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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

20. Apr. 08 - 5. Sonntag der Osterzeit / 4. So. n. Ostern (Kantate)

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Offb 15, 2-4 Apg 6, 1-7 1 Petr 2, 4-9 Joh 14, 1-12

Die Autorin betrachtet den Text der ev. Reihe VI und den kath. Evangeliumstext. Stichworte: Verselbständigung unserer materiellen Bedürfnisse, der Versuchung des Tieres widerstehen und den richtigen Platz einnehmen (Offb 15); Integration / Desintegration, die Sicherung der Grundbedürfnisse durch Überfluss garantiert kein würdiges Leben, Achtung vor dem Denken anderer, das Leben, wie Jesus es verheißen hat (Joh 14)

Wir stehen im österlichen Festkreis und auch die Texte atmen die Botschaft des österlichen Lebens: den Sieg über den Tod und die Herrschaft Gottes über die Schöpfung (Offb 15, 2-4), die Bereitschaft zur Gerechtigkeit und zum Teilen (Apg 6, 1-7), der Ruf aus der Finsternis in sein wunderbares Licht (1 Petr 2, 9) und die Aussage Jesu, Weg, Wahrheit und das Leben zu sein (Joh, 14, 6).

Offb 15, 2-4

Zum Text:

Sinn des wunderbaren Hymnus, des Liedes derer die siegen werden ist es, die Gläubigen zu stärken und zum Aushalten zu ermutigen nach den schon erlittenen Qualen (12, 7) und den noch zu erwartenden (15, 5-8). Das Lied mit Zitaten aus den Propheten und den Psalmen ist ein Lied der Befreiung, sowohl für das Volk des Alten (Moses) als auch des Neuen Bundes (das Lamm = Christus). Diejenigen die das große Tier, das Standbild und die Zahl seines Namens besiegt hatten, sangen das Lied. Sie sind diejenigen, die der Versuchung durch das Tier (göttliche Verehrung des römischen Kaisertums) widerstanden haben.

Bezug zur Nachhaltigkeit:

Unsere heutige Zeit bietet uns, so wie es alle Epochen den Menschen geboten haben, diverse Götter. Auf subtile und vielfältige Weise (Werbung, rasante modische und technische Veränderungen ...) wird uns ständig vorgegaukelt, was wir denn eigentlich „anbeten“ sollten, um „in“, konkurrenzfähig und auf der Höhe unserer Zeit zu sein.

Hineingezogen in diesen Strudel, besteht die Gefahr der unbewussten Verselbständigung der eigenen materiellen Bedürfnisse; sie werden immer größer und zum Mittelpunkt unserer Welt. Wir leben auf einem Standard, der unmöglich aufrechterhalten werden könnte, sollten alle Menschen an ihm teilhaben. Wir verlieren das Empfinden dafür, dass wir nur ein kleiner Teil der Menschheitsfamilie sind und auch all die vielen Millionen anderer Menschen Bedürfnisse und Rechte haben auf die notwendigen Ressourcen von Energie und anderen Gütern, die sie für ein menschenwürdiges Leben brauchen. Diese Ressourcen unserer gemeinsamen Erde sind nicht unerschöpflich aber sie wären ausreichend, wenn sie gerecht verteilt würden. Wer sich dem Sog des Konsumverhaltens zu widersetzen vermag, erkennt die Versuchung des Tieres in den Abhängigkeiten unserer Gegenwart, die in immer neuen Angeboten Lebenssinn vorgaukeln. Er erkennt, dass die Überfülle letztlich nicht das Leben in Fülle (Joh 10, 10) sondern einen Mangel an Leben nach sich zieht. Wo nicht das „Tier“, sondern Gott den Platz im Leben einnimmt, der ihm zusteht, nimmt der Mensch den ihm zukommenden Platz und seine Aufgabe in der Schöpfung wahr und vermag sein ungezügeltes Konsumverhalten in diesem Zusammenhang neu zu sehen und zu ordnen. Er vermag sich einzuschwingen und einzustimmen in den Rhythmus des Liedes „zu Ehren des Lammes“: Groß und wunderbar sind Deine Taten, Herr Gott und Herrscher über die ganze Schöpfung“ (15, 3).

Joh 14, 1-12

zum Text:

Ist es nicht der Wunsch eines jeden Menschen, die Wahrheit, den Weg zu wirklich erfülltem Leben zu finden? Jesus sagt von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. . . „ (14, 6). Wie sieht es aus, das Leben, das Jesus hier für sich in Anspruch nimmt? Er hat gerade jenen Menschen, die ausgegrenzt waren, z.B. durch Krankheit – die blutflüssige Frau (Mk 5, 29); ein Aussätziger (Mt 8, 3); ein Blinder (Mk 8, 25) und zahlreiche andere Kranke – oder von der Gesellschaft diskriminierte Menschen wie Levi (Mk 2, 14) und die Sünderin (Lk 7, 47) das Leben wieder zurückgegeben. Das bedeutete für sie u. a. die Würde zurück zu erlangen, die ihnen von Gott her zugedacht war. Es bedeutete, wieder in die Gemeinschaft der Menschen aufgenommen zu werden, aus der sie wegen ihrer Unreinheit oder vermeintlichen Gesetzeswidrigkeit ausgeschlossen waren.

Bezug zur Nachhaltigkeit:

Auch heute ist ein Großteil der Menschheit ausgegrenzt von einem menschenwürdigen Leben: es sind z. B. neoliberale Wirtschaftssysteme, Kriege und vermehrte Dürreperioden, die zur Ausbreitung der Wüstenbildung insbesondere in den Entwicklungsländern Afrikas führen. Dies ist der Grund, aus dem viele Menschen ein Dasein unterhalb der Armutsgrenze fristen, in dem nicht einmal die Grundbedürfnisse nach Nahrung, Wohnung und Gesundheit gedeckt sind. Das Leben, das Jesus verheißt, nimmt diese Grundbedürfnissen des Menschen indessen ernst, erschöpft sich jedoch nicht darin, sondern baut darauf auf. Andererseits können wir uns fragen, ob wir dadurch, dass die meisten Menschen in unseren Breitengraden in materiellem Wohlstand leben und es uns an nichts wirklich Lebens – notwendigem fehlt, wirklich schon das von Jesus gemeinte LEBEN haben. Die Änderung des Blickwinkels kann uns zeigen, dass wir aus der Sicht von Menschen auf der anderen Seite der Erde gerade auf Grund unseres mutmaßlichen Wohlstandes z. B. als bedauernswerte Geschöpfe angesehen werden, die gar nicht merken, welchen Zwängen sie unterliegen. Materielle Güter tragen zweifellos zu einem würdigen Leben bei – aber sie sind nicht alles. Der Brief einer Mitschwester, die seit einigen Monaten in Papua / Neuguinea lebt und arbeitet, macht dies deutlich:

„... Für die Leute, die wirklich aus dem Busch kommen, ist ein Aufenthalt hier in Par (kleiner Knotenpunkt mit Krankenhaus, Schule, Kirche und Tagungshaus) so etwas wie eine Reise nach Berlin. Neulich waren 60 Kinder aus Keman da, einer Außenstation, die nur nach neunstündiger Wanderung bergauf, bergab zu erreichen ist. Für sie bedeutete die Woche bei uns: zum ersten Mal im Bett schlafen; zum ersten Mal essen mit Besteck am Tisch und auf Stühlen; zum ersten Mal duschen; der erste Videofilm ihres Lebens, die erste Eiscreme. Stellt Euch vor, manche hatten noch nie zuvor ein Auto gesehen. Als ich miterlebte, wie aufgeregt und dankbar sie alles aufnahmen, konnte ich nicht anders als beschämt denken: Wie anspruchsvoll bin ich eigentlich. Derselbe Gedanke überfällt mich auch regelmäßig, wenn ich die Leute besuchen gehe. In ihren Hütten befindet sich so gut wie nichts: weder Tisch, noch Stühle, noch sonstige Möbel; vielleicht ein paar Tassen und eine Pritsche als Bett - das ist alles. Dagegen sind unsere Schrebergärten und Wohnwagen in Europa die reinsten Luxusappartements. Wenn ich dann aber vom Leben in Deutschland erzähle, dreht sich der Spieß um. Es erfüllt die Leute mit aufrichtigem Bedauern: ‚Was? Sie haben keine Gärten und müssen ihr Essen kaufen? Sie arbeiten acht Stunden am Tag und können nicht selber entscheiden, was sie wann tun wollen? Sie bezahlen Steuern, zahlen für Wasser und ihre Häuser? Wirklich arm dran.’ Und stolz fahren sie fort: ‚Papua / Neuguinea ist ein gutes Land. Wir sind frei und leben ein freies Leben. Was wir zum Leben brauchen, holen wir uns aus dem Busch und aus unseren Gärten. Wir haben Wasser, Sonne und Zeit so viel wir wollen.’“ (Sr. Anna Damas, Steyler Missionarin)

Dieser Bericht zeigt uns einige unserer Lebensumstände mal in einem ganz anderen Licht, als wir es gewohnt sind. Der Blickwinkel von Menschen, die aus unserer Sicht sicher in einer niedriger entwickelten Kultur leben, kann uns vielleicht auch helfen, unsere Lebensweise mal kritisch aus der Distanz heraus zu betrachten. Diese Distanz kann uns außerdem vielleicht helfen, die Wichtigkeit von vielen materiellen Gütern zu relativieren! Sie kann uns helfen, Achtung vor dem Denken anderer zu lernen! Sie kann uns wiederum den Blick öffnen für eine andere Dimension des Lebens, nämlich der, die Jesus verheißen hat!

Anregungen für ein Gespräch:

- Können wir als Familie, Gemeinschaft, Gemeinde etwas dazu beitragen, dass Menschen, denen es auch auf Grund unseres oft unreflektierten Konsumverhaltens an Lebensnotwendigen fehlt, in Würde leben? Um Gebrauchsgegenstände billig verkaufen zu können, werden Menschen unter unwürdigen Arbeitsbedingungen als Billigarbeitskräfte beschäftigt. Durch den Konsum von Billigprodukten unterstützen wir diese Politik.

- Könnten wir der Energieverschwendung entgegenwirken und z. B. unseren „ökologischen Fußabdruck“, ein Vergleich von unserem Verbrauch der natürlichen Dienstleistungen mit der Fähigkeit der Erde, diese auch bereitzustellen, herausfinden und gegebenenfalls verändern?

- Der Brief aus Papua / Neuguinea will uns einladen, unsere Prioritäten und all das, was so selbstverständlich für uns zum Leben ist, mal aus einem anderen Blickwinkel heraus kritisch anzusehen. Wo leben WIR in unserer Wohlstandgesellschaft in „Unwürde“ und merken es vielleicht gar nicht?

Quellen

Biblia de America, La casa de la Biblia 1994, Madrid

Lexikon der Nachhaltigkeit, (Internet) Stichwort: Ökologischer Fußabdruck

Sr. Annette Fleischhauer ssps, Mainz

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