigen, die Unterstützung des Geistes Gottes zu. Wir wissen nicht, wie wir in rechter Weise zu Gott beten sollen. Doch der Geist vermittelt zwischen uns und Gott, so dass Gott auch unser Seufzen versteht (V26). Gott wird auch das Leid zum Guten wenden (V28). Wir alle sind zur Ebenbildlichkeit mit Jesus Christus – auch in seiner Auferstehung – gerufen; das ist Weg und Ziel der Erlösung. Dabei geht es in V 30 nicht um eine zahlenmäßige Begrenzung der Erlösten, sondern um die allem menschlichen Maßstäben vorgreifende Entscheidung Gottes für die Menschen.

Im Text aus dem 1. Kapitel der Apostelgeschichte werden noch einmal alle Apostel als Zeugen des Lebens und der Auferstehung Jesu Christi namentlich aufgezählt (V13). Auch die Frauen sind Lukas wichtig (V14). Betend steht diese Gemeinde in der Nachfolge Jesu.

Der gesamte Abschnitt im 4. Kapitel des 1. Petrusbriefes ist überschrieben mit „Ausdauer in der Prüfung“. Es geht um die Prüfung im Leiden und durch das Leiden. Dies ist für die Christen nichts ungewöhnliches, da ja auch Christus selbst gelitten hat (V13). In V 14 und V 16 geht es ausdrücklich um das Leiden um Christi willen. Diesen Menschen gelten die Seligpreisungen in Mt 5, 10 f. Möglicherweise wird in diesem Text auf die Christenverfolgung unter Kaiser Domitian in Kleinasien um 96 n. Chr. Bezug genommen.

Das 17. Kapitel des Johannesevangeliums ist das Abschiedsgebet Jesu. Es nimmt Bezug auf die Abschiedsrede Jesu in den vorausgehenden Kapiteln und nimmt diese mit Blick auf die zurückbleibende Jüngergemeinde betend auf. „Verherrlichung“ meint die Seinsweise Gottes im Unterschied zur vergänglichen Seinsweise der Menschen (V1,4,5,10). Ewiges Leben heißt, Gemeinschaft mit dem verherrlichten Christus und dem Vater zu haben (V2+3). Dabei geht es um die Menschen, die erkannt haben, dass Jesus vom Vater gesandt ist. So sind sie Eigentum Gottes (V8+9). Diese Menschen müssen nach dem Weggang Jesu in dieser Welt bestehen (V11) und brauchen dafür den Beistand des Gebetes.

Nachhaltigkeitsbezug

Wie verhalten wir uns angesichts des Leides und der Not in der Welt? Wie reagieren wir auf die Vielzahl und die Komplexität der Probleme, die es weltweit zu lösen gilt? Wie verhalten wir uns angesichts einer Globalisierung, die es immer mehr unmöglich erscheinen lässt, Probleme vor Ort zu lösen? Wir ziehen uns zurück. So wie sich die Jünger nach dem Tod und der Auferstehung Jesu in das Obergemach nach Jerusalem zurückgezogen haben (Apg 1). „Da hilft nur noch Beten“. Diesen Ratschlag scheinen sie sehr ernst genommen zu haben. Und oft gibt es auch für uns Situationen, in denen scheinbar nur noch Beten helfen kann. Dieses Beten ist wichtig, gerade angesichts von Leid und Not. Das führt uns auch der Text aus dem Johannesevangelium vor Augen. Aber Jesus schafft es sogar in dieser Situation des nahen Todes, des Abschieds von dieser Welt, nicht für sich, sondern für andere, für seine Jünger zu bitten. Und die Apostelgeschichte geht weiter, es bleibt nicht beim Beten im Obergemach. Pfingsten naht. Bald schon werden die Jünger mit Heiligem Geist gestärkt. Dieser bewirkt, dass sie nach außen gehen, dass sie sich raus trauen, zu den Menschen, zu ihren Problemen und Sorgen, zu ihrem Leid. Dass sie von Jesus erzählen und sich auch durch die Bedrohung mit dem Leben, in den ersten Christenverfolgungen (vgl. 1. Petrusbrief) nicht abschrecken lassen.

Das kann Mut machen, auch uns heute. Das ist der Sinn des Betens, des Rückzugs und der Meditation. Sich nicht zurückziehen von den Problemen der Welt, sich nicht resigniert in die Innerlichkeit stürzen. Christliche Meditation und christliche Spiritualität stehen in engem Zusammenhang mit einem klaren Engagement in und für diese Welt. Mystik und Politik – beides gehört zusammen und jedes für sich birgt Gefahren in sich. Wer sich nur dem rastlosen Sorgen für eine bessere Welt verschreibt, wird ausbrennen oder resignieren. Wer sich in der Innerlichkeit zurückzieht, überlässt die Verbesserung der Welt anderen. Nur in die Verbindung von beiden liegt der christliche Weg zur Erlösung.

Pia Arnold-Rammé, Frankfurt/Main

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz