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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

13. Apr. 08 - 4. Sonntag der Osterzeit / 3. So. n. Ostern (Jubilate) 

ev. Reihe VI kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.
Apg 17, 22-28a (28b-34) Apg 2, 14a.36-41 1 Petr 2, 20b-25 Joh 10, 1-10

Der Autor betrachtet den Predigttext der ev. Reihe sowie die beiden kath. Lesungstexte. Stichworte: Richtungswechsel / Sinneswandel im Umweltschutz – niemand kann sich mehr auf Unwissenheit berufen (Apg 17); generationenübergreifendes Denken, die Wiederkunft Jesu findet jederzeit statt, Shalom als allumfassende Friedensordnung (Apg 2); im Falle des Sklavendaseins Trost und Hoffnung finden, beim Erfahren von Ungerechtigkeiten bewußt bleiben (1 Petr 2)

Apg 17, 22-34: Die Rede des Paulus auf dem Areopag

Die berühmte Areopagrede des Paulus in Apg 17 erweist sich in zweierlei Hinsicht als gut geeignet um über Gott und seine Schöpfung zu predigen.

- Zum einen enthält die Rede in den Versen 24-28a ein breit ausgeführtes Lob auf Gott als den Schöpfer der Welt und der Menschen. Er hat der Schöpfung nicht nur die Existenz geschenkt, als die Quelle alles Lebendigen. Er ist auch der Ursprung aller ihrer Ordnungen. Beispielhaft wird dies an den Menschen ausgeführt, deren Lebenszeit er festlegt und den Ort an dem sie wohnen. (Die Identifkation dieses Ortes mit dem Gelobten Land oder gar mit bestimmten staatlichen Grenzen überdehnen das hier Gesagte auf unzulässige Weise.) Das Dichterzitat in Vers 28a vielleicht in Anlehnung an Dion Chrysostomos oder Epimenides ebenso wie das Zitat des Stoikers Aratos aus dem Gedicht „Phaenomena“ weisen auf den Denkhorizont der stoisch geprägten Zuhörerschaft der Predigt (und der Leserschaft der Apostelgeschichte?) hin. Seine Gottesverwandtschaft wird quasi als naturhafte Abstammung des Menschen von Gott verstanden. Die Nähe von ihm und das Leben in ihm ergeben eine pantheistische Sicht auf Gott, der alles Lebendige durchdringt. Die Biblische Schöpfungstheologie setzt andere Akzente. Sie weiß um die Distanz zwischen Gott und seiner Schöpfung. Darin ist die Möglichkeit der Freiheit begründet. Die Betonung der Gottesebenbildlichkeit des Menschen beschreibt allerdings doch eine spezifische Nähe Gottes. Sie bedeutet im Licht der biblischen Schöpfungsaussagen, die schaffende, lebensspendende, ordnende Gegenwart Gottes in seiner Schöpfung. Auf der anderen Seite erlaubt die Nähe Gottes zu seiner Schöpfung keienswegs seine Verehrung in greifbar-materieller Gestalt.

Das Lob des Schöpfers ist der Grund und Ausgangspunkt der Liebe zur Schöpfung und des Respekts vor allen Geschöpfen. Die Erkenntnis der Distanz zwischen uns als den Geschöpfen und Gott als dem ewigen Urheber fordert uns auf zur Bescheidenheit und ist eine Warnung vor menschlicher Hybris. Das Bekennnis zu Gott als dem Schöpfer der Welt bewahrt uns aber auch vor der unkritischen Vergöttlichung der Natur. Sie ist zwar Gottes Schöpfung, aber eben Schöpfung und nicht Gott selbst.

- Zum anderen bietet der Bußruf des Paulus einen Anlass, um über den dringend notwendigen Richtungswechsel der Umwelt gegenüber zu sprechen. Die nach den klassischen Regeln der antiken Rethorik aufgebaute Rede des Paulus (exordium Vers 22 + 23, narrratio Vers 24-27, argumentatio Vers 28+29) endet mit Vers 30+31 mit der conclusio. Darin steht die Aufforderung zur Buße, d.h. zur Umkehr, zum Sinneswandel. Bei der Betrachtung der Schöpfung ist wegen der in ihr enthaltenen Nähe des Schöpfergottes ein „fühlen und finden“ (Vers27, Lutherübersetzung) Gottes möglich, das jetzt durch die Verkündigung des biblischen Gottes auf den Punkt gebracht wird. Jetzt ist sozusagen die intellektuelle und existenzielle Bedeutung des Schöpfungsbekenntnisses offenbar und offensichtlich. Deshalb kann und muss Paulus zur konsequenten Überwindung des Zeitalters der Unwissenheit das zugleich das Zeitalter des Unglaubens ist, aufrufen (Vers 30). Niemand kann sich von nun an darauf berufen, er habe es nicht gewusst, er habe die Folgen seines Beharrens in alter Unwissenheit nicht absehen können er habe den Ruf zum Glauben an den Schöpfergott und den Ruf zur Umkehr im Umgang mit seiner Schöpfung nicht gehört.

Die Welt gehört Gott, ihrem Schöpfer und nicht dem Menschen, der zwar ein besonderes aber eben nur eines der Geschöpfe Gottes ist. Respektlosigkeit vor der Schöpfung ist zugleich Respektlosigkeit vor dem Schöpfer. Jeder ist aufgefordert über seinen Irrweg nachzudenken und für sich nach dem Ort der Umkehr zu suchen. Ausreden sind keine zulässig, weil jeder die Nähe des Schöpfers in der Schöpfung fühlen und finden kann und weil die Verkündigung des Schöpfergottes dieses Gefühl und diese Suche zur Sprache bringt, ihm zum Wort verhilft. Die Erkenntnis drängt zum Bekenntnis und der Glaube zur Tat.

In den Texten der katholischen Reihe sind höchstens ansatzweise nachhaltige Inhalte erkennbar.

Apg 2, 36-42: Die Bekehrung von 3000 nach der Pfingstpredigt des Petrus

Paulus weist in Apg 2, 39 auf die Folge der Generationen hin, denen die Verheißung Gottes gilt. Da mag man Römer 8, 19-21 mit denken und mit anführen, wo die Verheißung Gottes auf seine ganze Schöpfung ausgedehnt wird. Theologisch viel bedeutsamer ist der in diesem generationenübergreifenden Denken enthaltene Hinweis auf die Veränderung der eschatologischen Perspektive. Begegnet uns noch in den Paulusbriefen un im Markusevangelium die Vorstellung von der unmittelbaren Nähe der Wiederkunft Christi, so hat sich dies bei Lukas – unter dem Eindruck der sogenannten Parusieverzögerung – verändert. Es gilt nun nicht mehr, der Herr kommt bald; das Ende dieses Äons bricht offensichtlich nicht mehr innerhalb der Lebensspanne der jetzt Existierenden an. Das eschatologische Ereignis wird bei Lukas jederzeit erwartet; wer so denkt, für den hat die Frage nach der Gestaltung der Welt und der Übernahme von Verantwortung einen hohen Stellenwert; er rechnet nicht mehr mit dem kurzfristigen Ende dieser Schöpfung.

Das Bild vom Hirten in Joh 10 knüpft nicht an gnostische Vorstellungen vom Seelenhirten an, der die Seelen der Erleuchteten sammelt und ihnen die Tür zur Lichtwelt öffnet. Jesus der gute Hirte ist dazu eine Gegenentwurf, der an die alttestamentliche Botschaft von Gott als dem guten Hirten (Ps 23; 74; 95) und seinem Gesalbten, der ein wahrer Hirt sein wird (Jer 23; Hes 34) anknüpft. Im Unterschied zu den Dieben, die nur auf ihren Gewinn aus sind - auf Kosten der ihnen anvertrauten Wesen - wird der Hirt Gottes bzw. Gott der Hirt, Leben im umfassenden Sinn schenken. Joh 10, 10b assoziiert Vorstellungen vom Shalom als allumfassender Friedensordnung, die Harmonie mit der Schöpfung, Gerechtigkeit für alle Menschen und Frieden für alle Nationen einschließt.

1 Petr 2, 20b – 25: Mahnung an die Sklaven Jesus der Bischof der Seelen

Die größten Widerstände ruft bei mir der Text aus dem 1. Petrusbrief wegen seines Gesamtzusammenhangs hervor. Er stammt aus einer Ermahnung an Sklaven. Sie sollen um Christi willen sich in ihr Sklavenschicksal fügen. Der Leidende und Gekreuzigte Christus wird ihnen zum Vorbild hingestellt, dem die Sklaven dann folgen, wenn sie ihr Sklavendasein und das damit verbundene Unrecht geduldig erleiden. In solchen Zusammenhängen wird die tröstende Kraft des christlichen Glaubens - auch in scheinbar ausweglosen Situationen - verkehrt in die Aufforderung, vorfindliche ungerechte Zustände widerstandslos hinzunehmen. Dies mag ein Zugang sein, um Widerspruch anzumelden gegen die Haltung, die im Petrusbrief erkennbar wird und die leider immer wieder das Muster abgegeben hat für billigen Trost an gesellschaftliche Verlierer. Daran kann die Aufforderung angeschlossen werden, sich mit den gegebenen Vorurteilen gegen nachhaltiges Wirtschaften, mit den Machtverhältnissen in der globalisierten Wirtschaft und mit der Fortsetzung der Politik mit militärischen Mitteln nicht abzufinden.

Gottfried Müller, Speyer

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